Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. Juli 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Aus der Luft gegriffen

30. Juni: „Grundsteuer auf Phantomflächen. Verband warnt: Falsche Angaben zu Wohnungen können für zu hohe Mieten und Abgaben sorgen“

Es ist schon erschreckend, mit welchen unhaltbaren Schätzungen, die in keiner Weise belegt sind, der Mieterverein wieder eine Plattform erhält. Angeblich zahlen Hamburgs Mieterinnen und Mieter 2,6 Millionen Euro Miete zu viel. Ich bin im Beirat einer Wohnungseigentümer-Gemeinschaft mit einem hohen Anteil von Mietern im Objekt. Für diese bin ich sehr oft Vertrauensperson, wenn es um die Jahresabrechnungen geht, auch in einigen Nachbar-WG’s. Bei allein ca. 25 bis 30 Abrechnungsmängeln im Laufe der letzten fünf Jahre, die der Mieterverein den Mietern darlegte, waren im Nachhinein gerade mal zwei mit Minimalbeträgen berechtigt. Alle anderen waren, nach neutraler Prüfung, aus der Luft gegriffen. Das zeugt tatsächlich vom hohen Niveau dieses Vereins und seiner Fähigkeit sachgerecht und neutral zu beraten. Mir scheint hier ein hohes Maß an Ideologie mitzuschwingen.

Hanno Woitek

Fragen über Fragen

27. Juni: „Ausländische Helfer sollen Flughafenchaos verhindern. Bundesregierung will für Reisezeit mehrere Tausend zusätzliche Arbeitskräfte ins Land holen“

Die Regierung plant, einen Großteil Ausländer für die Abfertigung auf dem Flughafen ins Land zu holen. Wir haben eine Wohnungsnot, wo sollen diese Menschen die eine verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen, untergebracht werden? Wer bildet diese Menschen für die Aufgabe aus und wie lange dauert die Ausbildung?Ist ein polizeiliches Führungszeugnis zwingend erforderlich? Fragen über Fragen, all das, nur damit der Urlauber schnell und bequem weggebracht wird. Werden die Mindestlohnkosten dem Flugpreis zugeschlagen oder zahlt das alles der Steuerzahler?

Benno Maier

Verfehlte Personalpolitik

Es ist ja wohl ein Schildbürgerstreich für die verfehlte Personalpolitik der Flughäfen, Personal aus dem Ausland zu rekrutieren. Dieses Personal muss ja auch erst einmal zeitaufwendig sprachlich und fachlich geschult werden. Währenddessen sitzen jede Menge junger Männer zwischen 18 und 35 Jahren in unseren Einrichtungen, werden teuer vom Steuerzahler alimentiert und langweilen sich dort zu Tode. Dabei könnten diese beschäftigungslosen jungen Herren sich ein eigenes Einkommen erwirtschaften und den Sozialstaat entlasten. Koffer verladen ist ja auch nicht eine so anspruchsvolle Tätigkeit. Es ist auch nicht Aufgabe des Staates, unternehmerische Fehlentscheidungen zu kompensieren, dafür haben die Flughafengesellschaften teuer bezahlte Manager, die für ihr Gehalt auch gern einmal zeigen können, dass sie vorausschauend planen und agieren können. Es ist schon sehr fatal, dass wir statt zu lernen, immer wieder die gleichen Fehler machen.

Christiane Dornecker

Kein Verlass auf Deutsche Bahn

29. Juni: „So soll Hamburgs S-Bahn besser werden“

Senator Dr. Tjarks kündigt mal wieder Großes für Hamburg an. Sich dabei auf die Deutsche Bahn zu verlassen, ist schon sehr ambitioniert. Die Bahn, die es nicht schaffte fristgerecht und kostenstabil den Haltepunkt „Elbbrücken“ zu errichten. Gleiches gilt aktuell für den Haltepunkt „Ottensen“. Ein Unternehmen, das farbverschmierte Züge gerne mal über Tage im S-Bahn-Netz laufen lässt, die Sauberkeit auf den Bahnhöfen nicht in Griff bekommt, dazu neigt Verstärkungslinien bei Bauarbeiten im Netz vollständig einzustellen und immer mal wieder Kurzzüge einsetzt, obwohl Vollzüge bestellt sind. Auch von der „Digitalen S-Bahn“ hört und sieht man derzeit wenig. Das gilt auch für eine mögliche S-Bahn nach „Osdorfer Born“. Mit dem neuen Netz gewinnt die S-Bahn keine zusätzlichen Bahnsteigkanten, auch verkehren ab Ende 2023 auf einzelnen Teilstrecken nicht mehr Züge. Stattdessen ist an den schon heute hoch belasteten Knotenpunkten mit mehr Umsteigeverkehr zu rechnen, weil das Prinzip aufgegeben wird, Direktverbindungen aus allen Richtungen über die Citystrecke und über die Verbindungsbahn anzubieten. Erfreulich sind nur die Langzüge auf der S 3. Die könnte es bereits heute vermehrt geben und das ohne große Worte des Senators.

Lutz Achilles

Bei uns wird alles teurer

28. Juni: „Leitartikel: Denkt an die Rentner! Weitere Krisen-Hilfen dürfen nicht wieder an den Älteren vorbeigehen“

Dass die Strompreise sinken sollen, ist bei mir noch nicht angekommen, ich zahle zurzeit 119 Euro monatlich bei einem Verbrauch von 3600 Kilowattstunden. Seit dem 1. April dieses Jahres zahle ich an Vattenfall für Gas statt bisher 120 Euro nun 230 Euro, das sind fast 100 Prozent mehr. Mein Verbrauch liegt bei ca. 24.000 Kilowattstunden nachdem ich 2021 eine neue Gas-Heizung installieren ließ und der Verbrauch um ca. zwölf Prozent gesunken ist. Wann wird endlich mal was für die Rentner getan? Bei uns wird alles teurer, ob das Benzin, Heizung, Lebensmittel oder sonst was ist! Eine Einmalzahlung könnte über die BfA oder andere Rentenstellen erfolgen, der Gedanke von Kanzler Scholz ist nicht verkehrt, der darf aber nicht bei den Rentnern aufhören, die ohnehin ein geringeres Einkommen haben.

Jürgen Bade

Kurabgabe zahlen nicht alle...

29. Juni: „Sylt: Erst Punks, jetzt Extremisten. Rechte und Linke haben Demos angemeldet. „Da wird es richtig knallen““

Ganz normale Sylt-Liebhaber mögen es einfach nicht mehr hören: Die Insel der Reichen und Schönen. Nein, es ist eine ganz besondere Insel mit einer grandiosen Natur: hier die raue Westseite, dort das ruhige Wattenmeer, schöne Wanderwege und gut ausgebaute Fahrradstrecken sowie günstige Einkaufsmöglichkeiten und Campingplätze, auf die sich viele Urlauber freuen. Die Linke und die Rechten sollten sich einmal schlau machen, bevor sie protestieren, dann wüssten sie, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien schöne Ferien auf der Insel verbringen können, genau wie erholungsbedürftige Mütter/Väter und Kinder, für die es moderne Einrichtungen gibt. Zu den Punkern noch eine Bemerkung: Jeder Urlauber, der auf die Insel kommt, muss – aus gutem Grund – die Kurabgabe entrichten, aber gerade diejenigen, die die Strände und Fußgängerzonen auf üble Art verschmutzen, zahlen nicht, sondern verhöhnen die jungen Polizeibeamtinnen und -beamten, die einem wirklich leid tun können.

Dorothea Kahlén

Falsche Prämisse

29. Juni: „Helft uns, damit der Krieg nicht nach Deutschland kommt“

Poroschenko hat recht, wenn er meint, Putin sei im Ukrainekrieg nur durch den Einsatz schwerer Waffen zu beeindrucken, die ihm die Grenzen seines mörderischen Angriffs aufzeigen. Es ist ein Irrglaube, die Auffassung zu vertreten, die Lieferung von schweren Waffen oder Luftabwehrraketen an die Ukraine verstärke die Befürchtung vor einer atomaren Auseinandersetzung des Westens mit Russland. Die von Putin angekündigte Stationierung atomar bestückter Raketen in Belarus dient einzig und allein dem Zweck, den Westen einzuschüchtern, um eine Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine zu verhindern. Putin würde nie und nimmer den Einsatz atomarer Waffen befehlen, da er weiß, dass dieser Befehl unweigerlich einen atomaren Gegenschlag heraufbeschwört, der zur Vernichtung seines Landes führen würde. Wer diese Befürchtung hegt, geht von einer falschen Prämisse aus, die in fataler Weise dazu führen würde, weitere Hilfslieferungen von Waffen zu blockieren.

Dr. Claus Rabe

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