Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. Februar 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Vielseitiges Angebot fehlt

31. Januar: „Große Sorge um Hamburgs City: ,Innenstadt muss Chefsache werden‘. Immer mehr Einkaufsläden stehen leer. CDU fordert vom Senat jetzt die Einsetzung eines zentralen Koordinators“

Unsere Innenstadt gehört für mich mit zu den schönsten Innenstädten, aber zum Einkaufen finde ich sie total langweilig. Sie unterscheidet sich in den Geschäftsangeboten von keiner anderen Großstadt. Auf Grund der hohen Mieten gibt es kaum noch individuelle Geschäfte, wie z.B. in der Schanze. Selbst meine Besucher gehen mittlerweile lieber in andere Stadtteile mit einem für sie interessanteren, vielseitigeren Angebot.

Traute Krüger

Konkurrenz aus der HafenCity

Ein zentraler Koordinator für die Belebung der Innenstadt soll her und mit notwendigen Befugnissen, politischen Kompetenzen und finanziellen Ressourcen ausgestattet werden – also nicht weniger als ein Superman oder eine Superwoman. Das kann kein Mensch leisten angesichts des Zustands der Innenstadt, die seit Schumachers Zeiten in den Zwanzigerjahren bis heute von den Oberbaudirektoren als Büro- und Einkaufsstadt konzipiert und gebaut wurde, nahezu ohne eine einzige Wohnung und angesichts eines im Bau befindlichen Mega-Einkaufszentrums in der HafenCity mit einer dreigeschossigen Tiefgarage für die Kundschaft aus Hamburg oder dem Umland. Dazu kommt der wachsende Onlinehandel als Konkurrenz. Dem Koordinator bliebe als Aufgabe übrig, attraktive Plätze zum Verweilen für alle Altersgruppen zu schaffen, die Ladenstruktur auf den kurz- und mittelfristigen Bedarf umzustellen, den Touristen unsere schönen historischen Gebäude sichtbar und vor allem zugänglich zu machen. Er sollte schnell gefunden werden, um zügig zu handeln. Andere Zentren rüsten auch auf, ganz besonders das Einkaufsviertel in der HafenCity mit Event-Charakter wird der Innenstadt in zwei Jahren schwer zu schaffen machen.

Bruno Brandi

Jeder soll selbst entscheiden

31. Januar: „Wie kommen wir da raus? Um den Pandemie-Modus zu beenden, sind jetzt viele grundsätzliche Fragen zu klären“

Da auch in Zukunft Infektionswellen mit dem Corona-Virus befürchtet werden, wäre es eigentlich nur konsequent, allen Bürgerinnen und Bürgern – egal welchen Alters – es in die Hand zu geben, ob sie sich auch in Zukunft impfen lassen wollen, eventuell sogar mehrmals jährlich mit angepassten Impfstoffen. Doch auch in dieser Frage wird wieder „herumgeeiert“. Gerade die zweijährige Erfahrung mit politischen Entscheidungen und Beschlüssen hat gezeigt, dass nur in Fragen der Einschränkungen „schnelle“ Entscheidungen getroffen werden, in Fragen der Impfung dauern die Entscheidungsfindungen dagegen lange. Gleichzeitig werden Beschlüsse und Einschränkungen an die Impfungen gebunden. Da vieles für die Zukunft noch nicht klar ist, wäre es nur konsequent, weitere Impfungen frei zu geben. Dann können die Menschen auch selbst für sich entscheiden, ob ihnen drei Impfungen reichen oder ob sie ihrem Immunsystem eine Auffrischung gönnen.

Rüdiger Ramm

Deutschland duckt sich weg

29./30. Januar: „Warum sich Klitschko im Stich gelassen fühlt. Kritik an Deutschland, Kampfansagen an Russland: Kiews Bürgermeister und Ex-Boxweltmeister gewinnt in der Ukraine-Krise an politischer Statur“

Ich schäme mich für Deutschland. Anstatt der Ukraine defensive Waffen zur eigenen Verteidigung ihrer Demokratie zu liefern, schicken wir Helme. Deutschland duckt sich weg und entzieht sich mal wieder seiner Verantwortung. Man stelle sich vor, die Alliierten hätten 1940 ebenso gehandelt. Wir wären noch heute Opfer eines menschenunwürdigen Regimes. So sehr es den Russen zu verdanken ist, dass sie uns einst von den Nazis befreit haben und uns den Aufbau einer echten Demokratie ermöglicht haben, sollten wir jetzt als Europäer, neben den Engländern und Franzosen, endlich Farbe bekennen. Auch wir brauchen möglicherweise künftig wieder die Hilfe unserer europäischen Nachbarn und der Amerikaner. Es ist ein großer Irrtum anzunehmen, dass sich Geschichte nicht wiederholen würde. Deutschland muss sich endlich aus seiner Wohlstandsblase befreien und der Realität ins Gesicht blicken. Die Demokratie muss stets von innen und außen verteidigt werden. Das geht weder mit hohlen Bekenntnissen noch mit Helmen.

Jens Dörnbrack

Schutzhelme sind lächerlich

Wem bewusst ist, dass fast die Hälfte aller deutschen Importe aus Russland stammen und darüber hinaus Gazprom ihre deutschen Gasspeicher inzwischen fast auf Null heruntergefahren hat, wird die widersprüchlichen Reaktionen der deutschen Regierung auf die Ukraine-Situation eventuell verstehen. Trotzdem kann es nicht sein, dass uns die SPD- Verteidigungsministerin international der Lächerlichkeit preisgibt, indem sie ankündigt, durch die deutsche Lieferung von 5000 Schutzhelmen zu demonstrieren, wie eng unser Land an der Seite der Ukraine steht.

Paul Meier

Vom Saulus zum Paulus?

29./30. Januar: „Dem AfD-Chef ist seine Partei zu radikal geworden. Der Parteivorsitzende Jörg Meuthen tritt zurück“

Auch wenn Herr Meuthen nun der AfD den Rücken zukehrt, Führung und Mitgliedschaft aufgibt – von einem Wandel vom Saulus zum Paulus kann keine Rede sein. Wenn er „ganz klar totalitäre Anklänge“ feststellt und die Partei „nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ stehen sieht, muss er lange mit verschlossenen Augen und tauben Ohren die nationalistischen und rechtsextremistischen Positionen seiner bisherigen Partei und der Gesinnungsfreunde Weidel, Chrupalla, Höcke & Co. ertragen haben. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus: Schließlich hat er den Kurs der Partei inhaltlich nicht nur „ertragen“, sondern ganz wesentlich mitbestimmt. Es wäre wünschenswert, wenn Herr Meuthen in der politischen Versenkung verschwände. Leider aber will er als Europarlamentarier in der rechtsextremistischen Fraktion „Identität und Demokratie“ weiter gegen ein demokratisches Europa agitieren, alimentiert durch hohe Diäten als gewählter Spitzenkandidat der AfD bei den Europawahlen 2019.

Ulrich Reppenhagen

Digitalisierung: Ein Fremdwort

29./30. Januar: „,Toter Briefkasten‘ an der Autobahn 20 verwirrt Autofahrer“

Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Verwaltung nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist. Warum solche Prozesse nicht elektronisch erledigt werden, ist für mich völlig unverständlich. Digitalisierung ist für die Verwaltungen der BRD ein Fremdwort.

Rainer Krohn

Diskriminierender Ausdruck

29./30. Januar: „Bielefeldisierung und vegane Bilderrahmen“

Ich bin sehr verwundert über die Verwendung des Begriffs „Bielefeldisierung“ auf der Kulturseite. Es gibt mit Sicherheit eine Vielzahl von Ausdrucksmöglichkeiten, die nicht diffamiert bzw. diskriminiert hätten. Muss man jeden Unsinn, der in diesem Fall die Stadt Bielefeld betrifft, mitmachen? Merke: Nicht alles, was originell sein soll, kommt an. Im Übrigen: Bielefeld besitzt eine sehenswerte Kunsthalle.

Inge Wagner, Hamburg

Weiter so!

Besser hätte es niemand sagen können! Da haben Sie vielen Lesern aus der Seele gesprochen. Weiter so, Ihre Meinung darf nicht verstummen.

Ekkehart W. Herforth

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