Leserbriefe

Briefe an die Redaktion 09. Juli 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Es reicht, Ver.di

7. Juli: „Tarifstreit eskaliert: Hafenarbeiter lehnen 12,5 Prozent mehr Lohn ab. Arbeitgeber setzten nun auf Schlichtung statt Verhandlungen. Gewerkschaft schließt Streik nicht aus“

„Es reicht, Boris Johnson“ war Ihr Leitartikel überschrieben. „Es reicht, Ver.di“ kann man mittlerweile auch das Gebaren dieser Gewerkschaft bezeichnen. Während andere Gewerkschaften sich mit ihren Partnern im Rahmen des Möglichen, meist ohne jedes Aufsehen einigen, ist Ver.di immer sofort mit einem Warnstreik zur Hand, wenn die Forderungen nicht sofort erfüllt werden. In vielen Fällen sogar so, dass möglichst Unbeteiligte betroffen werden. So auch hier: scheinbar geht es um die Hafenbetriebe, doch die vielen Unternehmen, deren Lieferketten unterbrochen sind oder werden, sind offenbar das eigentliche Ziel. Verantwortung sieht anders aus. Schließlich ist es ja nicht das einzelne Mitglied, dass diese beachtlichen Forderungen durchsetzen will, sondern die Führungsebene von Ver.di, die die Muskeln spielen lässt und volkswirtschaftliche Einsicht vermissen lässt. 12,5 Prozent! Manch anderer Arbeitnehmer würde sich ein derartiges Angebot wünschen.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

Lasst die Kirche im Dorf

Nun schlägt es aber dem Fass den Boden aus. 12,5 Prozent Lohnerhöhung als zu wenig zu bezeichnen, ist eine Unverschämtheit und wirklichkeitsfremd. Welche Reederei wird noch Hamburg ansteuern, wenn die Kosten dort explodieren? Glauben die Hafenarbeiter, sie seien alleine in Europa? Haben sie die Entwicklung der letzten Jahre nicht mitbekommen? Amsterdam und Rotterdam sind deutlich attraktiver. Woran das wohl liegen mag? Werdet mal wach, liebe Hafenarbeiter. Kommt mal runter von eurem hohen Ross. Ihr seid zwar fleißig und notwendig, aber gegenüber allen Mitarbeitern im Gesundheitswesen doch nur „ Handlanger“, wenn auch zum Teil hoch qualifizierte. Lasst die Kirche im Dorf!

Axel Pabst

Skandalös!!

02. Juli: „Senator Kerstan: In Hamburg keine neuen Einfamilienhäuser mehr! Stadt müsse angesichts der Klimakrise anders geplant werden. Gasrationierungen für alle denkbar“

In Ihrer Ausgabe vom 02. Juli publizieren Sie, neben dem Hauptthema der Titelseite, ein Interview mit Herrn Kerstan, der den Bau von Einfamilienhäusern verbieten will und unter anderem geringeren Wohnraum für den Einzelnen fordert. Ich frage mich, wie arrogant und selbstüberschätzend ein Bürgervertreter sein kann, der alleine in einem Einfamilienhaus lebt, dessen Familie in einem Haus auf Mallorca lebt, die er regelmäßig per Flugzeug besucht und der offenbar gegen den Bau weiterer Golfplätze auch nichts einzuwenden hat. Skandalös!!

Jürgen Jahn

Das habe ich nicht erwartet

07. Juli: „Hamburg macht Theater auf der MS „Europa“. Hapag Lloyd und die Bühnen von Axel Schneider spielen gemeinsam auf hoher See. Eine exklusive Begehung“

Das Altonaer Theater geht auf Kreuzfahrt, das habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Das Theater ist als Mitglied im Deutschen Bühnenverein Partner des „Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien“, hier ist eine klimaneutrale Kultur das gemeinsame Ziel. Das Aktionsnetzwerk steht zu den globalen Zielen des Pariser Klimaabkommens und damit zu dem Bemühungen die Erderwärmung zu reduzieren. Nun muss man zum Thema Kreuzfahrt und CO2-Ausstoß wohl nicht weiter ausholen, die Fakten sind ja hinlänglich bekannt. Die grundsätzlich kritische Einstellung der zitierten Schauspielerin zur Kreuzfahrt-Industrie dürfte damit wohl ebenfalls zusammenhängen, aber irgendwie wurden diese Zweifel durch eine Nordkap Kreuzfahrt beseitigt, ich frage mich nur ernsthaft, wie? Nun denn, ich freue mich auf meinen nächsten Besuch im Altonaer Theater, bestens zu erreichen mit dem ÖPNV.

Imke Eggers, Schenefeld

Der Bericht hat mir gut getan

7. Juli: Kolumne: „So viel unglaubliche Lebensfreude“

Mit großer Freude habe ich den Artikel gelesen. Als Vater einer behinderten Tochter, die mehrfach an Special Olympics Veranstaltungen teilgenommen hat (u.a. Gold bei den Weltspielen 2011 in Athen), kann ich diese beschriebenen Gefühle nachvollziehen und bestätigen. Der Bericht hat mir gut getan. Klasse Frau Behrmann!

Wolfgang Sacher, Lebenshilfe e.V. Norderstedt Vorstandsvorsitzender

Armutszeugnis

07. Juli: „EU-Parlament: Atom und Gas sind nachhaltig. Umstrittene Technologien könnten grünes Gütesiegel erhalten“

Wahrlich ein Armutszeugnis für die EU-Parlamentarier: eine Hochrisikotechnologie und Gaskraftwerke werden jetzt indirekt gefördert. Allerdings haben hier nicht nur die derzeitigen Volksvertreter versagt. Spätestens seit dem Reaktorunfall in Tschernobyl Mitte der 1980er Jahre mit seinen dramatischen Folgen, hätte man umsteuern müssen. Und die Gefahren des Klimawandels sind ebenso lange bekannt. Ein Umsteuern in eine umfangreiche Energiewende hätte bereits vor Jahrzehnten einsetzen müssen. Die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte sind die Bürden der Gegenwart und der Zukunft (das gilt genauso für den wachsenden Berg an Atommüll, die Gefahr eines weiteren verheerenden Reaktorunfalls sowie für die zunehmend drastischen Auswirkungen des Klimawandels, auch in den Industriestaaten).

Reiner Gorning, Hamburg

Kernproblem erkennen

08. Juli: „Riesenstreit um geplante Sozialkürzungen. Regierung will bei Förderung von Langzeitarbeitslosen sparen. Sozialverbände sind empört, Mittelstand ist aufgeschlossen“

Leider geht diese Diskussion wieder nur in eine Richtung: Geld. Das Kernproblem der Arbeitslosen- und Langzeitarbeitslosen ist doch, warum diese nicht in einen boomenden Arbeitsmarkt integriert werden können (oder wollen?). Schon seit Jahren werden viele Arbeitssuchende in Trainingsmaßnahmen entsendet, um die Statistiken aufzuhübschen. Erfolgsbringende Maßnahmen halten sich in bescheidenem Umfang. Zurzeit werden in einer „Hals-über-Kopf-Aktion“ 2000 ausländische Flughafenhelfer geschult und (nach den Ferien) eingesetzt. Innenministerin Faeser plant dies nun auch für Hotellerie und Gastronomie. Ist unter rund 2,3 Millionen Arbeitslosen niemand dabei, der Koffer bewegen, servieren oder gar Betten machen kann? Nun werden zudem Arbeitslose ein Jahr von Sanktionen bei Nichtmitziehen bei der Jobsuche befreit – übrigens mehr, als im Koalitionsvertrag vereinbart! Wenn jetzt nicht mehr Arbeitsplätze besetzt werden können, wann dann?

Norbert Herzberg, Pronstorf

Keine Aussagekraft

07. Juli: „Bewohnerparken: CDU kritisiert Senatsumfrage“

Den Artikeln „Bewohnerparken entspannt die Parksituation“ widmen sie am 06. Juli gleich drei Artikel auf den Seiten 1, 2 und 7. Den Augen öffnenden Artikel, wie es um die wirklichen absoluten Zahlen von Bewohner-Antworten auf die Frage, wie sie das Anwohnerparken beurteilen steht, verstecken sie heute auf Seite 7 unter der irreführenden Überschrift: „Bewohnerparken: CDU kritisiert Senatsumfrage“. Bei Teilnahmequoten von 2,4 bis 28 Prozent kann sich jeder selbst ausrechnen, was die hochgejubelten Lobeshymnen für das Anwohnerparken wirklich für eine Aussagekraft haben, nämlich: Keine.

H.-J. Schöpff

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