Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. August 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Bettvorleger Deutschland

30./31. Juli: „Wenn Sanktionen uns härter treffen als Russland“

Danke für Ihren zutreffenden Beitrag. Man kann Putin ja vieles nachsagen, aber dumm ist er nicht, und wer erwartet hat, dass er die westlichen Sanktionen klaglos hinnehmen wird, muss jetzt schmerzlich erfahren, dass man sich offensichtlich selbst „ins Knie geschossen hat“. Jetzt piesackt er zurück und zwar so, dass es richtig wehtut. Deutschland hat mal wieder den moralischen Vorreiter spielen wollen, ist als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet.

Peter Alsleben

Ins Herz getroffen

Der Kommentar trifft direkt ins Herz unserer verlogenen Politik. Es war höchste Zeit, die Dinge wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Wir wollten doch bei Kriegsbeginn sofort aus Gas und Öl aus Russland aussteigen. Putin jetzt zu beschimpfen, dass er Gas und Öl als Waffe einsetzt, ist ja absurd. Sarkastisch ausgedrückt, könnte man sagen, dass er uns nur hilft, schneller unsere Ziele zu erreichen.

Roland Pabst

Neuer Name nutzt niemanden

30./31. Juli: „,Bürger:innen-Service‘ statt ,Kundenzentrum‘? Bis Mitte 2023 sollen die Servicestellen in Hamburg umstrukturiert werden“

Dass die Kundenzentren bald „Bürger:innen-Service“ heißen sollen, grenzt schon an Schwachsinn. Das völlig unsinnige Gendern ist anscheinend augenblicklich in, nutzt aber niemandem und verstellt den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge. Hinzu kommt, dass die Mehrheit der Bevölkerung diesen Unsinn ablehnt. Der Oppositionsführer Dennis Thering hat schon recht: Viel wichtiger als die Umbenennung ist, dass die Behörde schnell und effektiv arbeitet und das gerne auch unter dem eingespielten Namen „Kundenzentrum“. Die Politik sollte die wirklichen Probleme anpacken, lösen und sich von Nebenschauplätzen verabschieden.

Helmut Jung

Unnötige Geldverschwendung

Warum kann man nicht einfach einmal alles lassen wie es ist. 13,4 Millionen für dieses Umbenennungsprojekt passen nicht in diese Zeit, in der die Hamburger Bevölkerung auf sowieso schlechte Zeiten eingestimmt wird. Das Geld könnte man doch viel besser in soziale Projekte investieren, z.B. benötigen die Tafeln dringend Unterstützung. Da kommt doch die Frage auf, gibt es denn nichts Wichtigeres als die Gendersprache? Gerade in diesen Zeiten, in denen viele um ihre Existenz bangen.

Susanne Lüders

Hut ab, Herr Hinterhäuser

30./31. Juli: „,Warum kann man uns nicht ein Mindestmaß an Aufrichtigkeit zugestehen?‘ Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele, über Teodor Currentzis und Putins Ukraine-Krieg“

Was für ein mutiges, ehrliches und klares Interview von Herrn Hinterhäuser … auch wenn man nicht in allem seiner Meinung sein muss. Hut ab vor soviel Mut.

Barbara Nagel

Keine Antwort auf Bewerbung

28. Juli: Leitartikel: „Wo sind die Lehrlinge hin? Zuletzt hat die Republik zu sehr auf Akademiker gesetzt“

Und wo sind die guten Manieren hin?Meine Tochter war im 9. Schuljahr, als wegen Corona die Praktika von der Schule abgesagt und ins nächste Schuljahr verlegt wurden. Eine bekannte Hamburger Drogeriekette hat zum Glück von einem Tag auf den anderen ein dreiwöchiges Praktikum zugesagt und möglich gemacht, zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Das war wirklich toll. Für ein weiteres Praktikum im Handwerk haben wir die Homepage der Handwerkskammer besucht. Die dort gelisteten Firmen, die explizit Praktikumsplätze anbieten, haben auf die Bewerbungen für ein Praktikum überhaupt nicht reagiert, obwohl die Unterlagen in Ordnung waren. Von den jungen Menschen erwartet man doch auch gute Manieren, geht das nicht auch aus der anderen Richtung? Das Thema Ausbildung im Handwerk ist zum Teil deshalb hier vorerst vom Tisch.

Anja Maselkowski

Die Bürger müssen zahlen

29. Juli: Dohnanyi am Freitag: „Das Bangen ums Gas beschämt“

Herr Dohnanyi hat seine Ansichten über das politisch fehlerhafte Handeln unserer Koalitionsregierung und deren Agitatoren im Einzelnen nachsichtig, aber dennoch sehr deutlich ausgedrückt und damit auch meinen Nerv getroffen. Auch er kommt zu dem Schluss, dass die eigentlich Russland treffenden Sanktionen im Endeffekt uns wirtschaftlich mehr treffen und unser freies Handeln beschränken werden. Und auf Hilfe der EU-Länder zu warten, ist ein gewaltiger Trugschluss. Die deutsche Regierung hat uns mit den von ihr durchgeführten unsinnigen Sanktionen gegenüber Russland den wirtschaftlichen Ast abgesägt, auf dem unsere Wirtschaft gesessen hat. Und wieder sind die Bürger die Dummen, die für diesen Riesenfehler zahlen müssen!

Gotthard Kalkbrenner, Reinbek

Den operativen Bereich stärken

29. Juli: Leitartikel: „Bahn droht der Kollaps“

Der Artikel übersieht leider, dass die DB derzeit den Großteils ihres Umsatzes im Ausland und nicht durch Schienenverkehrsleistungen erzielt. Dementsprechend liegt auch der Fokus des Managements mehr auf dem Engagement im Ausland als beim Kerngeschäft im Inland. Mit neuen und alten Prestigeprojekten (Stuttgart 21, zweite S-Bahnstammstrecke in München, Schließung und Verlagerung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona) lenkt die DB vom maroden Zustand des deutschen Schienennetzes ab. Derzeit werden unter dem Titel „Deutschlandtakt“ wieder mit großen Aufwand fünf neue Hochgeschwindigkeitsneubau- und tunnelstrecken geplant. Das bindet Planungs- Ingenieur- und auch Baukapazitäten, die für die Sanierung des Bestandsnetzes fehlen. Daher muss ein Moratorium für alle ambitionierten Neubauprojekte her. Zudem kann es bei der Sanierung nicht nur um Hochleistungsstrecken des Kernnetzes gehen, sondern es muss das gesamte Bestandsnetz repariert und alle Engpässe und Langsamfahrstellen beseitigt werden. Der tragische Zugunfall in Bayern ereignete sich ja auf einer Nebenstrecke. Der Abbau von Infrastruktur wie Weichen, Signale, Gleisanschlüsse von Unternehmen muss endlich ein Ende haben und Strecken, die auch als Ausweichstrecken dienen können, müssen reaktiviert werden. Um das ambitionierte Programm umzusetzen, muss der Verwaltungswasserkopf der DB mit seinen digitalen Spielereien reduziert und der operative Bereich im Unternehmen gestärkt werden. Weichen, Waggons und Lokomotiven lassen sich nun mal nicht digital reparieren, sondern hier muss mit Hand gearbeitet werden. Aber solche Erkenntnisse sind in einem Bahnvorstand, in dem die Technikressorts nicht mit Technikern besetzt sind, nicht zu vermitteln.

Michael Jung

Verkorkste Verkehrspolitik

Der Beitrag bringt das Desaster der Bahn klar auf den Punkt. Gleichwohl, es fehlt der Hinweis, wer die Verantwortung dafür trägt. Es sind die Verkehrsminister der Bundesregierung, seit 2009 allesamt aus der CSU, die kläglich versagt haben. Vollmundige Aussagen, sowohl zur Bahn als auch zu Autobahnen, haben sich als Luftblasen erwiesen. Ergänzt man diese verkorkste Verkehrspolitik noch um das fatale Verhalten bezüglich der erneuerbaren Energien in allen Facetten (Windräder und Trassen), kann man der CSU sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene leider nur eine „Gute-Nacht“-Politik attestieren.

Folkert Bildhauer

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