Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. Juni 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Kein Verständnis für die FDP

3. Juni: „Wir brauchen einen Plan. Die Politik muss vorsorgen, damit es im Herbst kein Pandemie-Chaos gibt“

Natürlich brauchen wir einen Plan für den Herbst, um nicht immer wieder in der Pandemie dieselben Fehler zu wiederholen. Zurecht fordern der Bundesgesundheitsminister, die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder und die Virologen, im Infektionsschutzgesetz vorsorglich einen Basisschutz zu verankern, der Maßnahmen wie z.B. Maskenpflicht in den Innenräumen bei Bedarf ermöglicht. Es ist völlig unverständlich, dass die Herren Buschmann und Kubicki sich wieder laut zu Wort melden, um das schon im Ansatz zu verhindern. Haben die Herren nicht begriffen, dass die FDP bei den Älteren in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein deutlich unter die Fünf-Prozent-Hürde gefallen ist?

Winfried Wolf

Eine deprimierende Situation

2. Juni: Kommentar: „Waffen reichen nicht. Im Ukraine-Krieg fehlt es an diplomatischen Ideen“

Es ist leider eine Illusion zu glauben, dass der Krieg mit der Ukraine nur durch Verhandlungen mit Putin sein Ende finden wird. Verhandlungen setzen eine Verhandlungsbereitschaft voraus, an der es jedoch fehlt. Für Putin wird es eine Beendigung seines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs erst geben, wenn er seine militärischen Ziele erreicht sieht. Welche dies sind, ist aber nicht absehbar. Nach der letzten Rede seines Außenministers Lawrow scheint die vollständige militärische Unterwerfung des Donbass ein Kriegsziel zu sein. Wenn dies gelingen sollte, wird es eine Chance geben, dass Putin gesichtswahrend diesen unseligen Krieg beenden wird. Das allerdings setzt voraus, dass Selenskyj dazu bereit ist, zu seiner am Anfang des Krieges geäußerten Meinung zurückzukehren, die von Russland besetzten Gebiete aufzugeben. Hierzu besteht indessen wenig Hoffnung. Eine zu tiefst deprimierende Situation!

Dr. Claus Rabe

Die Schuld der Führungskräfte

3. Juni: „Flughafen: Gepäck-Ärger dauert an. Noch keine Besserung bei Wartezeiten in Sicht. Verweis auf europaweite Probleme“

Die wiederholten Probleme der Gepäckabfertigung und Sicherheitskontrollen müssen sich die Führungskräfte zuschreiben. Nichts scheint einfacher, als die im Voraus bekannte Anzahl der Fluggäste und voraussichtlichen Gepäckstücke zu ermitteln. Und für die Ausgabe und Rückgabe der Plastikschalen an der Sicherheitskontrolle lassen sich sicherlich auch schneller zu qualifizierende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen finden. Hamburg bleibt ein Provinzflughafen, wenn die Verantwortung für diese Unzulänglichkeiten immer woanders gesucht wird.

Wolfgang Jessen

Hamburg verpasst eine Chance

3. Juni: „U-Bahn-Linie 1 für drei Monate gesperrt. Zwischen Ohlsdorf und Lattenkamp kein Verkehr. Grund ist Barrierefreiheit“

Die ständigen Streckensperrungen bei der Hamburger U-Bahn zeigen das verkehrliche Dilemma. Insbesondere „alte“ Strecken, die eben nicht „unsichtbar“ unter der Erde verlaufen, erfordern einen hohen Unterhaltungsaufwand. Aber auch Tunnelstrecken oder die geplante „U 5“ verursachen enorme Kosten beim Bau und Betrieb. Wenn man bedenkt, dass es sich um eine Kleinprofilbahn handelt, die schmaler als eine moderne Straßenbahn ist und theoretisch sogar auf der Straße fahren dürfte, stellt sich die Frage, warum Hamburg nicht die kostengünstigere Alternative in Form einer modernen Stadt-/Straßenbahn/Tram wieder einführt, um den Schienen-ÖPNV attraktiver und „bezahlbar“ zu machen. Schon wenige Straßenbahn-Linien könnten die U 5 und viele Buslinien ersetzen, was in wenigen Jahren zu einem Bruchteil der U-Bahn-Kosten umsetzbar wäre. Wer auf das modernste Verkehrmittel der Welt verzichtet, verpasst die Chance auf eine ökologische und ökonomische Verkehrswende, die in andere Städten bereits umgesetzt wird.

Jens Ode

Einheitsticket für Nahverkehr

2. Juni: „9-Euro-Ticket: Erster Ansturm bleibt aus“

Ich finde es höchst spannend, wie sich das Ticket auf das Mobilitätsverhalten auswirkt. Schade ist nur, dass gleichzeitig zum energiefressenden Autofahren durch den Tankrabatt aufgefordert wird. Das 9-Euro-Ticket selbst ist allein deshalb schon interessant, weil es endlich mit dem Tarifwirrwarr aufräumt, den es in vielen Bereichen von ÖPNV-Verbünden gibt. Wenn man beispielsweise von Hamburg ins benachbarte Niedersachsen oder Schleswig-Holstein fahren will, gibt es teilweise drei unterschiedliche Ticketvarianten zu unterschiedlichen Preisen. Man muss aber mühsam heraussuchen, welche die günstigste ist. Es gibt keinen „Bestpreis-Rechner“, der Kriterien wie mit/ohne Bahncard, habe ich für eine Teilstrecke schon eine Monatskarte, fahre ich hin- und zurück, mit wie viel Leuten fahre ich zusammen etc. berücksichtigt oder abfragt und den günstigsten Preis auswirft. Vom Verwirrspiel an unterschiedlichsten Automaten einmal abgesehen. So einem Einheitsticket für einen Pauschalpreis gehört die Zukunft im Nahverkehr – zu welchem Preis auch immer! Gleichzeitig sollte so ein einheitliches Ticket dazu auffordern, endlich Doppelstrukturen in den zahlreichen Verkehrsverbünden abzubauen. Wir brauchen keine 69 Verkehrsverbünde in Deutschland mit jeweils eigenen Tarif- und Abrechnungsabteilungen. Das hier eingesparte Geld könnte den Fahrgästen durch günstigere Fahrpreise zugutekommen und die Akzeptanz des ÖPNV signifikant voranbringen.

Ewald Hauck

Ein passender Entwurf

31. Mai: „Überraschende Idee für neue Sternbrücke. Architekt Prof. Karsten Brauer entwirft Skizze mit drei gebogenen Stahlträgern“

Das ist mal ein Entwurf, der sich mit seiner Luftigkeit und seinen Dimensionen der gewachsenen Umgebung anpasst. Zudem wäre dieser Entwurf vermutlich weitaus günstiger zu bauen. Der letzte publizierte Stand der Kosten für die von der Deutschen Bahn und Hamburger Senat gewünschten Stabbogenbrücke ist von Anfang 2020 und geht von Gesamtkosten von etwa 125 Millionen Euro aus. Diese Kosten würden sich Bahn und Stadt teilen. Nun ist in dieser Schätzung noch nicht die Kostenexplosion bei Baumaterialien enthalten, die durch die Pandemie und den Krieg begründet sind. Es gilt also um so mehr, auf sparsamen Materialverbrauch zu achten. Der Hamburger Senat schreibt sich gerne seine Mitverantwortung für das Erreichen des 1,5-Grad-Klimaziels auf die Fahnen: Hier wäre mal Gelegenheit zu zeigen, dass der Senat auch gewillt ist, tatsächlich umzudenken und alte Planungen komplett zu hinterfragen. Der Brückenentwurf von Professor Brauer hätte noch einige weitere Punkte für sich: Die Sperrzeiten für die Bahn während des Bauens könnten verkürzt werden, weil seine Version der Brücke die Bauweise der jetzigen Sternbrücke aufnimmt: Die viergleisige Brücke besteht aus zwei dicht aneinander gesetzten zweigleisigen Einzelbrücken die unabhängig voneinander in Betrieb genommen werden könnten. Da diese Einzelbrücken um mehr als die Hälfte schmaler sind als die Variante, mit der Bahn und Senat derzeit aufwarten, könnten auch die Straßenbäume in der Max-Brauer-Allee erhalten bleiben. Jetzt braucht es eine Auseinandersetzung des Senats und der Bürgerschaft mit dem neuen Entwurf, auf dass dieser in der Tiefe geprüft werden kann. Dazu braucht es Mut seitens der Verkehrsbehörde. Mut, eingefahrene Gleise zu verlassen. Mut zu einer echten Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn. Denn die Stadt Hamburg sollte für ihre Bürger und Bürgerinnen an dieser prägnanten Stelle ein Aushängeschild stehen haben und kein Mahnmal.

Stephan Pflug

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