Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. Februar 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Russland sagt Stopp

14. Februar: „Ukraine – die Zeichen stehen auf Krieg

Russland ist das schwarze Schaf, im Westen leben die Gutmenschen. Im Westen nur Verteidigungswaffen, im Osten letale Angriffswaffen. So die Informationspolitik bei uns. Doch tatsächlich sind wir, ist die Nato unaufhörlich Richtung Osten expandiert. Und nun das unmissverständliche russische Stopp, bis hierher und nicht weiter! Und da das nicht verstanden wird, verstärkt man Truppen auf beiden Seiten und droht! Wer Öl ins Feuer kippt, läuft große Gefahr, sich nicht nur die Finger zu verbrennen! Wenn da nicht sehr bald verbindliche Begrenzungen von Seiten der Nato erfolgen, ja, dann kommt der Krieg für uns Europäer mit Folgen für uns alle im Westen.

Manfred Puls

Gesundheit massiv belastet

14. Februar: „BUND warnt vor Aufhebung der Dieselfahrverbote“

Die bestehenden Dieselfahrverbote sollten auf keinen Fall aufgehoben werden, nur weil sie (in Kombination mit Corona) dazu beigetragen haben, dass die Grenzwerte zumindest im Jahresmittel 2021 nicht gerissen wurden. Die Bewohnerinnen und Bewohner entlang der großen Verkehrsschneisen werden durch den motorisierten Verkehr gesundheitlich bereits massiv und auf diversen Ebenen belastet, und es ist eine Binsenwahrheit, dass davon vor allem die am wenigsten wohlhabenden Bevölkerungsschichten betroffen sind. Ein sozial und ökologisch verantwortungsbewusster Senat sollte es daher sehr ernst nehmen, wenn die Weltgesundheitsorganisation sogar deutlich niedrigere Grenzwerte vorschlägt als aktuell geltend.

Sophie Herresthal

Die Schuld der Deutschen

12./13. Februar: Hamburger KRITIken: „Wo ist eigentlich die Friedensbewegung? Die weißen Tauben sind müde: In Politik und Medien geben Kriegstreiber den Ton an – die Zwischentöne gehen unter“

Danke für Ihren kritischen Artikel. Sie haben das ausgesprochen, was ich schon eine Zeit lang denke und versucht habe, mit anderen zu diskutieren. Leider stößt man dabei an die Grenzen des allgemeinen „Mainstreams“. Waren nicht die Grünen mal angetreten als Friedenspartei? Davon merkt man heute nicht mehr viel. Und wo bleibt die Friedensbewegung in der deutschen Bevölkerung? Gerade wir haben ja jeden Grund nach zwei Weltkriegen immer und überall Frieden zu schaffen ohne Waffen. In der Bundesrepublik wird Putin stets mit der russischen Bevölkerung gleichgesetzt. Aber die Deutschen haben die Pflicht und Schuldigkeit einer Wiedergutmachung gegenüber den Russen genauso wie gegenüber den Juden, nachdem drei Millionen russische Kriegsgefangene in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges bei uns umkamen, und schreckliche Gräueltaten am russischen Volk verübt worden sind. Man darf die Historie eines Landes nicht vergessen.

Dr. Petra Gebhardt

Ein vielschichtiges Problem

Ich möchte mich, für einen der seltenen besonnenen Artikel zur Eskalation an der russischen Westgrenze bedanken. Seit ca. 30 Jahren beschäftige ich mich mit Russland und russischer Politik. Beginnend in der Senatskanzlei (Städtepartnerschaft mit St. Petersburg) bis hin zu meiner Zeit als Mitglied und Vorsitzender des parlamentarischen Kooperationsausschusses des Europäischen Parlaments und der russischen Staatsduma/Föderationsrates. Wer sich ein wenig intensiver mit der EU, mit der Nato, den USA, der Ukraine und Russland beschäftigt, weiß wie vielschichtig die Probleme sind, wie viele unterschiedliche Interessen in dem derzeitigen Konflikt eine Rolle spielen. Deshalb ist es wichtig, sehr klar, aber auch sehr besonnen als deutsche PolitikerInnen zu handeln. Der Bundeskanzler und die Außenministerin tun das. Die russische Aggression ist nicht hinnehmbar. Ein erneuter Krieg würde für Russland sehr teuer werden, auch wegen der angekündigten Sanktionen. Richtig! Und dennoch, das Problem geht tiefer und wäre nicht gelöst, wenn nur die russischen Truppen an der Grenze zur Ukraine wieder abzögen. Es geht auch um Russlands Sicherheitsinteressen, die ernst genommen werden müssen. Auf Politiker und Medien, die sich darauf beschränken, uns täglich nur mitzuteilen, wie gefährlich die russische Aggression ist und uns mit ihrer Vorkriegsberichterstattung mental auf einen Krieg vorbereiten, können wir gut verzichten. Das Säbelrasseln einiger Politiker und Medien ist unerträglich und kontraproduktiv. Wir sollten uns mehr an Klaus v. Dohnanyi halten. Unsere „Nationalen Interessen“ gebieten uns nicht alles schönzureden, was die russische Regierung anstrebt, aber sie gebieten uns auch deren Sorgen ernstzunehmen.

Knut Fleckenstein,

ehem. MdEP 2009-2019

Wer nicht kämpft, hat verloren

11. Februar: Serie: „Was wird aus Hamburg? Ein leiser Abgesang auf das Auto“

„Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, das fällt mir ein, wenn man nun erfährt, dass der heutige Verkehrssenator Tjarks von der Stadtbahn überzeugt ist. Diese sei nur nicht durchzusetzen, weil das Vorhaben zweimal scheiterte. Was für eine Einstellung! 2001 hatte der ehemalige Oppositionsführer von Beust nicht das Standing, sein Versprechen an die Wähler umzusetzen. 2011 wollte der Kurzzeit-Bürgermeister Ahlhaus die Grünen abstrafen. Wenn man von etwas überzeugt ist, hat man sich als Politiker auch dafür einzusetzen! Warum nun sein unkritischer Einsatz für die teure U 5, die über lange Zeit den Handlungsspielraum im ÖPNV einschränken wird? Herr Tjarks nennt es wohl Konsens, der SPD die vom ehemaligen Bürgermeister Scholz erdachte U 5 zu belassen und dafür Gestaltungsfreiheit beim Fahrradverkehr zu erlangen. Als Sündenfall ist ihm und den Grünen in Hamburg anzukreiden, die Stadtbahn nicht als Alternative zur U 5 in die Diskussion eingebracht zu haben. Leider ist Herr Tjarks nicht der einzige Politiker, der anscheinend gegen seine Überzeugung handelt. Auch der Bürgermeister Tschentscher war mal für die Stadtbahn, in der Opposition und vor der Ära Scholz.

Lutz Achilles

Mieter stehen im Weg

12./13. Februar: „Das drohende Scheitern der Mietenpolitik“

Der Wegfall von Sozialwohnungen wird völlig zu Recht kritisiert. Doch auch für nicht förderberechtigte Normalverdiener wird die Lage zunehmend schwierig. Seit fast 25 Jahren wohne ich zusammen mit über 100 weiteren Mietparteien in einem großen Mietshaus. Doch der neue Besitzer hat mit dem Objekt ehrgeizige Pläne. Uns Mietern wird durch Appelle, bitte sehr auszuziehen, unmissverständlich signalisiert, dass wir im Wege stehen und nicht als künftige Kunden betrachtet werden. Unterm Strich wird bezahlbarer Mietwohnraum in für Normalverdiener unerschwingliche Eigentumsobjekte umgewandelt.

Michael Kratz

Die traurige Wahrheit

12./13. Februar: Kolumne auf der Seite „Von Mensch zu Mensch“ zum Thema „Einsamkeit“

Ich (73) wohne heute dankbar und glücklich nach zig Jahren mit einer großen Familie in einer großen Altbauwohnung, nun in einer Ein-Zimmer-Wohnung in einem Altenstift. Von über 100 Bewohnern sind maximal 20 im Sommer in unserem schönen Garten und bei Festen. Viele wollen einfach keinen Kontakt, dabei gibt es gerade in diesem großen Umfeld viele Angebote. Die Konsequenz ist dann eben Einsamkeit. Selbst ehemalige Kolleginnen von mir kapseln sich ab und sind einsam, da sie leider oft auch wenig Kontakt zu ihren Kindern/Enkeln haben. Meine Erfahrung ist: Tolle Kontakte zu anderen Menschen erreicht man eben nicht. Nicht zu verstehen in der heutigen Zeit. Das ist die traurige Wahrheit.

Antje Netz, Hamburg

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