Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. Juli 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Fünf Euro wären okay

28. Juli: „Warum soll die Plaza Eintritt kosten? Senat prüft kostenpflichtigen Zugang für Elbphilharmonie-Balkon. Neue Zahlen aufgetaucht“

Wohl fast überall in der Welt würde der Eintritt zu einem vergleichbaren Aussichtspunkt für Erwachsene wohl so zwischen fünf und zehn Euro kosten. Warum sollten also nicht auch hier Touristen bzw. Besucher/-innen ihren Obolus leisten? Die meisten Touristen sind sowieso erstaunt, dass der Zutritt zur Plaza kostenfrei ist. Und: Gibt es wirklich noch Hamburger/-innen, die nach fünf Jahren immer noch nicht auf der Plaza gewesen sind und sich dort „satt“ gesehen haben? Im Übrigen muss ich als Hamburger sagen, dass es wesentlich schönere Ausblicke auf die Elbe und die Stadt gibt. Also: Ein Eintritt für zum Beispiel fünf Euro, die der Hamburger Kultur zugute kommen, ist doch total okay. Es könnte ja einen kostenfreien Tag (sonntags?) in der Woche für alle geben...

Norbert Schäfer

Veraltete Machtspielchen

28. Juli: „Warnstreik legt Hamburgs Luftwerft lahm. Auf Hamburgs Flughafen waren fast alle Lufthansa-Verbindungen gestrichen. Bundesweit 134.000 betroffene Passagiere“

Ich bin sprachlos, mit welcher Nüchternheit in den Medien über diesen Streik berichtet wird. Fast als wäre es ein Naturereignis, dem man nicht entgehen kann. Als direkt Betroffener würde ich am liebsten den gesamten Ver.di-Vorstand mit der geballten Wut der Geschädigten konfrontieren und sie ebenfalls für Zeit- und Geldverluste aufkommen lassen. Gerade kurz nach der Corona-Krise, in welcher die Lufthansa mit Milliarden Euro am Leben erhalten wurde, in welcher tausende Ver.di-Mitglieder dank Kurzarbeitergeld die Existenz gesichert wurde, gibt es nun als Dankeschön einen Streik, der über 135.000 Steuerzahlern den Urlaub oder den Familienbesuch, etc. vermasselt. Meiner Meinung nach sollten diese Machtspielchen aus dem letzten Jahrhundert so langsam der Vergangenheit angehören. Setzt euch einen Monat lang jeden Tag an den Verhandlungstisch und wenn es danach immer noch keine Einigung gibt, wird von einem vorher bestellten Vermittler ein Kompromiss festgelegt, der dann ohne Wenn und Aber und ohne Streik umgesetzt werden muss. Dem Staat, der Gesellschaft wären dadurch Milliarden und jedem betroffenen Mitbürger jede Menge Ärger erspart.

Hans-Peter Ritz

„Schwamm drüber“ hilft nicht

27. Juli: „Verhärtete Fronten im Streit um NS-Senator. Eine Enkelin verlangt Streichung von Originalzitaten aus Biografie – Autor und Stadt lehnen Vergleich des Landgerichts ab“

Die Enkelin des zeitweiligen Hamburger NS-Schulsenators Toepffer tut sich keinen Gefallen damit, wenn sie gerichtlich durchsetzen möchte, dass belastende Meinungsäußerungen ihres Großvaters nicht mehr veröffentlicht werden dürfen. Sie schafft es auch nicht, Toepffer besser aussehen zu lassen als er war. Durch den informativen Abendblatt-Bericht erfahren viel mehr Menschen Aufschlussreiches über Toepffers Naziverquickung, als es ohne die Klage der Enkelin der Fall gewesen wäre. Freilich sind die Bemühungen dieser Enkelin kein Ausnahmeverhalten. Schon wenige Jahre nach dem Ende der Nazidiktatur war es in der Bundesrepublik verbreitet, sich im Hinblick auf die Terror- und Kriegsjahre einen „Schwamm drüber!“ zu wünschen, und Nachkriegskarrieren NS-Belasteter waren weitaus häufiger als solche von Nazi-Verfolgten. Vor allem war sich die Mehrheit der Deutschen in den Jahren nach 1945, solange sie sich nicht selbst belog, darüber im Klaren, dass sie mindestens bis 1943 hinter dem „Führer“ gestanden hatte. Ich weiß aus einem hinterlassenen Brief meiner Großmutter, dass sie 1938 etwa die Lügen der NS-Medien über Gräueltaten der Tschechen an den Sudetendeutschen eins zu eins geglaubt hatte.

Jürgen Kasiske

Bei den E-Bikes besser machen

27. Juli: „Helmpflicht und null Promille für Hamburger E-Scooter-Fahrer? Immer mehr Unfälle – Ex-Staatsanwalt und Rechtsmediziner rufen die Politik zum Handeln auf“

Ein weiterer hilfloser Versuch, das aus dem Ruder gelaufene Projekt mit den E-Rollern wieder einzufangen. Die Klientel, die ich tagsüber überwiegend im Umfeld von Schulen sehe, fährt in der Regel zu zweit und auf dem Fußweg. Dieses Jungvolk bringt sich bestimmt keinen Helm mit, um sicher auf dem E-Roller unterwegs zu sein. Noch absurder wird diese Idee, wenn ich an angetrunkenes Partyvolk denke, das den Abend mit dem Helm in der Hand verbringen soll. Es ist der Polizei vermutlich nicht zuzumuten, massiv gegen jegliche Art von Verstößen, auch das wilde Abstellen, vorzugehen oder die Betreiber zur Verantwortung zu ziehen. Ich kann nur hoffen, dass die Verkehrsbehörde dem Treiben bei den geplanten E-Bikes einen Riegel vorschiebt.

Jens Rezmer, Seevetal

Verschärfungen scheitern

Scooterfahrer nerven – auch am Tag, wenn sie zu zweit ein Gerät nutzen und Fußgänger als Slalomstangen missbrauchen. Vorschläge, das Fahren mit diesen E-Scootern und ähnlichen Spaßgeräten in Hamburg zeitlich einzuschränken, Alkohol am Lenker ganz zu verbieten, das Abstellen straffer zu reglementieren oder eine Helmpflicht einzuführen, dürften scheitern. Denn es gibt inzwischen viele privat angeschaffte E-Scooter, deren Fahrer man mit den Einschränkungen nicht erreicht. Zudem dürften sich die Verleiher heftig wehren, sobald ihr Geschäftsmodell leidet. Die derzeit geltenden Bedingungen werden von ihnen akzeptiert. Verschärfungen nur in Hamburg könnten aber gerichtliche Überprüfungen und das Ende aller Bedingungen zur Folge haben. Gerade Hamburg ist da ein gebranntes Kind. Der Versuch einen Fahrradverleiher zu zwingen, eine Sondernutzungserlaubnis für geparkte Leihräder zu beantragen, scheiterte 2009 spektakulär vor dem Oberverwaltungsgericht. Es sollten also die bestehenden Vorschriften, insbesondere die Promillegrenzen, verschärft durchgesetzt werden. Notwendige weitergehende Vorschriften sind Sache des Bundesverkehrsministeriums. Und den Verleih von Pedelecs, das heißt E-Bikes, die bis 25 km/h E-Unterstützung bieten, wird man in Hamburg überhaupt nicht regulieren können, da sie als Fahrräder gelten.

Frank Bokelmann

HSV zerlegt sich selbst

27. Juli: „Mutzel siegt gegen Boldt vor Gericht. Der freigestellte Sportdirektor muss weiterbeschäftigt werden“

Der HSV macht dort weiter, wo er am Saisonende aufgehört hat: Er zerlegt sich selbst. Persönliche Aversionen und Machtkämpfe quer durch alle Führungsebenen, ein unfassbarer Mangel an Führungskompetenz und schließlich ein Totalausfall des Kontrollorgans, genannt Aufsichtsrat, werden auch für die fünfte Saison in der Zweiten Liga den sportlichen Misserfolg garantieren.

Michael Deil

Der Begriff stört mich

27. Juli: „Messerstecher kommt in die Psychiatrie. Somalischer Flüchtling drang in Würzburger Kaufhaus ein, stach mit Küchenmesser auf seine Opfer ein“

Ich maße mir nicht an, das Urteil eines Gerichts in Frage zu stellen. An dem Terminus „schuldunfähig“, der von der Justiz und Presse verwendet wird, störe ich mich jedoch sehr. Ein Mensch, der ein Blutbad angerichtet und getötet hat, ist ein Mörder. Er trägt die Schuld an dem Tod seiner Opfer. Diese Schuld hat er auf sich geladen und davon kann ihn niemand freisprechen. Es mag Gründe geben, dass er nicht bestraft werden kann und besser anders untergebracht wird. In dem Fall sollte man die Sprache korrekt verwenden, dann ist der Täter strafunfähig – aber nicht schuldunfähig.

Elke Bernhardt

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