Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 9. März 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Er ist beratungsresistent

8. März: „Wer kann Putin stoppen? Kann die russische Bevölkerung ihren Präsidenten zwingen, den Krieg in der Ukraine zu beenden?“

Wer glaubt, Putin durch Verhandlungen von seinem Krieg gegen die Ukraine abbringen zu können, dürfte einem Irrtum erliegen. Wenn man sich dessen Fernsehauftritte anschaut, in denen er Gift und Galle gegen die gewählte Führung der Ukraine spuckt und immer wieder beteuert, an seinem Ziel, die Ukraine zu „entnazifizieren“, festhält, koste es was es wolle, fühlt man sich an das Verhalten Hitlers erinnert, der genauso fanatisch und beratungsresistent an seinem „Endsieg“ festhielt. Wenn man sich die Bilder in Erinnerung ruft, wie Putin die Mitglieder seines Sicherheitsrates abkanzelt, gibt es wie bei Hitler wohl niemanden, der es wagen würde, ihm in die Parade zu fahren. Auf einen russischen Stauffenberg zu hoffen, dürfte unter diesen Umständen Wunschdenken sein.

Jochen Kram

Gerechtere Rabattregelung

8. März: „Der Verkaufstrick mit den jungen E-Autos“

Die Überarbeitung der Haltezeit für E-Autos, bzw. der Bonusregelung ist schon lange überfällig. Nicht nur die Händler im Norden mit Kontakten zu Dänemark nutzen die aktuelle Regelung. Auch viele große Händler in Deutschland kaufen selbst E-Autos mit Rabatt und verkaufen diese nach kurzer Zeit als Tageszulassung oder Jahreswagen. Der Rabatt wird nicht weitergegeben. Ein gerechterer Vorschlag wäre eine Rabattlaufzeit von vier Jahren mit anteiliger Verteilung. Wenn der Verkäufer sein Auto nach einem Jahr verkauft kann er 30 Prozent Bonus behalten, der Rest muss zurückgezahlt werden. Nach zwei Jahren 60 Prozent, nach drei Jahren 85 Prozent und nach vier Jahren 100 Prozent. Der Käufer würde dann den zurückgezahlten Anteil als Bonus bekommen. Somit gebe es auch einen Anreiz gebrauchte Elektroautos zu kaufen.

Klaus Axmann

Nicht nur die der Frauen...

8. März: Leitartikel: „Zurück in der Opferrolle. Der Krieg tötet nicht nur, er zerstört auch die Lebensperspektiven moderner Frauen“

Selten trieb ein Beitrag bereits am frühen Morgen meinen Blutdruck so nach oben. Der Krieg zerstört doch auch die Lebensperspektiven von Tausenden moderner Männer, die sich gegen die Schergen aus Russland nunmehr plötzlich unter Einsatz ihres Lebens wehren müssen. Getrennt von den Liebsten und unter Verlust ihres mühsam aufgebauten Wohlstands. Die Reduzierung auf die Opferrolle der Frauen greift viel zu kurz.

Thomas Knaack, Reinbek

...gilt auch für die Männer

Die schlechten Perspektiven, die Sie zu Recht bei den Frauen beklagen, gelten auch für die Männer. Nur, dass deren Leben und Gesundheit zusätzlich an der Front bedroht sind.

Peter Bork

Ein mögliches Szenario

8. März: „Helfen – ohne Kriegspartei zu werden. Wie kann der Westen die Ukraine unterstützen, ohne Putin zum Gegenschlag zu provozieren?“

Die Menschen in der Ukraine befinden sich in einer fürchterlichen Lage. Forderungen nach schwerem Kriegsgerät und das Errichten einer Flugverbotszone in der Ukraine seitens der Nato sind vermutlich Ausdruck größter Verzweiflung. Stoltenberg und Baerbock lehnten jedoch bereits die Errichtung einer Flugverbotszone mit Hinweis auf eine drohende Eskalation bis hin zu einem Atomkrieg ab. Auch die östlichen Nato-Mitglieder wollen keine Militärflugzeuge in die Ukraine liefern. Helfen ohne zu eskalieren. Aber wie? Die Lieferung von schwerem Kriegsgerät in die Ukraine würde Putin vermutlich als weitere Eskalation werten. Mit einer Eskalation wäre letztlich auch der Ukraine nicht geholfen. Vermutlich können wir zunächst nur durch Verhandlungen und Sanktionen helfen, sowie mittels umfangreicher humanitärer Hilfen. Dürfte jedoch nicht auch ein gegenwärtig vermutlich kaum opportunes Szenario laut gedacht werden? Aufgrund der militärischen Überlegenheit Russlands und der verständlichen Zurückhaltung der Nato zwecks Eskalationsvermeidung wird die Ukraine vermutlich bald den Krieg verlieren. Es soll keine leichtfertige Äußerung sein, aber könnte die Ukraine nicht lieber heute als morgen die Waffen strecken. Tod und Zerstörung würden aufhören. Wäre die Verhandlungslösung denkbar: Die ohnehin verlorenen Ostprovinzen und die Krim aufzugeben und der Ukraine einen neutralen Status zuzuschreiben? Vermutlich würde es ohnehin über kurz oder lang zu solch einem ernüchternden Ergebnis kommen. Russland sollte dann umfangreiche Reparationszahlungen leisten.

Reiner Gorning, Hamburg

Kardinalfehler der Politik

5./6. März: „Rückkehr der Atomdebatte. Trotz des russischen Angriffs auf ein ukrainisches AKW wird in Deutschland über Nuklearstrom diskutiert“

Was sollen die Diskussionen über eine sinnvolle Verlängerung von noch funktionsfähigen AKW-Anlagen? Anfahren jetzt! Die wahren Bedenken der Energiekonzerne sind wohl eher finanzieller Art. Als Bürger dieses Landes habe ich dafür überhaupt kein Verständnis. Der sinnlose Ausstieg aus der Kernenergie war ein ebensolcher Kardinalfehler der Politik wie die Eliminierung der Wehrsicherheit. Es ist bedauerlich, dass es erst einer weltweiten Katastrophe bedarf, bis bei uns eine 180-Gradwende möglich ist. Muss es bei der Energieversorgung auch erst soweit kommen? Träume von neuen Technologien helfen uns heute nicht weiter. Herr Putin reibt sich die Hände. Auch sollte sich unserem Finanzminister die Frage stellen lassen, ob die durch enorm gestiegene Beschaffungskosten geometrisch steigenden Steuern auf Energie dem Bürger zuzumuten sind? Oder rechnet man mit diesen sprudelnden Einnahmen? Ob der Abbau der EEG-Umlage beim Bürger ankommt, ist auch nicht sichergestellt. Fragen über Fragen.

Dietrich Teudt

Keine Gesinnungsschnüffelei

7. März: „Putin, Gergiev, Netrebko … und nun? Moralische Eindeutigkeit und repressiver Rechtfertigungszwang sind jetzt für die Kultur durch den Krieg gegen die Ukraine zentrale Themen“

Danke für diesen Bericht, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Bei aller Empörung über den brutalen Angriff auf die Ukraine habe ich Zweifel, ob es sinnvoll ist, Kultur in die Sanktionen einzubeziehen. Solange Künstler nicht auf offener Bühne für Putin werben, wer soll deren Gesinnung prüfen? Und müssen wir das überhaupt? Wir sind eine freie Demokratie und haben Gesinnungsschnüffelei zum Glück doch nicht nötig! Ist nicht gerade das nicht eine unserer größten Stärken? Ob Netrebko für teures Geld in der Elbphilharmonie singt oder Gergiev in München dirigiert, wäre das nicht eine Entscheidung z.B. des Orchesters oder des Publikums (das könnte mit den Füßen abstimmen und den Konzerten fernbleiben). Muss es der Münchner Bürgermeister von oben herab entscheiden? Wie gut, dass direkt neben dem Artikel das kluge Zitat des Schauspielers Mathias Brandt steht, es sei „nicht Aufgabe der Kunst, anderen Leuten zu erklären, was sie zu denken haben...“ Soll ich etwa erst prüfen, ob Wladimir Sorokin wirklich gegen den Krieg protestiert hat, oder – noch besser – bereits inhaftiert ist, ehe ich das neue Buch von ihm lese? Das möge doch bitte meine Sache sein und weiterhin bleiben. Warum die Schulbehörde den Jugendlichen für eine Friedensdemo schulfrei gibt, nicht aber für die Demos zum Klimaschutz erschließt sich mir auch nicht. Es erinnert mich an meine Kindheit in der DDR, wo Schulkinder alle Nase lang „Frieden“ geloben mussten, womit keineswegs die Übergriffe (z.B. in Prag 1968) der „glorreichen Rote Armee“ gemeint waren.

Andrea Herzog, Hamburg

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