Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. Juli 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Nutzlose Zeitverschwendung

21. Juli: „Koffer weg – neuer Service soll helfen. Reisende können online nachsehen, ob ihr Gepäck in Hamburg angekommen ist.“

Es ist schon erstaunlich, wie lange gut bezahlte Manager brauchen, um bei einem Problem die am nächsten liegende Lösung zu finden. Man benötigt nur ein paar Handscanner, um die Nummern der eingelagerten Gepäckstücke zu erfassen. Das Programm, um diese dann aufzulisten, ist sicher für entsprechende Fachleute leicht zu erstellen. Aber das wäre dann ja Service für die bezahlenden Kunden. Das Wort Service ist anscheinend bei den Chefs von Flughafen und Fluglinien aus dem Wortschatz gestrichen. So durften wir in den letzten Wochen mehrfach hunderte Gepäckstücke durchsuchen – ohne Erfolg. Wenigstens diese nutzlose Zeitverschwendung bleibt uns jetzt erspart.

Klaus Schäfer, Hamburg

Unglaubwürdige Aussagen

21. Juli: „Nervenkrieg um Putins Gas. Der russische Präsident droht damit, die Lieferungen noch einmal zu halbieren – und bringt Nord Stream 2 ins Spiel“

Das Gas, das die Russen uns verkaufen, wird durch Pipelines gepumpt. Es „fließt“ dabei nicht von selbst, sondern muss mit Turbinen, die Druck erzeugen, bewegt werden. Eine dieser Turbinen ist in der Wartung. Die Russen haben daraufhin die Durchflussmenge in der betreffenden Pipeline reduziert. Weniger Turbinen, weniger Druck, weniger Gas. Hört sich erstmal nachvollziehbar an. Die Wartung der Turbine erfolgt im Westen und ist jetzt erstaunlicherweise Teil unseres Embargos gegen Russland (was nicht sehr schlau ist, wenn man möchte, dass in der Pipeline möglichst viel Gas fließt). Die Russen sagen dazu, dass sie ohne Turbine keinen Druck erzeugen können und in dieser Pipeline daher weniger Gas gefördert wird. Alternativ könnte eine andere (fertige aber nicht genutzte) Pipeline genutzt werden. Wo genau ist hier das erratische in Putins Aussagen? Kann die Pipeline in Wahrheit ohne diese Turbine Gas pumpen? Stehen dem Russen zehn andere Turbinen zur Verfügung, die sie einfach einschalten könnten? Unglaubwürdig sind hier in erster Linie die halbgaren Aussagen der Bundesregierung zu dem Thema und ehrlich gesagt auch Ihr Bericht, der sich mit der eigentlichen Kernfrage dieses Problems gar nicht beschäftigt.

Dr. Philip Düwel

Medizin zum Nulltarif?

20. Juli: „Ärzte drohen mit Einschränkungen. Wegen des Sparpakets könnte es Aufnahmestopps und Wartelisten geben – Krankenkassen empört“

Das Kernproblem bei der Finanzierung unseres Gesundheitssystems ist der Umstand, dass es für den Patienten bitte nichts kosten darf. Es ist kein Problem, für ein neues Auto mit viel „technischem Fortschritt“ eine entsprechende Summe auszugeben. Für ein neues Smartphone mit einem höheren dreistelligen Betrag gilt das Gleiche. Aber der technische Fortschritt, der vor der modernen Medizin nicht Halt macht, soll mit Kassenbeiträgen von anno dazumal finanziert werden, denn Beitragserhöhungen wären unsozial. Der medizinische Rolls Royce ist zum Sozialtarif nun einmal nicht finanzierbar.

Dr. Gerhard Diercks

Belastbarkeit ist überschritten

Die Arbeitsbelastung für insbesondere Hausärzte liegt derzeit bei 60 Stunden/ Woche. Das setzt sich in der Regel aus offiziell 30 Sprech- und 30 Bürokratiestunden ohne Patientenkontakt zusammen. Die Bürokratie muss wieder dorthin verlagert werden, wo sie hingehört: zum Sachbearbeiter der Krankenkassen! Das ist keine ärztliche Arbeit. Die Arbeit unter immensem Zeitdruck gekoppelt mit hoher Verantwortung ist extrem anstrengend. Deswegen reagieren die Kollegen mit einem Aufnahmestopp für Neupatienten, um nicht bald 70 Stunden/Woche arbeiten zu müssen. Bei Aufhebung des Aufnahmestopps werden die Wartezeiten für alle Patienten noch länger. Auch ein finanzieller Anreiz für Neupatienten kann das nicht ändern, weil, wie in der Pflege, die Belastbarkeit des Medizinpersonals längst überschritten ist. Es wird, wie in der Pflege zu einem Exodus in der ambulanten Medizin kommen. Massiver Ärztemangel mit all seinen Auswirkungen ist die Folge.

Karsten Doering

Eine alte Binsenweisheit

20. Juli: Leitartikel: „Lauterbachs Salto rückwärts. Ausgerechnet jetzt bei niedergelassenen Ärzten zu sparen ist ein Fehler“

Es ist eine alte, scheinbar verdrängte Binsenweisheit, dass eine Gesellschaft ihr Volksvermögen nur einmal ausgeben kann. Eine Gesellschaft, die sich entschließt auf den unterschiedlichsten Feldern, vom Klima über die Flüchtlingsfragen bis zur Wertemoral die Welt zu retten, wird am Ende weder ihr Gesundheitswesen, noch ihren sonstigen Wohlstand in sicherem Fahrwasser halten können. Es ist höchste Zeit, dass sich die Gesellschaft bewusst und definitiv entscheidet.

Rolf Gläßner

Das ist nicht durchdacht

20. Juli: „Ampel weiter uneins über AKW-Laufzeiten“

Der voreilige Ausstieg aus der Kernenergie ist kurzsichtig und nicht durchdacht. Dies zeigt sich jetzt besonders in Krisenzeiten. Abhängigkeiten gegenüber Energielieferungen aus dem Ausland werden unnötig verschärft. Auch die sogenannte Energiewende ist keine Dauerlösung, sie ist zu teuer und unzuverlässig. In Europa stehen mehr als 100 AKW’s, Frankreich und Polen bauen sogar neue Meiler. Selbst das kleine Belgien hat den Ernst der Lage erkannt und die Laufzeiten seiner Werkebefristet verlängert! Hoffentlich setzt sich angesichts der aktuellen Lage, diese Einsicht auch bei Grünen und SPD durch und die ideologischen Scheuklappen werden abgenommen.

Oliver Scholz

Brecht hat Recht

18. Juli: „Kommentar: Großmäuligkeit ist kein gutes Rezept. Spirale der Sanktionen verkürzt den Krieg nicht.“

An den Hungerwinter 1946/47, in dem es nicht nur nichts zu essen gab, sondern auch noch bitterkalt war, kann ich mich noch aus eigenem Erleben erinnern. Ich habe noch die fahrenden Güterzüge vor Augen, auf denen Männer von offenen Waggons Kohlen geklaut haben. „Erst kommt das Fressen, und dann kommt die Moral“, hat Bertold Brecht gesagt. Leider hat er Recht. So ist nun mal die Welt, und es bringt nichts, sich zum Schaden der eigenen Bevölkerung eine andere Welt erzwingen zu wollen. Wenn der amerikanische Präsident sich mit dem saudischen Kronprinzen trifft, der die Ermordung von Jamal Khashoggi und die makabre Entsorgung der Leiche veranlasst hat, um die Ölversorgung seines Landes zu sichern, dann ist es vom Bundeskanzler nicht zu viel verlangt, wenn er sich auf den Weg nach Moskau resp. Canossa macht, um dafür zu sorgen, dass im kommenden Winter nicht nur Kaltluft aus Sibirien kommt, sondern auch Erdgas.

Helfried Dietrich, Norderstedt

Für Wohnungsbau geopfert

16./17. Juli: „Bäume statt Beton“

Der rot-grüne Senat erweist mit seiner Wohnungsbau- und ideologischen Verkehrspolitik dem Stadtklima einen Bärendienst. Für den Bau von Wohnungen und überflüssigen neuen Velorouten werden immer mehr Bäume geopfert. Das schattenspendende Grün wird munter vernichtet und die Temperaturen steigen in einer Großstadt wie Hamburg in Hitzewellen wie derzeit unerträglich an. Und dank des Klimawandels werden die Sommer wohl in Zukunft noch heißer. Welcher halbwegs normale Bürger will bei subtropischen Temperaturen in aufgeheizten Städten leben oder gar Fahrrad fahren?

Martin Wucherpfennig

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