Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. Januar 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Zu viel Unklarheit

8. Januar: „Corona Hamburg: Impfen, Testen, Quarantäne: Antworten auf Ihre Corona-Fragen“

Es ist grausam, was dem Bürger an Hin und Her von staatlichen „Überlegungen“ und Entscheidungen zugemutet wird. Da gibt es das Robert-Koch-Institut, die Ständige Impfkommission, die Diskussionen in der Bund-Länder-Kommission – immer wieder neues Durcheinander. Bereits am 14. Dezember hatte der Bundeskanzler das neu errichtete Expertengremium vorgestellt. Die Hoffnung auf Konzentration, Klarheit sowie Verarbeitung aller weiteren wissenschaftlichen Ergebnisse erfüllte sich nicht. Mag diese Kommission auch nicht ideal besetzt sein mit 19 Mitgliedern, man hört nichts von ihr. Dabei wäre das der ideale Ansatz zur „Beherrschung und Koordination“ der vielen unübersichtlichen Einwirkungen und zur Aufbereitung der politisch notwendigen Aktivitäten.

Dieter Brandes, Hamburg

AHA und Tests bleiben wichtig

8. Januar: „Die Musterschüler werden abgewatscht. Erst war Australien Vorbild, dann Portugal oder Dänemark – am Ende muss jedes Land seinen Weg aus der Pandemie finden“

Matthias Iken greift in seiner Kolumne ein interessantes Phänomen auf. Es ist auffällig, dass „Impfmusterschüler“ jetzt auch hohe Inzidenzen aufweisen. Reicht die neue, ansteckendere Virusvariante Omikron als Erklärungsansatz aus? Vielleicht. Hohe Inzidenzen sind schlecht, aber entscheidend ist der Anteil schwerer Erkrankungen. Omikron führt wohl zu milderen Verläufen, was gut wäre. Gut ist auch, dass schwerere Verläufe durch die Impfung reduziert werden. Das ist der große Vorteil der Impfung und gibt Hoffnung. Fühlen wir uns deshalb mit der Impfung zu sicher und werden unvorsichtig? Möglicherweise. Wir lesen in der gleichen Abendblattausgabe, dass sich der Kanzler aus Österreich trotz dreifacher Impfung infiziert hat und wahrscheinlich kennen wir inzwischen alle solche Fälle im Bekanntenkreis. Ansteckung wird also nicht verhindert. Wenn aber Omikron und besonders die Impfung zu milderen Verläufen beitragen, dann haben wir in der Folge wahrscheinlich auch mit mehr asymptomatischen Krankheitsverläufen zu rechnen, gerade bei Geimpften. Asymptomatische Verläufe tragen zwar zur Immunisierung ohne Belastung der Krankenhäuser bei, haben aber den Nachteil, dass das Virus durch Infizierte unwissentlich weitergetragen wird. Auch das kann die Inzidenz von Musterschülern erhöhen. Ganz vermeiden lässt sich das wohl nicht, aber die Maßnahmen mit „Privilegien“ für Geimpfte sind zu hinterfragen. AHA und Testung sind lästig, bleiben aber einfach noch für alle wichtig.

Dr. Michael Hahn, Hamburg

Zu wenig Eigenverantwortung

7. Januar: „Ärger um Ausbruch im Robinson Club auf Fuerteventura“

Immer wieder wundere ich mich über die Empörung der Urlauber hinsichtlich nicht korrekter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen am Urlaubsort. Diese Personen haben sich freiwillig für eine touristische Reise entschieden, und es wurde nirgendwo verboten, das eigene Gehirn zu nutzen, die Maske auch zu tragen, wo es nicht möglich ist, sich dem Gedränge am Buffet oder dem Sitzen an vollen Gruppentischen zu entziehen. Gleiches gilt auch für die Kreuzfahrttouristen, die es auch immer noch nicht wahrhaben wollen, wie die Lage ist. Die Verantwortung immer auf den Hotelbetreiber oder andere zu schieben und die Veranstalter über Social-Media anzuprangern, ist doch sehr einfach gedacht.

Jens Rezmer, Seevetal

Die Kehrseite der Zuschläge

8. Januar: „Im Hafen werden Mediziner-Gehälter bezahlt.“

Es lohnt, zu den „Spitzengehältern“ im Hafen einen Einwurf zu machen. Das Problem der hohen Einkommen von Beschäftigten im Schichtbetrieb, ist ja nicht neu. Nachtschichten, Wochenendarbeit mit Sonntagen, Feiertagsarbeit: Diejenigen, die das kennen, sehen die hohen Bruttoeinkünfte, die sich auch im Nettoeinkommen niederschlagen. Steuerfreie Zuschläge dafür führen aber auch zu sozialversicherungsfreien Einkünften, das sind verführerische Perspektiven. Ein jähes Erwachen erlebt man später, denn das Rentenversicherungs-relevante Einkommen bleibt hinter den aktiven Einkommen deutlich zurück, da nur die sozialversicherungs-bedeutsamen Einkünfte das Renteneinkommen bestimmen. Die Einkommenseinbuße bei Pensionierung erschreckt fast alle beim Übertritt in die Rente. Das weiß ich als „alter Personaler“. Da ist nichts mehr mit der Garantie des Herrn Bundesministers Heil: 48 Prozent Haltelinie. Alle Bezieher dieser exorbitanten Sondervergütungen für ihre außerordentlichen (und schädlichen) Arbeitszeiten täten gut daran, beizeiten einen gehörigen Teil davon abzuzweigen für eine Zusatzversorgung außerhalb des gesetzlichen Rentensystems. Sonst sehen sie sehr alt aus.

Michael Guhr, Hamburg

Ein Schildbürgerstreich?

7. Januar: „Nachbarschaftstreff auf dem Parkplatz. In Eimsbüttel verschwinden Stellflächen für ein sogenanntes Parklet.“

Ich dachte ich lebe in Hamburg und nicht in Schilda. Aber ich wurde eines Besseren belehrt, denn bei den Parklets handelt es sich um einen klassischen Schildbürgerstreich. Auf der einen Seite wird äußerst knapper Parkraum zugunsten von Bänken und Hochbeeten beseitigt, auf der anderen Seite werden Naturschutzgebiete und Schrebergärten zugunsten von Bauprojekten zerstört! Muss denn jedwedem Unsinn Raum eingeräumt werden, zumal die Hauptstadt des Chaos – Berlin – bereits bewiesen hat, dass Parklets ein Irrweg sind? Wer Landleben möchte, der soll auf das Land ziehen und nicht den wenigen Raum in der Stadt noch künstlich verknappen !

Arnd -Joachim Westphalen

Ursache und Wirkung

7. Januar: „Die Ampel auf Brandts Spuren. Hamburgs Altbürgermeister im Gespräch. Heute über eine neue Entspannungspolitik“

Bei aller berechtigten Kritik gegenüber Herrn Putin und seiner zunehmend autoritären Art, sein Land zu regieren und die Außengrenzen zu sichern, vermisse ich in der Medienwelt die sachliche Auseinandersetzung mit den Ursachen, die mit zu dieser unerfreulichen und gefährlichen Situation geführt haben. Was dieses Thema angeht, hat Herr von Dohnanyi auf ruhige und sachliche Art versucht, Ursache und Wirkung der sich hochschaukelnden Ost-Westpolitik zu erklären. Die teils rücksichtslose Machtpolitik der USA gegenüber Russland nach Öffnung der Mauer durch die Verschiebung der Einflussgrenzen Richtung Osten hat nicht gerade zu einer Vertrauensbildung zwischen Ost und West geführt. Die Begründung der USA, die ehemaligen Mitgliedsstaaten der Sowjetunion sollten selbst entscheiden, wem sie sich zugehörig fühlten, ist zu leicht durchschaubar. Die Art und Weise wie die USA ihr Einflussgebiet ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten Russlands erweitert haben, wäre bei umgekehrten Vorzeichen nicht möglich gewesen, siehe Kubakrise! Es wird Zeit, dass wir uns bewusst machen, dass Russland unser europäischer Nachbar ist und wir auf ein auskömmliches Miteinander angewiesen sind, gerade in einer Zeit, in der von verlässlicher Politik mit den USA nicht mehr die Rede sein kann. Ich glaube, Deutschland hat diesbezüglich in Europa auch eine Vorbildfunktion.

Dieter Ringsdorf

Schädliches Verhalten

7. Januar: „Nach Katharina Fegebank – Weiterer Corona-Fall nach Veranstaltung der Handelskammer“

Genau dieses Verhalten trägt erheblich dazu bei, dass so viele Bürger:innen jegliches Vertrauen in die Politik verloren haben. Erklärungen wie, Infizierte können sich auch anderswo angesteckt haben und, rechtlich sei da nichts zu beanstanden, wie es aus dem Rathaus klingt – klar, die waren ja auch selbst dabei – sind Nebelkerzen. Wer Schulter an Schulter sitzt, hält nicht den erforderlichen Abstand Die Ehrbaren Kaufleute müssen noch eine Menge über die Pandemie lernen.

Bernhard Weimann, Stelle

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