Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 31. Januar 2022

| Lesedauer: 5 Minuten

Gefühlt die totale Enteignung

29./30. Januar: „Ein Fest der Völker im Einparteienstaat. Erst Sotschi, dann Peking: Olympische Spiele fühlen sich bei Autokraten besonders wohl. Das ist auch unsere Schuld

Als die Volksabstimmung in Bezug auf Olympia stattfand, habe ich in München gearbeitet. Von daher bekam ich die Diskussion vor Ort relativ gut mit. Neben den nahe liegenden Einwänden wie befürchtete Gigantomanie, Umweltschäden, unvorhersehbare Kostenentwicklung etc. fand ich ein Argument des langjährigen OB Christian Ude sehr interessant, dass er in seiner ganzen beruflichen Laufbahn noch nie einen Vertrag vorgelegt bekommen hätte, der so einseitig, so reglementierend sei wie der vom Olympischen Komitee. Tenor: aller Aufwand bei den Bewerbern, alle Rechte beim Komitee. Gefühlt die totale Enteignung. Vor diesem Hintergrund empfand ich die Ablehnung nahezu als zwangsläufig. Um so interessanter finde ich es jetzt, wie China anscheinend seine Vorgaben widerstandsfrei durchsetzt und das Olympische Komitee alles absegnet. Insgesamt bedarf die Vergabe und das Selbstverständnis des Olympischen Komitees einer Revision. Andernfalls dürften aufgeklärte Demokratien immer weniger bereit sein, sich diesen Vorgaben unterzuordnen.

Dr. Eckhard Gabersek, Reinbek

Parkplätze nicht notwendig

29./30. Januar: „Der mühsame Kampf für die Mobilitätswende“

Wieso besteht eigentlich in den angesagten Hamburger Stadtteilen, in denen viele Wähler der Grünen wohnen, eine Notwendigkeit für das Anwohnerparken? Gerade dort gibt es doch stadtweit die beste Anbindung an den HVV, wie nirgendwo anders in Hamburg. Gerade dort wohnen doch auch die meisten überzeugten Anhänger vom Umweltschutz und der Verkehrswende. Wieso braucht man dort noch ein eigenes Auto samt Parkplatz vor der Haustür, statt den umweltfreundlichen ÖPNV oder das Fahrrad zu nutzen? Der Kampf für die Mobilitätswende ist in der Tat mühsam, wenn noch nicht mal die eigenen Anhänger richtig mitziehen wollen! Den altbekannten Spruch kann ich mir nicht verkneifen: Wasser predigen und Wein saufen!

Klaus-Peter Steinberg

Wir wollen Ergebnisse

Der Artikel thematisiert die sogenannte Mobilitätswende in Hamburg aus Sicht des Mobilitätswende-Senators und seines vielfältigen Maßnahmenkatalogs, nicht jedoch aus Sicht betroffener Bürger und der Wirtschaft und unter Vernachlässigung der konkreten Verringerungen im CO2-Ausstoß. Die zahlreichen Umgestaltungen zugunsten der Radfahrenden und zulasten der autofahrenden Bürger, die massiven Baustellenbehinderungen und Parkeinschränkungen erfüllen ihr Ziel zu drangsalieren. Inwieweit sie aber auch, zusammen mit schmerzhaft höheren Treibstoffkosten, zu deutlichen CO2-Einsparungen geführt haben, bleibt völlig offen. Insgesamt kann der Verkehrssektor von den klimapolitischen Ergebnissen her offenbar nicht punkten. Wir wollen aber als Bürger von unseren gewählten Politikern nicht ergebnisoffen drangsaliert und zur Kasse gebeten werden, sondern erwarten dafür konkrete CO2-Einsparungsresultate. Quantifizierte CO2-Ziel und -Ergebnisse in Relation zu ihren Kosten sind alleinige Rechtfertigungsbasis für schmerzhafte Maßnahmen und sollten auch die mediale Begleitung mehr bestimmen als wohlfeile PR-Auftritte.

Johann Lindenberg

Kein Abstand vor der Schule

27. Januar: „Das Virus belastet die Schulen. Berlin hat die Präsenzpflicht ausgesetzt – auch in anderen Regionen liegen die Nerven blank. Ein Überblick“

Das wundert mich überhaupt nicht, wenn man sieht, was vor (und nicht in) den Schulen passiert: Ich komme regelmäßig an der Bismarck-Schule in der Bogenstraße vorbei und beobachte jedes Mal folgendes: Die Tür geht auf, Schüler und Schülerinnen tragen noch eine Maske, und beim Heraustreten wird die Maske abgenommen. Dann steht man dicht, ohne jeden Abstand zusammen, umarmt sich teilweise noch und geht dann eng zusammen zum nahe gelegenen Bäcker oder zum Rauchen in den Park. Die für teures Geld angeschafften Luftfilter in den Klassenräumen können dann auch nichts mehr retten. Das dem Lehrkörper dieses nicht auffällt, kann ich mir auch nicht vorstellen.

Jochen Leitner, Hamburg

Rücksichtslose Hamburger

27. Januar: „CDU fordert Hausmeister für Stadtteile“

Ich ärgere mich schon lange über Schmutz und Müll wie Kaffeebecher, Papiermüll und jede Menge Corona-Masken auf Hamburger Fußwegen. Alles achtlos weggeworfen, irgendwer wird’s ja vielleicht wegräumen, wenn nicht, auch egal. Nicht zu vergessen die Hundekotbeutel, die überall von der Sorgfalt und Verantwortung vieler Hundehalter zeugen. Da sind wir Hamburger wirklich viel rücksichtsloser als ich es kürzlich in England erlebt habe, dort pflegen die Bürger ihre Umgebung und es macht Spaß, spazieren zu gehen. Die Idee mit den Stadtteilhausmeistern könnte das Problem entschärfen, zusätzlich muss aber auch seitens unserer Politik mehr für eine saubere Stadt geworben werden.

Rainer Baumert

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