Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. Mai 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Umdenken erforderlich

12. Mai: „,Sehr wenig Zeit für den Kontakt mit meinem Sohn‘. Verteidigungsministerin verteidigt Helikopterreise

Mich macht es wütend, dass weibliche Politiker zunehmend öffentlich kritisiert werden für Entscheidungen, die sie treffen, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Ein anderes Beispiel ist Anne Spiegel, die aufgrund einer Urlaubsreise stark kritisiert wurde. Wenn man Frauen in der Politik in Spitzenämtern haben möchte, wenn man Gleichberechtigung wünscht, muss auch in der (Spitzen-)Politik ein Umdenken einsetzen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf berücksichtigt!

Helen Freudenstein

Eindeutiger kennzeichnen

11. Mai: „Anwohnerparken – Fluch oder Segen?“

Bei der Diskussion um das Für und Wider des Anwohnerparkens bleibt nach meiner Meinung ein wichtiger Punkt völlig außen vor: Die eindeutige Kennzeichnung der Anwohnerparkzonen. Woran kann ein Ortsfremder denn überhaupt zweifelsfrei erkennen, dass er sich in einer Anwohnerparkzone befindet? Da müsste noch etwas getan werden, damit es nicht zu ungewollten gebührenpflichtigen Parkverstößen kommt.

Eckart Westphalen

Mir platzt der Kragen

Nachdem das Anwohnerparken (AP) bereits in der Hochallee umgesetzt worden ist, und dort parkende Büroangestellte unerlaubt alle drei Stunden einen neuen Parkschein ziehen oder ihr Auto woandershin bewegen müssen, platzt mir der Kragen, wenn ich an die geplante Umsetzung eines APs in Eppendorf denke. Noch kostet es uns nichts, wenn wir unser Auto im Kiez irgendwo parken. Damit meine ich nicht ein bequemes Abstellen vor der Haustür oder um die Ecke. Das gibt es hier schon lange nicht mehr. Wir Eppendorfer sind genügsam und legen wegen eines Parkplatzes (P) weite Wege zurück, lassen abgestellte Camper gern dauerparken, erfreuen uns an hübsch dekorierten Hinkelsteinen, die noch die allerletzte Abstelllücke verstellen und studieren gern Halteverbotsschilder und Tickets fleißiger Parkraummanager. Wir haben verstanden. Man will uns Autofahrer nicht mehr. Wir sollen Rad fahren, um endlich dem Millionengrab der Radgarage an der Kelle eine Daseinsberechtigung zu schenken. Mit AP sollen wir für 70 Euro im Jahr unser Auto im Viertel abstellen dürfen. Kommen wir aber nach 20 Uhr nach Hause, müssen wir wieder sehen, wo wir bleiben. Dann stehen die Parkplätze (P) bis morgens um acht auch allen anderen Autofahrern zur Verfügung: den Kneipenbesuchern, den Bummlern usw. Trotz „Miete“ nix gewonnen und das Cruisen geht weiter. Wo sollen eigentlich Angestellte, Verkäufer, Selbstständige u.a. bleiben, wenn sie nicht mehr in der Nähe ihres Arbeitsplatzes einen P. finden? Denn diese sind ja von unseren Plaketten tragenden Windschutzscheiben belegt. Was ist mit Kranken u. Alten, die auf ihre Autos angewiesen sind, um Einkäufe zu erledigen, Arztbesuche zu tätigen? Taxi nehmen? Mit 90 noch mal in die Pedale treten? Für mich ist das AP reine Abzocke. Aber deshalb schaffe ich mein Auto nicht ab. Wahrscheinlich müssen wir alle sowieso bald zu Fuß gehen, ob wir wollen oder nicht. Und bei der nächsten Hamburg-Wahl werde ich die Parteiprogramme in puncto Verkehr genauer studieren, Herr Tjarks!

Rita Fischer, Hamburg-Eppendorf

Bitterer Beigeschmack

11. Mai: „Stadtpark: Brisanter Prozess beginnt“

Der immer wieder erwähnte Hinweis der Vorverurteilungen über Social Media ist vermutlich schlimm für die Täter, aber keinesfalls gleichzusetzen mit den Erlebnissen der jungen Frau. Leider liest es sich so, dass die armen Täter vor dem bösen Volk geschützt werden müssen und hinterlässt damit einen bitteren Beigeschmack. Ich bin überzeugt davon, dass die teils überspitzten Wut-Botschaften entsetzter Bürger eine berechtigte Befürchtung sind, dass der Staat wieder einmal viel zu lasch durchgreift und urteilt. Hoffen wir, dass das Urteil auch für Nachahmungstäter entsprechend abschreckend ausfällt.

Stefan Sibbertz

Das war längst überfällig

11. Mai: „,Spielen kennt kein Geschlecht‘“. Spanien verbannt stereotypes Kinderspielzeug aus den Regalen und will Mädchen stärken“

Endlich ist es soweit: Europa hat einen Vorreiter in Sachen Verbannung des stereotypen Spielzeugs aus Kaufhäusern und Spielwarenläden. Haben wir es nicht schon lange gemerkt, dass an der Rollenverteilung im Erwachsenenalter etwas Weichenstellendes bereits in der Kindheit geändert werden muss? Ist nun für die anderen Länder der EU in die Wege geleitet worden, was längst überfällig war? Mein Respekt geht an die spanische Regierung, in der es an der Mehrheit der weiblichen Kabinettsmitglieder zu liegen scheint, solch ein Gesetz in die Wege zu leiten. Ich schreibe absichtlich „scheint“, denn vielleicht ist der spanischen Gesellschaft ja eine Umkehr gelungen, nämlich weg von dem was wir immer schon gemacht haben und bisher für richtig hielten. EU, bitte übernehmen!

Cordula Kuhr

Sanierung teuer als Kaufpreis

9. Mai: „Auf Altbauten drohen hohe Preisabschläge“

Wenn ich die Zahlen Ihres Artikels heranziehe, übersteigen die Sanierungskosten den Kaufpreis unseres Hauses um das doppelte! Das können wir uns gar nicht leisten und viele andere auch nicht. Auch ein KfW-Darlehen muss bedient werden. Das Verbot von Öl- und Gasheizungen und die Zwangsbeglückung mit einer Wärmepumpe (die derzeit völlig überteuert ist), sowie ein Sanierungszwang wird viele Einfamilienhausbesitzer in finanzielle Schwierigkeiten bringen und sogar zum Abriss vieler Häuser führen. Ist das so gewollt? Davon abgesehen gibt es Engpässe bei Material und Fachpersonal. Dann noch die galoppierende Inflation, die alles verteuert. Der geplante Umbau sogenannter Magistralen in Hamburg und anderen Städten dient wohl auch nur dazu, Bestandsbauten loszuwerden. Für viele Bestandsbauten ist die Wärmepumpe technisch gar nicht geeignet. Auch dieser Umstand wird bei den Regierenden gar nicht erwähnt. Es wird nur gebetsmühlenartig wiederholt, dass die Klimaziele erreicht werden müssen. Jahrzehnte haben sich sämtliche Parteien nicht um technische Lösungen gekümmert, und nun sollen die Einfamilienhausbesitzer dafür büßen.

Sabine Görgens

Protest ist fehl am Platz

6. Mai: „Verkehrsversuch in Lokstedt soll in die Verlängerung“

Es ist ja bereits ein gewohntes Bild: Wenn mit der Mobilitätswende ernst gemacht wird, protestieren die Gewerbetreibenden, so auch jetzt in Lokstedt. An der Bereitschaft, die offensichtlichen Probleme der bisherigen Verkehrsführung in der Grelckstraße proaktiv anzupacken, lassen sie es fehlen. Stattdessen wird gemauert. Ein Streitpunkt sind stets die Parkplätze. Der Anspruch der Kaufleute, dass ihre Kunden direkt vor der Ladentür parken können, ist nicht zeitgemäß. Es gibt keinen verbrieften Anspruch auf die Nutzung öffentlichen Raums, um Brötchen beim Bäcker oder Arzneimittel beim Apotheker zu besorgen. Wenn Gewerbetreibende unbedingt Parkplätze für ihre Geschäften haben wollen, dann sollen sie dafür zahlen. Als langjähriger Bewohner dieses schönen Stadtteils weiß ich, wie sehr die Bevölkerung sich ein verkehrsberuhigtes Zentrum mit mehr Aufenthaltsqualität wünscht. Die Bezirksversammlung hat mit ihrem Beschluss, verschiedene Varianten zu erproben, diesem Wunsch entsprochen. Diese parlamentarische Mehrheitsentscheidung hat Respekt verdient, Protest ohne Rücksicht auf lokale Bedürfnisse ist fehl am Platz.

Dr. Uwe Reimer

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