Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. Januar 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Fachkraft gesucht

5. Januar: „Schärfere Regeln – aber viel zu wenig Impfstoff“

Um derartige Pannen zu vermeiden, war doch extra ein General eingestellt worden. Aber auch das scheint nicht zu helfen. Es ist verwunderlich, dass sich im gesamten zuständigen Ministerium keine Fachkraft befindet, die die Organisation leiten kann.

Hermfried Koring

Geht es um die Auflage?

5. Januar: „UKE-Studie: „Organschäden schon bei milden Corona-Verläufen.“

Der Titel hat bei Eltern und damit auch Kindern zu weiterer Unsicherheit geführt. Er suggeriert, dass alle, also auch Kinder, die häufig noch nicht ausreichend geimpft sind, schwerwiegende gesundheitliche Folgeschäden erwarten müssen. Wer den Artikel auf Seite 8 tatsächlich liest, erfährt, dass bei der Studie nur ungeimpfte ältere Erwachsene (45 bis 74 Jahre) untersucht wurden, die nicht nur milde, sondern auch moderate und in sieben Prozent der Fälle schwere Corona-Verläufe hatten. Die aus der Infektion abgeleiteten möglichen „Schäden“ werden als leicht bezeichnet und als nicht krankhaft. Eine Ableitung zu der effekthaschenden Überschrift erschließt sich nicht. Herr Iken hat zu Recht angemahnt, dass Medien eine große Verantwortung in dieser Pandemie tragen. Diese Überschrift prominent auf Seite 1 wird dieser nicht gerecht. Da sich nun gleichzeitig auch Herr Drosten sicher ist, dass Omikron einen milderen Verlauf als die vorherigen Mutanten mit sich bringt, hat diese Überschrift ggf. den Zweck, die neuen verschärften Corona-Regeln zu „begleiten“. Das wäre dann wilhelminische Hofberichterstattung im Jahr 2022. Vielleicht geht es aber auch nur um eine möglichst hohe Auflage.

Dr. Martin Widmann, Hamburg

Doppelte Lastenerhöhung

5. Januar: „Immobilienkauf: Für die einen wird’s teurer… und für die anderen günstiger. Senat erhöht Grunderwerbsteuer von 4,5 Prozent auf 5,5 Prozent senkt sie aber für junge Familien auf 3,5 Prozent“

Der Begriff Grunderwerbsteuer ist insofern irreführend, da es sich hierbei nicht um die Besteuerung des Erwerbs eines Grundstücks handelt, sondern vielmehr um einen Steueraufschlag auf den Ankaufspreis einer Immobilie. Und da die Preise hierfür in den letzten Jahren exorbitant gestiegen sind, ist auch das Steueraufkommen der Stadt Hamburg aus diesem Segment proportional mitgestiegen. Daher stellt der Plan des Senats, die Grunderwerbsteuer um einen Prozentpunkt anzuheben, eine doppelte Lastenerhöhung dar. Und die Idee, sogenannten „jungen Familien“ einen Nachlass zu gewähren, dürfte spätestens vor dem Bundesverfassungsgericht scheitern. Man müsste also ein kompliziertes Gutschriftenmodell erfinden, um die gewünschte Entlastung zu erreichen, was wieder einen enormen bürokratischen Aufwand erzeugen würde. Stattdessen wäre es sinnvoller, ein effektives Instrument zur Deckelung der immerfort steigenden Mieten und Grunderwerbskosten zu entwickeln. Man könnte aber die Grunderwerbsteuer auch dahingehend modifizieren, wenn man sie denn nicht ersatzlos streichen möchte, dass sie durch entsprechende Freibeträge neutralisiert wird. Wenn man die sogenannten „share Deals“ unterbindet, könnte das sogar aufkommensneutral sein.

Peter Westendorf, Hamburg

Waldbau ist ein langer Prozess

4. Januar: „Trockenheit setzt Hamburgs Wäldern zu. Fichten besonders betroffen.“

Hamburgs Wälder werden seit vielen Jahren naturnah und nachhaltig bewirtschaftet. Zehn Prozent der Landeswaldfläche sind aus der Nutzung genommen und auf den übrigen Flächen findet eine eher extensive Nutzung statt. Der schlechte Zustand der FFH-Waldlebensraumtypen ist aus forstlicher Sicht vor allem historisch begründet; zum Beispiel durch das Anpflanzen nicht standortgerechter Baumarten oder der Entwässerung von Waldflächen und nicht auf heutige waldbauliche Maßnahmen zurückzuführen. Ganz im Gegenteil. Der Umbau der Wälder zu artenreichen Mischwäldern und die Anreicherung von Alt- und Totholz wird seit vielen Jahren durch die Hamburger Försterinnen und Förster befördert. Waldbau ist ein lang andauernder Prozess, deren Erfolg meist erst in vielen Jahrzehnten sichtbar wird.

Jan Muntendorf, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Hamburg

Politik handelt eindimensional

3. Januar: „Viele neue Wohnungen und Radwege im Bezirk Nord. Serie: Was planen die Bezirke? Das Abendblatt stellt die wichtigsten Projekte vor“

Statt nur weitere Parkplätze zu vernichten, wäre es sinnvoll, wenn wenigstens verstärkt mehr Fahrradbügel aufgestellt werden würden! Auch und gerade in den dicht bewohnten Wohngegenden (z.B. Husumer Str.). Hier gibt es teilweise keine Fahrradkeller oder Hinterhöfe, und man darf die Räder nicht an den Gartenzäunen anschließen. Wo also anschließen? Warten bis das Rad gestohlen wurde oder in den dritten Stock in die Anderthalb-Zimmerwohnung schleppen? Warum handelt die Politik bzw. die Verwaltung so eindimensional?

Sabine Nouschirvan

Atommüll ist nicht vermeidbar

3. Januar: „,Grüne‘ Kernenergie entzweit die EU. Während Deutschland den Ausstieg vollendet, stuft die Kommission die Atomkraft als nachhaltige Technologie ein“

Leider haben wir die Umstellung von der Atomkraft auf die neuen Energien zu spät begonnen. Deshalb ist die Entsorgung des Atommülls eine zweitrangige Frage geworden. Es geht jetzt um das Überleben der nächsten Generationen. Auch die Verlängerung der Laufzeit der drei noch bestehenden Atomkraftwerke sollte erwogen werden, da der Müll dieser Werke sowieso unvermeidbar ist.

Gerhard Bläß

Zu wichtig: Musik und Kultur

3. Januar: „Beethoven. Die Neunte. Was sonst“ und Leserbrief vom 5. Januar: „Heul- und Jaultöne“

Am Montag las ich die Kritik und gestern den Leserbrief zur Aufführung von Beethovens Neunter der Symphoniker Hamburg. Leider konnte ich selbst nicht dabei sein – alles ausverkauft! Da ich mich sowohl für Klassik als auch für Jazz, überhaupt für Crossover-Projekte begeistern kann und mir eine befreundete Musikerkollegin im Vorfeld von den Proben erzählte, hätte ich es gern erlebt. Heute freue ich mich! Völlig unabhängig von dem, was im Konzert wirklich zu hören war (was im Übrigen letztlich immer vom Hörer selbst abhängig ist), bin ich glücklich, dass wieder (und noch) über Musik und Interpretationen gestritten wird. Als Beethoven das Werk komponierte, hörte er nichts mehr, und doch heißt es im Text: „Freunde, nicht diese Töne“, bevor der große Chor zur Hymne auf die Freude und Menschlichkeit ansetzt. Was auch immer die beiden Jazzmusiker gespielt haben mögen, sie haben genau durch die von manchem so empfundenen Misstöne erlebbar gemacht, wie wichtig, wie essenziell, wie unverzichtbar die Musik und Kultur für uns alle gerade in diesen Zeiten ist.

Robert Löcken

Wohin mit der Vollmacht?

3. Januar: „Vorsorgevollmacht: Darum ist sie so wichtig“

Da ich seit ca. 15 Jahren Vorträge zu diesem Thema (inkl. Patientenverfügung) halte, ist mir diese Frage auch oft gestellt worden, sodass ich in Anlehnung an die Broschüre aus dem Bezirksamt Altona „Ich sorge vor“ Chipkarten entworfen habe und drucken ließ. Diese Chipkarten sind im Kulturzentrum Lurup, Stadtteilhaus Lurup, Böverstland 28, 22547 Hamburg zu erhalten. Kostenlos.

Prof. Dr. med. Jutta Krüger, Hamburg

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