Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 19. April 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Benzin ist noch zu billig

16./17./18. April: „Habeck im Abendblatt: Deutsche sollen 10 Prozent Energie einsparen“

Meiner Meinung nach wurde Herr Habeck bislang nicht erhört. Als Busfahrer kann ich jeden Tag und gerade aktuell an den freien Tagen um Ostern miterleben, wie sich die Massen ab vormittags in Ihre Blechkisten setzen und spazieren fahrend, die Stadt verstopfen. Da kommt einem schon der Gedanke, der Sprit ist immer noch viel zu billig. So lange es nicht wehtut, verzichtet doch keiner freiwillig auf seinen lieb gewonnenen Lebensstil. Ich versuche, so oft es geht mit der S-Bahn zur Schicht zu fahren. Leider ist das Angebot früh morgens oder spät abends für Schichtarbeiter schlecht, so dass es noch nicht ganz ohne Auto funktioniert.

Gordon Conrad, Hamburg

Sinneswandel bei den Grünen

16./17./18. April: Hamburger KRITIken: „Anton Hofreiter, die Apo der Ampel. Aus dem linken Grünen-Flügel wird scharf geschossen: für schwere Waffen, ein Energieembargo – und gegen das Kanzleramt“

Ein treffender Artikel. Die Grünen sind in der Wirklichkeit angekommen und haben ihre Ideologie aufgegeben und sich nackig gemacht. Baerbock und Harbeck beschwören die Lieferung von schweren Waffen. Hofreiter übertrifft mit seinen Äußerungen die beiden noch. Permanente Kritik am Kanzler, obwohl man selbst Regierungspartei ist. Wer hätte jemals diesen Sinneswandel der Grünen erwartet? Auch ein Friedrich Merz schlägt in die gleiche Kerbe und verlangt ebenfalls die Lieferung von schweren Waffen. Er befürchtet, dass Deutschland in Europa und der Welt an Ansehen verliert, und die geschlossene Einheit gegen Russland aufs Spiel setzt. Ob sich diese Politiker einmal Gedanken über die wirtschaftlichen Folgen gemacht haben? Das Credo „keine Waffenlieferungen in Krisengebiete“ ist richtig. Wir haben keinen Bündnisfall. Wir können nur hoffen, dass der Kanzler bei seiner zurückhaltenden Politik bleibt und sich weder von den Koalitionspartnern noch von der respektlosen Art und Weise der ukrainischen Führung unter Druck setzen lässt.

Jörg Friederichs

Keine weitere Eskalation

14./15. April: „Olaf Scholz zwischen allen Stühlen. Die Ausladung von Bundespräsident Steinmeier durch die Ukraine bringt auch den Kanzler in Nöte “

Was will unsere Regierung sich eigentlich noch von den Herren Selenskyj und Melnyk bieten lassen? Die, nach den USA, größte finanzielle Unterstützerin lässt es zu, ständig mit neuen kriegsverlängernden und eskalierenden Forderungen konfrontiert zu werden. Unser Staatsoberhaupt wird beleidigt und der Kanzler nach Kiew zitiert. Zeit, den Herrschaften mal zu erklären, dass das ihr Krieg ist, den Botschafter offiziell einzubestellen und notfalls zur Persona non grata zu machen. Mir reichts, ich möchte keine weitere Eskalation.

Christian Thomsen, Lütjensee

Kanzler bestimmt die Politik

Jetzt wird vielfach die zögerliche Haltung des Kanzlers kritisiert, zum einen bezogen auf die von Kiew gewünschten oder auch geforderten schweren Waffen, zum anderen auf das Festhalten am Bezug von Gas und Öl. Der Kanzler bestimmt aber die Richtlinien der Politik, und in seinem Amtseid hat er geschworen, seine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren und Schaden von ihm zu wenden. Wenn jetzt Politiker anderer Parteien oder selbst aus den eigenen Reihen ein Umschwenken fordern, dann ist das mit Blick auf den furchtbaren Krieg in der Ukraine zwar verständlich, aber bei genauerer Betrachtung nicht die Lösung in Richtung Frieden oder mindestens Waffenstillstand. Bei den schweren Waffen, z.B. den Schützenpanzern, stehen 100 ausgemusterte Exemplare beim Hersteller, der die Instandsetzung bis Ende 2022 veranschlagt hat. Größere Kampfpanzer wie den Leopard 1 kann man auch nicht eben auf Züge laden und an die ukrainische Grenze fahren, ganz abgesehen von den folgenden Fähigkeiten zum Einsatz. Die Schmähungen wegen der fehlenden Reserven der Bundeswehr wirft ein helles Licht auf die Politik der vergangenen Jahre, in denen respektable Frauen, aber ohne jegliche militärischen Erfahrungen, das Verteidigungsministerium geführt haben. Der Rückgang der Ressourcen rächt sich jetzt.

Kai Müller

Die vernünftigere Alternative

14./15. April: Leitartikel: „,Zeitenwende’ jetzt. Bei der Ukraine-Hilfe ist Deutschland noch nicht in der neuen Welt angekommen“

Ich finde es erschreckend, wie derzeit seitens Politik und Medien für die Lieferung von Angriffswaffen an die Ukraine getrommelt wird. Besonders erstaunlich ist dabei die Haltung von Politikern der Grünen wie Herrn Hofreiter, die sich sehr flink von ihrem pazifistischem Grundgedanken abzuwenden scheinen. Sehr offensichtlich sind die Versuche, die Nato in den Konflikt hineinzuziehen. All dies erinnert an den Bellizismus des 20. Jahrhunderts – was daraus wurde, ist bekannt. Kanzler Scholz mag zögerlich wirken, für mich macht er das, auf was er geschworen hat, nämlich Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Ja, es ist furchtbar, dass in der Ukraine aufgrund von Putins Angriffskrieg täglich Menschen sterben. Aber machen wir uns nichts vor: Viele Menschenleben mehr werden zu beklagen sein, wenn Deutschland – so wird der russische Aggressor die Lieferung von schwerem Kriegsgerät an die Ukraine auslegen – in den Krieg eintritt. Eine Alternative ist mit der Abkehr von der Lieferung von Energieträgern aus Russland gegeben. Auch dies wird schweren Schaden nach sich ziehen auf wirtschaftlicher Seite, scheint mir aber die vernünftigere Alternative zum Weg in den dritten Weltkrieg zu sein.

Dr. Stephan Risse, Hamburg

Die Ausladung ist ein Affront

13. April: „Steinmeier blitzt in Kiew ab. Bundespräsident erfährt bei einem Besuch in Polen, dass er in der Ukraine offenbar unerwünscht ist“

Was würden eigentlich die Franzosen dazu sagen, wenn ihr Präsident bei einem beabsichtigten Besuch in Kiew auf ähnlich brüske Art wieder ausgeladen würde, wie es unserem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier widerfahren ist? In politischen Kreisen und auch in der Öffentlichkeit würde das als ein Affront gegen die Grand Nation empfunden werden und das zu Recht. Aber Deutschland ist nicht Frankreich. Statt, dass sich unser Land lautstark im Protest gegen die Ausladung des höchsten Repräsentanten unseres Staates vereint, setzten auch die drei Bundestagsabgeordneten der Ampel ihre Reise in die Ukraine fort, als wäre nichts gewesen. Auch in der Berichterstattung eher moderate Töne. Wenn das die Antwort ist auf die Leistungen, die Deutschland seit Jahren finanziell und nun auch militärisch für die Ukraine erbringt, ist diese Ausladung ein Affront sondergleichen. Selenskyj hat damit bewiesen, dass er unfähig ist, auf der Bühne von Staatsführung und Diplomatie mitzuspielen. Druck und Stress durch das Kriegsgeschehen ebenso wie die von Steinmeier selbst eingeräumten politischen Fehler im Umgang mit Russland sind hier keine Entschuldigungsgründe.

Jan Troje

Besonnenheit im Kriegstaumel

13. April: Leitartikel: „Die Vernunft des Generals. Verkehrte Welt: Pazifisten wollen die Ukraine aufrüsten – und nur noch Militärs warnen“

Hin und wieder wird das Abendblatt auch im Ruhrgebiet gelesen, jedenfalls von Leuten wie mir, die 30 Jahre in Hamburg gelebt haben. So bin ich auf ihren Kommentar zu der „Vernunft des Generals“ aufmerksam gemacht worden, zu dem ich sie sehr beglückwünschen möchte. Es ist gut, dass in Zeiten eines allgemeinen Kriegstaumels Besonnenheit und Maß eine Stimme finden. Herzlichen Dank dafür!

Lothar Zechlin

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