Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. Februar 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Eine Chance für Inklusion?

9. Februar: „Rekordzahlen: Immer mehr Schüler – und so viele Lehrer wie noch nie. Deutlich mehr Klassenwiederholungen wegen Corona“ und 8. Februar: „,DreiFürEins‘: Hilfe bei psychischen Problemen“

Vielen Dank für Ihre Berichte zu den Entwicklungen in den Hamburger Schulen. Die Maßnahmen – die personelle und räumliche Verbesserung, Wiederholungen der Klassenstufen bei Bedarf, das Projekt „DreiFürEins“ zur gesundheitlichen Begleitung – sind als Reaktionen auf die Krise sehr wichtig. Psychosoziale Belastungen als pandemiebedingte Behinderungen gibt es jetzt bei sehr vielen Kindern und Jugendlichen, auch als weitere Barrieren. Das belastet die Schulen, und so sind Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler laut Umfragen mehrheitlich unzufrieden. Aber sie bleiben dran, grundsätzlich miteinander solidarisch. Das ist klasse und spricht dafür, die Maßnahmen langfristig anzulegen. Nur mit einem langen Atem können Schulen gemeinsames Lernen organisieren und zugleich Überlastung, Isolation, Zukunftsangst und Unterstützungsbedarf nachhaltig adressieren. „Die Schule der Nation ist die Schule“, sagte Willy Brandt. Entsteht gerade in der Krise eine Chance für die Inklusionsmetropole Hamburg?

Kerrin Stumpf,

Leben mit Behinderung Hamburg

Durchseuchung ist billiger

8. Februar: „Schüler fordern sicheren Unterricht. Bundesweite Initiative will Aussetzung der Präsenzpflicht in der Omikron-Welle“

Ich finde es sehr gut und überfällig, dass sich so viele Schüler und Schülerinnen jetzt endlich mit „#WirWerdenLaut“ gegen die Unsicherheit in den Klassenzimmern wehren und z.B. die Aufhebung der Präsenzpflicht oder das Vorhandensein von Luftfiltern fordern, denn in vielen Bundesländern fehlt viel, um Sicherheit zu gewähren – z.B. in Schleswig-Holstein! Das, was bisher politisch gewollt für unsere Schulen diesbezüglich umgesetzt wurde, lässt vermuten, dass eine kostengünstige Durchseuchung bei unseren Kindern beabsichtigt ist! Dann sollte „die Politik“ dies auch so kommunizieren und die Verantwortung übernehmen!

Brigitte Siemering-Kurfürst

Vertrauen geht verloren

8. Februar: Leitartikel: „,Mia san mia‘. Bayern schert aus der Impfpflicht für Pflegende aus. Das Corona-Chaos ist perfekt“

Dieses Hickhack verunsichert nur noch mehr und es wundert einen nicht, dass immer mehr Menschen ihren Unmut auf der Straße kundtun. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht halte ich für bedenklich im Gegensatz zur Impfpflicht für alle ab 18 Jahre. Man kann nicht willkürlich entscheiden, wer trotz Impfverweigerung weiter im Job arbeiten darf, wenn in unserem Staat vor dem Gesetz alle gleich sind. So kommt eine Welle von Klagen auf unsere Gerichte zu, die so schon total überlastet sind. Zusätzlich geht das Vertrauen in die Beschlüsse unserer Regierung immer mehr verloren.

Fred Mordhorst

Politiker ohne Plan

9. Februar: „PCR-Tests: Lauterbach rudert zurück. Alle Bürger sollen Anspruch auf Absicherung positiver Corona-Schnelltests behalten“

So langsam kann ich mich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass keiner unserer Politiker noch einen irgendwie gearteten Plan hat. Vom bayerischen Mega-Egomanen Markus Söder ist man ja schon gewohnt, dass er sein Mäntelchen regelmäßig nach dem Wind hängt und seine Entscheidungen grundsätzlich danach ausrichtet, was ihm nach Meinungsumfragen die Lufthoheit über den bayerischen Stammtischen sichert. Dass sich jetzt auch unsere neuer Bundesgesundheitsminister als „Wendehals“ entpuppt, wundert schon nicht mehr wirklich. In Hamburg beteuerte man noch vor drei oder vier Tagen, es werde keine Lockerungen bei den Corona-Regelungen geben, nur um gestern dann die G2-Regelung für den Einzelhandel aufzuheben, weil man massive Kundenabwanderung in die Nachbarländer fürchtet. Warum eine solche Regelung dann aber wieder vier Tage Wartezeit braucht, um in Kraft zu treten, erschließt sich mir nicht, denn die einzige Änderung – die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken – bedarf doch keiner organisatorischen Vorbereitung, für die Zeit einzuplanen wäre. Wen wundert da noch die zunehmende Politikverdrossenheit im Lande? Mich jedenfalls nicht. Ich habe es mit meinen drei Impfungen aufgegeben, jeden Tag aufs Neue die gerade geltenden Corona-Regeln zu studieren, solange mich das Virus verschont – dann ist es noch früh genug, sich zu informieren, wie und wann man wieder aus der Quarantäne herauskommt.

Dr. Thomas Koch

Eine Grenze wird überschritten

7. Februar: Lesermeinung zur Karikatur auf Seite zwei

Kritik an den politischen Verhältnissen ist sicher ein unverzichtbares Element, das erwarten auch die LeserInnen, aber Qualitätsjournalismus sollte dabei dennoch – ebenso unverzichtbar – die Grenzen des Respekts und der Fairness nicht verletzen. Bei Ihren Karikaturen, in denen insbesondere Olaf Scholz im Mittelpunkt steht, sind diese Grenzen nach meinem Empfinden wiederholt massiv verletzt. Vielmehr kommen hier Methoden der Häme, Verachtung, Diskriminierung zum Einsatz, wie sie leider in den sozialen Medien alltäglich sind und zu Recht ja gerade schwer im Kreuzfeuer der Kritik sind. Die Regierung ist erst wenige Wochen im Amt, und es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man ihr wenigstens 100 Tage der Bewährung einräumt! Die aktuelle Regierung und ihr Handeln mag Ihnen missfallen, aber wie soll in einer Zeit der beängstigenden Erosion von Respekt (bis hin zu Mord und Morddrohungen) gerade gegenüber Politikern eine Akzeptanz in der Gesellschaft gerettet werden, wenn diese unter dem Mäntelchen der Karikatur der Lächerlichkeit preisgegeben werden?

Angelika Kessenhagen-Koch

E-Auto in weiter Ferne

8. Februar: „Fünf-Punkte-Programm für mehr E-Mobilität. FDP fordert schnelleren Ausbau und Privatisierung der Ladeinfrastruktur. Hamburg bundesweit Letzter bei Anmeldungen von Nichtverbrennern“

„Auch Menschen ohne eigenen Ladeanschluss müssen Elektroautos besitzen können“, sagt der Hamburger FDP-Chef Michael Kruse. Wenn damit Menschen ohne eigenen Grundbesitz gemeint sind, kann ich ihm nur beipflichten. Ich habe keinen eigenen Ladeanschluss, wäre aber auch gern Besitzer eines Elektroautos – bloß habe ich nicht das nötige Kleingeld dafür. Schuld an der ganzen Misere ist natürlich Bürgermeister Tschentscher, der „auf voller Linie versagt“ hat, weil er nicht jedem Hamburger ohne eigenen Ladeanschluss einen satten fünfstelligen Betrag für den Kauf eines E-Autos überweist... Spaß beiseite: Glaubt Herr Kruse wirklich, dass die Leute sich nur deshalb kein Elektroauto kaufen, weil sie keinen eigenen Ladeanschluss haben? Wie schön, wenn’s das bloß wäre! Gar nicht schön ist es allerdings, wenn unser Verkehrssenator Anjes Tjarks all diejenigen, die es in Hamburg nicht zu einem eigenen Ladeanschluss – sprich einem gewissen Wohlstand – oder wenigstens einem Posten mit E-Auto als Firmenwagen gebracht haben, für ihr Versagen im Leben bestraft, indem er ihnen für jeden Arzt- , Kranken- oder Familienbesuch, der sie nach außerhalb ihres fest umrissenen Wohnbereiches führt, eine saftige Parkgebühr auferlegen will – und auf diese grandiose Idee auch noch stolz ist. Anscheinend ist Herr Tjarks der Meinung, dass die Menschen nur aus boshafter Bockigkeit vom Kauf eines E-Autos Abstand nehmen. Na ja, das ist wohl sein grünes Weltbild. Autofahrer sind eben per se böse Menschen und wenn sie sich dann noch nicht einmal ein E-Auto leisten können, sollen sie gefälligst dafür bezahlen. Und mit jedem Euro, der im Parkautomaten verschwindet, rückt der Kauf eines „Stromers“ in noch weitere Ferne...

Leon Mengden

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe