Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. März 2022

| Lesedauer: 4 Minuten

Putin ist unberechenbar

12./13. März: Leitartikel: „Mit kühlem Kopf gegen Putin. Wir müssen umsetzen, womit wir drohen. Und nichts tun, was uns nur selbst schadet

Der Leitartikel ist ganz in unserem Sinne. Hoffentlich handelt Europa ausdauernd besonnen. Doch was macht ein unberechenbarer Putin, wenn er angesichts des Zusammenhalts der europäischen Staaten und seiner unausweichlichen finanziellen und wirtschaftlichen Pleite mit dem Rücken zur Wand steht? Ist ihm ein Griff auf den „roten Knopf“ zuzutrauen? Wir haben den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecken überlebt. Diesmal hätten wir keine Chance!

Traute und Ulrich Paske

Geschwindigkeit begrenzen

12./13. März: „Linke fordert zwei autofreie Sonntage im Monat“

Es gäbe eine einfache Möglichkeit den Bedarf am Rohstoff Erdöl zu reduzieren: Ab sofort gilt in ganz Deutschland eine Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen von 120 km/h, auf allen anderen Straßen von 70 km/h und innerorts von 30 km/h. So ließe sich auch ein Fahrverbot umgehen, das viele Pendler träfe, und trotzdem würde man vermutlich die Hälfte des Benzinverbrauchs einsparen. Das gäbe auch der Verkehrswende einen wichtigen Impuls, denn dann könnte man die Zulassung von Kfz über einem bestimmten PS-Wert (z.B. 120 PS) zurückziehen und die Motoren auf eine Höchstgeschwindigkeit (z.B. 160 km/h) begrenzen. Die Autoindustrie könne sich auf Sprit sparende, bequeme und selbstfahrende Autos konzentrieren. Unfälle, vor allem tödliche, würden gegen null gehen, Autoposerei und Autorennen würden sich von selbst erledigen. Der immer teurer und langsamer werdende Lkw-Verkehr wird die Industrie zwingen, ihre Lager nicht auf die Autobahnen zu verlegen, sondern mehr regional zu denken und die Kosten für die Verfügbarkeit von Zwischen- und Fertigprodukten selbst zu tragen und sie nicht wie heute der Allgemeinheit zuzumuten.

Christian Heuer

Medialer Overkill macht krank

12./13. März: Schumachers Woche: „Erst Krieg, dann Bundesliga, dann wieder Krieg“

Das mediale Trommelfeuer lässt uns nicht mehr zur Ruhe, geschweige denn zum Nachdenken oder gar zum Reflektieren kommen. Diese Dauerbeschallung, um nicht zu sagen, Dauerbedröhnung, ist unerträglich und absolut kontraproduktiv. Unsere „Erregungskurve“ wird permanent auf Höchstwerten gehalten, sehr oft mit „News“ und „Informationen“, die diese Bezeichnungen nicht verdienen. Presse- und Meinungsfreiheit sind ein hohes Gut. Medialer Overkill hingegen macht krank und entwertet diese Freiheit.

Andreas Vetter

Chile-Haus abreißen?

11. März: „Elf Straßennamen NS-belastet. Kommission empfiehlt Umbenennung. Darunter sind Högerdamm und Walter-Bärsch-Weg“

Bei aller Berechtigung für so manche historisch-bedingte Korrektur unseres Stadtbildes geht mir die vorgeschlagene „Bereinigung“ im Fall von Fritz Höger dann doch zu weit. Merkt unser Kultursenator, der sich so gern in der Rolle des Chefintellektuellen sonnt denn nicht, dass seine von ihm beauftragten „Schilder-Stürmer“ sich hier heillos verrennen? Nach dem Motto „wer suchet, der findet“ reichen jetzt schon völkisch-nationale Positionen für ein generelles Verdikt. Konsequenterweise müsste man dann ja wohl auch gleich das ganze Chile-Haus mit abreißen. Leider zeigt sich auch hier wieder, wohin zeitgeistiger Furor führen kann. Beim Datenschutz sind wir schon Weltmeister, jetzt offenbar auch bei der Suche nach historical correctness. Eben typisch deutsch!

Martin Roettig

Kahlschlag auf Wilhelmsburg

11. März: „Bäume pflanzen für den Klimaschutz“

Natürlich ist das Pflanzen von Bäumen positiv, aber noch besser ist es, bestehende Wälder zu erhalten. Dieser Gedanke muss dringend in den Köpfen der Hamburger Behörden ankommen. Dann käme man nicht auf die Idee, einen nach der Flut auf Wilhelmsburg entstandenen 60 Jahre alten Wald für ein neues Wohnquartier, das Spreehafenviertel, abzuholzen. Da geht es um einen ausgewiesenen Wald, aber Bäume sind auch an anderen Stellen wichtig. Auf Wilhelmsburg wurden vor zehn Jahren schon für die Internationale Gartenschau über 6000 Bäume gefällt. Ein Biotop wurde für den Bau einer Behörde vernichtet. Die vielen Bäume auf der Trasse der alten Wilhelmsburger Reichsstraße wurden diesen Winter abgeholzt. An der neuen Trasse gibt es kein Grün, sondern Lärmschutzwände. Binden sie auch CO2? Ersatzpflanzungen erfolgen in Niedersachsen. Laut Waldexpertin Sandra Hieke vergehen zehn bis zwanzig Jahre, bis eine Aufforstung eine positive CO2-Bilanz hat. Wie ist in zehn Jahren die Bilanz der Ersatzbäume zu den bisher abgeholzten? Wer prüft das? Der Ersatz für den Wilhelmsburger Wald wird in 40 Kilometern Entfernung in Hoinkenbostel gepflanzt. Da kommt man nicht mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin.

Marianne Groß, Wilhelmsburg

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