Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. Januar 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Die Gefahr liegt woanders

27. Januar: „Nicht jede Infektion verhindern“

Das klingt wie Hohn in den Ohren von Eltern. Kleine Kinder, die nicht oder erst seit kurzem geimpft werden können, werden völlig außen vor gelassen und mich als Elternteil erfüllt dieser Umstand mit immer größerer Wut. Immer wieder gibt es den Hinweis darauf, dass die Infektion bei Kindern symptomlos bis sehr mild verlaufe. Das ist richtig, jedoch bei den Kleinen überhaupt nicht der Punkt, da die Gefahr dort in der Komplikation PIM-Syndrom, Long Covid sowie in bislang unbekannten, jedoch ähnlich wie z.B. beim Epstein-Barr- oder Masernvirus möglichen Langzeitfolgen liegt. Ja, das klingt kompliziert, ist jedoch real und deshalb kein Grund, die Kinder nicht zu schützen. Aus Jena und Coburg gibt es aktuelle Berichte, dass vermehrt kleine Kinder mit PIMS auf den Intensivstationen liegen und in Dänemark steigt die Hospitalisierungsrate von kleinen Kindern im Moment rasant. Dies ist nicht überraschend, denn es steht, auch wenn die genauen Quoten nicht ganz klar sind, völlig außer Frage, dass Covid auch bei symptomarmen Verläufen diese schweren Komplikationen nach sich führt. Damit kann man sich – wenn man denn möchte – ausrechnen, was es für die Kinder-Intensivstationen im März bedeuten wird, wenn jetzt die Kinder durchseucht werden.

Lisa Kühl

Bitte mehr Rationalität

27. Januar: „Kampf um die Schulen. Schon wieder werden Rufe nach einem Ende der Präsenzpflicht laut – ein Desaster“

Seit Monaten warten wir auf genau solche Presseberichte, die das Kind beim Namen nennen. Führende Wissenschaftler, Ärzte und Fachgesellschaften sind sich schon lange einig, dass Präsenzunterricht für alle Kinder die einzige Möglichkeit für eine gesunde physische und psychische Entwicklung ist. Dass nun ausgerechnet die Parteien, die sich entweder den großen Aufbruch für zukünftige Generationen, die absolute soziale Gerechtigkeit oder eine christlich fundierte Politik der Nächstenliebe auf die Fahnen geschrieben haben, am lautesten aus ihren privilegierten Innenstadtwohnungen schreien, zeigt nur wieder, wie wenig diese Versprechen gelten, wenn es um das Wohl anderer geht. Und es ist ja mit der Präsenzbeschulung nicht getan. Die Kinder und Jugendlichen leiden in Hamburg immer noch unter den deutschlandweit strengsten Maßnahmen an Schulen. Viele sind angsttraumatisiert, können sich kaum noch an ein Leben ohne Masken oder an das Gesicht ihrer Lehrkräfte erinnern. Es ist inzwischen klar belegt, dass Omikron für Kinder noch harmloser ist als die vorherigen Varianten. Sie haben also eher die Aussicht auf ein Exit-Szenario aus allen völlig unverhältnismäßigen Maßnahmen verdient als noch mehr Einschränkungen. Die Kommunikation der Hamburger Politik ist auf Angst und Zauder ausgelegt. Es wäre schön, wenn hier wieder mehr Rationalität, Sachverstand und Optimismus einkehren würde. Und vor allem täte es den Bürgern gut, wenn klar die wissenschaftlichen Erkenntnisse benannt und nicht subjektive Behauptungen verbreitet würden. Dabei können wir uns gut an unseren europäischen Nachbarn orientieren, die nach neusten Erkenntnissen zu Omikron bei noch höheren Inzidenzen fast alle Maßnahmen fallen lassen.

Sophia von Kaphengst

Verantwortung perlt ab

27. Januar: „Duckt der Kanzler sich weg? Eine Bestandsaufnahme“

Ein erfreulich ausgewogener Bericht über Olaf Scholz von Lars Haider! Olaf Scholz hat in seiner Karriere das Wegducken, die Nicht-Übernahme von Verantwortung und den Schutz seiner persönlichen Ziele zur Perfektion erhoben. G7, Cum-Ex und unzählige andere Themen in denen Scholz entweder gefehlt hat oder für sich selbst und Freunde Vorteil genommen hat, perlen von ihm ab als wäre er Teflon beschichtet. In Deutschland mit seinen unendlichen undefinierten Rechtsbegriffen in beinahe jedem Bereich des Rechts, ist im Wesentlichen der verantwortlich, der die Verantwortung übernimmt. Olaf Scholz übernimmt die Verantwortung für seinen ganz persönlichen Erfolg… und nur dafür! Sein Amt, dessen Inhalte, seine Partei und die Folgen seines Handelns, liegen aus Scholz Sicht dagegen nicht in seiner Verantwortung. Wie wir gerade sehen, gilt dies ebenso für die Übernahme der Verantwortung für Fehler wie auch für Verantwortung für die Durchführung einer Aufgabe, die keinen Gewinn verspricht. Er ist kein Pandemie-Kanzler. Wer Olaf Scholz bestellt, kriegt daher aus meiner Sicht den Karrierepolitiker Scholz und eben keinen Bundeskanzler.

Dr. Philip Düwel, Hamburg Duvenstedt

Im Austausch bleiben

27. Januar: „Keine Zugeständnisse an Putin. Die Vereinigten Staaten und die Nato antworten auf Russlands Forderungen zur Sicherheit in Europa“

Im Rahmen eines Bildungsurlaubs besuchte ich November 1990 erstmalig Moskau und St. Petersburg. Einen Monat vorher erhielt Gorbatschow den Friedensnobelpreis. Es ergab sich für mich aus der Reisegruppe heraus die Gelegenheit, eine Familie in St. Petersburg privat zu besuchen. Noch heute berührt mich die warmherzige Gastfreundschaft, die ich damals gespürt habe. Während dieser Reise gehörte auch ein Besuch des KZ Stutthof zum Programm. Ich habe diesen Ort weinend verlassen und wunderte mich über internationale Besucher, die ohne Ende fotografierten. Ich war nicht fähig, auch nur ein einziges Foto zu machen. Heute stehen sich Ost und West nun wieder feindlich gegenüber. Warum nur? Ein Krieg fällt nicht vom Himmel, sondern wird von Menschen gemacht. Diese Unsummen, die in die Rüstung investiert werden, sollten lieber der Bevölkerung zugute kommen. Deshalb bitte keine Feindbilder beschwören, sondern miteinander im Austausch bleiben. Und auf keinen Fall Waffen liefern, um das Schlimmste zu verhindern.

Hannelore Moldenhauer

Diplomatie ist gefragt

Vorschnelles Verurteilen, Handeln oder gar Fakten schaffen ist immer ein schlechter Weg. Die USA sind schon seit vielen Jahren nicht durch raffinierte Diplomatie aufgefallen, einzig mit schneller Bereitschaft zum militärischen Eingreifen, unabhängig von der jeweiligen Regierung. Fakten schaffen unter Einsatz von Waffen ist gerade aus Sicht der Deutschen das allerletzte Mittel und Zögerlichkeit nicht zwingend ein Zeichen von Schwäche! Die Provokationsspirale beider Seiten läuft immer schneller. Wann endlich setzt sich intelligente Diplomatie durch? Die USA und auch die NATO scheinen dazu nicht mehr in der Lage. Oder ist die Eskalation gar westliches Kalkül?

Eggert Oldenburg, Hollenstedt

Wir haben es in der Hand

26. Januar: „Paprika-Sauce ist ,Mogelpackung des Jahres 2021‘. Weniger Inhalt, aber höherer Preis.“

Der Aufklärungsarbeit der Hamburger Verbraucherzentrale gehört meine volle Unterstützung, auch um die Tricks der Hersteller zu veröffentlichen und zu kritisieren. Aber solange beim deutschen Verbraucher in Bezug auf Lebensmittel die „Geiz ist Geil“ Mentalität vorherrscht und in Deutschland die Top Vier der Lebensmittelhändler ca. 75 Prozent des Lebensmittelumsatzes machen, wird sich hier nicht so schnell etwas ändern. Wobei der Marktanteil der großen Lebensmittel-Discounter weiterhin jedes Jahr wächst. Leider bleibt den Lebensmittelherstellern in der Regel keine andere Wahl als eine manchmal sicherlich notwendige Preiserhöhung zu verstecken. Denn die Einkäufer der großen Lebensmittelketten sind gnadenlos, wird ein Preispunkt von z.B. 0,99 Euro übersprungen, fliegt das Produkt aus dem Sortiment oder der Hersteller muss Zugeständnisse am Einkaufspreis machen. Seien wir doch mal ehrlich, wir sind alle Mitschuld an dieser Misere und jeder Verbraucher hat die Möglichkeit das zu ändern. Worauf warten wir?

Hans-Peter Mendrok

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