Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Mai 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Vorbild Bremen

19. Mai: „Hamburg vernichtet 100.000 Corona-Impfdosen

Warum macht es Hamburg nicht wie Bremen und Thüringen und gibt den zweiten Booster auch unter 70-Jährigen? Ich hätte ihn gern gehabt, mir wurde er aber wegen meines Alters verweigert. Was sind das für Bürokraten, die den wertvollen Impfstoff lieber vernichten als verimpfen?

Dirk Emmermann

Keine akzeptable Erklärung

Die Vernichtung der Impfdosen, mit dem lapidaren Hinweis, dass eine Weitergabe an andere Länder nicht ohne Hilfe des Bundes möglich sei, kann doch keine akzeptable Erklärung sein. So sind Menschen in armen Staaten deutlich unterversorgt. Zudem ist doch die Eindämmung der Pandemie auch in unserem Interesse, um nicht gefährliche Mutationen entstehen zu lassen. Die Antwort für eine solidarische Weitergabe von Impfdosen beinhaltet bereits die knappe Erklärung des Behördensprechers: Hilfe des Bundes vor dem absehbaren Ablauf des Verfallsdatums einfordern und die Dosen jenen Menschen zur Verfügung stellen, die sie wünschen, gerade auch in Staaten, die sich die Impfstoffe kaum leisten können.

Reiner Gorning, Hamburg

Verständnis für Scholz

19. Mai: „,Die Ukrainer wollen schnell in die Nato‘. Botschafter Andrij Melnyk über die Lage in der Ukraine, seine umstrittene Wortwahl und über den Wunsch nach Beitritt zur Allianz“

Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass dem ukrainischen Botschafter Melnyk eine so große Beachtung geschenkt wird. Nach dem entsetzlichen Zweiten Weltkrieg, in dem Deutschland – selbst verschuldet – total zerbombt wurde und seine Ostgebiete verlor, ist es doch absolut verständlich, dass der Bundeskanzler Olaf Scholz unter allen Umständen vermeiden möchte, dass Deutschland als Kriegspartei wahrgenommen und es eventuell auch tatsächlich werden könnte. Und wenn sich viele Ukrainer wundern, dass der Bundeskanzler immer noch nicht nach Kiew gereist ist, so wundern sich viele Deutsche, dass dem deutschen Bundespräsidenten von Selenskyj die Reise in die Ukraine verwehrt wurde und eine Entschuldigung dafür ausblieb. Diesen Krieg hat Deutschland nicht verschuldet, doch die Deutschen helfen trotzdem in Absprache mit allen europäischen Staaten und den USA sowohl auf staatlicher als auch privater Ebene. Und das ist gut so! Je öfter sich Herr Melnyk in seiner „ungewöhnlich scharfen Rhetorik“, sprich höchst ungehörig über die Deutschen äußert, desto eher könnte man zu der Einsicht gelangen, dass alles, was die Deutschen an Hilfe leisten, nicht wahrgenommen und geschätzt wird. Ich bin dem Bundeskanzler außerordentlich dankbar für sein behutsames und überlegtes Handeln gemeinsam mit den westlichen Verbündeten. Hoffentlich nie wieder Krieg auf deutschem Boden!

Kriemhild Padberg

Pünktlichkeit statt Design

19. Mai: „So bequem ist es im neuen ICE“

Zu den Ursachen und der mehr als drei Tage währenden Reparatur des schweren Kabelbrandes an der Bahnstrecke von Altona zum Hauptbahnhof am vergangenen Wochenende erfährt man von der Deutschen Bahn nichts. Dabei bedeutete dieser Schaden für hunderttausende von Bahnreisenden massive Verspätungen und Zugausfälle, die einem das Reisen mit der Bahn vergällen konnte. Die Vorstellung des leicht geänderten Innenraumdesigns der neuen ICE-Züge, die ab 2025 in Dienst gestellt werden, soll wohl den Unmut der Bahnkunden über die wieder krass gestiegenen Verspätungen besänftigen helfen. Dabei werden in den neuen Zügen nur die Fehler in der Sitzgestaltung der zuletzt eingeführten ICE-Generation korrigiert, die zu massiven Kundenbeschwerden wegen Rückenschmerzen nach langem Sitzen auf diesem Gestühl geführt hatten. Die super bequemen Sitze der ersten ICE-Generation wurden leider schon 2005 zugunsten einer engeren Bestuhlung wie im Flugzeug ausgebaut. Die Farbe des Zuginterieurs ist den Reisenden ziemlich egal, aber wenn ein Drittel aller Züge regelmäßig verspätet ist, dann fragt man sich unweigerlich, ob der Fokus des DB-Managements nicht eher auf der Pünktlichkeit des Bahnverkehrs liegen sollte als auf Ausstattungsdetails neuer Fernverkehrszüge. Denn bekanntermaßen fahren 80 Prozent aller Reisenden mit der Bahn im Nahverkehr. Und auch nach DB-Statistik pünktliche Züge, das heißt solche, die mit sechs Minuten Verspätung ankommen (Pünktlichkeitskriterium in Japan eine Minute Fahrplanabweichung), führen häufig dazu, dass man seinen Anschluss verpasst. So etwas nervt die Fahrgäste weit mehr, als das nicht der letzten Designermode entsprechende Holzdekor im Bordbistro, zumal wenn dann auch noch nicht einmal die Kaffeemaschine funktioniert.

Michael Jung

Weltklassehafen für Hamburg

19. Mai: „Was Hamburgs Hafen von Rotterdam lernen kann“

Hamburg braucht Platz für einen Hafen der Weltklasse. Vollautomatische Containerverladung, große Wassertiefen und freien Raum für den Einsatz neuer Technologien. Im Stadtgebiet ist das nicht möglich, daher ist der Vorhafen bei Neuwerk unverzichtbar. Nur so kann der durch die Klimaentwicklung notwendige Umbau der Wirtschaft finanziert werden.

Reimer Göttsch

Verhärtete Positionen

18. Mai: „Neues Bündnis für Rad- und Fußverkehr. Senat und Bezirke vereinbaren Ausbau des ,Umweltverbundes‘. Bürgermeister mit Absage an autozentrierte Verkehrsplanung und Stadtbahn“

Bürgermeister Tschentschers Äußerungen gegen den Bau einer Stadtbahn zeigen Unkenntnis und die seit Jahrzehnten verhärteten irrationalen Positionen in der Hamburger Politik. Überall auf der Welt – auch und gerade in Metropolen – werden derzeit neue Stadtbahnsysteme gebaut. In den letzten 25 Jahren entstanden z.B. in Frankreich 24, in Großbritannien 6, in Spanien 12 und in den USA 24 gänzlich neue Betriebe mit modernen Fahrzeugen und inzwischen auch vielfach ohne Fahrleitung! Zahlreiche weitere sind in Planung und im Bau. Alle diese Länder hatten ihre alten Straßenbahnen nahezu völlig abgeschafft. „Altmodische Stahlungetüme“ waren die letzten Hamburger Bahnen von 1951! Ich empfehle Herrn Tschentscher dringend, in Straßburg, Luxemburg, Dresden oder Budapest die modernen Stadtbahnen kennenzulernen und zu benutzen. Die sind wesentlich bequemer und zeitgemäßer als gigantisch tiefe und teure Tunnel, die frühestens in 20 bis 30 Jahren realisiert werden können. Und hätte man sich immer von „empörten Protesten“ leiten lassen, gäbe es in Deutschland heute weder Eisenbahnen, noch Autobahnen oder Flughäfen.

Richard Lutz

Stadtbahn ist nicht flexibel

Die ewig gestrigen Hamburger Stadtbahnverfechter ignorieren folgendes: Eine Stadtbahn würde den mühsam für Fußgänger und Radfahrer erweiterten Verkehrsraum erneut verengen und zu weiteren jahrzehntelangen Großbaustellen führen mit weiterem Stress für Händler, Anwohner, Touristen. Die U-Bahn dagegen fährt überwiegend unter Tage, behindert den Verkehr nicht und wird nicht durch ihn behindert. Sie ist weitgehend witterungsunabhängig. Und was macht eine Stadtbahn im Fall der vielen Hamburger Baustellen, Straßensperrungen, Unfälle? Busse können auf andere Straßen ausweichen. Die Stadtbahn ist nicht flexibel. Irgendwann ist der Zug dann – im wahrsten Sinne – auch mal abgefahren. Man kann bei der Verkehrsplanung nicht ständig Vor- und Rückschritte machen. Nicht viele Metropolen verfügen über so ein weit verzweigtes über 100 Jahre bestehendes U-Bahn-Netz.

Annelie Kirchner

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