Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. März 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Das ist ein peinlicher Zustand

14. März: „CDU für Online-Registrierung der Flüchtlinge. So könnten lange Wartezeiten in der Kälte vermieden werden“

Es kann doch wohl nicht sein, dass völlig entkräftete Kriegsflüchtlinge tage- und nächtelang draußen zur Registrierung anstehen müssen. Die Behördenleitung muss hier verschärft in die Hufe kommen, um Abhilfe zu schaffen. Schlafen unsere Politiker in der Stadt alle, oder warum passiert da nichts? Für die Erfassung persönlicher Daten und Erstversorgung ist kein dreijähriges Physikstudium erforderlich, das sollte mit ein bisschen Einweisung auch von Sachbearbeitern aus anderen Fachgebieten machbar sein. Ich und viele Bürger dieser Stadt wären sehr dankbar, wenn man diesen peinlichen Zustand beendet.

Margret Schmahl

„Ich hoffe auf euren Mut“

14, März: Leitartikel: „Ein völlig irrer Krieg“

Einst hofften viele, Russland würde den nach allen Epochen der Unterdrückung gerade erst begonnenen Weg in die Gemeinschaft freier Völker auch unter Putins Regierung fortsetzen. Leider zeigte sich schon bald, dass diesem der Mut zur Demokratie und Meinungsfreiheit fehlte. Ihm mangelt es an Charakterstärke, die notwendig ist, um nicht korrumpierbar zu sein, eigene Fehler zu korrigieren und vielleicht auch eine verlorene Wahl mit Anstand hinzunehmen. Nun ist Putin mit seiner Kreml-Seilschaft zum Kriegsverbrecher und Massenmörder geworden. Was keiner mehr für möglich hielt: Wieder einmal werden im Namen einer Kulturnation Zivilisation und Menschenleben missachtet. Aber weder kulturelle Tradition noch nationaler Hochmut rechtfertigen den Tod auch nur eines einzigen Menschen. Vor einem Dreivierteljahrhundert haben wir Deutschen den moralischen und materiellen Niedergang unseres Landes erlebt und die schreckliche Erfahrung von Schuld und Schande verkraften müssen. Liebe Russen, ich hoffe auf euren Mut, damit euch solches erspart bleibt.

Robert Schomacker, Hamburg

Konzerne sind profitbesessen

11. März: „Pro und Contra: Muss der Staat bei den Spritpreisen eingreifen?“

Beide Kommentare, ganz besonders das „Nein“ unterschlagen meines Erachtens einen entscheidenden Aspekt. Die marktbeherrschenden Mineralölkonzerne spielen seit Jahrzehnten absolut willkürlich und profitbesessen mit den Treibstoffpreisen. Speziell in Rotterdam sowie in anderen zentralen europäischen Häfen lagern riesige Ölbestände in ausgedehnten Tanklagern. Im persischen Golf sowie im Zulauf auf Öltanklager schwimmen enorme bezahlte Rohölmengen in gewaltigen Tankern. Aus Russland und anderen Herkunftsländern beziehen die Farbengesellschaften noch ohne aktuelle Störungen in laufenden Kontrakten Rohöl zu Preisen, die sich wohl kaum am Spotmarkt orientieren. Dennoch treiben Mineralölkonzerne die aktuellen Spritpreise hierzulande noch ohne jede Not während Putins Krieg um satte 50 und über 60 Cent nach oben. In vielen europäischen Ländern sind sie deutlich günstiger. Aus meiner Sicht verhalten sich die Konzerne wieder einmal verantwortungslos unsozial und fügen unserer Marktwirtschaft großen Schaden zu! Es gab schon in vorherigen Jahren, ebenso wenig wie jetzt, nicht eine stichhaltige Begründung dafür, jeden Ausschlag am Spotmarkt unmittelbar an Tankkunden weiterzugeben. Alle bisherigen Regierungen und leider auch die jetzige schau(t)en diesem Treiben gleichgültig zu. Sie kassier(t)en ungerührt und munter hohe Mineralölsteuern sowie obendrauf die volle Mehrwertsteuer. Es gibt zudem keinen vernünftig ausgestalteten Preisrahmen für die so wichtigen Treibstoffe. Dieser entgrenzte Zustand muss zügig geändert werden. Ähnlich wie bei der EEG-Umlage vorgesehen, müssen Farbengesellschaften verpflichtet werden, nötige Steuerermäßigungen 1:1 an die Tankkunden weiterzugeben! Aber auch wir Autofahrer müssen nachhaltig Sprit sparen!

Volker Deising

Hamburg neu gliedern?

11. März: „Elf Straßennamen NS-belastet. Kommission empfiehlt Umbenennung. Darunter sind Högerdamm und Walter-Bärsch-Weg. Auch neue Beschriftung am Heidi-Kabel-Platz?“

So so, eine Kommission der Kulturbehörde schlägt vor, einige nach angesehenen Hamburgern (u.a. Fritz Höger, Albert Schäfer, Julius Brecht) benannten Straßen und Plätzen umzubenennen, weil sie bewusst vom Nationalsozialismus profitiert hätten. Weitere Personen, nach denen Straßen benannt wurden, werden in diesem Zusammenhang ebenfalls von der Kommission kritisch gesehen (u.a. Kurt A. Körber, Carsten Fock, Heidi Kabel). Dabei hat auch der Stadtstaat Hamburg bewusst vom Nationalsozialismus profitiert. Am 26.1.1937 wurde das durch die Hitler-Regierung erlassene Groß-Hamburg-Gesetz geschaffen. Damit wurden z.B. die Städte Altona, Wandsbek und Harburg-Wilhelmburg sowie zahlreiche umliegende Gemeinden in den Stadtstaat eingegliedert. Konsequenterweise müsste die Kommission auch vorschlagen, den Stadtstaat Hamburg aufzulösen und in einem demokratischen Verfahren neu zu gliedern. Wir sollten uns nicht als Moralapostel aufspielen und Vorgänge in der Vergangenheit nach heutigen Wertvorstellungen beurteilen, denn zurzeit finanzieren alle Einwohner Deutschlands (und anderer EU-Staaten) gezwungenermaßen den Ukrainekrieg durch den Kauf von russischem Gas, Öl und russischer Kohle mit.

Klaus Kuttrus

Ich überprüfe jedes Jahr Tarife

8. März: „60 Prozent plus – Erdgaspreis schnellt in die Höhe“

Wie so oft habe ich das Gefühl, dass auch bei diesem Thema nicht die volle Wahrheit an Tageslicht gebracht wird. Jedes Jahr überprüfe ich im Frühjahr meine aktuellen Gas-, Strom- und andere Tarife, um einen möglichen Versorgerwechsel anzugehen. Beim Gaspreis bin ich völlig überrascht worden! Denn während ich im Frühjahr 2021 noch einen Preis von ca. fünf Cent pro Kilowattstunde bekam (bei einem Wechsel-/Neukundenrabatt von über 300 Euro), werden mir dieses Jahr Preise von 15 Cent pro Kilowattstunde und mehr (bei einem Wechsel-/Neukundenrabatt von gerade mal zehn Euro) angeboten. Das ist nach meinen Berechnungen eine Erhöhung nicht von 60 Prozent, sondern über 300 Prozent!

Manfred Wittig, Hamburg

Und jeder Verbraucher zahlt

11. März: „Hapag-Lloyd erwartet auch 2022 Riesengewinn. Ukraine-Krieg und hohe Treibstoffkosten werden Hamburger Reederei nur wenig treffen. Vorstandschef Habben Jansen soll bis 2027 bleiben“

Hapag-LLoyd feiert sich selbst und wird von den Medien gefeiert. Die Rederei hat, ähnlich wie alle anderen weltweit operierenden Reedereien, ihren Gewinn im letzten Jahr verzehnfacht. Glückwunsch. Angemerkt werden muss an dieser Stelle jedoch, dass dies nicht kluger und weitsichtiger Unternehmenspolitik zu verdanken ist, sondern einzig und allein einer Krisensituation, die es Hapag-LLoyd auch mangels Wettbewerb ermöglicht hat, obszöne Preise als Frachtraten durchzusetzen. Nichts am Service ist dadurch besser geworden, Waren aus Fernost nach Hamburg zu verschiffen gleicht einem Lotteriespiel. Die Geldströme, die in den Kassen von Hapag-LLoyd und anderen Reedereien landen, sorgen auch dafür, dass Importeure in den Ruin getrieben werden, weil sie eine Steigerung der ursprünglichen Frachtraten um das sieben- bis achtfache nicht weitergeben können. Letztendlich aber erwirtschaftet und zahlt jeder Verbraucher die Gewinne von Hapag-LLoyd, weil die Frachtkosten natürlich von den Importeuren und Händlern, so sie überleben, auf die Endverbraucherpreise umgelegt werden. Geld, dass Verbraucherinnen und Verbraucher gern für andere Zwecke ausgegeben hätten z.B. an Firmen, die davon anschließend ihre Steuern ordentlich bezahlen, fließen nun zu einem ganz erheblich Teil in die Kassen von Hapag-Lloyd, die davon dann 0,61 Prozent Steuern abführt.

Harald Ploß

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