Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. März 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Nur marginale Erleichterungen

28. März: „Aus für die Maskenpflicht im Unterricht

Die heutigen Headlines „Aus für die Maskenpflicht im Unterricht“ und „Hamburg schafft Maskenpflicht im Unterricht ab“ sind leider übertrieben, weil nicht zutreffend. Denn dies gilt – wie im Artikel zu lesen ist – nur eingeschränkt am Platz. Darüber hinaus betrifft diese Pflicht ebenso wie die Massentests unsere Kinder weiterhin. Und zwar trotz der bundesweiten Änderungen des Infektionsschutzgesetzes, die ab dem 3. April gelten werden. Vor allem jedoch entgegen der Meinungen und Einschätzungen der drei großen pädiatrischen Fachgesellschaften, die sich aufgrund aktueller Studien und auf Basis der inzwischen erworbenen wissenschaftlichen Erkenntnisse für Kinder gegen diese Maßnahmen aussprechen. Während also in den meisten europäischen Ländern längst Erleichterungen für Kinder und Jugendliche beschlossen wurden oder es wie in Schweden zu keinem Zeitpunkt eine Maskenpflicht an Schulen gegeben hat, entscheidet sich der Hamburger Senat zu marginalen Erleichterungen, hält ansonsten aber an den bisherigen Maßnahmen gegenüber Kindern fest. Den offenen Briefen von Kinder- und Jugendärzten, Virologen und weiteren Experten nach zu urteilen, ist diese Entscheidung inzwischen vielmehr „angstbasiert“ denn evidenzbasiert.

Dr. Manuela Gürtler-Bayer

Längere Anfahrtszeit

28. März: „Polizisten finden keine Parkplätze“

Mit diesem Beitrag beschreiben Sie treffend die Situation, die die Politiker uns aufdrängen. Ich betreibe eine Zahnarztpraxis im neuen Anwohnerparkbereich Harvestehude. Ich habe einige E-Mails mit dem Landesbetrieb Verkehr hin und her geschrieben mit dem ernüchternden Ergebnis, dass weder ich, noch meine Mitarbeiter einen Anwohnerausweis bekommen, da wir und unsere Kfz ja hier nicht behördlich gemeldet sind. Ausnahmen wären nicht zulässig. Wegen der unzureichenden Nahverkehrsanbindung dürfen Mitarbeiter von mir, die nördlich Norderstedts wohnen, nun einen Anfahrtsweg von einer Stunde einplanen. Vorausgesetzt, dass Busse und Bahnen pünktlich sind. Alternative: Alle drei Stunden das Auto umparken und dauernd neu bezahlen, sofern ein Parkplatz zu finden ist. In der letzten Mail von der Behörde empfahl man uns keck, doch einfach ein Fahrrad zu nehmen. Danke für den praxistauglichen Tipp!

Dr. Harold Eymer

Wir müssen Energie sparen

26./27. März: „Habeck liefert. Der grüne Wirtschaftsminister will Energie-Importe aus Russland schnell beenden“

Der Kommentar ist richtig. Aber es fehlt etwas: Habecks wichtige Aufforderung zum Energie sparen. Sofort effektiv wirksame Energiesparmaßnahmen ohne große Investitionen sind längst gefunden: Der Effekt von Sonntagsfahrverbot und Tempolimit ist nachgewiesen. Für beide Maßnahmen gab es 1973 große Akzeptanz. Hamburg muss der Ampelkoalition ins Gewissen reden, den Beschluss doch zu fassen, mindestens für sechs Monate. Die größten CO2-Emissionen im Bausektor verursacht der Neubau. Der Deutsche Städtetag (inklusive Hamburg) hat dies bereits 2021 erkannt und als Ziel beschlossen: So wenig Neubau wie möglich, die Priorität liegt auf Bestandsumbau und ggf. Erweiterung. Hamburg muss seine Verwaltung zur Umsetzung dieser Ziele auffordern, d. h. z.B. keine nicht zwingend notwendigen gewerblichen Gebäude wie z.B. der Elbtower, ein Gigant aus Zement und Stahl, produziert, transportiert und errichtet mit Öl und Gas. Und ist Kreuzschifffahrt, von fast allen Steuern und Abgaben befreit, wirklich ein lebenswichtiger Wirtschaftsfaktor, der das Recht auf ungebremste Mengen Öl und Gas hat, mit den daraus folgenden CO2-Emissionen, Staub und Stickoxiden? Warum wurden nicht längst Segelantriebe weiterentwickelt? Frachtsegler waren früher so schnell wie heute Motorfrachtschiffe. Eine Pause für die fossile Kreuzschifffahrt könnte die Entwicklung zu weniger fossilem Energiebedarf beschleunigen. So viele Maßnahmen sind möglich, die uns nicht annähernd so belasten wie der Krieg die Ukrainer. Jeder Tag, den der Krieg früher endet, zählt!

Iris Neitmann

Ich bin maßlos enttäuscht!

26./27. März: „Energiebonus: Rentner gehen leer aus. Kritik am Entlastungspaket der Ampel“

Ich war 47,5 Jahre berufstätig, die meiste Zeit im Sozialwesen. Darüber hinaus habe ich zwei Kinder groß gezogen. Nun muss ich als Rentnerin erleben, dass mich die derzeitige Bundesregierung nicht für würdig und im Gegensatz zu den normalen und Besserverdienenden nicht für bedürftig genug hält, den Energiebonus zu erhalten. Mit den Steuern auf meine wirklich nicht üppige Rente darf ich diesen aber mitfinanzieren. Ich bin wütend, vor allem aber maßlos enttäuscht!

Elisabeth Limper-Lüpke

Hang zur Sektiererei

26./27. März: Hamburger KRITIken: „Fridays for Future und ideologische Friseure“

Wenn’s jetzt schon an der Frisur liegt, woran dann beim nächsten Mal? Hier passt mal nicht Goethe, sondern Schiller: „Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort“ und „Leicht beieinander wohnen die Gedanken“. Beide Zitate sind offensichtlich zeitlos gültig und zeigen den Hang zur Sektiererei bei denjenigen, die oberflächlich, ungeduldig und unreflektiert denken. So lange es beim vorübergehenden Hang bleibt, ist’s ja verzeihbar.

Friedrich Weinhold, Norderstedt

Triumphbogen für Ösigarchen

24. März: „Elbtower: SPD-Fraktion über eigene Senatorin empört“

Der Elbtower wird kein „selbstbewusstes Statement einer wachsenden Stadt“ sein, wie man uns einzureden versucht, sondern ein Triumphbogen für den „Ösigarchen“ René Benko, der uns mithilfe seines Lieblingsarchitekten David Chipperfield demonstriert, was ihm in unserer Stadt schon alles gehört. Ein Trump-Tower für Hamburg, nur halt a bisserl fescher. Das ist bitter für alle, denen die Stadt am Herzen liegt!

Veronika Klosa

Hamburg ist kein Biotop

Ich kann diese reflexhafte Ablehnung aller größeren Bauprojekte langsam nicht mehr nachvollziehen. Hamburg ist eine Millionenmetropole und kein Museumsdorf oder Biotop. Ein Wolkenkratzer mit einer Höhe von 245 Metern ist im internationalen Vergleich eher winzig. Wenn hier, nach jahrelanger Planung, von einem „panikartigem“ Erteilen der Baugenehmigung gesprochen wird, ist das einfach nicht nachvollziehbar. Ein Scheitern dieses Projektes hätte, nachdem schon viele Millionen in der Planungsphase investiert wurden, für Hamburg auf Sicht fatale Folgen. Warum sollte ein Investor in unserer Stadt bei solcher Planungsunsicherheit noch investieren? Das zeigen ja auch schon deutlich kleinere Projekte, wie z.B. das Essohaus.

Lutz Weiser

Zu viel Platz für Schöneberger

26./27. März: „,Ich war immer die Dicke‘. Barbara Schöneberger spricht über gute Laune, viel Geld – und über ihre Figur“

Wie ist es denn bloß möglich, dass der Frau Schöneberger und ihrem immens wichtigen Problem, dass sie unter Umständen für zu dick gehalten werden könnte, so viel Aufmerksamkeit und Platz eingeräumt wird. Ihre Arbeit bezeichnet sie als tolles Hobby, in Geld schwimmt sie („Bargeld raschelt so toll“), ihr Leben ist privilegiert, das einzig Schlimme ist der Sport mit Personal Trainer. Megapeinlich vor dem Hintergrund der vorherrschenden Lebensumstände vieler Menschen.

Irene Meyer, Norderstedt

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