Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 19. Februar 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Frontfenster überprüfen

18. Februar: „Der Schock auf der Hadag-Fähre. Dramatische Sturmfahrt der ,Toller­ort‘. Wasserfluten lassen Scheiben platzen. Drei Passagiere leicht verletzt“

Als Nicht-Schiffskonstrukteur und langjähriger Bewohner von Oevelgönne und ebenso langer Nutzer der Elbfähren habe ich mich schon oft gefragt, warum diese „Bügeleisen“ über so merkwürdige Frontfenster mit negativem Sturz verfügen, wind- und wellenschnittig ist das nicht. Wie sich jetzt gezeigt hat, können sich dort stärkere Wellen verfangen und für spektakuläre, gefährliche Situationen und Schäden sorgen. Es gab zwar nur Leichtverletzte, aber der Schrecken für die Betroffenen saß oder sitzt sicherlich tief. Nachbessern!

Reiner Bartram, Hamburg

Maskenpflicht sollte fallen

17. Februar: Leitartikel: „Die schwierige Wende“

Heribert Prantl und Matthias Iken haben vollkommen recht, wenn sie die Zögerlichkeit der deutschen Politik hinsichtlich der Rückgabe von Grundrechten anprangern. Es ist zwar zu begrüßen, dass es jetzt einen Stufenplan für den Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen gibt, aber es wäre auch anders gegangen, wie die Dänen, Briten und Norweger zeigen. Gar nicht mehr verständlich ist, dass jetzt seit einiger Zeit von „tiefgreifenden“ (sollen enden) und „niederschwelligen“ (sollen bleiben) Maßnahmen gesprochen und geschrieben wird, um damit zu verschleiern, dass weiterhin Grundrechtseinschränkungen wie die Maskenpflicht bestehen bleiben sollen. Auch die Maske nicht tragen zu müssen ist ein Grundrecht. Es gibt keine nachvollziehbaren Gründe mehr für die Maskenpflicht, wenn man bedenkt, dass nahezu 80 Prozent der Bevölkerung eine Grundimmunisierung haben. Mit welchem Recht wird mir und anderen Geboosterten weiterhin vorgeschrieben, noch eine Maske zu tragen?

Hans-Gerhard Stülb, Ahrensburg

Empfehlung statt Pflicht?

17. Februar: Corona-Gipfel: „Alle Beschränkungen fallen – bis auf die Maskenpflicht“

Ich möchte ab dem 20. März 2022 keine „niedrigschwelligen Basisschutzmaßnahmen“. Ich bin dreimal geimpft und habe nun keine Lust mehr, Rücksicht auf die ungeimpften Menschen zu nehmen. Jeder hatte die Gelegenheit und hat sie noch immer, sich impfen zu lassen. Es wäre sehr vernünftig von unseren Politikern gewesen, mit der Bevölkerung auf Augenhöhe zu kommunizieren und klare Zielvereinbarungen zu treffen, auch und gerade, was die Maskenpflicht betrifft. Eine Pflicht kann schließlich auch durch eine Empfehlung ersetzt werden. Und ab einem gewissen Punkt, sagen wir jetzt dem 20. März, muss die Eigenverantwortung wieder in den Vordergrund rücken. Die Menschen sind keine unmündigen Kinder, denen man immer und immer wieder vorschreiben muss, was sie zu tun haben. Ich bin mittlerweile unwillig, alle Anweisungen wie ein Schaf zu be­folgen.

Christine Friedrich, Hamburg

Weiterhin große Verwirrung

17. Februar: „Deutschlands Weg
in die Freiheit“

Ich hatte gehofft, nachdem im Fernsehen und im Radio hoffnungsvolle Nachrichten zur Beendigung der Pandemie verbreitet wurden, im Abendblatt festgeschriebene Daten zu finden, die die Verhaltensweisen anwendbar regeln werden. Demnach sollen bis zum 20. März 2022 die Einschränkungen der Pandemie schrittweise zurückgenommen werden, die Basisschutzmaßnahmen aber weiter gelten. Im dann folgenden Absatz: „Wann kommt der erste Schritt?“ treten die ersten Verwirrungen auf. Je nach Bundesland, also nicht einheitlich, treten die ersten Lockerungen in den kommenden Tagen in Kraft. Dann können sich Geimpfte und Genesene wieder ohne Begrenzung der Teilnehmerzahl treffen. Für Ungeimpfte gelten jedoch Kontaktbegrenzungen zunächst fort. Was soll diese Aussage bedeuten, wenn der dann fortfahrende Text wieder alle Regeln über den Haufen schmeißt. Warum können Sie nicht die jeweils eintretenden Neuregelungen mit klaren Aussagen darlegen? Wenn Regeln aufgehoben werden, dann hat das ohne Wenn und Aber zu geschehen! Ich habe dann allerdings auch den Rest Ihrer Regelungserklärungen weitergelesen, bin aber von Ihren Erläuterungen enttäuscht!

Gotthard Kalkbrenner

Unbezahlte Arbeit ignoriert

17. Februar: „Work-Life-Balance – was soll der Quatsch? Wissenschaft trifft Wirklichkeit: Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider spricht mit Uni-Präsident Dieter Lenzen über (große) Themen unserer Zeit“

Anscheinend ist für die beiden Herren Arbeit nur das, wofür es eine Entlohnung gibt. Die unendlich vielen Stunden, die für Kindererziehung, Pflege von Ange­hörigen, Haushalt (Einkaufen, Kochen, Saubermachen) draufgehen und keine Freizeit sind, werden noch nicht mal in einem Nebensatz erwähnt. Vielleicht, weil diese Beschäftigungen in ihrer Work-Life-Balance von anderen erledigt werden?

Silvia Haack, Norderstedt

Einseitige Gewichtung

Ich bedaure die Reduzierung der Work-Life-Balance auf die Gegensätzlichkeit von Arbeit und Freizeit. Es ist eine Geringschätzung der Freizeit zu spüren, und es wird vernachlässigt, dass sehr viele Menschen keinesfalls eine erfüllende und selbstbestimmte Arbeit ausführen, die Freude macht. Eine Balance deutet immer auf ein Gleichgewicht hin. Work und Life sind beide Bestandteile des Lebens. Hier heißt das keinesfalls das gleiche Maß in Zeit gemessen, sondern ein Ausgleich in Form von anderer, ausgleichender Tätigkeit gegenüber der beruflichen Tätigkeit, also zum Beispiel körperlicher Ausgleich bei der Gartenarbeit. Vor allem ist die Balance aber zu finden und von großer Bedeutung für die Befindlichkeit des Menschen in seinen sozialen privaten Kontakten. Es geht darum, dass der Mensch einen Teil seines Lebens selbstbestimmt gestalten kann als Einzelperson und auch um das Eingebundensein im gemeinschaftlichen Tun in der Familie, beim Sport zum Beispiel. Das ist ebenfalls ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft, der leider nicht nur wegen Corona wenig gelebt wird, jedoch für unsere Gesundheit unabdingbar ist.

U. Stolle

Keine Zwangsmitgliedschaft

16. Februar: „Abschied per Mausklick.
Kirchenaustritt im Internet ist bequem – aber auch gut?“ und Leserbriefe

Zu den in den Leserbriefen von Dr. Tim Schurig und Bernd Lange geäußerten Ansichten kann man sicher auch eine andere Meinung vertreten. Aber zwei Fakten sollten zumindest klargestellt werden: Die Kirchensteuern werden vom Staat nicht „kostenfrei“ eingetrieben, sondern die Kirchen zahlen für die Mitnutzung des ohnehin vorhandenen staatlichen Steuersystems eine – meines Wissens mindestens kostendeckende – Vergütung. Und in einer der christlichen Kirchen wird man nicht bereits mit der Geburt „Zwangsmitglied“, sondern Mitglied wird man erst durch den (meist von den Eltern als gesetzlichen Vertretern) gewünschten Akt der Taufe.

Dr. Eckhard Hübener, Hamburg

Teil der Gefährlichkeit

15. Februar: „Prozess um brutale Messer­attacke. Walid wartete auf den Bus, als zwei junge Männer ihn ohne Anlass bedroht und auf ihn eingestochen haben sollen“

Das Opfer hat einfach Pech (?) gehabt, auf diese jungen Männer zu treffen, die vollgetankt waren und einen niedrigen Stresslevel hatten. Der Täter trägt ein Messer bei sich, weil er mehrfach „aus dem Nichts“ angegriffen wurde und in einer gefährlichen Gegend (Wilhelmsburg) lebt. Er ist sich wohl nicht bewusst, dass er einen Teil der Gefährlichkeit des Stadtteils ausmacht.

Helga Mandt

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