Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Juni 2022

| Lesedauer: 9 Minuten

Endlich nach vorne schauen

15. Juni: „Warum es Schulen an Digital-Kompetenz fehlt“

Es gibt einzelne Lehrkräfte, die beim Thema Digitalausbildung an unseren Schulen einen herausragend guten Job machen, aber für den Großteil gilt, dass sie für sich selbst das Thema nicht wichtig genug finden, um sich mit der Digitalisierung so ernsthaft auseinanderzusetzen wie damals mit den studierten Lehrfächern. Ist auch egal, weil ein Mangel bei diesem Thema keine Auswirkung hat – für die Lehrkräfte. Es ist ja auch viel einfacher, weiter das zu lehren, was man selber kann. Das gilt allerdings überhaupt nicht für die Kinder. Die Welt hat sich die letzten Jahrzehnte dramatisch verändert, nicht nur in der Digitalisierung. Ein Abitur 2022 könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit exakt so auch schon 1972 geschrieben worden sein. Mathe so wie früher, Geschichte so wie früher und Faust gab es damals auch schon. Neue Schülerinnen und Schüler werden pseudo-elitär an manchen Gymnasien immer noch als „Sextaner“ begrüßt. Wann endlich hören wir auf, nach hinten, wann beginnen wir endlich, nach vorn zu schauen? Wann endlich findet Schule für die Kinder statt und nicht für die Lehrkräfte?

Marc Murray

Von der Theorie zur Praxis

14. Juni: „Deutschland streitet über den Pflichtdienst. Der Vorstoß des Bundespräsidenten hat eine lebhafte Debatte ausgelöst“

Oh, wie wäre das herrlich – ein soziales Jahr für alle nach der Schule! Keine Planlosigkeit nach dem Schulabschluss mehr. Ein Jahr Aufschub bis zur Berufs- bzw. Studienwahl! Keine rumhängenden, verschlafenen Pubertierende ohne Perspektive im Haus, die sich erst einmal monatelang von dem schweren Schulabschluss erholen müssen. Aber das darf ja nicht laut gesagt werden, dass sowohl die Abschaffung der Wehrpflicht (mit Wahlmöglichkeit für den Zivildienst) und die Verkürzung auf 12 Jahre bis zum Abi gesellschaftlich eigentlich eine Katastrophe waren. Was ist so schlimm daran, etwas für das Gemeinwohl zu tun? Auch in Kitas wären junge Kerl*innen für alle ein Gewinn! Es gibt so viele Einsatzmöglichkeiten! (Parkanlagenpflege, Graffitientfernung, Einkäufe erledigen, kleine Reparaturarbeiten, Ausflugsbegleitung…). Und gerade nach/während der schwierigen Coronazeit kann ein „Pflichtjahr“ (blöder Begriff) neue Perspektiven schaffen. Vielleicht hat der oder die ein oder andere sogar Spaß an dieser sinnvollen Beschäftigung?! Jugendliche sind belastbarer als viele glauben – wenn sie einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen können. Und es wäre vielleicht sogar noch ein richtiger Schritt weg von der Akademisierung hin zur Praxis. Ich hätte noch viel dazu zu sagen (und viele andere Mütter auch). Und ich liebe meine Kinder, das sei noch erwähnt.

Babette Geißler

Keine Plattform für Botschafter

14. Juni: „Botschafter: Ukrainer fühlen sich in Deutschland nicht willkommen“

Ich bin mir sicher, im Namen vieler Leser zu sprechen, wenn ich darum bitte, nicht ständig die impertinenten Forderungen des ukrainischen Botschafters an die Bundesregierung im Abendblatt lesen zu müssen! Deutschland trägt keine Verantwortung für den Ausbruch des Krieges in der Ukraine! Dennoch haben wir in großem Umfang Geld, Waffen und sonstige benötigte Güter an die Ukraine geliefert und viele ukrainische Frauen und Kinder bei uns aufgenommen. Bitten um weitere Hilfen kann Herr Melnyk selbstverständlich äußern, aber nur diplomatisch und höflich und nicht frech und anklagend! Im Übrigen: Ich bin der festen Überzeugung, dass die Lieferung von (schweren) Waffen an die Ukraine den Krieg, die Zerstörung des Landes und das Leid der Bevölkerung nur verlängern wird. Russland verfügt über schier unendliche Ressourcen. Frieden wird am Ende immer nur durch Verhandlungen geschaffen, mögen sie auch schmerzhafte Zugeständnisse und Kompromisse erfordern!

Edgar v. Jhering

Mir platzt der Kragen...

Jetzt platzt mir endgültig mein „Verständniskragen“. Wann endlich und durch wen wird der ukrainische Botschafter Melnyk in seiner maßlosen Selbstherrlichkeit gestoppt? In zahlreichen Veröffentlichungen beschwert er sich über unser Land, unsere Hilfe und greift sogar die Politik unserer ehemaligen Kanzlerin an – von der Brüskierung unseres Bundespräsidenten gar nicht zu reden. Jede verfügbare Hilfe zur Unterstützung der ukrainischen Flüchtlinge, seiner Landsleute, wird ihnen bei uns zuteil. Die halbe Welt gerät durch den Krieg aus den Fugen und ächzt unter dem Konflikt pubertärer Staatenführer. Wenn der ukrainische Präsident keinen besseren Vertreter seines Landes findet, dann zweifle ich zutiefst an der Fähigkeit diplomatischer Kompetenz.

Ernst Hübner, Regesbostel

Melnyk go home!

Wir hoffen sehr, dass auch Herr Melnyk sich bald nicht mehr willkommen fühlt und Deutschland so schnell wie möglich verlässt. Seine Forderungen und sein Auftreten sind unerträglich und wenig diplomatisch. Er ist dafür verantwortlich, wenn die Unterstützung bei uns nachlässt, und die Stimmung in Deutschland daraufhin kippt. Vielleicht versucht er es ja mit Bitten anstatt mit Forderungen. Meine Spendenfreude ist inzwischen gleich Null. Ich bin absolut kein Scholz-Fan, aber das Bashing der ukrainischen Regierungsvertreter gegen Herrn Scholz und sein Kabinett ist unanständig und unwürdig und steht in keinem Verhältnis zu den von uns erbrachten Unterstützungsleistungen. So integer ist die Ukraine nicht, dass sie uns ständig mit neuen Forderungen konfrontieren müsste. Ich hoffe sehr, dass der Bundeskanzler, und die gesamte Regierung weiterhin so besonnen agiert. Ich denke, sie brauchen keine Ratschläge von der ukrainischen Seite.

Anncatrin I. Wagner

Kein Parkplatz für Lehrer

14. Juni: „Klinik fürchtet Personalnot durch Anwohnerparken“

Nicht nur an der Kinderklinik Altona führt das Thema Parknot zu heißen Debatten und Schwierigkeiten. Auch am benachbarten Gymnasium Altona, Bleickenallee/Ecke Hohenzollernring ist es für zahlreiche Kolleginnen und Kollegen kompliziert geworden. Ob durch den Transport von Arbeitsmaterialien oder die weiten Anreisen aus Rahlstedt, Uetersen oder Tornesch. Manch einer überlegt sich, an eine andere Schule zu wechseln. Die Anreise ist oftmals nur mit enormem Zeitaufwand zu bewerkstelligen. Hefte- und Bücherstapel, Material für Projekte und Projektwochen können eben nicht immer mit dem Rad oder Bus transportiert werden. Und selbst mit dem Parkticket für drei Stunden kommt man da nicht weit, wenn man Unterricht von viertel vor acht bis 16 Uhr hat. Gespräche der Schulleitung mit Behörde und Polizei waren ergebnislos. Eine große Anzahl der über hundert Beschäftigten kommt generell bereits seit langer Zeit mit dem Rad. Der „Fahrradstall“ für 22 Räder nimmt sich da beinahe belustigend aus. Trotz des zurzeit erstellten Neubaus hat die Behörde nicht vorgesehen, vorausplanend zu denken und gleich auch wenigstens eine Ladestation für E-Bikes zu installieren. Ein solches Rad zu leasen wird von ihr aber durchaus vorgeschlagen. Dem Wunsch der Belegschaft nach einigen Parkplätzen für die Schule wurde nicht entsprochen. Bei Neubauten sehe dies anders aus, heißt es. Wir sind aber „Bestand“. Und Platz auf dem Schulhof gibt es auch nicht mehr: Dort steht der Neubau auf dem ehemaligen Beachvolleyballplatz und dem Fußballfeld. Ohne die Nutzung des öffentlichen Spielplatzes und der Parkfläche vor dem Haupteingang als Pausenhof würde bei der fünfzügigen Schule ohnehin nichts mehr gehen. Uns als Belegschaft geht es hier nicht um die Bequemlichkeit, mit einem Pkw zur Schule kommen zu können, sondern überwiegend um Transportschwierigkeiten, nicht nur bei schlechtem Wetter.

Eva Hollmann-Thomas,

Klassenleitung 10, Fachleitung Kunst

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