Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 18. Juni 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Verhalten zum fremdschämen

17. Juni: „Kanzler im Kriegsgebiet. Bei seinem Besuch in Kiew erfährt Olaf Scholz, was Russlands Angriff anrichtet. Präsident Selenskyj zufrieden mit Treffen“

Das Verhalten unseres Bundeskanzlers ist in meinen Augen zum fremdschämen. Die Ukraine benötigt jetzt und nicht erst im Oktober schwere Waffen. Im Oktober kann der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands schon beendet sein. Dies dann mit einem aus Sicht Putins guten Ergebnis, was Landgewinne im Bereich der Ukraine betrifft. Gleichzeitig werden in dieser Zeit viele Ukrainer ihr Leben verloren haben. Hinzu kommen der Heimat- und/oder der Freiheitsverlust für die Überlebenden in den von Russland besetzten Gebieten. Die nach wie vor zögerliche Art im Zusammenhang mit der tatsächlichen Lieferung von schweren Waffen wird von Herrn Scholz und seinen Gefolgsleuten damit begründet, dass man einer Eskalation des Konfliktes vorbeugen wolle. Das klingt natürlich besonnen und vernünftig, weshalb Herr Scholz für seine Zögerlichkeit von vielen gelobt wird. In Wahrheit ist es aber der Wille von Leuten wie Scholz und beispielsweise Stegner, möglichst keine schweren Waffen zu liefern. Scholz und Co. hoffen ganz einfach darauf, dass die kriegerischen Handlungen beendet sind, bevor schwere Waffen aus Deutschland in der Ukraine zum Einsatz kommen. Bis dahin will man sich im Verhältnis zu Russland nicht die Hände schmutzig machen. Das Verhalten von Scholz führt nicht nur zu vielen vermeidbaren Toten in der Ukraine, sondern auch dazu, dass uns unsere Partner in der Nato und der EU als unzuverlässig wahrnehmen.

Matthias Teichner

Gründe gegen die Stadtbahn

17. Juni: „Neue Studie: Stadtbahn ist U 5 deutlich überlegen. Linksfraktion legt umfassende Untersuchung vor: U-Bahn fährt demnach am Bedarf vorbei, ist zu teuer und kommt zu spät.“

Es gibt viele gute Gründe, die Stadtbahn in Hamburg nicht wieder zum Leben zu erwecken. Wer sich noch an die Zeiten erinnert, als die lauten und schaukelnden Straßenbahnen durch Hamburg gerattert sind, kann sich das nicht wieder wünschen. Und meine Erfahrungen mit den Stadtbahnen in verschiedenen deutschen und ausländischen Städten sind auch nicht so, dass in mir die Überzeugung wächst, dass Hamburg davon profitieren würde. Ganz abgesehen davon, dass eine Stadtbahn den ohnehin engen Straßenraum weiter verengt. Die frühere Straßenbahn in Hamburg hatte in der Regel keine eigene Spur, die Autofahrer konnten quasi hinter der Bahn herfahren. Ganz abgesehen von den sonst jetzt notwendigen Straßenverengungen und -sperrungen in den jahrzehntelangen Bauphasen. Eine U 5 wird weitgehend unterirdisch verlaufen, und wir sollten froh und glücklich sein, dass wir die U-Bahn in Hamburg haben. Aus heutiger Sicht würde sicher auch deren Existenzberechtigung noch hinterfragt werden.

Bernd Glodek

Blumenbeete statt Poller

16. Juni: „Hamburg sucht ein ,Leitbild‘ für die City. Senat stellt erstmals eine Innenstadtkoordinatorin vor, die das Stadtzentrum wieder attraktiver machen soll“

Seit Jahren wird nun schon ohne großen Erfolg an einer Belebung der Hamburger Innenstadt herumgedoktert. Aber statt schöne Plätze mit Aufenthaltsqualität zu schaffen, wie wir dies aus anderen Städten, insbesondere im europäischen Ausland kennen, sehen wir in Hamburg vorwiegend fantasielose, versiegelte, baumfreie Flächen, die lediglich mit Pollern, Fahrradbügeln und unbequemen Sitzmöglichkeiten verunstaltet sind, statt diese mit schön gestalteten Blumenbeeten, Bäumen und Brunnen aufzuwerten. Zu einer Belebung würde auch eine Umwidmung zahlreicher leerstehender Büroflächen in bezahlbaren Wohnraum beitragen, wie auch die Umwandlung großer Verkaufsflächen in kleine individuelle Geschäfte. Weitere Kettengastronomie, wie dies die CDU für den Jungfernstieg propagiert, ist sicher eher wenig hilfreich. Bevor die Fehler der Vergangenheit weitergeführt werden, sollten die verantwortlichen Planer die Ferienzeit nutzen und sich mal im europäischen Ausland umschauen, wie es dort gelungen ist, die Innenstädte zu beleben.

Stefan Bick

Letztlich leidet der Verbraucher

16. Juni: „Streit um Anwohnerparken eskaliert“

Grundsätzlich ist das Anwohnerparken zu befürworten (wir sind auch genervt durch Fremdparker). Aber: Es kann doch nicht sein, dass Arbeitnehmer und Gewerbetreibende darunter leiden müssen. Sollen diese Material und Mitarbeiter mit dem Lastenrad transportieren? Hier muss doch abgewogen werden. Für Nachtarbeiter, Früharbeiter, Spätarbeiter müsste rund um die Uhr der ÖPNV zur Verfügung stehen, für alle Gewerbetreibenden ein kostenloses Parken (da sich das sonst nur wieder auf die Verbraucher niederschlagen würde). Dann könnte es vielleicht klappen.

Susanne Lüders

Freier Parkraum Norderstraße

In der Norderstraße vor der Brecht-Schule wurde das Anwohnerparken eingeführt. Für welche Anwohner eigentlich? Um 19 Uhr ist kaum die Hälfte der Parkplätze belegt. Dafür müssen die Schüler des Abendgymnasiums unnütze Zeit damit verbringen, im Umkreis Parkplätze zu suchen und erzeugen damit unnötig Abgase! Wegen der Anfahrt ist aber für viele der Schüler nur das Auto eine Alternative. Man kann sich daher nur fragen, ob es in manchen Entscheidungsprozessen der zuständigen Behörde auch intelligente Menschen gibt.

Horst Zeller

Moorburg als Reserve

14. Juni: „Besserer Schutz vor ,Blackouts‘. Geplantes Gaskraftwerk im Hafen soll katastrophalen Stromausfällen trotzen“

Eine Schwarzstarteinrichtung kann keinen „Blackout“ verhindern. Sie hilft allerdings beim Wiederaufbau eines zusammengebrochenen Netzes, um andere Kraftwerke mit elektrischer Energie zu versorgen, damit diese den Betrieb wieder aufnehmen können. Früher gab es so eine Schwarzstarteinrichtung im Pumpspeicherwerk Geesthacht. Zu HEW-Zeiten war Hamburg in der Lage, Inselbetrieb zu fahren, da genügend eigene Erzeugungskapazität vorhanden war. Heute ist für die Versorgung der Stadt eine Verbindung mit dem umgebenden Transportnetz zwingend erforderlich. Nur so kann genügend Strom in das Verteilnetz von Stromnetz Hamburg eingespeist werden. Ein stabiler Inselbetrieb, d. h. keine Verbindung mit dem umgebenden Transportnetz, ist mit den zurzeit in der Stadt vorhandenen Erzeugungskapazitäten kaum aufrecht zu erhalten. Mit einem in Reserve befindlichen Kraftwerk Moorburg wären die Chancen für eine sichere Versorgung der Stadt erheblich größer gewesen. Diese Möglichkeit ist leichtsinnigerweise aufgegeben worden. Interessant ist, dass nun doch wieder Gas zum Einsatz kommen soll, und Wedel offenbar noch eine nicht enden wollende Laufzeitverlängerung erhält.

Werner Berndt

Das Geld muss wohl weg

Eines der größten, modernsten und effektivsten Kohlekraftwerke der Welt (Moorburg), das eine Leistung von 1200 Megawatt Höchstleistung hatte, wird auf Druck der Grünen aus rein ideologischen Gründen zurückgebaut. Und nun soll laut Umweltsenator Jens Kerstan (auch Grüne) ein brandneues Gaskraftwerk gebaut werden mit 400 Megawatt Leistung für 400 Millionen Euro. Was für ein Nonsense, auch ein abgestelltes Kohlekraftwerk ist relativ schnell wieder am Netz für einen Kaltstart, aber das Geld muss wohl einfach weg.

Andreas Stiegert

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