Leserbriefe

Briefe an die Redaktion 12. Juli 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Demokratie ernsthaft in Gefahr

09. Juli: „Zurück ins Mittelalter. Kleine laute Gruppen bestimmen den Diskurs – angefeuert von einer Twitter-Blase, verbreitet von vielen Medien. Die Mehrheit staunt – und schweigt. Der woken Welle könnte ein böses Erwachen folgen.“

Wieder einmal spricht Matthias Iken Kernprobleme der deutschen Gesellschaft und Politik an: die Gesellschaft zerfällt in immer weitere hoch empfindliche „Opfergruppen“, die Debattenkultur sinkt auf ein unterirdisches Niveau, die Meinungs- und Redefreiheit wird durch woke Tugendwächter immer weiter eingeschränkt, die Begriffe werden so weit verwirrt, dass die Verständigung durch Sprache zunehmend gestört ist. Und keine bürgerliche Bewegung oder Partei gebietet dem grassierenden ideologisch-moralischen Irrsinn Einhalt. Wenn das so weitergeht, gerät unsere Demokratie ernsthaft in Gefahr. Das wird noch eher dadurch verstärkt, dass sogenannte Nichtregierungsorganisationen (!) von Staats wegen mit Milliarden durch ein Demokratieförderungsgesetz gepäppelt werden sollen, natürlich nur, wenn sie die herrschende Meinung, also die Macht derjenigen sichern, die an den Schaltstellen sitzen. Ein populistischer Gegenschlag wird damit geradezu provoziert.

Dr. Hans Kaufmann, Hamburg

Radikalisierende Minderheit

Dieser Artikel war lange überfällig. Er scheut sich leider nur, die Woke Bewegung als teilweise faschistoid zu bezeichnen. Eine sich immer mehr radikalisierende Minderheit versucht einer genervten und leider schweigenden Mehrheit ihren way of life aufzuzwingen. Dabei scheuen sich diese Aktivisten selbst nicht ebenfalls diskriminierend in übelster Form zu werden: deutsche Kartoffeln, alte weiße Männer sind nur zwei Beispiele von vielen. Man kann nur hoffen, dass nicht rechte Populisten wie in den USA oder in Großbritannien dadurch eines Tages die Oberhand gewinnen. Frankreich ist jedenfalls auch schon kurz davor. Die Presse sollte sich ebenfalls fragen, ob man einige Themen von politischen Wirrköpfen, wie zum Beispiel die rassistische Giraffe vor Hagenbeck und der Abriss des Bismarck Denkmals, unnötig Aufmerksamkeit schenken sollte.

Roland Möck, Seevetal

Ich bin durchweg begeistert

09. Juli: „Solaranlage auf dem Dach – ein Erfahrungsbericht. Nachhaltig selbst Strom erzeugen – das wollen viele Hamburger. Was es kostet, wie es funktioniert und wo es noch hakt.“

Mit einem Ausdruck des Unverständnis hab ich den Bericht von Herrn Iken gelesen. Schade, dass das Thema Solaranlage mit so einem negativen Touch dargestellt wird. Ich selber habe seit Juli 2021 ein Solaranlage ohne Speicher von SolarEdge mit einem integriertem Wechselrichter/Wallbox. Ich bin durchweg begeistert. Die Anlage läuft Störungsfrei. Meine Rendite wird voraussichtlich 8-10 Prozent betragen. Ich freue mich angesichts der hohen Spritpreise mein E-Auto mit überschüssigem Solarstrom zu tanken und komme so für unter 1 Euro 100 km weit. Ich spare 1000 Euro jedes Jahr an Benzinkosten. Um Menschen davon zu begeistern, sich eine Solaranlage anzuschaffen, braucht es schon etwas mehr Überzeugung. Schade, dass der Artikel es nicht schafft diese Begeisterung rüber zu bringen.

Michael Maas

Amortisierung in 18-20 Jahren

Aus eigener Erfahrung kann ich Herrn Iken nur zustimmen. Wir haben in 2020/2021 im Rahmen einer Dachsanierung eine Solaranlage mit Speicher angeschafft, ohne staatliche Förderung. Die Investitionskosten von über 20.000 Euro werden sich frühestens in ca. 18-20 Jahren amortisiert haben. Spätestens dann sind Ersatzinvestitionen nötig. Für die Mehrzahl der älteren Wohnungs-/Hauseigentümer rechnen sich entsprechende Investitionen nicht mehr. Ein weiteres Problem: Aufgrund des alten und hohen Baumbestandes in Hamburg ist wegen der Schatten die Stromausbeute geringer als möglich. Baumkappungen oder Fällungen wegen Verschattungen sind nach der derzeitigen Rechtslage nicht möglich.

Gunther Bonz

Inflation bleibt

11. Juli: „Rentner sollen leer ausgehen. Rentenchefin gegen Ausweitung der 300-Euro-Entlastung auf Ruheständler“

Die Rentenchefin Frau Roßbach hat Bedenken, die Energiepreispauschale auf Rentner auszuweiten, weil die Rentner durch die hohe Rentensteigerung ab Juli über einen ordentlichen Auszahlungsbetragverfügen. Dazu nur soviel: Meine Rentenerhöhung zum 1. Juli wird durch eine gleichzeitige Mieterhöhung zum 1. Juli vollständig neutralisiert. Und ich dürfte kein Einzelfall sein. Die Inflation von über 7 Prozent bleibt mir also komplett erhalten. Ob Frau Roßbach das bei ihrer Ablehnung wohl auch bedacht hat?

Joachim Tappe

Mehr Unterstützung erwartet

Was die Präsidentin der Rentenversicherung im heutigen Abendblatt zum Besten gibt, ist an Zynismus kaum zu übertreffen. Der Durchschnittsrentner bekommt (nach einer Nullrunde im letzten Jahr) ab Juli 48,69 Euro mehr an gesetzlicher Rente - brutto! Frau Roßbach nennt das bei einer Inflationsrate von über 7 Prozent einen ordentlichen Aufstockungsbetrag. Und sie verweist auf die ausgeweiteten Hinzuverdienst-Möglichkeiten für Rentner. Wo soll denn zum Beispiel meine 86-jährige, schwerbehinderte Mutter arbeiten, um ihre zu erwartende Heizungsgeld-Nachzahlung zu finanzieren? Ich hätte gerade von der Deutschen Rentenversicherung mehr Unterstützung erwartet.

Eike Antje Oldenburg

Aussage nicht stichhaltig

Die Aussagen von Frau Rossbach zur Energiepauschale für Rentner finde ich merkwürdig. Der stete Hinweis, dass die Rentner ja in diesem Jahr eine außergewöhnlich hohe Anpassung ihrer Bezüge erhalten hätten, ist angesichts der Tatsache, dass es im letzten Jahr eine Nullrunde gegeben hat, nicht eben stichhaltig. Mit demselben Argument könnte man auch Arbeitnehmern, die eine ähnlich hohe Gehaltserhöhung bekommen haben, die Pauschale verweigern. Nun ist aber so eine Pauschale immer ein problematisches Mittel, da sie die unterschiedlichen Einkommensverhältnisse nicht berücksichtigt. Die Finanzämter nehmen jedoch wegen der gestiegenen Preise deutlich mehr an Umsatzsteuer ein. Insbesondere bei Gas und Öl dürfte das erheblich zu Buche schlagen. Warum wird nicht hier der Mehrwertsteuersatz deutlich reduziert, so dass es zumindest nicht zu Mehreinnahmen aus diesem Segment kommt? Das wäre meines Erachtens der einfachste Weg einer Entlastung. Bei einer Gasrechnung von 2000 Euro läge die Ersparnis bei etwa 200 Euro netto, wenn anstatt 19 nur 7 Prozent Mehrwertsteuer verlangt würden.

Peter Westendorf

Egoismus einzelner

11. Juli: „Leitartikel: Es wird ernst. Deutschland muss sich auf einen Kraftakt beim Energiesparen einstellen“

Ich bin im Kundendienst SHK – Innung Sanitär Heizung Klempner – unterwegs und komme jeden Tag an Anlagen, die auch jetzt im Sommer noch laufen. „Ich will doch morgens ein warmes Bad haben“, oder einfach „ich will doch nicht frieren“. Habecks geforderter Zusammenhalt zum Gassparen verpufft an dem Egoismus einzelner (leider zu vieler), die dann im Winter als erstes über die hohen Gaspreise schimpfen. Hier wäre enormes Einsparpotenzial, wenn sich nur jeder mal mit seiner Heizung so beschäftigen würde, wie mit seinem Handy und bei 25 Grad Tagestemperatur morgens mal auf ein geheiztes Bad verzichten würde. Auch ohne Heizung wird man jetzt im Sommer nicht erfrieren.

Kim Bödecker, Norderstedt

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