Wahlsieg für Oma und Opa

10. Mai: „Landtagswahl Schleswig-Holstein. Nach dem Günther-Triumph: Sondierungen starten nächste Woche

Wenn ich mir das Wahlergebnis in Schleswig-Holstein ansehe und die Bevölkerungsstruktur nach Alter mitberücksichtige, haben knapp 1,8 Millionen Bürger über 40 Jahren eher gegen 715.274 stimmberechtigte Einwohner unter 40 gestimmt und gegen Themen wie bezahlbare Mieten, kostenfreie Kindergartenbetreuung und Digitalisierung der Schulen. Alles Themen, für die die SPD eintrat, welche aber ältere Herrschaften leider wenig interessieren. Zählen wir die noch nicht stimmberechtigte junge Generation hinzu, gucken knapp 1,2 Millionen junge Menschen in die Röhre verpasster Zukunftschancen für ein gewähltes „Weiter so“ von Oma und Opa.

Renate Berge, Hamburg

Tausende fluten Venedig

10. Mai: „Kreuzfahrt-Branche fühlt sich vom Senat schlecht behandelt. Der Chef der Aida- und Costa-Schiffe übt heftige Kritik an Hamburgs Politik“

Außer mir sind wohl weitere Bürger Hamburgs vom zögerlichen Handeln enttäuscht. Immer wieder wird eine Schadstoffkonzentration der Kreuzfahrtschiffe in Hafennähe gemessen. Leider kommt die Landstromversorgung nicht voran. Zum Zwang der Umrüstung auf schadstoffärmere Kraftstoffe bzw. leistungsstärkere Filterung fehlt der politische Druck. Ein bleibendes Erlebnis hat, wer erlebt, wenn tausende Kreuzfahrer für zwei bis drei Stunden beliebte Städte fluten und die Reste ihrer Lunchpakete dort entsorgen. Erlebt vor Jahren als Individualreisender in Venedig.

Heinz-Jürgen Pape

Sind alte Häuser ökologischer?

9. Mai: „Auf Altbauten drohen hohe Preisabschläge. Hohe Energiepreise und staatliche Vorgaben für ältere Gebäude verunsichern Kaufwillige“

Ich kann verstehen, dass die Leute auf Grund der hohen energetischen Anforderungen zögern, ein altes Haus zu kaufen. Mich ärgert es aber maßlos, dass die alten Häuser als Dreckschleudern dargestellt werden, die die Umwelt verschmutzen. Ich selbst wohne in einem Haus, das meine Großeltern 1932 bauen ließen. Es ist ein Klinkerbau mit zwei Mauern und einem Luftschach dazwischen. Das Dach ist ein Kaltdach, das einen Luftaustausch zulässt. Die Dachziegel sind noch original von 1932. Um das Haus herum gibt es einen Garten von 1300 m² mit zwei Teichen, vielen Bäumen und Staudenbeeten. Ökologische Gesichtspunkte sind uns wichtig. Da das Dach nicht gedämmt ist, und einige Fenster einfach verglast sind, hat es die Energiestufe E. Wenn man aber eine lange Bilanz zieht, meine ich, dass mein Haus energetisch viel effizienter ist, als die meisten Häuser, die in meiner Straße neu errichtet wurden, natürlich mit den besten Energiebilanzen. Doch dafür wurden inzwischen ein bis zwei Häuser vorher abgerissen. Es gibt eine sehr dichte Bebauung, Tiefgarage, gepflasterte Wege und kleine Rasenfläche. Die Energiebilanz für Abriss und Neubau ist hoch. Sollte man nicht umdenken und froh sein, dass es diese Häuser noch gibt und sie nicht mit hohen Gebühren bestrafen? Silke Sottorf

Ein Megaprojekt passt nicht

6. Mai: „Was wird aus Hamburg? St.-Katharinen-Pastor Frank Engelbrecht ist einer der Gründerväter der Bürgerinitiative ,Altstadt für alle‘. Nun kämpft er gegen den Elbtower“

Das Interview stößt hoffentlich eine neue Diskussion über den Sinn dieses Bauwerkes an. Vor einigen Tagen kam die Meldung, dass wir bereits jetzt im Mai unsere nachwachsenden Ressourcen für dieses Jahr verbraucht haben. Beim Elbtower werden Materialien für 100.000 Bruttogeschoßfläche auf 20.000 qm Grundfläche, für 60 Stockwerke verbraucht, vorwiegend für Büroflächen, Restaurants und Wellnessbereiche, ohne dass zusätzliche Wohnungen entstehen. Ein Hochhaus schafft keinen städtebaulichen Schwerpunkt. In einer Zeit von Homeoffice, Klimaschutz und Ressourcenmangel, einer Pandemie, die uns die Begrenztheit zeigte, passt dieses Megaprojekt nicht. Das Problem der Finanzierung wurde nicht erwähnt. Eine architektonische Bereicherung der Stadtsilhouette kann kein Argument sein. Und: Hamburg hat viele schöne, prägende Ansichten.

Dr. Andreas Kühnke, Hamburg

Unnötiger Zwischenapplaus

5. Mai: „Kein Wagnis, kein Funken Drama, nichts, was berührt. Elbphilharmonie: Die Academy of Saint Martin in the Fields enttäuschte im Großen Saal“

Was die Musik betrifft, mögen Sie mit Ihrer Kritik recht haben. Trotzdem war ich (zum ersten und vielleicht auch zum einzigen Mal in der Elbphilharmonie) überrascht über den Zwischenapplaus des Publikums nach jedem Satz, sowohl beim Mozart als auch beim Haydn. Sowas habe ich seit meiner Schülerkonzerte in den 60er-Jahren nicht mehr erlebt. Einfach peinlich. Diese Unterbrechungen haben sicher auch The Academy und Julia Fischer irritiert, wenn nicht sogar verärgert. Ein solches Publikum haben die Philharmonie, The Academy und auch Julia Fischer nicht verdient.

Jochen Gebauer

Ukraine trägt Mitschuld

6. Mai: „Dohnanyi: Ukrainischer Botschafter muss sich entschuldigen oder gehen“

Herr Dohnanyi befindet sich im 94. Lebensjahr. Seine politisch aktive Zeit liegt lange zurück. Er ist nicht mehr eingebunden in die Tagespolitik und deren Abhängigkeiten. Aber andererseits kann Herr Dohnanyi auf ein reiches politisches Leben zurückblicken. Seine Leistungen in verschiedenen Ämtern an den „Schaltstellen der Macht“ sind unbestritten. Als „Elder Statesman“ hat er sehr wohl das Recht, wann immer er sich berufen fühlt, sich zu Wort zu melden. Und ich kann mich seinem Urteil nur anschließen. Ein entschieden selbstbewussterer deutscher Umgang mit der Ukraine wäre angeraten. Und ich möchte hinzufügen, dass abgesehen von der Bereinigung der Affäre Melnyk auch der unerträgliche Hype um die Reisen unserer Politiker*innen nach Kiew zu beenden wäre. Sehr aufschlussreich ist auch Dohnanyis Äußerung in Bezug auf das Minsker Abkommen. Anstatt wegen der deutschen Energie-Abhängigkeit von Russland immer wieder anklagend mit dem Finger auf unser Land zu zeigen, sollte sich die Ukraine auch mal an die eigene Nase fassen, denn am Misserfolg von Minsk ist Kiew nicht unbeteiligt.

Jan Troje

Den Ton mäßigen

Herr von Dohnanyi spricht mir aus der Seele! Bei aller Unterstützung für die leidende ukrainische Bevölkerung und für das ihr Land verteidigende Militär halte ich es schon seit Wochen für geboten, dass sowohl der Botschafter als auch der Außenminister und der Präsident der Ukraine ihren Ton mäßigen und die Formen der Diplomatie, man kann auch sagen, die Formen der Höflichkeit, wahren. Danke für diesen Artikel.

Monika-Luise Carstens

Wir sitzen alle in einem Boot

7./8. Mai: „Ein Hoch auf ,Emma‘ und Alice Schwarzer. Der offene Brief zu Putins Krieg mag nicht jeden überzeugen – aber er hat das Fenster zur nötigen Debatte aufgerissen“

Der offene Brief mag nicht jeden überzeugen. Aber er ist mutig und wichtig! Es muss erlaubt sein, die Debatte auf Augenhöhe zu führen. Waffen bringen Zerstörung, Leid und Tod. Es muss doch möglich sein, sich an einen Tisch zu setzen, einmal alles auf Augenhöhe zu diskutieren. Es geht schließlich um uns alle. Egal, woher wir kommen, wer wir sind. Kompromisse! Ausgewogenheit! Am Ende sitzen wir alle in einem Boot. Zusammenhalt, keine Parolen. Wir bewegen uns auf dünnem Eis!

Susanne Lüders