Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. Juli 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Absurdistan Deutschland!

29. Juli: „Hapag-Lloyd rechnet mit bis zu 18,2 Milliarden Euro Gewinn. Hamburger Traditionsreederei verdient im ersten Halbjahr fast so viel wie im ganzen Rekordjahr 202

Wo sind eigentlich in diesem Fall die kritischen Stimmen der Journalisten, die mit Inbrunst die Firmen anprangern, welche sich mit der Corona-Krise eine goldene Nase verdienen? Da werden die Kunden mit absurd gestiegenen Frachtraten regelrecht abgezockt und die Politik zahlt auch noch Millionenbeträge an Ausbildungs- und Personalzuschüssen dazu. Dass solche Unternehmen nur minimale Steuern zahlen, ist selbstverständlich. In der Nordsee stauen sich die Schiffe und der Hamburger Hafen wird bestreikt! Wenn Herr Habben Jansen und die Großaktionäre Kühne und die Stadt Hamburg hanseatische Kaufmannsethik zeigten, würden sie über eine befristete Sonderzahlung die Kaibetriebe unterstützen und Logistikprobleme lösen, bis die Staus abgebaut sind und sich die Lieferkettenprobleme entspannt haben. Aber nein, lieber ein neues Opernhaus bauen, sich im Rathaus ob der zu erwartenden Dividende die Hände reiben, den Mittelstand weiter mit hohen Steuern schröpfen und das Ganze bezahlen lassen. Absurdistan Deutschland!

Karl Georg Imke

Verluste werden sozialisiert

29. Juli: „So teuer wird das Gas ab 1. Oktober“ und „Energiekonzerne verdienen an hohen Preisen“

Dies ist mal wieder ein weiteres Beispiel dafür, dass Gewinne realisiert und Verluste sozialisiert werden. Da machen auf der einen Seite Energiekonzerne aufgrund der derzeitigen Lage Milliardengewinne. Wie zu lesen, hat RWE ein „außerordentlich gutes Ergebnis“ bei der Stromerzeugung aus Wasser, Biomasse und sogar aus Gas! Auf der anderen Seite machen Gashändler Verluste, da sie das Gas teurer einkaufen müssen. Diese Verluste sollen nun auf die schwächsten, die sich nicht wehren können – die Verbraucher – umgelegt werden. Warum wird nicht statt dessen innerhalb der Energieunternehmen ähnlich dem Einlagensicherungsfonds der Banken ein Energiefonds aufgelegt, in den alle Energiekonzerne einzahlen und aus dem dann die jeweiligen Sparten, die aufgrund besonderer Umstände ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, unterstützt werden?

Wolfgang Bätcke, Tornesch

Wer das bezahlt? Wir!

Die Gewinne der Öl- und Energiekonzerne sind während des Ukrainekrieges geradezu explodiert. Shell hat seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr verfünffacht, ebenso wie Total, RWE oder Repsol. Wer das bezahlt? Wir, Sie und ich, die Verbraucher. Während andere Länder begonnen haben, den Multikonzernen den Übergewinn streitig zu machen, setzt Deutschland noch einen drauf: Ab September oder Oktober sollen die Verbraucher mit der Gas-Umlage laut Habeck noch mehr zur Kasse gebeten werden, im drei- bis vierstelligen Bereich um den Gewinn der Multis nicht zu schmälern. Wie es anders geht, zeigen Italien, Frankreich, Belgien, England u. v. m. Wie lange können bzw. wollen wir uns einen grünen Wirtschaftsminister und einen gelben Finanzminister noch leisten, die nur in eine Richtung denken. Umverteilung von unten nach oben. Wann sehen die Menschen in Deutschland ein, dass die Grünen und die Gelben nicht für die normalen Menschen in Deutschland Politik machen? Glaubt man den Umfragen, hat Deutschland nichts Gutes zu erwarten. Habeck for Präsident – Na dann gute Nacht.

Hans-Joachim Wehmeier, Kaltenkirchen

So war es zu meiner Schulzeit

28. Juli: Leitartikel: „Wo sind die Lehrlinge hin? Zuletzt hat die Republik zu sehr auf Akademiker gesetzt

Ich bin Jahrgang 1946 und zu meiner Schulzeit gab es für das Gymnasium „Aufnahmeprüfungen“, d. h. die Schüler der „Volksschule“ die von der Klassenlehrerin eine Empfehlung für das Gymnasium hatten, gingen zwei Wochen gemeinsam auf eine Extra-Schule zum Unterricht. Wenn dann von den Lehrern auch das „Ok“ gegeben wurde, konnte die Anmeldung erfolgen. Das waren, wie Herr Iken richtig schreibt ca. 20 bis 25 Prozent. Dort konnte man unter Umständen auch noch ein Jahr wiederholen (Ehrenrunde). Heute gibt es viele Handwerker, die gesucht werden und viele arbeitslose Akademiker.

Wolfgang Dilk

Ohne Sachverstand

28. Juli: „Was hinter dem Kampf um Moorburg steckt. Das stillgelegte Kohlekraftwerk ist ein Denkmal des Scheiterns. Seine Befürworter wittern Morgenluft und wollen es reaktivieren“

Herrn Kerstans Energiepolitik kommt die Verbraucher teuer zu stehen. Ein ineffektives Kraftwerk wie Wedel weiter zu betreiben und stattdessen das effektivste Kraftwerk wie Moorburg abzuschalten, führt nicht nur zu höheren Preisen, sondern auch zu größerer Umweltbelastung wegen des höheren CO2-Ausstoßes pro erzeugter Wärmeeinheit. Darüber hinaus ist die Verhinderung der Wärmeeinspeisung ins Fernwärmenetz eine Vergeudung von Energie, die Elbe heizen statt Wohnungen. Das Argument, es sei genug Strom da, Windturbinen müssten abgeregelt werden, zeugt davon, dass Herr Kerstan nichts versteht. Um Wasserstoff und damit Methan, synthetische Kraft- und Brennstoffe zu erzeugen, um in einen Energiekreislauf zu kommen, kann es gar nicht genug Strom geben. Und werden die Fernwärmekunden demnächst nicht zusätzlich mit der Gasumlage belastet? Das Gaskraftwerk Tiefstack hätte längst abgeschaltet sein müssen.

Peter Hertel

Wir behalten den alten Trabbi

Das Vorgehen des Hamburger Senats in Sachen Kraftwerk Moorburg kommt mir vor wie das einer Familie, die etwas für den Klimaschutz tun will und darum beschlossen hat, eines ihrer beiden Autos abzuschaffen. Und so hat sie ihren neuen Mercedes Kombi verschrottet und den alten Trabbi behalten.

Heinz Krüger, Buchholz

Kostenlose Schwimmkurse

25. Juli: „Jeder zweite Viertklässler kann nicht sicher schwimmen“

Eltern von Schulkindern, die Schulen selbst und auch der Senat wissen längst, dass der Schwimmunterricht in Kooperation mit Bäderland schon seit Jahren sein Ziel verfehlt, was bei näherer Betrachtung der Umstände kaum verwundert: Wer noch nicht schwimmen kann, wird es als Dritt- oder Viertklässler in einer Gruppe von 15 Mitschüler/-innen und einer wöchentlichen Wasserzeit von max. 30 Minuten auch nicht mehr bis zum Bronzeabzeichen schaffen können. Bekannt ist auch, dass sozialer Status und die Schwimmfähigkeit bei Kindern in Hamburg stark korrelieren, was bei Preisen für einen Seepferdchen- bzw. Bronze-Schwimmkurs von 169 Euro bzw. 69 Euro ebenfalls nicht erstaunt. Eltern, die ihre Kinder selbst schulen möchten, müssen mindestens 8,50 Euro (1 Erw. + 1 Kind) pro Besuch berappen. Deshalb war längst fällig, was durch Corona erst möglich wurde: Kostenlose Schwimmkurse für Kinder von Geringverdiener/-innen. Warum nicht auch der Schwimmbad-Besuch für finanziell schwache Familien, denn die Kurse sind auf lange Zeit ausgebucht!

Martina Peltzer

Eine Ehre für Uwe Seeler

23./24. Juli: „Karikatur Seite zwei“

Karikaturen über Verstorbene können sehr schnell pietätlos und peinlich sein. Die Zeichnung zum Tode von Uwe Seeler ehrt ihn jedoch in angemessener Weise. Ich glaube, dass die meisten St. Paulianer und St. Paulianerinnen damit einverstanden sind. Vielleicht gibt es ja sogar einige, die heimlich „Uns“ sagen.

Joachim Dultz

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