Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. Juni 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Frauen werden allein gelassen

27. Juni: „,Rückfall ins gesellschaftliche Mittelalter‘. Nach dem historischen Urteil über Schwangerschaftsabbrüche fürchtet das liberale Amerika auch drastische Einschnitte beim Recht auf Empfängnisverhütung und der Homo-Ehe“

Die Vereinigten Staaten von Amerika entwickeln sich immer mehr zu einem rückständigen Land, was die neuerliche Entscheidung des obersten Gerichts zur Abtreibung eindrücklich beweist. Ausgerechnet die konservativen Kreise, die sich vehement gegen jegliche staatliche Einmischung ins Privatleben wenden, beschließen Gesetze, welche die Frauen maximal einschränken. Steht nicht auch das Recht auf Selbstbestimmung in der amerikanischen Verfassung? Unter dem Vorwand Leben schützen zu wollen, wird von religiös verblendeten Fundamentalisten eine extrem frauenfeindliche Agenda durchgedrückt. Gleichzeitig wird von denselben Kreisen maximale Bewaffnung und die Todesstrafe befürwortet. Selbst das Impfen gegen Corona wird als Übergriff abgelehnt. Und die betroffenen Frauen werden mit ihrem Schicksal alleingelassen. Jetzt kann es sogar vorkommen, dass ein Vergewaltigungsopfer selbst angeklagt wird, weil es das Ergebnis der Vergewaltigung nicht austragen möchte. Das ist nicht nur absurd, sondern auch in höchstem Maße menschenverachtend. Man kann nur hoffen, dass die Befürworter einer liberalen Abtreibungsgesetzgebung den Republikanern bei der nächsten Wahl die rote Karte zeigen.

Peter Westendorf

Überflüssiges Damenprogramm

27. Juni: „,Einen unglaublichen Job gemacht‘. US-Präsident Joe Biden bereitet Gastgeber Olaf Scholz glänzenden Gipfelauftakt“

Als ich heute die Politikseite aufschlage, stutze ich einen kurzen Augenblick, dann überwältigt mich die – sicher unfreiwillige? – Komik dieser Seite: Oben Fotos mächtiger Männer, die mit großer Geste die weltpolitischen Geschicke leiten und in treuer Männerfreundschaft unverbrüchlich zueinanderstehen. Große Politik! Darunter auf derselben Seite ein Foto ihrer Partnerinnen – ja, ohne Gendersternchen, es sind ausschließlich Frauen – beim Nordic Walking. Neben dem Sport bekommen „die Damen“ im Rahmen des Partnerinnenprogramms noch ein wenig Kultur und, immer wichtig, ein bisschen Klimaforschung geboten. Der kurze Moment der Komik ist schnell vorbei. So ein Damenprogramm braucht niemand, noch weniger die unkritische Berichterstattung darüber.

Claudia Striedieck

Entlarvende Kurzanalyse

25./26. Juni: Hamburger KRITIken: „Das Drama der CDU“

Bravo Herr Iken! Sie haben mit Ihrer punktgenauen Kurzanalyse exakt die vielen strategischen Fehler der Regierung Merkel und insbesondere von ihr persönlich entlarvt. Doch ein Gedanke fehlt meines Erachtens dieser Darlegung: Die alte, gewiefte und bestens vernetzte Merkel hätte vielleicht den Krieg in der Ukraine noch vermeiden können. Weshalb? Ihr über viele Regierungsjahre gewachsener und ausgeprägter Instinkt für Diplomatie. Hat nicht Putin, fast schon flehentlich, aber spätestens ab 2021 um eine Stellungnahme des Westens gebeten, dass die Ukraine nicht Teil der Nato werden dürfe, aber hat nicht unisono der Westen geantwortet, dass dies zurzeit kein Gegenstand der Überlegungen sei? Eine Intervention bei den USA und innerhalb der EU durch Merkel, sowie eine diplomatisch wachsweiche Erklärung von ihr zu dieser Zeit, hätte ggfs. noch etwas bei Putin bewirken können, damit er gesichtswahrend von dem Krieg hätte Abstand nehmen können. Ein Team aus deutschen „Regierungs-Newcomern“, allen voran eine junge Dame Baerbock, die ins Außenministerium gestolpert ist, und ein spröder, wortkarger und introvertiert handelnder Scholz waren zu dieser Art Diplomatie nicht fähig, und das ist noch nicht einmal böse gemeint.

Michael Wiedemann

Der Blick zurück hilft nicht

25./26. Juni: „Zwischen Hamburg und Berlin. Ein E-Mail-Wechsel über den Ausnahmezustand“

Herr Schwennicke schreibt, wir müssten widerstandsfähiger werden, resilienter. Das ist zwar ein – vielleicht aus seiner Sicht – nachvollziehbarer Gedanke, aber viele Mitbürger haben ganz andere Sorgen. Reicht das Geld bis zum Monatsende für Essen und Trinken? Wie kann ich meine stark steigenden Nebenkosten für Wohnung oder Haus bezahlen? Ist mit der Inflation mein Arbeitsplatz in Gefahr, weil mein Chef mich nicht mehr bezahlen kann oder möchte? Können wir bei den künftig stark steigenden Zinsen unsere Wohnung oder unser Haus noch finanzieren? Da ist der Blick 43 Jahre zurück, in keiner Weise nützlich, Herr Schwennicke. Er lenkt aber elegant von den eigentlichen Problemen ab. Die Zukunft ist wichtiger als die Vergangenheit.

Axel Pabst

Erziehung nachholen

25./26. Juni: „Lärm und Müll in Parks: Bezirksämter überfordert. Am Ende müssen Polizei und Stadtreinigung ran“

Wer die Erziehung verpasst hat und seinen Müll nicht wieder mitnimmt, bei dem muss die Erziehung eben nachgeholt werden. Wer beim Hinterlassen von Müll erwischt wird, erhält Zange und Eimer und darf pauschal einen Tag Müll sammeln. In der Woche versteht sich, dann muss das auch noch dem Arbeitgeber erklärt werden. Eine gesetzliche Regelung muss her. Die Durchsetzung wird zwar am Anfang schwierig sein, aber Konsequenz spricht sich schnell herum. Schnell herum spricht es sich allerdings auch, wenn die Stadt mehr Personal einstellt und ansonsten schlicht kapituliert. Das hat dann den gegenteiligen Effekt: Der Müll wird liegengelassen, es kommt ja jemand. So kostet dann mangelnde Erziehung wieder das Geld der Allgemeinheit, auch derer, die sich ohnehin schon auf jedem Spaziergang bücken, um ihren Wohnbezirk lebenswert zu erhalten.

Tilman Stei

Keine Hilfe vom Staat

Dieser Offenbarungseid überrascht mich nicht, denn bereits im ersten Frühsommer 2020 wurde der Baurspark in Blankenese zum Sauftreff von Jugendlichen aus allen Stadtteilen Hamburgs. Dies hat sich bis heute, sehr zum Leidwesen der Anwohner, nicht geändert. Bis heute rufen wir Anwohner regelmäßig die Polizei an und bitten um Hilfe. Die Polizei bat uns deshalb in 2021 um die Kontaktaufnahme mit der Bezirksamtsleiterin Frau Stefanie von Berg, um auf unsere Situation aufmerksam zu machen und um Hilfe zu bitten. Gesagt getan, mit dem Resultat, dass Frau von Berg sich nicht gemeldet hat, sondern die Umweltbehörde. Diese schrieb uns, dass sie da nichts machen könnten und gaben uns den Tipp, immer die Polizei anzurufen. So gesehen sind wir, wie wahrscheinlich andere Anwohner betroffener Parks, desillusioniert, was die Hilfe vom Staat betrifft.

Michael Henke

Verschonen Sie uns mit Musik!

25./26. Juni: „Edeka-Chef wirft Lebensmittelkonzernen Preistreiberei vor. Markenverband wehrt sich und sieht Hersteller zunehmend unter Druck“

Edeka kann selbst etwas gegen den Preisanstieg beitragen, indem es die Kosten durch Abbestellung der nervtötenden Musik einspart. Musik, die kein Kunde beim Einkaufen benötigt. Andere Supermarktketten verzichten auf die Belästigung ihrer Kunden durch Musikbeschallung, ohne auch nur einen einzigen Kunden zu verlieren. Jeder Kunde, der beim Einkaufen Musik hören möchte, kann doch schließlich über Kopfhörer und Handy seine eigene Musik anhören. Ein Appell an Edeka: Verschonen Sie Ihre Kunden mit ihrer aggressiven Musik und geben Sie die Ersparnisse an die Kunden weiter, dann hat man auch wieder mehr Ruhe beim Auswählen der Ware.

Dr.-Ing. Eberhard Gerlach

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