Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. Januar 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Wir machen nicht die Regeln...

20. Januar: „Johnson & Johnson – was nun als Auffrischungsimpfung gilt

Fassungslos nehme ich wahr, dass es schon wieder passiert. Wir Allgemeinärzte werden zum Prellbock in der Corona-Zeit. Diesmal wird ohne Übergangsfrist entschieden, dass die einmalige Auffrischung nach der Johnson & Johnson-Impfung nicht mehr ausreicht, um als geboostert zu gelten. Leider dürfen wir den zweiten Booster erst drei Monate nach dem ersten Booster impfen. Das wird aber von aufgebrachten Patienten nicht verstanden. Und erneut wird die Medizinische Fachangestellte (MFA) angeschrien. Und sie wird die Allgemeinmedizin verlassen. Lieber Patient, bitte bedenken Sie: Wir machen hier nicht die Regeln. Und bald ist keine MFA in der Allgemeinmedizin mehr da, die Sie anschreien können. Und ohne MFA kann der Allgemeinarzt zumachen.

Dr. med. Angelika Giovanopoulos

Mein Vertrauen ist erschüttert

Wenn es wirklich Fakt ist, dass alle Johnson & Johnson-Geimpften nach der Auffrischung (also Millionen der Bevölkerung) von einem auf den anderen Tag als nicht mehr geboostert gelten, dann ist dies absolut nicht mehr nachzuvollziehen. Die Regierung ruft zum Boostern auf, gleichzeitig werden Millionen von einem auf den anderen Tag als ungeboostert erklärt? Das alles soll man noch verstehen. Ich habe persönlich bisher alles das getan, was vorgegeben war. Aber, dass ich nun von einem auf den anderen Tag als ungeboostert gelten soll, ist ein Armutszeugnis der Corona-Politik. Mein Vertrauen ist absolut erschüttert. Was kommt als Nächstes?

Susanne Lüders

Bremen macht es besser

Das Possenspiel des RKI und der Gesundheitsbehörden um das angeblich nicht genügend wirksame und nun plötzlich als Einzelimpfung nicht mehr gültige Johnson & Johnson steht im Widerspruch zur Praxis in den meisten anderen europäischen Ländern und zeigt die Willkür der aktuellen Corona-Maßnahmen. Ich habe mich frühzeitig Anfang Juni letzten Jahres um die Impfung bemüht, galt mit Johnson & Johnson als vollständig geimpft und habe mich Mitte November relativ kurz nach der Freigabe mit Moderna boostern lassen. Nun heißt es: April, April, ohne tägliche zusätzliche Tests war’s das mit Sportstudio, Kino oder Mittagessen mit den Kollegen und zwar bis Ende Februar, denn erst dann sind die dreieinhalb Monate Wartefrist für den nächsten Booster abgelaufen. In Bremen sind übrigens alle Zweitgeimpften für diesen Zeitraum von der Testpflicht ausdrücklich befreit, beim „Team Vorsicht“ in Hamburg natürlich nicht. So kann man auch Gutwillige zu Maßnahmengegnern machen – bei mir hat es jedenfalls so funktioniert.

Christoph Strupp

Politiker sollten Vorbild sein

20. Januar: „Grünen-Vorstand im Visier der Staatsanwaltschaft“

Der Ältestenrat des Bundestags hat für die Mitarbeiter von Bundestagsabgeordneten einen steuerfreien Corona-Bonus von bis zu 600 Euro beschlossen. Einige von ihnen waren überrascht, aber eher befremdet als erfreut und spendeten diesen Betrag. In Schleswig-Holstein verzichteten alle Abgeordneten auf die Prämie, die Grüne Heinhold sprach von einer „Selbstverständlichkeit“ darauf zu verzichten. Die Sonderzahlung hatte den Zweck, die Belastungen (Homeschooling, Kontakt mit Kunden, etc.) deutlich abzumildern, indem Arbeitnehmer und deren Familien finanziell gestärkt und diesen durch die Wertschätzung an der geleisteten Arbeit Kraft gegeben wurde, diese Situation durchzustehen. Für den Bundesvorstand der Grünen leitet sich daraus keinerlei Begründung ab, sich die volle Prämie zu genehmigen. Leider hat sich auch außer Frau Baerbock niemand öffentlich zu dem Fehler bekannt. Politiker sollten Vorbild sein. Durch Verschweigen erreichen sie aber nur eine weitere Entfernung zum Bürger.

Norbert Herzberg, Pronstorf

Radwegeausbau im Verzug

20. Januar: „Verzögerungen bei Radzählnetz – aber 80 Stellen aktiv“

Nicht nur, dass die Zahl der Radverkehrsmessstellen hinter den Planungen zurückbleibt, sie ist auch insgesamt unzureichend. Der Autoverkehr wird an mehr als 2000 Stellen gezählt, die Radler nur an 80. Der Radverkehr hat einen Anteil von rund 25 Prozent am gesamten Verkehr, der motorisierte Verkehr von 40 Prozent. Bei gleicher Zählerdichte wie für die Autos müsste es proportional 1250 Messstellen für Radfahrer geben. Dies zeigt, wie geringschätzig die Hamburger Politik mit den Radfahrern umgeht. Entsprechend lückenhaft sind die Kenntnisse der Verkehrsplaner über die wahren Radverkehrsströme und die Radnutzung. Daher ist es kein Wunder, dass der Radwegeausbau in Hamburg weit hinter früheren Planungen hinterherhinkt und im Vergleich zu anderen Städten wie Kopenhagen immer noch stiefmütterlich behandelt wird.

Jutta Wallmann

Drohungen laufen ins Leere

19. Januar: „Dialog und Härte – Baerbocks Feuerprobe in Moskau“

Die „Drohungen“ der bis 2025 amtierenden deutschen Außenministerin Baerbock werden Putin (dieses Jahr 70), der zunächst bis 2036 regieren darf, und Lawrow, der seit 49 Jahren sowjetischer bzw. russischer Diplomat ist und dann auch erst 85 sein wird, nicht irritieren. Aus seiner Sicht muss Putin jetzt handeln, damit er in seiner Amtszeit sein weitergehendes Ziel – Polen aus der EU und der Nato auszuhebeln – noch umsetzen kann. Mit was kann Baerbock Deutschlands größtem Energielieferanten drohen? Anscheinend nicht mit Waffen, nicht mit Nordstream 2, nicht mit Swift und, dank heimischer Klimawende, nicht mit Aufgabe russischer Energie. Offene Unglaubwürdigkeit ist in der großen Politik schädlicher, als still zu bleiben. Dann schicken wir eben kein frisches Gemüse mehr nach Russland? Putins privates Vermögen, dass ab 50 Milliarden Dollar aufwärts geschätzt wird, wird’s verkraften.

Thomas Martini

Lüften ist Glückssache

18. Januar: „Hohe Energiekosten: Kamin als Alternative? Umweltschützer sehen diesen Trend allerdings kritisch“

Ich wohne in Hamburg-Rahlstedt: Hier wird in kleinen Einzelhäusern aus den 50er- bis 70er-Jahren – wegen der teuren Öl- und Gaspreise – alles verfeuert, was der olle Holzstapel im Garten noch so hergibt. Es stinkt und staubt von acht Uhr morgens bis zwei Uhr nachts. Lüften ist Glückssache. Es wird gegen das Bundes-Immissionsschutzgesetz verstoßen (falsch gelagertes feuchtes, vermoostes und/oder verschimmeltes Holz werden verbrannt) und gegen das Abfallbeseitigungsgesetz verstoßen (Zeitschriften, Zeitungen, Pappe usw. werden verfeuert). Holz als Brennstoff ist nicht umweltfreundlich, das hat auch das Umweltbundesamt 2021 schriftlich als pdf herausgegeben. Es ist auch nicht CO-neutral, da der Baum zum Wachsen viel mehr Zeit benötigt als der Kaminofen, um ihn zu verbrennen. Außerdem wird der deutsche Holzbedarf durch umliegende Wälder nicht mehr gedeckt: Das Brennholz wird in Osteuropa und der Ukraine über lange Transport-Wege nach Deutschland exportiert: Das ist absolut nicht CO2-neutral! Das gilt besonders für das im Baumarkt gekaufte Kaminholz. Dieses ist oft nur vorgetrocknet und kann eine Restfeuchte bis zu 40 Prozent enthalten: Verbrannt werden darf aber maximal 25 Prozent Restfeuchte. Welcher Kaminbetreiber misst das nach? Bedienungsfehler wie feuchtes Holz und zu starkes Drosseln machen aus dem modernsten Kamin eine Dreckschleuder. Das produziert nicht nur Feinstaub, sondern auch Methan und weitere giftige Gase. Laut offizieller Statistiken werden 30 Prozent aller Kamine falsch bedient. Fragen Sie mal die Nachbarn eines stinkenden Kamins, wie „gut“ die Atemluft an ihrem Wohnort ist. In meinen Augen versagen hier Schornsteinfeger, Umweltbehörden und Politiker gemeinsam.

Karin Schütte

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