Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. April 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Qualität ist wichtiger als Quote

12. April: „Das Scheitern der Anne Spiegel. Der Umgang mit der Flutkatastrophe im Ahrtal brachte die Bundesfamilienministerin zu Fall

Trotz Verständnisses für die privaten Probleme von Familie Spiegel: Warum wird bei der Besetzung solcher Stellen mehr auf Parteiquote geachtet als auf Qualität? In der Wirtschaft werden Assessment-Center genutzt, um den Bewerber auch auf Stressresistenz zu prüfen – für Ministerämter verboten? Und warum konnte Frau Spiegel, die ihre persönlichen Probleme seit 2019 kannte, nicht nein sagen, als ihr das Amt angeboten wurde? Zugleich wird erkennbar, wie wenig in der Politik agiert wird, wenn Anforderungsprofil und Leistung so auseinanderklaffen. In der Wirtschaft nutzt man die Personalentwicklung, um Verbesserungen zu ermöglichen, in der Politik scheint dies eine No-go-Area zu sein.

Norbert Herzberg, Pronstorf

Dilemma bei Postenbesetzung

Die nun entbrannte Debatte über die mögliche Nachfolge Spiegels zeigt das eigentliche Dilemma bei der Auswahl für bestimmte Positionen. Solange man bei Postenbesetzungen hinterher immer die Q-Frage (Quote oder Qualität) stellen muss, wird das Ergebnis oft suboptimal sein. Kritisches bisheriges Verhalten oder einschränkende persönliche Umstände spielen keine Rolle – Hauptsache Geschlecht, Flügelzugehörigkeit, regionale Herkunft und andere Proportionalitäten stimmen. Wie wär’s einfach mal mit Qualifikation, einem sonst üblichen Auswahlkriterium nicht nur für Führungskräfte. Das wäre der Sache dienlich, und auch redlich gegenüber dem die Besoldung finanzierenden Steuerzahler.

Holger Schütz

Keine Antwort auf E-Mails

12. April: „Sparda-Bank Hamburg verliert 10.000 Kunden“

Als Kundin der Sparda-Bank kann ich genau sagen, warum die Bank so viele Kund*innen verliert. Die erwähnte IT-Umstellung war für die Kund*innen eine absolute Katastrophe und Zumutung. Der Service der Bank wurde auf Null gefahren. Geldautomaten fielen aus, und es wurden diverse Filialen geschlossen. Ich kann meine Beraterin nicht direkt anrufen und auf Fragen per E-Mail bekomme ich keine Antworten. Tja, ich bin nur zu faul, den Aufwand eines Wechsels zu betreiben. Trotz dieser organisierten Service-Wüste bei der Sparda-Bank, sind die Mitarbeiter*innen immer noch sehr bemüht zu helfen. Wo der Vorstand aber anscheinend die Büroorganisation möglichst kundi*nnenunfreundlich gestaltet, können auch die nettesten Mitarbeiter*innen nichts mehr ausrichten.

Jutta Kodrzynski

Doch lieber die Stadtbahn?

11. April: „Erste Klagen gegen U 5 zurückgezogen. Gegner des Projekts einigen sich außergerichtlich mit der Hochbahn“

Die Planungen zur U 5 lassen bisher völlig unberücksichtigt, dass die „Elektrifizierung“ des ÖPNV durch den Bau einer Stadtbahn eine erheblich umweltverträglichere Alternative darstellt als der Bau der U 5. Die Stadtbahn hat sich in unzähligen europäischen Großstädten bewährt. Auch viele deutsche Großstädte sind glücklich, dass sie noch eine Stadtbahn haben. Unberücksichtigt bleibt auch, dass es noch immer keinen kritischen Systemvergleich zwischen dem Bau der U 5 und dem Bau einer Stadtbahn gibt. Der Bau einer Stadtbahn ist um das ca. 25-fache kostengünstiger, so dass statt einem Kilometer U 5 ca. 25 Kilometer Stadtbahn gebaut werden könnte, mit einer „Erschließungswirkung“, die ca. das 25-fache der U 5 ausmacht. Der Erlebniswert, und damit die Anziehungskraft der oberirdisch geführten Stadtbahn ist erheblich größer. Der Umstieg der Fahrgäste auf den ÖPNV schafft auch die für die Stadtbahn erforderliche Verkehrsfläche. Die Stilllegung der Straßenbahn in Hamburg 1978 war ein Fehler, der jetzt endlich korrigiert werden könnte.

Johannes Schneider

Projekt neu überdenken

Die Hochbahn weiß, dass die U 5 ein Klimakiller ist und mit dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz unvereinbar ist. Ein Gerichtsurteil soll daher auf jeden Fall vermieden werden. Wir leben in einer Zeitenwende: Auch die Hamburger Politik muss sich verändern. Das kommende Öl-Embargo ermöglicht es allen Seiten, das Projekt gesichtswahrend zu verschieben und neu zu überdenken. Wenn jeder Bürger Öl sparen muss, sind 600.000 Lkw-Fahrten (nur U 5 Ost!) für ein Projekt, das vor dem Pariser Klimaschutzabkommen geplant wurde, das erste, was der Senat sparen muss.

Anne Guntau

Kosten trägt der Steuerzahler

Von Interesse wäre es zu erfahren, welche einzelnen Gründe die Kläger vortragen, und wie die Hochbahn zwei Klagen abwenden konnte. Man kann nur hoffen, dass der grüne Verkehrssenator, und der übrige Senat sich hier nicht auf Vertraulichkeit berufen. Bei der U 5 handelt es sich um ein hochpolitisches Vorhaben, vom heutigen Bundeskanzler ersonnen und den Hamburgern als „die Lösung“ für die Verkehrsprobleme verkauft. Offenkundige Nachteile verschwieg Scholz lieber und übertrug der Hochbahn die Umsetzung des Projektes. Diese handelt also nur im Auftrag des Senats, dessen Aufgabe es eigentlich wäre, sich mit den Argumenten der Kläger auseinander zu setzen. Wie auch immer, zahlen müssen wir als Steuerzahler, auch für mögliche Vergleiche! Transparenz seitens der Politik ist deswegen gefordert.

Lutz Achilles

Aus der Seele gesprochen

9./10. April: Hamburger KRITIken: „Reise in ein seltsames Land“

Ihre Kolumne spricht mir aus der Seele. Aber: Gut gebrüllt, Löwe – auch das Abendblatt beteiligt sich immer wieder an der von Ihnen kritisierten Berichterstattung mit „lärmend-lähmenden Warnungen“. Fast wünscht man sich das frühere „Sex sells“ zurück, das hat wenigstens nur die Auflage gesteigert und nicht die Gesellschaft zerstört. Der Leser kann sich kaum dagegen wehren, die Journalisten hätten aber die Verantwortung (gehabt), nicht permanent die endlose Angstschleife zu bedienen. Immerhin konnte aber jeder, der es lesen wollte, auch in der Vergangenheit im Abendblatt die andere Sichtweise lesen – wenn auch zumeist etwas versteckt und nicht als Schlagzeile. Deutschland ist in zwei Jahren Pandemie das seltsame Land geworden und die Deutschen und die Masken sind eine unheilvolle Allianz eingegangen.

Dr. Detmar Kücken

Die Erhöhung ist unanständig

9./10. April: „Abgeordnete sollen mehr Geld bekommen“

Unsere Vertreter in der Bürgerschaft arbeiten in einem „Freizeit“-Parlament. Das bedeutet, dass alle neben ihrem Sitz in der Bürgerschaft ein Einkommen erzielen, welches ihren Lebensunterhalt sichert. Nun lese ich, dass diese „Volksvertreter“ ihre Diäten von 3531 Euro um 550 Euro erhöhen wollen. Eine Steigerung, die ein Rentner nach 55 Jahren Arbeit niemals erreichen kann. Eine Steigerung, die einem Empfänger der Grundsicherung die Tränen in die Augen treibt. Was denken sich diese Damen und Herren dabei? Sehen die noch die Realität? Denken sie an die normalen Menschen, die fleißig arbeiten, aber angesichts der enormen Preissteigerungen Angst vor Armut oder sozialem Abstieg haben? Menschen, die nicht wissen, wie sie die durch Umweltauflagen und Steuern sowie der Krisen in der Welt gestiegenen Heiz- und Stromkosten bezahlen sollen, die mit großen Augen die Preissteigerung beim Bäcker akzeptieren müssen, die aber gleichzeitig feststellen, dass ihr Einkommen kaum, die Kosten aber extrem steigen. Dieses Ansinnen einer Erhöhung der Diäten ist einfach nur unanständig und Ausdruck dafür, dass diese Leute den Bezug zur Realität in dieser Stadt verloren haben.

Ralph Fritz

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