Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 3. August 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Katastrophe für die Ärmsten

2. August: „Lebensmittel immer teurer – so geht es mit den Preisen weiter. Pro Kopf 250 Euro Mehrkosten im Jahr. Hamburger weichen auf Sonderangebote und Eigenmarken aus“

Nicht nur Speiseöle, Nudeln und Fleisch sind deutlich teurer, sondern auch Obst, Gemüse und sämtliche Milchprodukte. Meine Lieblingsmilch und ein bestimmter Harzer-Roller kosteten immer 99 Cent, 2022 dann 1,29 bzw. 1,39 und seit drei Wochen bei Aldi und Penny 1,79 Euro. Der Preis für Butter stieg um 100 Prozent. Diese extremen Erhöhungen haben nichts mit höheren Futterkosten im Sommer zu tun oder mit gestiegenen Energie- und Transportkosten – das ist nicht mehr glaubwürdig. Wenn sich die Energie- und Ölkonzerne oder Reedereien unverschämte Milliardengewinne einstecken dürfen, ohne dass die Bevölkerung eine Revolution anzettelt, dann ist das wie ein Freibrief für andere Branchen, sich ebenso zu bedienen. 250 Euro Mehrkosten pro Kopf im Jahr für Lebensmittel werden da nicht ausreichen und werden für den Konsum bei anderen Gütern eingespart werden müssen. Im Frühjahr wurden sehr hohe Preise für Spargel und Erdbeeren prognostiziert. Da die Nachfrage ausblieb, waren die Preise eher niedrig, ein Abernten lohnte nicht mehr, und wertvolle Lebensmittel wurden untergepflügt. Der Erdbeerkönig Benno Glantz verkündete schon, die Anbauflächen im nächsten Jahr drastisch zu reduzieren. Freuen wir uns also auf Erdbeeren und Spargel aus Spanien und Griechenland. Sieht die Regierung nicht, dass die gestiegenen Lebensmittelpreise an die Substanz der Menschen gehen und besonders für Rentner und die Ärmsten im Lande eine Katastrophe sind? Wer sich Obst, Gemüse oder Milch nicht mehr leisten kann, dem fehlen wichtige Vitamine, so dass auch die Gesundheit gefährdet wird. Bekommen „die da oben“ eigentlich noch mit, wie es den einfachen Menschen, die am Existenzminimum vegetieren müssen, im Moment geht? Soziale Verantwortung sieht anders aus.

Dietmar Johnen-Kluge

Geringen Konsum positiv sehen

2. August: „Konsumstimmung so schlecht wie seit Jahren nicht“

Die Meldung, die auf den ersten Blick erschreckend zu sein scheint, hat durchaus auch Aspekte, die positiv gesehen werden können und Chancen bieten. Ein geringerer Konsum ist doch im Grunde genau das, was wir sowohl in der Energiekrise als auch in der Klimakrise dringend brauchen. Konsumgüter verbrauchen in Herstellung, Transport und Vermarktung Massen von Energie und produzieren große Mengen Treibhausgase. Der Tag, an dem wir schon mehr Ressourcen verbraucht haben, als die Natur wiederherstellen kann, liegt bereits hinter uns und eigentlich müsste Konsumverzicht unser aller Ziel sein. Die damit zurzeit noch verbundenen Ängste vor Firmenpleiten und Arbeitsplatzverlust müssen wir allerdings auch ernst nehmen. Was wir dringend brauchen, ist eine Anpassung unserer Gesellschaft, um diesen Herausforderungen Herr zu werden.

Michaela Lorscheider

Gleiche Bezahlung für alle

2. August: „Eine Reise, ein Rausch – und jetzt eine Bitte. Mit dem Vize-Europameistertitel können die DFB-Frauen dann gut leben, wenn von der Begeisterung etwas bleibt“

Die spielerische Eleganz aller Fußballerinnen der Spiele um die Europameisterschaft, ihr strategisches Geschick, ihre Kondition und ihr Kampfesmut machen es unabdingbar, für gleiche Bezahlung aller zu kämpfen, die beruflich Fußball spielen. Beim HSV z.B. sollte niemand auch nur einen Euro mehr verdienen, als in den Mannschaften des Frauenfußballs der gleichen Liga verdient wird. Mit Ausnahme der Mitglieder der Leitungsorgane der Vereine natürlich. Immerhin leben ganze Sportredaktionen von der offenbar unsterblichen Hoffnung, dass dort verdient wird, was dort verdient wird.

Dr. Uwe J. Petersen

Beste Werbung für den Fußball

Die jahrelange, mediale Aufbereitung und Sezierung der Männerspiele – angefangen bei den Welt- und Europameisterschaften, über Pokal- und Liga-Spiele (gefühlt bis hinunter in die Kreisliga) – hatte mich fußballmüde werden lassen. Ich schaute mir schon lange Zeit kein einziges Live-Spiel, keine Zusammenfassung in der Sportschau mehr an. Und es ging mir richtig gut dabei! Eher zufällig schaltete ich ins Viertelfinale des Deutschen Frauenteams gegen Österreich. Das Gezeigte machte mir – wider Erwarten – großen Appetit auf mehr. So sah ich mir Tage später auch noch das Halbfinal- und Endspiel der Frauen-EM an. Nun bin ich wirklich mehr als begeistert! Alle verfolgten Spiele waren beste Werbung für diese Sportart. Die Frauen zeigten Athletik, Durchsetzungsvermögen, Spielfreude, Spielwitz, Taktik, Tore, Spannung – es kam einfach alles zum Tragen, was den Fußball überhaupt ausmacht. Und dabei blieben die Protagonistinnen ehrlich und nahbar, sie wirkten überhaupt nicht abgehoben. Schon jetzt freue ich mich auf die im kommenden Jahr anstehende Frauen-WM in Australien und Neuseeland. Vielen Dank allen Spielerinnen, die bei der EM zum Einsatz kamen. Ohne sie hätte ich diese positive Erfahrung gar nicht machen dürfen!

Achim Bothmann, Hannover

Passagiere werden Druckmittel

2. Juli: „Fast 5000 Lufthansa-Piloten sind bereit zum Streik“

Der Streik von Bahn-Angestellten wie auch von Mitarbeitern von Fluggesellschaften ist anders gelagert als ein „normaler Streik“. Unsere Verfassung ermöglicht den Arbeitnehmern einer Firma oder eines gesamten Industriezweiges zur Durchsetzung eigener Interessen gegen die Arbeitgeberseite zu streiken. Dieses führt dazu, dass die Arbeitnehmerseite Druck auf die Arbeitgeberseite ausüben kann, um ein rechtlich zulässiges Mittel zu nutzen im Wettstreit der gegensätzlichen Interessen. Hier ist es anders gelagert. Neben dem Druck auf den Arbeitgeber, die Lufthansa AG, werden vor allem die Passagiere als Druckmittel missbraucht, um eigene Positionen durchzusetzen. Genau diejenigen, die in die Wirtschaft zutiefst treffenden schweren Corona-Zeiten mit Milliarden Steuergeldern dafür gesorgt haben, dass unter anderem die jetzt streikwilligen Piloten ihren Arbeitsplatz behalten konnten. Ein schier unerträglicher Umstand.

Michael Börger

Stromnetze sind komplex

1. August: „Lindner will Strom nicht mehr mit Gas produzieren“

Stromnetze sind in ihrer Versorgung und im Erhalt der Stabilität extrem komplex. Jedoch weiß jeder, der sich nur ein kleines bisschen mit der Materie beschäftigt hat, dass zum Abfangen der Volatilität im Verbraucherverhalten Kraftwerke notwendig sind, die extrem schnell auf die veränderten Anforderungen reagieren können. Die derzeit einzigen Technologien dafür sind Gaskraftwerke oder Wasserkraftwerke bzw. Pumpspeicherwerke. Mit den letzten beiden Sorten sind wir in Deutschland leider nicht sehr zahlreich ausgestattet. Wenn der Finanzminister etwas Gutes tun will, um die Versorgungssicherheit im öffentlichen Stromnetz zu stärken, täte er gut daran, die unsägliche Besteuerung des Betriebs von Pumpspeicherkraftwerken endlich so zu ändern, dass es attraktiv wird in diese (alte, aber wirkungsvolle) Technologie als Ersatz für Gaskraftwerke zu investieren. Dazu müsste man sich natürlich in der Materie auch wirklich auskennen.

Bernhard A. Zimmermann

St. Trinitatis war auch zerstört

1. August: „Altonas Pompeji: Kirche sucht Fotos“

Auch die St. Trinitatis Kirche wurde im Krieg zerstört. In den 1960er-Jahren wurde sie wieder aufgebaut. 1970 gehörte ich zu den ersten Konfirmanden nach dem Wiederaufbau.

Horst Maßmann

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