Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. März 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Papiertiger Nato

7. März: „Wie konnten wir nur so naiv sein?“

Bei allem Respekt vor Dieter Lenzen und Lars Haider: Beide scheinen bereit zu sein, Angela Merkel für die Entwicklung in der Ukraine mitverantwortlich zu machen, werfen ihrer Ära und Politik Naivität vor. Diese Beurteilung ist falsch und äußerst ungerecht. Die ehemalige Bundeskanzlerin hat sich gegen einen Beitritt der Ukraine zur Nato ausgesprochen, weil sie die Angst Russlands verstanden hat, von der Nato durch die neuen Mitgliedsstaaten im Baltikum und Polen in die Zange genommen zu werden. Deeskalationspolitik darf man nicht mit Schwäche oder Naivität gleichsetzen. Wäre die Ukraine in der Nato, würde der Verteidigungsfall eintreten. Es ist erstaunlich, wie die Ampelregierung erklärt, dass die Nato nicht militärisch in den Krieg eingreifen wird. Das klingt wie ein Freibrief für Putin, weiterzumarschieren in der Ukraine. Die Nato verhält sich wie ein Papiertiger, weil niemand einen neuen Weltkrieg will. Die Krokodilstränen über den Krieg in der Ukraine zeigen einmal mehr, dass der Westen mit seiner Demokratie nicht in der Lage ist, Kriegsverbrechern wie Putin Paroli zu bieten. Die bevorstehenden Waffenlieferungen an die Ukraine kommen viel zu spät und sind nur ein Feigenblatt für den machtlosen Westen, der die Ukraine jetzt der Willkür Putins ausliefert.

Dietmar Johnen-Kluge

Putin verkennt die Realität

7. März: „Bennett will weiter zwischen beiden Seiten vermitteln“

Ist die Welt denn noch immer nicht aufgewacht? Putin ist an einer friedlichen Lösung nicht interessiert, solange er seine Träume von einem „Großen Russischen Reich“ nicht aufgibt. Er wird weiter rücksichtslos sein Militär einsetzen, die Ukraine in Schutt und Asche legen. Menschen werden weiter sterben, egal ob Soldaten oder Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Leider gibt es Nationen, die diesen Krieg aus verschiedenen Motiven unterstützen oder nicht verurteilen. Von China oder Nordkorea bin ich nicht überrascht, aber von Israel hätte ich mehr Rückgrat erwartet. Solidarität ist keine Einbahnstraße! Zu hoffen ist, dass der Druck in Russland trotzdem soweit ansteigt, dass das russische Volk dem Krieg ein Ende setzt. Putin muss von seinem eigenen Volk gestoppt werden. Er verkennt die Realität, die Entschlossenheit der EU und Nato. Sie werden sich nicht erpressen lassen. Übrigens, wer hatte nach dem Überfall auf Polen noch Interesse mit Hitler zu verhandeln? Für mich persönlich zählen Taten, Namen sind Schall und Rauch. Ob sie Hitler, Stalin oder Putin heißen.

Fred Bonkowski

Wechselbad der Gefühle

5./6. März: „Wir Kinder des Kalten Krieges. Von den 50er- bis zu den 80er-Jahren lebten die Deutschen im Schatten einer ständigen Kriegsgefahr – aber sie lebten nicht schlecht“

Matthias Ikens Essay ist mir buchstäblich unter die Haut gegangen. In einem Wechselbad der Gefühle zwischen Schmunzeln und Erstarren kehrte beim Lesen das Lebensgefühl der Jahre des Kalten Krieges zurück. Vor kurzem befragte mich meine 16-jährige Enkelin zu meinen Erinnerungen an den Kalten Krieg, weil das Thema gerade im Unterricht behandelt wurde. Mein Versuch, ihr als Zeitzeuge ein „ganzheitliches“ Bild zu vermitteln, blieb aus meiner Sicht unbefriedigend. Ich werde ihr Matthias Ikens Essay zu lesen geben. Eine Anekdote am Rande: Als der „Kalte Krieger“ Ronald Reagan 1981 zum US-Präsidenten gewählt wurde, schickte ich ihm einen Brief und legte ein Foto meiner beiden kleinen Söhne bei. Ich bat ihn, bei allen Entscheidungen zu Krieg und Frieden an das Leben aller unschuldigen Kinder auf der Welt zu denken. Überraschenderweise erhielt ich eine Antwort auf mein Schreiben: Mit einem standardisierten Text der US-Botschaft in Bonn bedankte sich das Weiße Haus im Namen des neuen Präsidenten für die Glückwünsche zu seiner Wahl. Selten habe ich mich so missverstanden gefühlt.

Hans-Jörg Bieger, Hamburg

Ein wunderbares Buch fehlt

5./6. März: „Den Krieg verstehen. Lesen bildet und hilft in schwierigen Zeiten. Lektüretipps für die, die mehr über die Spannungen zwischen Russland und dem Westen erfahren wollen“

Ich finde es sehr schade, dass in der Listung „mein“ Buch leider fehlt. Ich lese seit Tagen gespannt, aber auch mit Entsetzen, das wunderbare Buch von Golineh Altai: „Die Wahrheit ist der Feind. Warum Russland so anders ist“. Dort beschreibt die Autorin bereits 2019 genauestens, was passieren würde, und was nun eingetreten ist. Sie erklärt die Rolle der Oligarchen ebenso wie die Einstellung Putins zu seinem Land und dem Rest der Welt. Ich fände es wichtig, dieses Buch im Nachtrag zu Ihrem Artikel unbedingt noch zu nennen.

Birgit Knabbe-Alex

Mehr Impfungen ermöglichen

5./6. März: „Lauterbach rechnet erstmals mit Corona-Welle im Sommer“

Die Expertinnen und Experten, die Minister Lauterbach um sich versammelt hat, haben schon lange angekündigt, dass uns Corona länger begleiten wird. Interessant ist daher eher, dass der Gesundheitsminister Lauterbach nur davon redet, wie der Staat Einschränkungen aufrecht erhalten kann, was sicherlich auch wichtig ist. Dagegen aber nicht erwähnt, dass es die freiwillige Möglichkeit der Bürgerinnen und Bürger gibt, sich selbst durch Impfungen zu schützen. Schließlich haben die bisherigen Untersuchungen von Geimpften und Genesenen gezeigt, dass sich der Schutz nach und nach abschwächt. Aufgrund der bestellten Impfmenge ist es unnötig, von Priorisierungen zu sprechen, wichtiger ist es, den Menschen die Möglichkeit der Auffrischung der Impfung über die 3. Impfung hinaus zu ermöglichen.

Rüdiger Ramm

Bewundernswerter Einsatz

5./6. März: „Das Schröderstift – eine Gemeinschaft fürs Leben. Studenten retteten Gebäude in den 1970ern vorm Abriss“

Bewundernswert ist der Einsatz der Studenten, die sich in Eigenregie für den Erhalt dieses schönen Hauses einsetzten, um es zu erhalten. Das sollte in den Köpfen unserer Hamburger Politiker Schule machen, nicht immer alles gleich abzureißen, sondern zu sanieren und zu erhalten. In Anbetracht der zurzeit grassierenden Materialverknappung muss das auf jeden Fall eine Option sein, die es zu erwägen gilt. Unverständlich fand ich schon den Abriss der City-Hochhäuser, die man auch gut hätte sanieren und neuen Wohnraum schaffen können, mal ganz abgesehen vom CO2, der beim Abriss entstand.

Ingrid Kallbach

Kein gutes Geschäft

4. März: „Ticket-Affäre: Freisprüche gefordert“

Ich will nicht darüber urteilen, wer für was bestraft oder nicht bestraft werden sollte. Ich habe dazu eine Meinung, aber die tut hier nichts zur Sache. Zum Widerspruch regt mich hier allein der Spruch des Rechtsanwaltes Schwenn: „Die Stadt hat ein richtig gutes Geschäft gemacht“. Das ist nämlich eine „richtig“ falsche Behauptung. Die Stadt, die Hamburger und die Nutzer des Stadtparks haben auf einer Zeitstrecke vom Spätsommer 2017 bis weit in das Frühjahr 2018 auf große Teile der großen Stadtparkwiese verzichten und sich das erbärmliche Bild der mit einem Bauzaun eingefassten und nicht regenerierten Flächen anschauen müssen. Nun ist es schwierig, solche Beeinträchtigungen zu bemessen oder gar in Geld zu werten. Mein eigenes Wertgefühl sagt mir, dass das Vergnügen von 80.000 Konzertbesuchern und auch die wohl 250.000 Euro Einnahmen der Stadt nicht im Ansatz ausreichen, um den Schaden aufzuwiegen. Den Stadtpark besuchen jeden halbwegs schönen Tag Tausende von Menschen. Ich sehe keinen angemessenen Tausch, kein gutes Geschäft.

Berthold Eckebrecht,

Landschaftsarchitekt

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