Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. Juni 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Ganzheitlich denken

10. Juni: „Wenn das Einfamilienhaus zur Kostenfalle wird“

Bei einer Gegenüberstellung der Energiekosten eines unsanierten und eines sanierten Objektes darf man nicht nur die CO2- Bilanz des laufendes Betriebes gegeneinander aufrechnen. Vielmehr muss auch die CO2-Bilanz der zur Sanierung verwendeten Baustoffe ausgewiesen werden und die CO2-Bilanz der Entsorgung der Altmaterialien noch dazu. Denn jede Sanierung, sowie jeder heutige Neubau eines energiearmen Gebäudes benötigt erst einmal Baustoffe, viele Baustoffe – also Ressourcen in einer zunehmend ausgebeuteten Welt. Das Sanieren ist nicht nur finanziell teuer, sondern auch von der CO2-Bilanz her in der Gesamtbetrachtung oft gar nicht mehr sinnvoll. Im Sinne der Nachhaltigkeit muss man aber ganzheitlich und ressourcenschonend denken.

Jutta Lehmann, Ahrensburg

Jeder kann helfen!

9. Juni: „Kahlschlag an der Außenalster. An Hohenfelder Bucht werden auch für Ausbau der Veloroute 86 Bäume gefällt“

Es ist als Hamburgerin richtig nervig, ständig Klamaukvorschläge einer ehemaligen Bürgermeisterpartei zu hören – jetzt zu den seit Anfang der Planungen leider bekannten und wohl nötigen Baumfällungen im Bereich der Hohenfelder Bucht. Diese ist ein fürchterlicher Verkehrsknotenpunkt mit Lärm, Platzproblemen und maroden Verkehrswegen. Mehr Platz für Verkehre/Menschen geht immer zu Lasten der Reste von Natur in einer Großstadt. Wie wäre es mit vorausschauender Planung statt Kritik am leider Nötigen? Mario Mettbach ließ noch an seinem letzten Arbeitstag einen großen Altbaum an der Landwehr fällen, um wenige Meter Anfahrtplatz für Busse zu schaffen. Der Baum stand auf dem Gehweg und beschattete die halbe Kreuzung Landwehr/ Wandsbeker Chaussee. So viel zu „Notwendigkeiten“, wenn „ man“ regiert. Aktuell sind Senkrecht-, Dachbegrünung und Flächenentsiegelung bitter notwendig und Menschen, die Jungbäume wässern und pflegen. Da kann jeder helfen! Und gerne seine Verbindungen in Firmen und Genossenschaften nutzen, um lebensfreundlich zu bauen!

Dr. Susanne Heinrichowski

Das ist keine grüne Politik

Eine kleine Anfrage der CDU bringt es ans Licht: unser rot-grüner Senat versündigt sich einmal mehr am alten Baumbestand! Für eine Veloroute wurden auch in Jenfeld bereits Dutzende alte Straßenbäume gefällt und es nimmt augenscheinlich kein Ende. In anderen Städten hat das Umdenken bereits stattgefunden: Moore werden renaturiert, Altbestand an Bäumen besonders geschützt, versiegelte Flächen um die Bäume herum wieder aufgebrochen, neue Grünoasen werden insbesondere in den Innenstädten angelegt, an vielen Stellen Büsche und Gehölze gepflanzt. Hamburg begibt sich meines Erachtens in einen Teufelskreis. Immer weniger große Bäume und mehr versiegelte Flächen führen zu einer noch schnelleren Erwärmung der Stadt, was wiederum zu Schädigungen des Baumbestandes führen wird. Die Erfahrung aus anderen Bauprojekten in Hamburg zeigt, dass Nachpflanzungen überwiegend mit sehr kleinen Bäumchen vorgenommen werden und häufig nicht an gleicher Stelle oder in örtlicher Nähe geschehen. Diese Mini-Nachpflanzungen können die Rolle der alten Bäume auf Jahrzehnte nicht ausfüllen. Das ist nicht die grüne Politik, die Hamburg dringend braucht, um eine lebenswerte, naturgrüne Stadt zu bleiben!

Susanne Grabler

Eine Lösung ist möglich

7. Juni: „Psychische Folgen von Corona: Kinder warten lange auf Therapie. Bedarf wächst ,dramatisch‘. Durchschnittlich 30 Wochen dauert es bis zu einem Termin“

Sie kümmern sich mit der schlechten Versorgungslage bei Psychotherapie für Kinder um ein Problem, dessen Weiterexistenz mich immer wieder empört. Dabei wären zusätzliche Lösungen möglich. Denn eine Berufsgruppe wird völlig außer Acht gelassen: Lehrer, die eine fundierte psychotherapeutische Ausbildung haben, zum Beispiel systemische Psychotherapie oder Transaktionsanalyse. Diese müssen aufgrund der medizinisch dominierten Gesetzeslage für Psychotherapie ihre psychotherapeutische Kompetenz durch den „Heilpraktiker Psych“ legitimieren. Der Begriff „Heilpraktiker“ ist öffentlich negativ konnotiert. Nur, es gibt für sie keinen anderen Weg zur Heilerlaubnis. Lehrer mit Berufserfahrung in beiden Feldern kennen sich mit Kindern aus und sind psychotherapeutisch gut ausgebildet, haben aber eine unzureichende Lobby. Es gab einst ein Delegationsverfahren, bei dem Ärzte an diese Therapeuten delegieren konnten, um auch Seriosität zu gewährleisten. Dies wäre ein einfacher Weg, den Notstand zu lindern, den auch die Krankenkassen ermöglichen könnten.

Stefanie Schlick

Chaotische Verhältnisse

8. Juni: „Hamburgs Flughafen meldet mehr als eine Million Passagiere im Mai. Ansturm nach langer Corona-Flaute. Aber häufig lange Schlangen. Sicherheitspersonal gesucht“

Ich war im Mai betroffener Fluggast, habe zweieinhalb Stunden in ungeordneten, ja chaotischen Verhältnissen nachts ab 2.30 Uhr auf dem Flughafen zugebracht. Sowohl Check-in als auch Sicherheitskontrollen waren drastisch unterbesetzt. Das Terminal war bis auf den letzten Stehplatz voll. Die Maschine konnte nur mit 30 Minuten Verspätung um 6.30 Uhr starten, weil noch so viele Fluggäste in den Kontrollen und den chaotischen Verhältnissen geschuldet festsaßen. Die Meldung, man solle drei Stunden vor Abflug am Terminal erscheinen, erreichte uns gegen fünf Uhr. Ich möchte mal behaupten, das ist ganz schlechtes Management. Unter diesen Bedingungen werde ich nicht mehr ab Hamburg fliegen und weiche auf andere funktionsfähige Flughäfen mit Anbindung aus, z.B. Hannover, oder ich fliege am besten gar nicht mehr. An die betroffenen Verantwortlichen: Anhand der Anzahl der Abflüge und gebuchten Passagiere müsste dass Passagieraufkommen doch Wochen im Voraus für jeden Tag bekannt sein. Wieso wird anhand dieser Zahlen nicht geplant? Nur am Rande, bei der Rückreise hatte der Flug über den Tag anderthalb Stunden Verspätung wegen der Abfertigungsprobleme in Hamburg aufgebaut und flog entsprechend verspätet ab. Um 23.55 Uhr in Hamburg hatten die Gepäckbänder dann eine Störung. Weitere Wartezeit. Zusammengefasst, der Flugbetrieb in Hamburg ist derzeit richtig schlecht. Zu schlecht.

Dirk Keßeböhmer

Die FDP ist der Bremser

8. Juni: „Wird Fleisch jetzt teurer? Neue Tierhaltungskennzeichnung: Was sich für Verbraucher ändert“

Welch ein jämmerliches Bild im Hinblick auf Fortschritt und Nachhaltigkeit in einer krisenreichen Zeit gibt gerade die FDP ab. In fast allen Bereichen, wo wir jetzt Stellschrauben drehen könnten, um Klimawandel, Energiekrise und die Schere zwischen Arm und Reich in den Griff zu bekommen, ist die FDP der Bremser: kein Tempo-Limit, keine Steuererhöhungen für Superreiche, keine Übergewinnsteuer, keine Entlastung von Bauern für eine tierfreundliche Haltung und Stallumbauten, keine höhere CO2-Bepreisung, eine fragwürdige Corona-Politik. Bei nahezu jedem innovativen Vorschlag ist das Nein der FDP so gut wie sicher. Die FDP erweist sich einmal mehr als Steigbügelhalter für Porschefahrer und Großverdiener und verhindert trotz ihrer zahlenmäßig kleinen Wählerschaft in der Ampelkoalition jegliche Möglichkeit, jetzt schnell die richtigen Weichen zu stellen. Die FDP steht für ein fatales „Weiter so“ und nicht für Zukunftsfähigkeit angesichts der immensen anstehenden Aufgaben. Sie wirft uns mit ihrer Blockade-Haltung um wichtige entscheidende Jahre zurück. Möge die FDP, wie zum Teil bereits geschehen, bei den Landtagswahlen für dieses Verhalten abgestraft werden.

Annelie Kirchner

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