Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. Juni 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Jeder zahlt, wie er will

23. Juni: „Bezahlen? Nur noch mit Karte! Erste Gastronomen und Bäcker nehmen keine Münzen und Scheine mehr an. Was Corona und Banken damit zu tun haben“

Diese Forderung zeugt von äußerster Bequemlichkeit und einer Ignoranz, die ihresgleichen sucht! Es gibt sie nämlich wirklich: Leute, die ohne Kontokarte und nur mit Bargeld vor die Tür gehen. Dann hat man nämlich über seine Finanzen eine bessere Kontrolle. Manche Leute erleben eine böse Überraschung, wenn das Konto bis zum „Anschlag“ überzogen, gesperrt oder „ganz“ gepfändet wird! Die Dienstleister sollten nicht zuletzt die vom Kaufhaus-Mogul Harry Gordon Selfridge aufgestellte „Philosophie“ vergessen, welche lautet: Der Kunde ist König! Wenn die Gastronomie vehement die Annahme von Bargeld verweigert, dürfen sich die Betreiber nicht wundern, wenn ihr Geschäft den Bach runter geht! Es wäre daher zweckmäßig(er), beide Möglichkeiten anzubieten. Ich habe schon oft die Notiz gesehen: Bitte bezahlen Sie möglichst mit Karte! Wer kann, bezahlt mit Karte und wer keine Karte dabei hat, der zahlt mit Bargeld.

Saskia Schneider, Hamburg-Harburg

Nervige Schlange an der Kasse

Na endlich, möchte man da ausrufen. Nichts ist nerviger, wenn jemand an der Kasse das Kleingeld zusammensucht, um selbiges wieder los zu werden und dafür lange Schlangen in Kauf nimmt. Aber ich gebe Ihnen Recht, in meiner Generation (Ü 60) bin ich immer noch ein Exot, wenn ich z. B. mit Apple Pay bezahle.

Peter Dieckmann

Nie wieder Sylt

23. Juni: „Sylt: Gemeinde lässt Wasser ab und baut Poller auf. Situation am Hotspot der Punker in Westerland spitzt sich zu“

Am 4. Juni reiste ich mit Hund und Auto aus dem Ruhrgebiet nach Sylt und erreichte nach zehnstündiger Anreise mein gemietetes Domizil auf der Friedrichstraße, direkt neben Leysieffer. Ich wäre gern sofort wieder gefahren, denn was sich mir da bot, konnte ich kaum glauben: Überall liegende Gestalten, mit und ohne Schlafsack, extrem laute und aggressive Musik, Flaschen, Müll, urinierende Menschen, Schmutz und Krawall, bepackte Einkaufswagen... Ich traute mich kaum, das Gepäck auszuladen, geschweige denn, das Appartement zu verlassen. Von Polizei oder Ordnungsamt war nichts zu sehen, auch die Folgetage nicht. Nachts zogen die Gestalten zum Strand und machten es sich in den Strandkörben bequem. Für mich als Hundehalter war der gesamte Urlaub ein Alptraum, da ich mich dort zumindest abends kaum aus dem Haus gewagt habe. Dabei hatte ich mich so gefreut, nach über zwei Jahren Corona, Kurzarbeit und wirklich einer anstrengenden Zeit, hatte ich die Ruhe und das Meer so herbeigesehnt. Und dann das! Offensichtlich hatten die Einheimischen noch die Hoffnung, dass es sich um eine kurzzeitige Belagerung handeln würde, die beim nächsten Regen erledigt ist, aber weit gefehlt. Ich war nach zwei Wochen Dauerchaos froh, wieder nach Hause zu fahren. Ich fühle mich als Urlauber betrogen. Kann man nicht erwarten, dass man als Tourist geschützt wird? Für mich ist Sylt keine Option mehr, Preise wie im Club Robinson, Ambiente wie am Bahnhof Zoo.

Anja Wahle, Dortmund

Behörden schlecht zu erreichen

22. Juni: „Hamburgs Ämter erlauben bis zu 60 Prozent Homeoffice“

Die erweiterten Homeoffice-Möglichkeiten – insbesondere im öffentlichen Dienst – die während der Pandemie primär dem Infektionsschutz dienen sollten und nun von Politik, Behörden und Gewerkschaften unisono, nicht ohne den heutzutage unvermeidlichen Hinweis auf den Klimaschutz, als erfolgreiches Instrument zur Steigerung der Flexibilität und Effizienz entdeckt werden, werden leider dazu führen, dass die Erreichbarkeit von Behörden und anderen öffentlich-rechtlichen Institutionen wie z.B. Krankenkassen und Rentenversicherern noch weiter als bisher eingeschränkt wird. Auf elegante Weise kann man sich so dem ungeliebten Publikumsverkehr noch weiter als bisher entziehen und Ratsuchende auf telefonische Anfragen oder besser noch schriftliche Anträge verweisen, wohl wissend, dass damit die Hälfte der bisherigen Ersuchen an dieser Kommunikationsbarriere scheitern dürfte. Wer schon einmal erlebt hat, wie schwierig es im Hamburger Behördenalltag ist, sich vom Homeoffice aus an andere Sachbearbeiter/innen desselben Geschäftsbereich durchstellen zu lassen (insbesondere, wenn diese ebenfalls im Homeoffice sind), wünscht sich die Zeiten zurück, in denen Ämter etc. noch verlässlich besetzt waren, aber da spielte die Work-Life-Balance eben noch keine Rolle. Mir tut nur meine freundliche Bäckereiverkäuferin leid, die sich jeden Tag tapfer dem Kundenverkehr aussetzt und damit Gefahr läuft, Einschnitte in ihrer Selbstverwirklichung hinzunehmen. Pech für die Dame, dass sie nicht im öffentlichen „Dienst“ tätig ist, Glück für uns alle!

Dr. Martin Roettig

Barkasse ab Brücke zehn

22. Juni: „Neustart für die Harley Days. Motorradspektakel steigt auf dem Großmarkt. Straßensperrungen am Sonntag“

Mit Interesse habe ich gelesen, dass Besucher der Harley Days das Veranstaltungsgelände am Großmarkt auch mit der Barkasse erreichen können. Wo der Anbieter zu finden ist, darüber ist allerdings nur wenig bekannt. Während die meisten Barkassenanbieter an den Landungsbrücken ansässig sind, muss man sich bis zur Brücke 10 begeben, um in die Barkassen der Maritime Circle Line einsteigen zu können. Bleibt zu wünschen, dass möglichst viele Besucher dieses innovative Angebot nutzen, das einen Beitrag dazu leistet, die Harley Days umweltschonender durchzuführen.

Günter Dorigoni

Aus dem Herzen gesprochen

22. Juni: Kommentar: „Harley Days – nicht zeitgemäß“

Die Autorin spricht mir aus dem Herzen. Die Harley Days sind ein Anachronismus. Da knattern tausende Motorräder durch die Stadt und belästigen die Bewohner mit Lärm und Abgasen. Das Benzin dazu wird noch mit Steuern der Allgemeinheit subventioniert. Wirklich verrückt. Wie passt das zu einem rot-grünen Senat, der vorgibt das Klima schützen zu wollen?

Matthias Christen

Und die Rallye Monte Carlo?

Es stellt sich dann aber auch unweigerlich die Frage: Sind Veranstaltungen wie die Formel 1, die Rallye Monte Carlo und der Preis von Monaco dann noch zeitgemäß? Laut, stinkend, die Umwelt verschmutzend, kein bisschen nachhaltig – dafür aber hoch dotiert… Passt leider auch alles nicht zusammen, wenn man es streng nimmt.

Kirsten Schlatermund

Alle Mittel sind recht

20. Juni: „Energiekrise: FDP will Fracking erlauben, Habeck Gas sparen“

Russland muss mit allen Mitteln daran gehindert werden, seine Expansionspolitik weiterzubetreiben. Dazu sind alle Mittel recht: politische Isolation, militärische Unterstützung der Ukraine mit Waffen aller Art und wirtschaftliche Sanktionen. Hierzu gehört auch die Abnabelung Deutschlands von russischer Energie. Die dafür notwendigen Maßnahmen sind alternativlos, das hat auch der grüne(!) Wirtschafts- und Umweltminister Habeck erkannt. Neben der Reaktivierung von Kern- und Kohlekraftwerken darf auch die Gasförderung durch Fracking kein Tabu-Thema sein, obwohl dadurch die Klimaziele sicherlich verfehlt werden. Aber allen Klimarettern sei gesagt: Wenn Putin nicht in der Ukraine gestoppt wird, ist der Klimawandel in den kommenden Jahren das geringste Problem für die Menschen in Europa!

Martin Wucherpfennig

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