Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 25. Februar 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Dieser Krieg fordert uns

24. Februar: „Ukraine – die Welt hält den Atem an“

Jetzt sind alle Illusionen zerstoben, Putin und seine Clique wollen das autoritäre Zarenreich mit allen Mitteln wiederherstellen. Dieser Krieg wird uns allen viel abfordern, an Solidarität und auch an Verzicht, denn Europa und speziell unser Land haben sich schlimm erpressbar gemacht. Einige Notmaßnahmen sind jetzt notwendig, auch wenn sie unseren Wohlfühlbräuchen widersprechen. Unsere letzten Akws, die frisch abgeschalteten genauso wie die dafür vorgesehenen, müssen vorerst weiterlaufen – das wäre kein Bekenntnis zur Atomkraft, sondern Notwehr gegen einen Erpresser. Wir alle sollten unseren Energieverbrauch vermindern, jedes Grad weniger in unseren Wohnungen erspart sechs Prozent Gas, wir sollten uns 18 Grad vornehmen. Aber da ist auch eine positive Wirkung: Putin hilft uns auf seine brutale Art (und seinem ökonomisch schwachen Land zum Schaden), die Energiewende ernsthaft voranzutreiben. So müssen die Verfahren zum Bau von Windkraftanlagen und Fernleitungen beschleunigt werden, lokale Egoismen müssen endlich zurücktreten.

Dr. Reinhard Behrens, Hamburg

Für Erhalt des Weltfriedens

Ich hoffe sehr, dass sich die Nato-Staaten und die friedliche westliche Welt nicht verleiten lassen, auf die militärische Aggression Russlands gegen die Ukraine mit den gleichen kriegerischen Instrumentarien zu reagieren. Dies würde den Weltfrieden gefährden und den Menschen in der Ukraine nicht helfen. Was spricht eigentlich dagegen, neben den wirtschaftlichen und finanzpolitischen Sanktionen, Russland mit sofortiger Wirkung von allen gesellschaftlichen Kommunikationsstrukturen, wie z.B. Sport, Kultur, Fremdenverkehr völlig zu isolieren. Putin muss merken, dass die Menschen für den Erhalt des Weltfriedens und eines zivilisierten Miteinanders auch bereits sind, mit den beschriebenen Sanktionen individuelle Entbehrungen und Einbußen für ihre alltägliche Lebensqualität in Kauf zu nehmen.

Helmut Eidenmüller

Sieht so Putins Planung aus?

24. Februar: „So tickt der Machtmensch Putin. Russlands Präsident glaubt an sich und an hartes Durchgreifen. Das zeigt sich nicht erst in der Ukraine-Krise, sondern früh in seinem Leben“

Wir alle hatten gehofft, ein Krieg in der Mitte Europas könne verhindert werden. Alle Bemühungen der westlichen, demokratischen Staaten waren darauf gerichtet, Putin mit Russland entsprechend zu beeinflussen. Vergeblich. Putin verhält sich wie Adolf Hitler 1939 und früher: Macht- und Einflussgewinn durchgewaltsames Verschieben von Grenzen benachbarter souveräner Staaten. Im Gegensatz zu Hitler ist Putin kein Selbstmörder. Wie könnte seine Planung aussehen: „Besetzung der Ukraine oder Teile davon, um ein russlandhöriges Regime zu etablieren. Rückzug der russischen Militärs. Angebot Putins an den Westen, in dieser für ihn strategisch günstigen Situation neue Verhandlungen über die Sicherheit in Europa zu führen mit dem gleichzeitigen Ziel, beschlossene Wirtschaftssanktionen gegen Russland aufzuheben?“

Arnold Rump

Putin, ein alternder Diktator

Spätestens jetzt wird Jedem klar, dass Präsident Putin genau das macht, was er sagt. Sein Ziel: Russland in den Grenzen von Katharina der Großen. Damit wird der Einmarsch in die Ukraine vergleichbar mit dem Überfall Deutschlands auf Polen als Beginn des zweiten Weltkrieges. Am 7. Oktober wird Putin 70 Jahre alt. Er zeigt nun die Züge eines alternden Diktators. Die zweite Ebene lauert längst auf Momente der Schwäche. Er reagiert darauf mit wachsender Härte, um keinen Zweifel an seiner Führung entstehen zu lassen. Die offensichtliche Notwendigkeit der Machtdemonstration – auch sichtbar im öffentlichen Schwur durch die zweite Führungsebene – offenbart seine tragische Situation. Dieser Umstand macht ihn zu einer weitaus größeren Gefahr für den Weltfrieden, als wir es uns auch zu diesem Zeitpunkt noch vorstellen können oder wollen.

Frank Böttcher

Putins persönlicher Feldzug

Das, was gerade in der Ukraine passiert, ist entsetzlich und war für mich nicht vorstellbar. Die Ukraine bzw. die Demokratie muss unsere bestmögliche Unterstützung erfahren. Putin und seinen russischen Oligarchen muss das Kapital, die Jachten und Immobilien zunächst entzogen werden und eine sinnvolle Isolierung Putins muss prompt vollzogen werden. Außerdem sollte die russische Bevölkerung aufgeklärt werden, denn ich glaube nicht, das dies eine russische Aggression ist, sondern Putins persönlicher Feldzug gegen die Demokratie. Es wäre wünschenswert, wenn sich innerhalb des russischen Führungszirkel jemand fände, der dem ein Ende setzte. Mich würde übrigens einmal interessieren, wie Herr Gerhard Schröder über seinen lupenreinen Demokraten denkt?

Veit Ringel, Hamburg

Energiekollaps verhindern

24. Februar: Gastbeitrag: „Unsere Energiepolitik ist unrealistisch. Ausstieg aus der Kohle, Ausbau der Windkraft, Abkoppelung vom Erdgas – so einfach ist das alles nicht. Ex-Bundesminister Lahnstein fordert ein Moratorium für die letzten Kernkraftwerke“

Man kann Herrn Lahnstein nur zustimmen, denn wenn in wenigen Tagen oder Wochen kein russisches Gas sowie Erdöl zu uns gelangt und damit unser Energiebedarf kurzfristig nur von sehr teurem amerikanischen Flüssiggas (Fracking-Gas) einigermaßen bedient werden kann, dann wird sich die Energiepreis-Spirale noch schneller drehen und die schon massive soziale Spaltung weiter vertiefen. Wind-Sonnen-Wasser-Energieanlagen wurden in den zurückliegenden Jahren bekanntlich nicht ausreichend gefördert und so steht zu befürchten, dass wir auch aus dem europäischen Umland Energie einführen müssen, u.a. Atomstrom aus Frankreich, Tschechien, später auch Ungarn und Polen. Wie man weiß, werden dort nicht unbedingt die sichersten Atomkraftanlagen betrieben. Erinnern wir uns: In den 70er-Jahren kämpften viele Bürger unseres Landes gegen die sogenannte friedliche Nutzung der Atomenergie und die Probleme, die uns vor 50 Jahren umtrieben, sind bis heute noch immer dieselben. Und schon damals forderten wir den Ausbau der erneuerbaren Energien – leider wurden wir nicht gehört. Erst die Fukushima Katastrophe 2011 veranlasste unsere Ex-Kanzlerin Dr. Angela Merkel zu dem Atom-Basta, staunend beklatscht von allen, die sich vormals zu „Atomkraft – nein Danke“ bekannt hatten. Nun allerdings stellt sich mir die Frage, wie wir in der bevorstehenden Situation schnellstmöglich die Energielücke verkleinern respektive schließen können. Idee: Warum nicht übergangsweise die modernen deutschen Atomreaktoren reaktivieren und damit den bevorstehenden Energiekollaps verhindern? Ketzerisch für einen wie mich, doch scheint mir dieser mutige Schritt immer noch besser als Abhängigkeit von US-Fracking-Gas und unseren Kohle- CO2-Schleudern.

Dr. Bernd Heinz

Ein Gefühl der Gemeinschaft

23. Februar: „Mit 51 Jahren an die Uni – ein großes Abenteuer. Zweifel, Sorgen, Stress –aber auch neues Glück: Katrin Behrmann beginnt als Studentin an der HAW von vorn. Was sie in ihrem ersten Semester erlebte“

Toller Bericht über Katrin Behrmann. Ich bin jetzt 56 Jahre alt. Mein Studium habe ich an der Universität Hamburg im Fachbereich Erziehungswissenschaften, Kosmetikwissenschaften und Sozialwissenschaften im Jahr 2019 mit dem Bachelor abgeschlossen. Als Friseurmeisterin ohne Abitur war es eine Herausforderung für mich, die ich nie bereut habe! Wissen, Lernen, Geduld, Lachen, Freude, Glück, nasse Hände, Freundschaften und das Gefühl der Gemeinschaft – wir haben alle das selbe Ziel, egal wie alt. Einfach machen! Traut euch!

Maike Nicolaisen

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