Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. März 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Sie bleibt uns im Gedächtnis

16. März: „Heldin – nur wie lang?“

Ich kann Diana Zinkler uneingeschränkt zustimmen. Marina Owssjannikowa ist gewiss eine Heldin. Obwohl die russischen Behörden kurz zuvor das Dekret erließen, dass die Verwendung des Begriffes „Krieg“ für den Krieg mit einer Gefängnisstrafe von 15 Jahren belegt werden kann, bezeichnet sie auf ihrem Protestplakat den Krieg eben als das, was er ist, mit dem Aufruf diesen zu stoppen. Aufgrund ihres zeitweiligen Verschwindens wurde Schlimmstes befürchtet, zumindest eine hohe Haftstrafe. Auch wenn es nicht besonders mutig von hier aus ist, würde ich ihr sofort die 250 Euro Geldstrafe überweisen. Marina Owssjannikowa wird für ihren Mut noch sehr lange im Gedächtnis bleiben.

Reiner Gorning, Hamburg

Eine mutige Aktion

Marina Owssjannikowa sollte den Friedensnobelpreis erhalten. Selten hat eine Aktion für den Frieden so viel Mut erfordert.

Herbert Hengstenberg

Ein Neuaufbau mit Wehrpflicht

16. März: „Wehrbeauftragte: Bundeswehr soll wieder das Kämpfen lernen“

Bereits vor Frau Högl haben die Wehrbeauftragten auf eklatante Defizite hingewiesen. Dies wurde von den Verteidigungsministerinnen zur Kenntnis genommen, keine sah sich verpflichtet, nachhaltige Veränderungen einzuleiten. Das Millionengrab „Gorch Fock“ sei nur beispielhaft erwähnt. Insofern hat der Wehrbericht lediglich Feigenblattfunktion. Dass Soldaten mit marodem Material keine Moral aufbauen können, ist doch verständlich. Die Frage sei erlaubt, wohin die jährlichen 50 Milliarden Euro „verpulvert“ wurden, die Anzahl der eingesetzten Berater ist ein erster Hinweis. Motivierend für unsere Soldaten war immerhin das Gefühl, bei der Pandemie gebraucht zu werden, die Bürger nahmen endlich einmal Notiz. Jetzt unter dem Druck des Ukraine-Kriegs vorschnelle Forderungen zu stellen, hilft niemandem. Ein Reset und ein Neuaufbau auch mit Wehrpflicht wäre wünschenswert, unsere Soldaten sollten es uns wert sein!

Norbert Herzberg, Pronstorf

Streiks sind zu vermeiden

15. März: „Warnstreik: Ein Großteil der Flüge in Hamburg fällt aus“

Streik ist das stärkste Mittel, mit dem Arbeitnehmer Forderungen zu ihren Arbeitsbedingungen durchsetzen können. Streiks stehen deshalb an letzter Stelle von Tarifverhandlungen und dürfen nur im Ausnahmefall eingesetzt werden. Die Realität sieht anders aus: Streiks sind zur Routine geworden – kaum eine Tarifauseinandersetzung kommt ohne Streik aus. Ebenso ist es aber auch Routine der Arbeitgeber geworden, die Forderungen der Gewerkschaften ohne Aussprache abzulehnen und damit sachliche Auseinandersetzungen zu verhindern. Die „Schuld“ für die unangenehmen Auswirkungen für die mitbetroffenen Bürger und Kunden liegt deshalb immer auf beiden Seiten. Streiks sind unzweifelhaft legal. Ob allerdings „routinemäßige“ Streiks noch vom Grundgesetz gedeckt sind, darf bezweifelt werden. Warum muss ausgerechnet jetzt in den Frühjahrsferien am Hamburger Flughafen gestreikt werden, wenn vornehmlich Familien mit Kindern von den Flugausfällen betroffen sind? Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten unbedingt zu dem Grundsatz zurückkehren, Streiks möglichst zu vermeiden – auch wenn es an ihre Schmerzgrenzen geht. Bei gutem Willen ist das auch im Rahmen der Tarifautonomie möglich.

Harald Oelker

Kein Verständnis!

Es ist unerhört, einen Tag vor Beginn der Verhandlungen, Tausende von Urlaubern gewissermaßen „in Geiselhaft“ zu nehmen. Die Aussage Piepers: „Wir wünschen allen von Herzen einen schönen Urlaub“, setzt dem die Krone auf, zeugt sie doch von blankem Zynismus. So erreicht man kein Verständnis für berechtigte Anliegen.

Sigmund Reichel

Eine Lösung für beide Seiten?

14. März: Leitartikel: „Ein völlig irrer Krieg“

Seit dem 24. Februar treiben mich so viele die Fragen um, wie es zu diesem schrecklichen Angriff von Russland auf die Ukraine kommen konnte, wie dieser Krieg sofort beendet werden kann und welchen Beitrag zur Beendigung die Europäische Union, insbesondere Deutschland und auch die Nato leisten kann. Auf der Suche nach Antworten bin ich u.a. auf ein Interview mit Egon Bahr, aus dem Frühjahr 2015 im Klönschnack 3/2022 gestoßen. Dort lese ich, dass quasi als Gegenleistung für die deutsche Wiedervereinigung mit Russland vereinbart wurde, dass sich die Nato nur bis zur polnischen Westgrenze ausdehnen werde, um dem „russischen Bären nicht zu sehr auf den Pelz zu rücken“. Heute grenzt die Nato mit ihren osteuropäischen Mitgliedsstaaten direkt an Russland; die Ukraine ist die letzte Lücke in dieser Kette. Welche Kompromisse kann es nun geben, damit die allseits beschworenen roten Linien nicht übertreten werden? Immer weiter die Sanktionskeule zu schwingen, die letztlich uns allen weltweit großen Schaden bringen wird, ist nicht zielführend. Ebenso wenig Drohungen und verbale Aufrüstung, inzwischen auch vermehrt von ukrainischen Politikern. Gesucht sind rasche, politisch-konstruktive Lösungen, Kompromisse, die die Souveränität der Ukraine mit ihrer Orientierung am Westen und ihren demokratischen Werten, aber auch Russlands Sicherheitsbedürfnis anerkennen. So könnte Europa z.B. mit dem Angebot eines Sonderstatus für die Ukraine, einer Art privilegierter Assoziation in der EU, bei gleichzeitiger militärischer Neutralität, eine für beide Seiten rasch akzeptierbare Lösung vorschlagen und somit eine Brücke bauen.

Elisabeth Lerch-Palme

Es läuft etwas falsch...

15. März: „Pro & Kontra: Sollten die Corona-Beschränkungen jetzt aufgehoben werden?“

Es wird Zeit. Um es vorweg zu schicken, auch ich bin geboostert und nähere mich rapide dem „Risikoalter“ 60. Dennoch unterstütze ich die Meinung ihrer Ressortleiterin Frau Tesche. Jeder der wollte, konnte sich impfen lassen und wer jetzt nicht will, den erreicht auch eine Impfpflicht nicht, besonders bei den desolaten Kontrollmöglichkeiten. Auch Österreich ist wieder ein Stück von der Impfpflicht abgerückt, denn es zeigt sich mehr und mehr, dass die Impfung ein Baustein ist und nicht mehr. Wer Professor Drosten gehört hat, der erkennt durchaus einen Meinungswechsel, der Infektion quasi notwendig macht, um irgendwie weiter zu kommen. Ja, ich weiß, ich kann und werde mich höchstwahrscheinlich infizieren, habe dafür aber die bestmögliche Schutzkleidung (Booster) an und betrachte es als meinen Beitrag zur Endemie. Wenn jetzt nicht bald ein Schlussstrich gezogen wird, dann befürchte ich ein Einigeln der Politik in genau diesem Zustand, in dem man den Menschen ständig sagt, dass jetzt nicht der Zeitpunkt sei. Wann dann? Jeder der will, kann doch weiterhin Maske tragen, soviel Toleranz wird es ja wohl geben. Die Jugend muss die Chance bekommen, ihr Leben wieder mehr selbstbestimmt zu führen, erst Rücksicht auf die ältere Generation, dann Homeschooling und Homeuniversität unter teilweise mittelalterlichen Methoden und jetzt wird weiter an sie appelliert, während – ich gönne es jedem – die Flieger auf die Kanaren sich mit Rentnern füllen. Da läuft etwas in die falsche Richtung. In den Ländern, die mutig gewesen sind, ist das Gröbste vorbei, ohne dass von einem totalen Zusammenbruch der Infrastruktur berichtet wurde. Das Narrativ der überlasteten Systeme zieht in meinen Augen nicht mehr, es ist genauso abgenutzt wie viele andere Worte, die regelmäßig wieder bemüht werden, wenn Drohszenarien benötigt werden. Schauen wir mal, wie viel Vertrauen die Politik letztendlich in ihre Bürger hat.

Nicole Sauter

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