Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. Juni 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Kartellamt: ein zahnloser Tiger

31. Mai: „Wer profitiert vom Tankrabatt? Ab Mittwoch sinken die Steuern auf Benzin und Diesel. Warum die Entlastung verpuffen könnte“

Wer vom Tankrabatt profitiert, lässt sich auch ohne hellseherische Fähigkeiten leicht beantworten: Es sind die Mineralölkonzerne, die zusätzlich zu ihren Krisen- und Kriegsgewinnen von der temporären Steuersenkung profitieren werden. Denn Finanzminister Lindner überlässt es ihnen, ob sie die vorgeblich für den Konsumenten vorgesehene Entlastung eins zu eins weitergeben werden, indem er dem Bundeskartellamt und Co. den Schwarzen Peter zuschiebt, dies zu überwachen. Dabei weiß er nur zu gut, dass sich das Bundeskartellamt über Jahrzehnte hinweg als zahnloser Tiger erwiesen hat, wenn es um Preisabsprachen oder faktische Kartellbildung bei den Ölmultis ging. Statt wie in Italien, wo die nachweisbar überhöhten Gewinnmargen staatlich gebremst und abgeschöpft werden, belässt es der marktliberale FDP-Chef bei Appellen an die Mineralölbranche, die angesichts der beginnenden Ferienzeit erhöhte Nachfrage bei angeblich knappen Vorräten und hohen Beschaffungspreisen leider, leider die Preise nicht wird senken können, da ja schließlich der Markt den Preis bestimmt.

Ulrich Reppenhagen

Keine Zeit für Familienleben

31. Mai: „Ver.di erbost über Lohndebatte bei Hafenarbeitern“

Die dargestellten Durchschnittslöhne bilden nicht die tatsächlich dafür erbrachte Leistung ab! Um sie zu verstehen, muss nämlich auch erwähnt werden, dass sie von den Hafenarbeitern durch ein erhebliches Maß an geleisteter Mehrarbeit verdient werden. Die hohen Löhne kommen durch die Bereitschaft zu freiwilliger Mehrarbeit in Doppelschichten à elf Stunden an nahezu allen Wochenenden und Feiertagen sowie etlichen Überstunden nach den regulären Schichten zustande. Unterm Strich bedeutet das ein Leben, das sich fast ausschließlich am Arbeitsplatz abspielt, da zu einem wirklichen Familien- und Freizeitleben schlicht kaum Zeit mehr bleibt. Dies scheint von Arbeitgeberseite durchaus gewollt, da dadurch viele Arbeitskräfte eingespart werden und das Personalrisiko zur Gesamthafenbetriebs-GmbH ausgelagert werden kann! Ich halte es für verwerflich, dass mit diesen tatsächlich sehr hohen Löhnen nun Stimmung gegen die Hafenarbeiter in der aktuellen Tarifrunde gemacht wird. Da sollte sich Frau Titzrath mit ihrem Gehalt mal an die eigene Nase fassen!

Yorck Unverzagt

Belastung für den Mittelstand

30. Mai: „Kühne will neue Oper in Hamburg bauen – Stadt nennt Bedingungen. Milliardär beklagt schlechte Akustik am Dammtor und bietet ,Mietkaufmodell‘ in der HafenCity an“

Darauf muss man in diesen Zeiten erst einmal kommen! Herr Kühne wünscht sich für die Hansestadt Hamburg ein neues Opernhaus. Als leidenschaftlicher Opernhaus-Besucher hat er sich schon immer über die „schlechte Akustik“ in der Dammtor-Oper geärgert, außerdem ist der Bau „asbestverseucht“. Über den Ansatz, ein neues Opernhaus zu bauen, kann durchaus diskutiert werden, aber über die Rahmenbedingungen kann der Normalbürger doch nur noch den Kopf schütteln. Herr Kühne hat in Hamburg in der Vergangenheit durchaus etliche kulturelle Objekte unterstützt, dafür gebührt ihm Dank. Nun aber möchte er ein neues Opernhaus mit Herrn Benko in der HafenCity bauen, die alte Oper am Dammtor abreißen und auf diesem Platz sein Immobilienkonzept verwirklichen. Und nun der „Knackpunkt der Geschichte“: Herr Kühne baut die Oper und bietet der Stadt diese dann als „Mietkaufmodell“ an. In diesen Zeiten, in denen selbst der Mittelstand stöhnt auf Grund der bekannten Belastungen und das Geld zusammenzuhalten muss, soll er mit seinen Steuern, dem „Kühne-Objekt“ jedes Jahr helfen, dieses abzuzahlen und zu einem lohnenden Invest zu machen. Herr Kühne hätte sich unter Umständen ein „Denkmal setzen können“, wenn er seine Idee nicht mit dem so schrecklichen Wort „Mietkaufmodell“ ausgestattet hätte.

Wilfrid Warncke

Viele Fragen bleiben offen

Mir war bislang nicht bekannt, dass Herr Kühne ausgebildeter Musiker, Opernregisseur, Kulissenbauer und künstlerischer Leiter musikalischer Ensembles ist. Denn dann hätte er das Recht, sich zu den Themen „mangelnde Strahlkraft“ und „künstlerisches Niveau“ zu äußern. Seine Statements sind definitiv eine Beleidigung dessen, was die Oper seit Jahrzehnten „auf die Beine stellt“. Eine zusätzliche Oper in Hamburg: Schön! Vielleicht eine eigene Kinderoper. Literatur gäbe es mehr als genug und neue Arbeitsplätze könnten entstehen. Ansonsten bleiben viele Fragen: Wie viele Plätze darf das Haus haben? Gibt es genügend Parkplätze? Gibt es genügend Restauration im Umfeld? Was ist mit Gehaltserhöhungen für Intendanz, Bühnenbild, Orchestergraben? Wird der Opernchor aufgestockt, der jetzt schon „auf dem Zahnfleisch“ singt? Vielleicht sollte Herr Kühne diejenigen unterstützen, die gerne einmal die Oper besuchen würden, es sich aber finanziell nicht leisten können. Oder bzw. und dem HSV einen Ronaldo oder Messie bescheren. Das wäre doch was.

Andreas Wilscher

Betrieb lieber ganz schließen

30. Mai: „Mailänder Orchester strandet am Airport“

Der Brandbrief des Konzertveranstalters ist mehr als überfällig gewesen. An diesem Flughafen ist immer irgendwas. Entweder gibt es zu wenig Personal bei der Gepäckverladung und man wartet bis zu einer Stunde auf seinen Koffer oder es gibt „Systemprobleme“ und nun wieder mal zu wenig Personal bei der Sicherheitskontrolle. Da hilft es auch nichts, sich als Chef herauszureden, dass es sich um Fremdfirmen handele. Ich bin schon viel herumgekommen auf der Welt, aber in Hamburg ist der Service am schlechtesten. Wenn man keinen reibungslosen Betrieb bieten kann, sollte man den Betrieb lieber ganz schließen.

Holger Karstens, Hamburg

Blamage für Hamburg

Hamburg, eine Weltstadt? Mit Sicherheit nicht, nicht mit so einem Provinzflughafen, der international schon lange keine Rolle mehr spielt und auch in Deutschland eine eher untergeordnete Rolle spielt. Frankfurt, München, Düsseldorf, selbst Köln/Bonn sind mittlerweile bedeutender geworden. Und nun das, um 23.02 Uhr darf die Maschine nicht mehr abheben. Das provinzielle Nachtflugverbot wurde um sage und schreibe zwei Minuten überschritten. Was für eine Blamage für Hamburg! Ursache für die Verspätung? Neben dem Nachtflugverbot mal wieder die Sicherheitskontrollen! Das geht jetzt schon wochenlang so, und niemand unternimmt etwas dagegen. Vielen Dank, Herr Eggenschwiler, vielen Dank für nichts.

Gerhard Maack, Hamburg-Meiendorf

Schuld ist der Überfluss

30. Mai: „Geld schenken? Und wenn ja: wie viel? Woran erinnert man sich ein Leben lang: an 100 Euro oder die Zeichnung, die Manschettenknöpfe oder die Uhr?“

Natürlich haben Geldschenke stets den faden Beigeschmack der Einfallslosigkeit des Schenkenden und die Beschenkten erinnern sich höchstens bei einem außergewöhnlich großzügigen Betrag an Person und Anlass. Ehen werden heute meistens geschlossen, wenn beide Partner schon bei den Eltern ausgezogen sind. So führt das Paar zwei komplette Haushalte zusammen und hat eher das Problem des Überflusses als den Wunsch nach weiteren Kochtöpfen oder Geschirr. Der Trend zu Geldgeschenken ist ein Ergebnis unserer Überflussgesellschaft.

Christiane Mielck-Retzdorff

Schreiben Sie uns gerne an oder per Post an das Hamburger Abendblatt, 20445 Hamburg
Von den vielen Leserbriefen, die uns erreichen, können wir nur einen kleinen Teil veröffentlichen. Teilweise müssen wir kürzen, um möglichst viele Meinungen zu veröffentlichen. Mit Ihrer Einsendung erlauben Sie uns, alle Inhalte und Ihre Kontaktdaten an die zuständigen Redakteurinnen/Redakteure und/oder an externe Autorinnen/Autoren weiterzuleiten. Sollte eine Weiterleitung Ihrer Kontaktdaten und ein Dialog mit uns nicht gewünscht sein, bitten wir um Mitteilung. Einsendungen werden sowohl in der gedruckten Ausgabe sowie den digitalen Medien vom Abendblatt veröffentlicht und geben ausschließlich die Meinung der Einsender wieder. Veröffentlichte Leserbriefe finden Sie auch auf abendblatt.de/leserbriefe.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe