Leserbriefe

Briefe an die Redaktion 02. Juli 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Bösartigkeit nicht hinnehmbar

30. Juni: „Camper beschimpfen Drosten als „Massenmörder“. Berliner Virologe bricht seinen Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte ab und ruft die Polizei“

Ich bin entsetzt, wenn ich lese, dass Herr Drosten als Massenmörder tituliert wurde und er wegen einiger Platzhirsche, die einfach dumm sind, seinen Urlaub abbrechen musste. Derartige Bösartigkeit ist nicht hinnehmbar. Ich hoffe sehr, dass Prof. Drosten nicht aufhört, uns mit seinem Sachverstand weiterhin zu unterstützen.

Hans-Volker Domjahn

Richtige Richtung

30. Juni: „Rabes Bildungspläne: Bündnis fordert Stopp. Lehrer, Gewerkschaften, Eltern und Schüler monieren veraltete Lernstrukturen und bloßes Faktenlernen“

Angesichts der deutschen Bildungskatastrophe 2.0 geht der Entwurf der Schulbehörde für die neuen Bildungspläne offenbar in die richtige Richtung: Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss ist weiterhin zu hoch, die Betriebe klagen über fehlende Kenntnisse und Fertigkeiten der Auszubildenden, selbst in grundlegenden Kulturtechniken wie Rechnen und Schreiben, sowie über mangelnde Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen, die Hochschulen quellen über, Studienanfänger müssen in Einführungskursen erst an akademische Grundanforderungen herangeführt werden, die Zahl der Studienabbrecher ist skandalös. Ties Rabe und die Schulbehörde haben (sehr spät) erkannt, dass es so nicht weitergehen kann und streben für die Hamburger Schüler mehr verbindliche Lerninhalte und eine Verbesserung ihrer schriftlichen Kompetenzen an. Gut so! Nun wehrt sich ein breites „Bündnis zukunftsfähige Schulen in Hamburg“ heftig gegen die neuen Standards. Seine Argumentation erinnert stark an alte Versatzstücke der Bildungsdiskussion der 1960er- und 1970er-Jahre: Damals ging es um die inhaltliche „Entrümpelung“ der Lehrpläne (mit den inzwischen festzustellenden Folgen für die Allgemeinbildung), jetzt bekämpft das Bündnis die „Überfrachtung“ mit „verbindlichen Fachinhalten und Faktenwissen“ und die Zunahme an schriftlichen Klausuren, die das „Unterrichtsklima“ sowie „Lernmotivation und Leistungsbereitschaft“ der Schüler beschädigten und dazu führten, „dass weniger Schüler die jeweiligen Übergänge und Abschlüsse werden bewältigen können“. Schon damals hieß es, die Zahl der Abiturienten müsse verdoppelt werden. Heute ist sie gegenüber den 1960er-Jahren verzehnfacht, um den Preis einer generellen Absenkung des Leistungsniveaus und der Entwertung der Schulabschlüsse. Auch die Polemik gegen das („stupide“) Auswendiglernen von Inhalten lebt wieder auf. Das passe nicht zu den „modernen Herausforderungen“. Nun soll hier nicht dem extrem leistungsorientierten Schulsystem asiatischer Länder das Wort geredet werden, aber zu den modernen Herausforderungen gehört für die nachwachsende Generation doch zweifellos der globale Wettbewerb in Wissenschaft, Forschung und Technik, bei dem wir schon jetzt nur mit Mühe Anschluss halten. Auch hier ist also eine Zeitenwende überfällig. Selbstverständlich müssen die Schulen personell und materiell so ausgestattet werden, dass sie die erhöhten Anforderungen auch vermitteln können, im Rahmen eines motivierenden Lernklimas. Persönlichkeitsentwicklung, Leistungsanforderungen und Sachwissen sind keine Gegensätze. Vielmehr gilt: „Um kritisch zu denken, muss man viel wissen; um viel zu wissen, muss man viel lernen.“

Dr. Hans Kaufmann, Hamburg

Mittelmäßiges Schulsystem

Danke, Herr Rabe! Bildung ist ohne ein gewisses Maß und Faktenwissen nicht erreichbar, Kreativität entsteht in Auseinandersetzung mit überlieferten und gelehrten Inhalten und Formen. Ihre Pläne führen keineswegs zurück in die bildungspolitischen 1950er Jahre, vielmehr versuchen Sie, einen Mindeststandard an Qualität und Kontrolle zu sichern. Verständlicherweise lehnt ein Teil der Elternschaft und der Lehrer dies ab. Denn diese haben sich über Jahrzehnte in einem System eingerichtet, in dem man einander nicht wehtun muss und in dem ein Scheitern der Kinder der Bürgerlichen und Gutbetuchten kaum möglich ist. Dies hat in Hamburg zu einer Verstetigung sozialer Unterschiede und zu einem nachhaltig mittelmäßigen Schulsystem geführt. Unsere Kinder verdienen etwas Besseres!

Prof. Ludwig Paul, Hamburg

Erhebliche Anziehungskraft

30. Juni: „Das Comeback des Volksparks. Dank vieler Bauprojekte rückt die Grünanlage in den Fokus. Vor Ort gelingt der Mix aus Tradition und vielen Neuerungen“

Als jahrzehntelanger Volksparkbesucher muss ich bemerken, dass in ihrer netten Recherche über die steigende Beliebtheit des Volksparks meines Erachtens nach ein ganz wesentlicher Faktor fehlt. Seitdem die „Milchhalle“ (mit Biergarten) an der großen Spielwiese inzwischen mit verlässlichen Öffnungszeiten aufwartet und mit einem runden kulinarischen Angebot angetreten ist, hat die Lukrativität des Volksparks für Spaziergänger, Spielplatznutzer und Feierabendbiertrinker erheblich an Anziehungskraft gewonnen. Das sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Und ein Ausflug zu Uwe Seelers Fuß am Volksparkstadion, um alles Gute für die nächste Saison zu beschwören, lohnt sich immer. Dieses Naherholungsgebiet muss unangetastet bleiben!

Günter Greizer-Schienke

Abrissstadt Hamburg

01. Juli: „Einblicke in das Herz von Altona. Bei Grabungen neben der Trinitatiskirche entdecken Archäologen viele Zeugnisse der alten Bebauung. Ausstellung geplant“

Es ist doch mal wieder typisch für die freie und Abrissstadt Hamburg! Es werden wertvolle Ausgrabungen gemacht und was fällt den Städteplanern dazu ein? Nicht besseres als die Flächen nach den Untersuchungen mit neuen Wohnungen zu versiegeln und so diese Zeitzeugen unwiederbringlich zu vernichten. In vielen anderen Städten werden solche Ausgrabungen als Touristenattraktion erhalten und auch für viele Hamburger dürfte die eigene Geschichte interessant sein. Nicht alles was alt ist muss durch Neues ersetzt werden.

Frank Steder, Hamburg

Alles ist doch ganz einfach!

30. Juni: „Grundsteuer auf Phantomflächen? Verband warnt: Falsche Angaben zu Wohnungen können für zu hohe Mieten und Abgaben sorgen“

Meine erster Versucht, die Grundsteuerangaben für unser Haus in Hamburg abzugeben, erweist sich als Fehlschlag. Alles ist äußerst kompliziert. Und hat man sich durchgewurstelt, dann kommt die Fehlermeldung. Die Steuernummer wird nicht akzeptiert. Rücksprache beim Finanzamt mit Abstimmung der richtigen Steuernummer: „Bitte versuchen Sie es in drei Wochen nochmals, wir können da nicht helfen“. Über Bürgertelefon Hamburg die Hotline von Elster bekommen. Nach 18 Minuten in der Warteschleife abgebrochen. Soviel zur Zusicherung von Finanzsenator Andreas Dressel, alles sei doch ganz einfach!

Hans-Raimund Kinkel, Hamburg

Bürgerfrust

Hatte nicht zur Vorbereitung auf die neue Grundsteuer in Hamburg Senator Andreas Dressel – nach Protesten – angekündigt, dass alle Grundeigentümer per Brief informiert werden sollen (bevor jetzt die offizielle Meldefrist beginnt)? Ich habe jedenfalls nichts erhalten und wann etwas kommt, ist auch nicht wirklich offiziell verkündet worden. So kann man Bürgerfrust und Politikverdrossenheit natürlich auch vorantreiben.

Ewald Hauck, Hamburg

Schreiben Sie uns gerne an oder per Post an das Hamburger Abendblatt, 20445 Hamburg
Von den vielen Leserbriefen, die uns erreichen, können wir nur einen kleinen Teil veröffentlichen. Teilweise müssen wir kürzen, um möglichst viele Meinungen zu veröffentlichen. Mit Ihrer Einsendung erlauben Sie uns, alle Inhalte und Ihre Kontaktdaten an die zuständigen Redakteurinnen/Redakteure und/oder an externe Autorinnen/Autoren weiterzuleiten. Sollte eine Weiterleitung Ihrer Kontaktdaten und ein Dialog mit uns nicht gewünscht sein, bitten wir um Mitteilung. Einsendungen werden sowohl in der gedruckten Ausgabe sowie den digitalen Medien vom Abendblatt veröffentlicht und geben ausschließlich die Meinung der Einsender wieder. Veröffentlichte Leserbriefe finden Sie auch auf abendblatt.de/leserbriefe.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe