Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 3. Juni 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Altväterlich am Thema vorbei

2. Juni: „Neue Lehrpläne: Schulsenator hält an Stärkung des Leistungsprinzips fest“

In einem hat Ties Rabe recht: Die Fixierung auf Faktenwissen und Formalismen wie die Rechtschreibung, insbesondere in der gymnasialen Schulbildung, ist kein alleiniges Hamburger Phänomen. Das macht die Sache aber nicht besser. Das, was Schüler heute für ein erfolgreiches Berufsleben der Zukunft lernen müssen, beispielsweise digitale Userkompetenz, lernen sie mit hundertprozentiger Sicherheit nicht auf deutschen Gymnasien. Gestrige Lehrpläne, geschrieben von wertkonservativen Politikern und beklatscht von der inzwischen großen Mehrheit der Bürger dieses Landes, die keine eigenen Kinder hat, sind ein Garant für die Vermittlung vieler nutzloser Inhalte. Die Tatsache, dass das in anderen Bundesländern mindestens genauso unangemessen gestaltet wird, wie in Hamburg, ist dabei keine Entschuldigung. Es hilft dabei, auf die Menschen zu hören, die die Kinder direkt begleiten: die Eltern und die Lehrer. Wenn beide Gruppen die neuen Lehrpläne scharf kritisieren, ist die Antwort von Senator Rabe völlig unangemessen. Das „Leistung glücklich macht“ ist derart altväterlich und am Thema vorbei, dass es mich gruselt.

Dr. Philip Düwel, Hamburg-Duvenstedt

Werbung pur für die Stadt

2. Juni: „Elbphilharmonie-Plaza für Hamburger weiterhin kostenlos? Bürgerschaft debattiert über Eintritt für Aussichtsplattform“

Was für eine Frage! Sind wir denn schon auf dem Recyclinghof, wo man seinen Personalausweis vorzeigen muss, um den Müll kostenfrei zu entsorgen? Der Rundumblick auf Hamburg, eine der genialen Ideen der Architekten Herzog & de Meuron ist Werbung pur für diese Stadt, dafür sollte man nicht wie ein Pfennigfuchser auch noch Geld nehmen. Eines könnte ich mir allerdings vorstellen: Man könnte ähnlich wie an den Staatstheatern, wo die Foyers auch für spontane Veranstaltungen des Ensembles genutzt werden, im Falle der Elbphilharmonie den Plaza-Überraschungstag einführen, an dem kleine Konzerte oder andere Kleinkunstveranstaltungen die Plaza und das Foyer beleben. An diesem Tag dann Eintritt zu nehmen, wäre durchaus legitim, und eine zusätzliche Einnahme für die notleidende Kunstbranche.

Bruno Brandi

Entlastung durchs Telefon

2. Juni: „Verschlafen wir den dritten Corona-Sommer? Kliniken, Schulen und die Pflegebevollmächtigte fordern Notfallpläne für eine drohende Herbst-Welle“

Es ist zu befürchten, dass der Herbst wieder im Chaos endet. Jetzt müssen wir Hausärzte wieder alle Patienten mit mildem Atemwegsinfekt vor Ort behandeln. Und auch jeden nachgewiesenen Coronapatienten. Die aktuell angegebene Inzidenz in Hamburg beträgt 286. Das sind nur die PCR-Getesteten. Wer keinen Genesenennachweis braucht, macht keinen PCR-Test mehr. Und das sind in unserer Praxis die meisten. Es ist aktuell und in Zukunft aus infektiologischer Sicht unsinnig, dass diese Mengen an Patienten nicht telefonisch ausführlich beraten und begleitet werden dürfen. Wir können aus der telefonischen Anamnese erheben, wer weitere Diagnostik und Behandlung braucht. Die Krankenkassen führen die hausärztliche Versorgung sehenden Auges in die weitere Überlastung. Und bringen unser Team und unsere Familien unnötig in Gefahr. Und so befürchte ich, dass dieser Herbst auch nicht besser wird als der vorangegangene.

Angelika Giovanopoulos

Sicherheit durch Respekt

2. Juni: „Zwei Radfahrer sterben nach Kollision mit Fußgängern“

Die Aussage des Artikels, dass Rad fahren in Hamburg immer gefährlicher wird, möchte ich unterstreichen. Wie viele andere Hamburger repräsentiere ich alle drei Formen der Verkehrsteilnehmer: Fußgänger, Rad- und Autofahrer. Am unwohlsten fühle ich mich als Radfahrer, weil ich weiß, dass ich bei einem Unfall sehr wahrscheinlich stürze und auf jeden Fall schwere bis schwerste Blessuren davontrage. Ich habe schon Kollisionen mit Fußgängern und Radfahrern erlebt, war dabei rein rechtlich gesehen unschuldig, aber wegen heftigster und extrem schmerzhafter Prellungen wochenlang aus dem Verkehr gezogen und hatte dabei sogar noch Glück, wie man jetzt liest. Es ist nicht damit getan, die Verkehre auf jeder Straße räumlich zu trennen. Es wird dabei nur eng für alle. Für Radfahrer muss es oberstes Gebot sein, aufmerksam, regelkonform(!) und passiv – also nicht auf seine Rechte beharrend – zu fahren. Verkehrspolitisch sollte man überlegen, Radverkehr und Autoverkehr, wo möglich, getrennt auf parallel verlaufenden Straßen zu führen, wobei Anwohner ihre Wohnungen und Parkplätze sehr langsam und vorsichtig fahrend erreichen können müssen. Auch Fußgänger tragen Verantwortung und sollten ihre Augen nach vorne und nicht auf irgendetwas richten. Nur durch gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt wird es sicherer auf Hamburgs Straßen. Schulungen für alle und viel mehr Kontrollen müssen das absichern. Dringend!

Dr. Volker Schreiner

Verhandlungen nur aus Taktik?

2. Juni: „,Deutliche CDU-Handschrift!‘. Karin Prien verhandelt für die Union in Schleswig-Holstein mit den Grünen über eine Koalition“

Die alte Koalition in Schleswig-Holstein mit CDU, Grünen und FDP hat hervorragende Arbeit geleistet – das Miteinander hat angeblich bestens geklappt. Nach der Wahl wurden nicht nur die Karten neu verteilt, sondern der erfolgreiche Konsens von den Grünen in Frage gestellt. Mit welcher Arroganz die Grünen die Jamaika-Koalition ablehnen, ist nicht nachvollziehbar. Die Grünen wollen den klassischen Religionsunterricht zurückdrängen, sprechen von Massenüberwachung bei Plänen zur Bekämpfung der Schwerstkriminalität, lehnen die A 20 ab, wollen keinen erweiterten Schutz durch Bodycams für die Polizei und die Pläne einer veränderten Landwirtschaft stehen im krassen Widerspruch zu den Wahlaussagen der CDU. Warum tut sich die CDU die Verhandlungen mit den Grünen bei diesen gravierenden Gegensätzen an? Zumal die Koalition mit der FDP in fünf Minuten durchgewunken wäre? Karin Prien sagt deutlich, was mit der CDU nicht zu machen ist. Liegt da die Taktik nicht auf der Hand? Die Maximalforderungen der „Jungen Grünen“ können nicht akzeptiert werden, die CDU stellt die Grünen in die böse Ecke und schiebt ihnen den „Schwarzen Peter“ zu und kann ohne Gesichtsverlust ungeniert mit der FDP gewinnbringend koalieren. Daniel Günter wäre erneut der strahlende Sieger.

Dietmar Johnen-Kluge

Kraftvoll und zugleich filigran

31. Mai: „Überraschende Idee für neue Sternbrücke. Architekt Prof. Karsten Brauer entwirft Skizze mit drei gebogenen Stahlträgern“

Welch ein gelungener Entwurf! Hoffentlich wird er von den Entscheidungsgremien ohne Herummäkeln und Verschlimmbessern übernommen. Auch wenn die „Variantendiskussion abgeschlossen“ ist, zugunsten seines Stadtbildes sollte sich Hamburg flexibel zeigen. Ein kraftvolles und zugleich filigranes Kunstwerk! „Vom Nützlichen durchs Wahre zum Schönen“ (Goethe).

Isolde Stabenow

Ein traumhafter Abend!

30. Mai: „Wilde Improvisationen und zarte Akkorde. Jazz-Gitarrist Pat Metheny begeisterte in der Laeiszhalle“

Ich hatte die Freude, am Sonnabendabend das Konzert in der Laeiszhalle live mitzuerleben. Bin seit Ende de 70er-Jahre Fan und Ihr Artikel spricht mir aus dem Herzen. Es war ein traumhafter Abend!

Silvia Birnstingl

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