Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Juli 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Großartiger Einsatz

15. Juli: „Erste Hilfe am ,Streitmobil‘. Katja Kaiser fährt jede Woche durch den Bezirk Altona und hört sich die Sorgen anderer Menschen an‘“

Vielen Dank für den Artikel über Katja Kaisers großartigen Einsatz. Ich bin sicher, dass ein offenes Ohr und ein Ort, an dem einem zugehört wird, viel dazu beitragen, Ärger abzubauen und zu guten Lösungen zu finden. Ein solcher Ort sind auch die Sonnenuntergangs-Bänkchen – zum Verlieben, Versöhnen und Verweilen im grünen Hamburg-Bergstedt, an denen, wie ich aus Erzählungen und aus dem Gästebuch weiß, sich auch viele Menschen gezielt verabreden, die sich wieder versöhnen wollen. Der Blick über das Feld in den Sonnenuntergang hilft dabei, da er vieles in die richtige Perspektive rückt. Die Bänkchen stehen jedem frei, der sich erholen oder versöhnen möchte.

Jörg Schumann

Ohne Verantwortung

15. Juli: „Ärzte: Die meisten Erkältungen sind Corona-Infektionen. Auch wenn Schnelltest negativ ist: ,Wer Husten oder Schnupfen hat, sollte sich in Isolation begeben‘“

Vielen Dank, das gibt dann der schon angeschlagenen Wirtschaft den Rest. Wenn jeder mit Heiserkeit oder Schnupfen sich telefonisch krankmelden kann, müssen viele Betriebe schließen. Wo bleibt die Verantwortung für solche Ratschläge? Corona ist eben inzwischen auch nur noch eine Erkältung.

Aleksander Hein

Zukunftsperspektive fehlt

14. Juli: „Gasnotstand – müssen Privathaushalte zittern? Habeck will die Priorisierung der Energieversorgung ändern. Auch Bundesbürger sollen Anteil leisten – zugunsten der Industrie“

Wie kann es sein, dass die Partei, die uns diese „Suppe eingebrockt“ hat, versucht aus dieser Krise Kapital zu schlagen. Ein Herr Söder, der schon immer ein Hemmschuh für die Windenergie war, aber der Ampel vorwirft, diese zu vernachlässigen. Der sich zusätzlich wieder einmal als Agitator erweist und mit wilden Behauptungen und Anschuldigungen Ängste in der Bevölkerung schürt. Er gehörte doch auch zu den „Merkellisten“, die nur für die Gegenwart Energiepolitik machten, ohne die Zukunft im Blick zu haben. Natürlich ist die SPD auch an diesem Fiasko beteiligt, da sie auch in Regierungsverantwortung stand. Der Unterschied ist nur, dass die SPD diese Entwicklung rückgängig machen muss und sich damit ihrer Verantwortung stellt. Ganz im Gegensatz zur CDU/CSU, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, lieber die Grünen, insbesondere Wirtschaftsminister Habeck zu kritisieren, selbst aber keine konkreten umsetzbaren Vorschläge beisteuert. Wir müssen uns einer ernsten Krise stellen, deren Auswirkungen noch gar nicht absehbar sind. Wenn jetzt nicht der Zeitpunkt einer Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinaus gekommen ist, wann dann? Der Winter wird kommen und wehe, wenn die Menschen frieren oder Fabriken schließen müssen, weil das Gas fehlt. Die Abgeordneten des Bundestages müssen sich ihrer Verantwortung für Deutschland stellen. In dieser Zeit muss die Parteipolitik zurückstehen.

Fred Bonkowski

Es gibt genug Volksvertreter...

Seit über 50 Jahren zahle ich anstandslos Steuern, versuche redlich durchs Leben zu gehen und trage mit einigermaßen normaler Weitsicht auch das berühmte Bündel an Verantwortung. Will sagen, wie eigentlich alle von uns. So wie wir unser Leben eigentlich ganz gut meistern, sollte man es aber doch von unseren gewählten Volksvertretern auch erwarten. Derer gibt es jetzt 736! Genug, sollte man meinen. Genug jedenfalls, um die Geschicke von uns Bürgern zum Guten zu steuern, Sorgen oder gar Nöte vom Bürger, dem Wähler also, möglichst abzuhalten. Für Sicherheit zu sorgen. Dafür zahlen wir auch anstandslos 586 Millionen Euro an Personalkosten an sie, einschließlich ihrer vielen Mitarbeiter – und zwar jährlich! Seit über elf Jahren fließt russisches Gas zu uns und deckt seit November 2011 immerhin 55 Prozent unseres Bedarfs. Schon im ersten Jahr einer kaufmännischen Lehre lernt man Begriffe wie Abhängigkeitsvermeidung, Risikoverteilung und erfährt von den Gefahren, wenn man denn nicht darauf Acht gibt. Nur unsere Volksvertreter im Bundestag scheinen davon nichts zu wissen. Sie belegen blauäugig-naiv, dafür aber diätenfundamentiert den russischen Präsidenten mit Sanktionen. Ist doch klar, dass der sich das nicht bieten lässt.

Wilhelm Baack, Norderstedt

Klimawandel nicht mit der FDP

14. Juli: „Ampelminister müssen für Klimaschutz nachsitzen. Weil im Verkehr und in Gebäuden zu viel CO2 ausgestoßen wird, ist die Regierung gezwungen zu reagieren. Wissing und Geywitz stellen Sofortprogramm vor“

Es ist schon sehr verstörend, dass sich die Freidemokraten sowohl gegen ein zeitlich begrenztes Tempolimit als auch gegen ein allgemeines Tempolimit aussprechen. Wem ist mit einem Tempolimit gedient? Der Umwelt, der Verkehrssicherheit und durch sinkende Absatzzahlen, sollten auch die Preise für Diesel und Benzin zurückgehen. Also eine win-win-Situation. Warum also stellt sich die FDP quer? Nur weil Christian Lindner leidenschaftlich seinen alten Porsche ausführt? Leider hat die FDP den Klimawandel nicht wirklich „auf dem Zettel“. Zuzüglich ihrer Selbstzerstörung in Hamburg bleibt sie eine Randerscheinung.

Axel Pabst

Vorgehensweise ist unsozial

12. Juli: „Wie tickt die erste afrodeutsche Ministerin? Aminata Touré ist jung, grün, emanzipiert. Jetzt verantwortet sie die Sozialpolitik in Daniel Günthers neuem Kabinett. Eine Annäherung und Leserbrief: Zwölf Jahre Hoffen und Bangen“

Danke für den Artikel über die neue Ministerin in Schleswig-Holstein mit Migrationshintergrund. Zwölf Jahre Hoffen und Bangen finde ich schon eine harte Sache. Die Vorgehensweise, alle drei Monate die Duldung zu prüfen, halte ich für unsozial, ungerecht und aufwendig. So unbeliebt und mit Beigeschmack versehen, müssen wir dahin kommen, gut integrierte Migranten, die sich unseren „Lebensverhältnissen „gut „angepasst“ haben, mit längeren Duldungszeiträumen zu belohnen. Deutsche Sprachkenntnisse zu haben bzw. willens sein, diese zu erwerben, sollte hierfür ein Kriterium sein. Auch ältere Migranten sollten hier nicht ausgenommen werden. Für einen Arztbesuch wäre dies unerlässlich, denn jedes Mal einen Dolmetscher dabei zu haben, widerspricht der Forderung einer ärztlichen Schweigepflicht.

Wolfgang Eilken, Hamburg-Lurup

Pflichterfüllung im Job

14. Juli: „Kolumne: Weniger arbeiten, mehr leisten“

In einer Todesanzeige im Hamburger Abendblatt las ich vor einiger Zeit: „Als Kind dachte ich, das Leben sei Freude, doch als Erwachsener lernte ich, das Leben ist Pflicht und dann wurde mir die Pflicht zur Freude.“ Diese Aussage hat mich sehr beeindruckt, weil sie zeigt, dass Arbeit und Pflichterfüllung das Leben bereichern. Diese Vorstellung ist allerdings bei jungen Leuten höchst unpopulär. Dabei begreifen sie nicht, dass ihr Gefühl der Überforderung nicht unbedingt eine Folge des Jobs sein muss, sondern genauso gut aus den eigenen Ansprüchen bezüglich ihrer Freizeitgestaltung erwachsen kann. Ständige Präsenz in den sozialen Medien, Besuche von angesagten Veranstaltungen, sportliche Aktivitäten usw. neben der Arbeit überfrachten ihre Tage. Sie bewältigen die Herausforderung, Prioritäten zu setzen, nicht. Es ist die Angst, etwas zu verpassen, sich ausgeschlossen zu fühlen. Sie sollten freudig erkennen, dass ihre Pflichterfüllung im Job ein wertvoller Beitrag für den Wohlstand aller Bürger ist.

Christiane Mielck-Retzdorff

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