Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. Juni 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Das ist eine Schnapsidee

28. Juni: „Initiative prophezeit ,Diebsteich-Desaster. Der neue Fernbahnhof Altona werde ein Schienen-Nadelöhr und müsse später mit Milliardenaufwand ertüchtigt werden“

Paris oder London beispielsweise kämen nie auf die Schnapsidee, einen innerstädtischen, wichtigen Kopfbahnhof abzureißen, um Platz für Wohnungen schaffen. Die Nähe vieler Politiker zur lukrativen Immobilienwirtschaft schadet den Interessen von Bürgern und Fahrgästen. Die Duplizität zu Stuttgart (S 21) ist verblüffend, ein bauliches und finanzielles Desaster mit Ansage. Eisenbahnexperten schütteln nur noch mit dem Kopf. Die DBAG redet und rechnet alles „schön“, die Rechnung darf am Ende, wie immer, der Steuerzahler ausgleichen. Wäre der Bahnhof Altona nicht schon in den 70er-Jahren in einen hässlichen Betonklotz verwandelt worden, hätte Hamburg heute ein verkehrliches und architektonisches Schmuckstück. In vielen europäischen Städten sind solche Bahnhöfe städtebauliche Highlights und vereinen Tradition und Moderne.

Jens Ode

Die Inflation trifft die Ärmsten

28. Juni: „Diese Nachteile drohen den Rentnern“

Ohne Sarkasmus möchte man Rentnern Alzheimer nicht wünschen, damit sie sich bei der nächsten Bundestagswahl sehr wohl daran erinnern, dass sie schon bei der Energiekostenzulage ausgeschlossen wurden und bei der geplanten kommenden Einmalzahlung auch leer ausgehen sollen. Wie kann eine Regierung so bewusst eine meist arme Gruppe in unserer Gesellschaft nicht nur übergehen, sondern regelrecht bescheißen? Die Inflation mit steigenden Preisen trifft die Ärmsten zuallererst, füllt aber die Steuerkasse unanständig hoch auf. Also muss hier der Hebel angesetzt werden: reduzierte Mineralölsteuern und keine Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ohne Alkohol. Wenn der Lebensmittelhandel mitspielt, würden die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger. Diese Maßnahme hilft den Armen am meisten und ist schnell und problemlos umzusetzen. Der Staatssäckel ist zum Bersten gefüllt – worauf also warten? Darüber hinaus würde die Inflation gebremst und die Lohnforderungen von ver.di maßloser ausfallen. Diese gefühlte Machtlosigkeit der Rentner und Armen ist einfach nur unerträglich und lässt den Glauben an eine gerechtere Politik total vergessen. Wer hat uns (Rentner) verraten – Sozialdemokraten, Grüne und FDP machen mit. Die verfehlte Nato-Ostpolitik und der daraus entstandene Ukraine-Krieg mit Sanktionen für Russland und folgender Energiekrise geht voll zu Lasten der Ärmsten und Rentner.

Dietmar Johnen-Kluge

Wer zahlt die Kosten dafür?

27. Juni: „Ausländische Helfer sollen Flughafenchaos verhindern. Bundesregierung will für Reisezeit mehrere Tausend zusätzliche Arbeitskräfte ins Land holen“

Dazu wirft sich mir spontan die Frage auf, warum ausländische Helfer? Haben wir nicht genug Arbeitslose bei uns, die die Behörde endlich mal in Beschäftigung bringen könnte, wie z.B. bei der Gepäckabfertigung? Die Behörden werden doch wohl schneller die Zuverlässigkeit deutschen Personals überprüfen können als die der ausländischen? Und die Einarbeitung mit Deutschen wird sich doch leichter gestalten als mit ausländischem Personal. Unsere Arbeitslosen/Hartz 4-Empfänger haben bereits Wohnungen, wo will man die ausländischen Helfer für drei oder mehr Monate unterbringen und wer zahlt die Kosten dafür?

Antje Thielking

Wir haben ein Luxus-Problem

Menschen aus Drittländern sollen kurzfristig hier Wohnraum und entsprechende Entlohnung bekommen. Ist die Personal-Not nicht auch dem geschuldet, dass die Löhne in der Branche als zu niedrig empfunden wurden? Haben wir nicht genügend Menschen hier, z.B. Asylsuchende, Geduldete, eventuell Arbeitssuchende. Diese Personen haben schon eine Unterkunft, sprechen eventuell sogar bereits unsere Sprache. Es müsste doch möglich sein, sie nach Einweisung bei der Gepäckbeförderung einzusetzen. Gesetze, die diesem Personenkreis die Beschäftigung bislang verbieten, müssten dafür dann der Situation geschuldet, angepasst werden (ist vielleicht auch vorübergehend möglich?). Ich würde mich freuen, wenn wir vorrangig unser „Luxus-Problem“ eigenständig lösen.

Vera Haupt

Ist das Europa? Ja, leider

28. Juni: Kommentar: „Die Katastrophe am Zaun“

Danke für den Kommentar, der das Leid von Geflüchteten ins Licht rückt. Es gibt neben dem Krieg in der Ukraine bedauerlicherweise noch zahlreiche andere Katastrophen auf der Welt, die mindestens der gleichen Aufmerksamkeit und umfangreicher Hilfen zu deren Bewältigung bedürfen: Fluchtbewegungen, bedingt durch Krieg, Hunger, Klimawandel und Armut. Letztlich mitverschuldet auch durch „uns“, unsere zum Teil unfaire Handelspolitik, unserer den Klimawandel befördernden CO2-basierten Wirtschaft usw. Und, ja, auch die sogenannten westlichen Staaten haben in den letzten Jahrzehnten völkerrechtswidrige Kriege zu verantworten und Geflüchtetenströme verursacht. Auf die rhetorische Frage der Autorin, ob „das“ Europa sei, kann man bedauerlicherweise nur mit „Ja, leider“, antworten. Besonders tragisch und kontrastreich wird das in der Meldung im Hamburger Abendblatt deutlich, der zufolge badende Urlauber an einer griechischen Küste im Wasser treibende, tote Migranten entdeckten.

Reiner Gorning

Endlich eine positive Nachricht

27. Juni: „Wiederaufgetauchter Junge gibt Rätsel auf. Nach Befreiung eines achtjährigen Kindes aus Kanalschacht untersuchen Ermittler, wie es dort hingelangt ist“

Ich möchte heute einen „positiven Leserbrief“ schreiben. Kaum jemand hat wohl den Artikel über das verschwundene Kind mit geistiger Behinderung so richtig wahrgenommen. Auch ich habe ihn so überflogen. Und dann durfte ich lesen: „...nach acht Tagen aus einem Kanalschacht gerettet“. Das hat mich gefreut. Endlich eine positive Nachricht unter der Flut von Negativmeldungen über Hunger, Krieg, Krankheiten und anderen Ereignissen. Ich dachte mir, es gibt sie doch noch, die Meldungen in der Presse die uns ein Lächeln und innere Freude bescheren. Ohne die genauen Hintergründe zu erfragen sich einfach nur über etwas freuen. Komme was da wolle. Das will ich hier einmal hervorheben.

Detlef Riedel

Ein großer Fehler der CDU

25/26. Juni: „Hamburger KRITiken: Das Drama der CDU. Der russische Überfall auf die Ukraine hat gezeigt, dass die Union historisch richtig lag – bis Angela Merkel kam“

Herr Iken trifft mit seiner Kritik an der CDU, die ich uneingeschränkt teile, wieder einmal genau den Punkt. So argumentiere ich seit vielen Jahren die politische Situation in unserem Land in meinem Freudes- und Bekanntenkreis. Dafür bin ich – nicht nur einmal – gar heftig gescholten worden. Hinzufügen möchte ich noch, dass der Regierungsverlust auch damit zu begründen ist, dass Frau Merkel sich im Wahlkampf fast nie, bis auf wenige Auftritte auf den letzten Metern, für ihre eigene Partei eingesetzt hat. Diese war schlechthin überhaupt nicht wahrzunehmen. Als einen großen Fehler, ja faktisch ein Armutszeugnis der Partei halte ich auch die Tatsache, dass die CDU bei der Wiederwahl Steinmeiers keinen eigenen Kandidaten, möglichst eine starke Kandidatin aufgestellt hat. Meine Wunschkandidatin wäre Monika Grütters gewesen.

Ekkehard Below

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