Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. April 2022

| Lesedauer: 5 Minuten

Hamburg in Angst gefangen

9./10. April: Hamburger KRITIken: „Reise in ein seltsames Land. Früher lag zwischen Schweden und Deutschland nur die Ostsee – inzwischen liegen zwischen uns Welten

Wenn wir uns in Europa umschauen, stehen wir allein da. Zumindest was Corona betrifft. Ein Gesundheitsminister der jeglichen Bezug zur Realität verloren und Angst hat, seinen durch Corona ergatterten Posten ohne dieses Thema wieder abgeben zu müssen. Eltern, die dem Twitter-Hass mehr Glauben schenken als ihrem Verstand und immer noch meinen, ihre Kinder würden tot umfallen wie die Fliegen, wenn sie die Masken abnehmen dürfen. In Hamburg spricht der Senat schon von angezogenen Maßnahmen im kommenden Herbst, während sie noch die „alten“ Regelungen weiterführen. Fragen zu Zahlen und Statistiken werden einfach nicht beantwortet oder vielleicht sogar bewusst verschwiegen. Man fragt sich, was mit den Menschen der einst so offenen, rationalen und kühl-kalkulierenden Hamburger Hansestadt passiert ist. Gefangen in Angst, getrieben von politischer Panik-Rhetorik und nicht fähig, über den Tellerrand hinaus zu sehen. Für mich ist diese Stadt nicht mehr dieselbe.

Sophia von Kaphengst

Wichtig ist etwas Normalität

Es ist lange überfällig, den Bürgern Eigenverantwortung im Umgang mit dem Corona-Virus zuzutrauen. Jeder Einzelne kann für sich entscheiden, was er zum Eigenschutz unternimmt. Weitere Gängelungen und Verbote, vor allem aber weitere Schreckensszenarien im Hinblick auf den Herbst sowie Schuldzuweisungen, sind nicht zielführend. Wichtig ist doch ein wenig Normalität einkehren zu lassen. Die Politik hat in den letzten Monaten völlig verunsichert und versagt. Keiner weiß mehr, was wo und wie gilt. Ständig werden einem Zahlen um die Ohren gehauen, mit denen man am Ende doch nichts anfangen kann. Verschwiegen wird, dass unser Gesundheitssystem „aus dem letzten Loch pfeift“. Da Corona vorzuschieben, ist für mich persönlich absolut unfair.

Susanne Lüders

Kein Bezug zur Realität

9./10. April: „Abgeordnete sollen mehr Geld bekommen“

In Zeiten, in denen weder die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen überwunden, noch die Auswirkungen des Ukrainekrieges absehbar sind, und die Inflation so hoch ist wie seit 40 Jahren nicht mehr, über eine Anhebung der Abgeordneten-Diäten nachzudenken, bedeutet, dass der Bezug zur Realität vollständig verloren gegangen ist. Eine Erhöhung um 550 Euro entspricht einer Erhöhung von 15,57 Prozent, von derartigen Anhebungen können Arbeitnehmer und Rentner nur träumen, diese erhalten nicht einmal den Inflationsausgleich, ganz zu schweigen von Hartz-IV-Empfängern. Menschen bangen um ihre Existenz, können ihren Lebensunterhalt nicht mehr finanzieren, und Abgeordnete sollen höhere Bezüge auf Kosten der Steuerzahler erhalten. Der Ländervergleich ist irreführend, da dem Hamburger Parlament als Teilzeitparlament die Diäten auch nur für Teilzeit gezahlt werden, hochgerechnet auf ein Berufsparlament würde Hamburg nicht auf dem letzten Platz landen.

Ute Hopp, Seevetal

Viele Lebensjahre gewonnen

9./10. April: „Davyd braucht die teuerste Spritze der Welt“

Ich kann nur hoffen, dass die Krankenkasse dazu verpflichtet wird, diese Kosten zu übernehmen. Davyd muss die Möglichkeit bekommen, ein normales Leben zu führen, zur Schule zu gehen, eine nette Frau (oder netten Mann) kennenzulernen und eine Familie zu gründen. Meine eigene medizinische Behandlung in den Jahren 1989 und 1990 inklusive zweier neurochirurgischer Eingriffe, einer stereotaktischen Bestrahlung in Norwegen und sechsmonatiger Rehabilitation wäre heute sicher mit ähnlichen Kosten verbunden, ich habe durch diese aber 33 Jahre gewonnen und lebe entgegen aller Prognosen nicht im Pflegeheim. Obwohl ich krankheitsbedingt mein Studium nicht abschliessen konnte, war es mir möglich, in mehreren Firmen zu arbeiten und wieder Sport zu treiben, mittlerweile stehe ich zweimal in der Woche als Sportabzeichenprüfer auf dem Platz, was mir viel Freude bereitet und hilft, meine Frühverrentung mit etwas Sinnvollem zu verbinden.

Jens-Uwe Dierk

Nur schöne Worte?

7. April: „Wie Hamburgs Hafen grün werden soll“

Alles schöne Worte des Ersten Bürgermeisters zum angestrebten „nachhaltigsten Hafen der Welt“: Fakt ist, dass es bislang nicht einmal möglich gewesen ist, ein neuartiges, aber einfaches System wie die „Port Feeder Barge“ für die Verlagerung der massenhaften hafeninternen Containerverkehre von der Straße auf das Wasser einzuführen – und das, obwohl es die Stadt nichts kosten würde, und die Klimabilanz unübertroffen wäre, aber ausgerechnet die ach so klimafreundliche HHLA (als öffentliches Unternehmen!) mauert. Es bleibt abzuwarten, ob der neue Hafenentwicklungsplan das Thema überhaupt aufgreift. Dr.-Ing. Ulrich Malchow, Hamburg

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