Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. Juni 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Busfahrten dauern länger

7. Juni: „Hamburg streitet: Tempo 30 auf Hauptstraßen? Bundesweite Initiative bekommt Zulauf“

Ich vermisse in dem Artikel den Hinweis, dass dann auch alle Busse mit Tempo 30 fahren. Das wird natürlich dafür sorgen, dass Anschlüsse nicht mehr passen, und die Fahrtzeit „von Haus zu Haus“ für viele Menschen um einiges länger wird. Ebenfalls können dann auch Handwerker weniger Termine an einem Tag wahrnehmen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass viele Menschen versuchen werden, mit dem Auto über Schleichwege, z. B. durch kleine Wohnstraßen, ihr Ziel schneller zu erreichen.

Gabi Isbarn

Waffen gegen russische Willkür

4./5./6. Juni: Hamburger KRITIken: „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Die berechtigte Empörung über Putins blutige Invasion trübt unseren Weitblick. Wer denkt vom Ende her?“

Die von Matthias Iken angemahnte diplomatische Lösung ist selbstverständlich wünschenswert und es würde auf diesem Weg weiteres unendliches Leid vermieden werden. Dazu gehören aber Politiker, die willens sind, einen diplomatischen Weg zu beschreiten. Leider ist der russische Präsident aber offensichtlich dazu derzeit nicht bereit. Für diese Einschätzung spricht, dass er der Ukraine das Recht auf eine Eigenstaatlichkeit abspricht, obwohl Russland die Grenzen seines Nachbarlandes ausdrücklich anerkannt hat und die begrüßenswerten Versuche des deutschen Bundeskanzlers und des französischen Staatspräsidenten, eine friedliche Lösung zu erreichen, gescheitert sind. Putin setzt auf Sieg, und dazu gehört aus seiner Sicht mindestens die Annexion der Ost- Ukraine, in welchem Umfang auch immer. Er glaubt anscheinend, aufgrund seiner militärischen Überlegenheit, einen Frieden diktieren zu können. Dabei bliebe es auch fraglich, wie lange ein solcher auf Unterwerfung angelegter Friede halten würde. Solange sich an der Haltung Putins nichts ändert, helfen der Ukraine nur Waffen, wenn sie ihre Souveränität nicht aufgeben und der Willkür seines Herrschaftssystems ausgeliefert sein will. Es bleibt zu hoffen, dass die Wirtschaftssanktionen des Westens zu einem Zusammenbruch oder jedenfalls starken Einbruch der russischen Realwirtschaft führen, weil auch mit dem in Russland durch die Energieexporte vorhandenen Geld die notwendigen Waren nicht in ausreichendem Umfang gekauft werden können. Dies könnte eine diplomatische Lösung erleichtern.

Reinhard Wagner

Feindbilder nähren den Krieg

Ich denke, dass weit mehr Bundesbürger kritisch-ablehnend zum militärischen Engagement für die Ukraine stehen als Herr Iken vermutet, diese Haltung jedoch aus Hilflosigkeit und Resignation angesichts der pseudomoralischen Verlautbarungen und Meinungsmache nicht deutlich machen. Die Nachkommen der Weltkriegsgenerationen wie auch die Überlebenden selbst wissen, wie Kriegserfahrungen und Kriegstraumata die Beteiligten und auch die Folgegeneration verstören, verrohen und entmenschlichen. Wir hören von Bleibeperspektiven und Arbeitsmöglichkeiten für geflohene Frauen, weniger von ihrer Zerrissenheit, Angst und Trauer um ihre oft nicht so freiwillig wehrverpflichteten Männer, Söhne,Väter, Brüder oder Deserteure. Wir hören von „den tapferen Ukrainern“ oder „dem tapferen ukrainischen Volk“, aber die Gefallenen und Ermordeten können nicht mehr über ihr tödliches Leid und ihr so sinnlos verlorenes Leben sprechen oder klagen. Wolfgang Borchert, Käthe Kollwitz und Ernst Barlach könnten für sie sprechen. Es ist Guterres, der UN-Generalsekretär, der immer wieder zu sofortigem Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine aufruft, mahnt und Verhandlungen initiiert. Deutschland hat seine neutrale und vermittelnde Position aufgegeben und vehement Partei ergriffen und wird schmeichlerisch wiederholt zu „Führung“ aufgerufen, trotz der nun so deutlich nachwirkenden Kriegsverbrechen gegen die Sowjetunion, die vielfach nicht aufgearbeitet wurden, ebenso wenig wie viele Täterbiografien deutscher Familien. Waffenlieferungen, Feindbilder und Kriegspropaganda nähren den Krieg auf beiden Seiten und verhindern Bereitschaft, Einsicht, Willen aufeinander zuzugehen und Lösungen für einen Frieden und das Überleben zu ermöglichen. Leben geht vor Freiheit – Mensch geht vor Nation.

Gertrud Tammena

Von Diplomatie keine Spur

Ich stimme Herrn Iken voll und ganz und aus tiefstem Herzen zu. Wo bleiben nur Diplomatie und Deeskalation? Davon bemerke ich so gut wie gar nichts. „Waffen sollen Frieden schaffen!“ Das klingt für mich wie der reine Hohn. Ich verstehe das alles nicht mehr, zumal doch lange Zeit Russen und Ukrainer friedlich zusammengelebt haben.

Elke Samulewitz

Solide Bildung in der Schule

4.5.6. Juni: „Wie man mit Leistung anecken kann … Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat in der Bildungsplandebatte ein Reizwort gebraucht. Bei den Grünen regt sich Widerstand“

Schulsenator Ties Rabe stellte seine Entwürfe für neue schulische Bildungspläne vor und entfachte damit eine ideologische Sturmflut. Auslöser war dafür das Wort „Leistung“. Der Begriff ist für konservative Kreise ein Muss für Schülerinnen und Schüler, während das linke politische Spektrum diesen Begriff am liebsten streichen würde. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Leistung ist aber kein Garant auf eine herausragende Position in vielen Lebensbereichen. Neben Glück, Zufall und Schicksal versperren leider noch immer Korruption und Vetternwirtschaft den Leistungsstarken oft ihre verdiente Anerkennung. Dass unseren Schülerinnen und Schülern Ausdauer und Anstrengung nicht fremd sind, zeigt ihr Umgang mit den neuen Medien. Warum sollte man diese Fähigkeiten nicht auch schulisch nutzen? Wie wäre es, auf den „Punkt“ abgeforderte und abgelieferte Leistung durch solide allgemeine Bildung und Wertevermittlung zu ersetzen? Was haben Arbeiten und Klausuren, in denen vielfach reines Expertenwissen gefragt ist, in der Schule zu suchen? Vielmehr sollte allgemeines Interesse für Themen geweckt werden, die später je nach Interessenlage an verschiedenen Ausbildungsstätten vervollkommnet werden könnten. Klausuren, die auf grundlegendes Wissen abzielen,würden Präsentationen und Referate als Ersatz unnötig machen. Und vielleicht kann die hoffentlich überstandene Pandemie bei den Verantwortlichen für die Schulpolitik auch etwas Positives bewirken: Eine Rückkehr zu G 9.

Wiltrud Becker-Wessels

Keine Bühne für FC Teutonia?

4./5./6. Juni: „Kein Leipzig: Teutonia blitzt bei St. Pauli ab. Regionalliga-Club muss weiter Spielstätte für DFB-Pokal suchen“

Ich stehe wöchentlich, heim- und auswärts, mit Eltern und Spielern der A-Jugend des FC Teutonia 05 aus Ottensen auf Fußballplätzen und bin dabei umringt von glühenden St.-Pauli-Anhängern. Nun schafft es unser Stadtteilclub, unter anderem ausgezeichnet für seine Integrationsarbeit, sich sportlich für die DFB-Pokal-Hauptrunde zu qualifizieren und bekommt ein Spiel gegen einen der derzeit erfolgreichsten Klubs in Deutschland als Hauptgewinn zugelost. Ein Spiel für einen Hamburger Amateurverein als Höhepunkt der bisherigen Clubgeschichte. Und der FC St. Pauli, der sich selbst zurecht an wichtigen Werten misst, hat nichts besseres zu tun, als Teutonia Steine in den Weg zu werfen? Die Austragung des Spiels am Millerntor unter Verweis auf das Geschäftsmodell von RB Leipzig abzulehnen? „Der FC St. Pauli möchte RB keine Bühne geben.“ Nein. Der FC St. Pauli möchte dem FC Teutonia keine Bühne geben. Borniertheit sollte eigentlich nicht zu den Werten des FC St. Pauli gehören.

Thomas Oberbach

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