Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. Januar 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Die Bauweise anpassen

4. Januar: „Widerstand gegen Elbtower wächst. Gegner fordern Referendum. Vertrag soll der EU-Kommission vorgelegt werden

Man kann nur hoffen, dass der Widerstand gegen den Elbtower weiter wächst, die im Artikel angesprochene Eingabe Erfolg hat, und ein Referendum erreicht werden kann. Der Elbtower in der bisher geplanten Form ist völlig unsinnig und passt überhaupt nicht in die „Landschaft“. Ein solches Gebäude gehört einfach nicht in die HafenCity, es verunstaltet sie sogar. Ich bin überzeugt, dass in einem Referendum die Mehrheit gegen einen solchen Bau stimmen würde. Man sollte den Tower am besten gar nicht bauen oder eventuell in einer ganz anderen Form auf breiterer Fläche mit höchstens vier bis fünf Stockwerken wie die anderen Gebäude in der HafenCity. Man sollte sich schon in der Bauweise der Umgebung anpassen, so dass ein abgerundetes Ganzes entsteht.

Reinhard Kappelhoff, Buchholz

Mehr Fingerspitzengefühl

4. Januar: Lesermeinung zur Karikatur auf Seite zwei

Obwohl durchaus ein Fan Ihrer täglich gedruckten Karikatur, muss ich dieses Mal doch hinterfragen, wieso heute eine zusammenhanglose Verächtlichmachung des offensichtlich gemeinten Beamtenstandes dargestellt wurde? Gerade jetzt und auch zu Nicht-Coronazeiten – und das kann ich aufgrund eigener Kontakte zu Bundes- und Landesverwaltungen bestätigen – sind alle Beschäftigten motiviert, den Betrieb so stark wie möglich am Laufen zu halten. Und Homeoffice, Homeschooling etc. ist für staatlich Bedienstete mit Kindern und in Wohnungen auch nicht anders. Also bitte etwas mehr Fingerspitzengefühl, oder Sie zeichnen auch mal einen Arbeitnehmer aus der freien Wirtschaft während der Homeoffice-Arbeitszeit beim Rasenmähen mit passender Denkblase.

Michael Tropp

Lukratives Geschäftsmodell

3. Januar: „,Grüne‘ Kernenergie entzweit die EU. Während Deutschland den Ausstieg vollendet, stuft die Kommission die Atomkraft als nachhaltige Technologie ein“

Wenn nur fünf von 27 Mitgliedstaaten der EU die Kernkraft ablehnen, vertreten diese Staaten allenfalls eine Minderheitsmeinung in Europa. Deutschlands ideologisch begründete Ablehnung der Kernkraft wird denn auch nur von Staaten unterstützt, die eigentlich nicht den energiepolitischen Blindflug Deutschlands unterstützen, sondern eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen. Beispielsweise freut sich Österreich immens über die bei günstigen Wetterverhältnissen in Deutschland anfallende Stromschwemme, bekommt es doch Energie fast zum Nulltarif oder kassiert noch Geld für die Abnahme von Strom. Wenn dann die Sonne nicht mehr scheint, und vielleicht auch noch der Wind nachlässt, liefern ihre Wasser-Kraftwerke CO2-freien Strom für Marktpreis-Bedingungen nach Deutschland zurück. Das wäre eigentlich ökologisch optimal, wenn nicht gleichzeitig die Stromversorgung Österreichs zu viel günstigeren Stromimporten, besonders aus Tschechien (Kernkraft und Kohle), sicher gestellt wird. Dieses schöne lukrative Geschäftsmodell würde man aber infrage stellen, falls Deutschland seinen Strombedarf bei Dunkelheit und Flaute mit eigenen konventionellen Energien oder auch Kernkraft decken würde. Der grüne Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck wirft der EU „Etikettenschwindel“ vor. Das ist verlogen und lenkt vom eigenen klimapolitischen Versagen ab.

Bernd Appel

Windkraft macht auch Müll

Es ist zu begrüßen, wenn Herr Habeck die Auffassung vertritt, dass eine Technologie, die Abfälle produziert, deren Entsorgung nicht endgültig gesichert ist, nicht nachhaltig sein kann. Diesen Anspruch müssen dann auch die alternativen Verfahren der Energieerzeugung erfüllen. In den nächsten Jahren werden Windkraftanlagen in großem Umfang abgebaut und durch neue Anlagen ersetzt. Die Rotorblätter bestehen aus einem Verbund von Glasfasern und Harz, die innig miteinander verbunden sind. Die Beseitigung auf Deponien ist in Deutschland gesetzlich untersagt. Ein Teil der Wiederverwendung findet durch den Export in osteuropäische Länder statt. Was dort mit den Rotoren nach Ablauf der Nutzung geschieht, entzieht sich dem politischen Interesse und der Aufsicht deutscher Behörden. In Deutschland gibt es nur ein Entsorgungsverfahren in einem Zementwerk. Bei diesem Verfahren wird durch Zerkleinern, Transporte mit Lkw und Verbrennung ein extrem hohes CO2-Aufkommen erzeugt und ist das Gegenteil von klimaneutral. Die zur Verfügung stehende Kapazität ist zudem begrenzt und kann nur einen Bruchteil der ausrangierten Rotorblätter in den kommenden Jahren verarbeiten. Glasfasern können zudem, wenn sie aus dem Verbund gelöst werden, Krebs verursachen. Neuere Rotorblätter bestehen aus Carbonfasern und Harz. Für diese Materialien gibt es noch keine anerkannte Entsorgungstechnik. Von einer nachhaltig gesicherten Entsorgung aller anfallenden Rotorblätter in den nächsten Jahren kann keine Rede sein. Die Glaubwürdigkeit der „Grünen“-Politik wird auch in der Regierungsverantwortung nicht besser.

Dr. Reinhard Lorenz Weber, Hamburg

Ungerechte Corona-Welt

3. Januar: „Neues Bayern-Jahr, neue Corona-Sorgen. Vier Spieler, darunter Manuel Neuer haben sich im Urlaub infiziert“

Wenn ein Schulkind ohne eigenes Verschulden mit Corona infiziert wird, muss es sofort in Quarantäne und verpasst wochenlang den Unterricht. Wenn sich jedoch ein Fußballmillionär dem Pandemiegeschehen entzieht und auf die Malediven fliegt, wird er auf Kosten der Fußballfans mit einem privaten Ambulanzflugzeug nach Deutschland zurückgeflogen! Es wäre besser, uns Normalbürger mit solchen Meldungen zu verschonen und uns in der Illusion zu belassen, die Corona-Welt wäre zumindest im Ansatz gerecht.

Margarethe Dembeck

Die Besucher waren störender

3. Januar: „Beethoven. Die Neunte. Was sonst. Die Symphoniker Hamburg, Sylvain Cambreling und (k)ein Eklat“ und „Vom bunten Teller bis zum ewigen Klassiker“

Ein Eklat ist ein unerfreulicher Vorfall, der in der Öffentlichkeit für Aufsehen sorgt. Im Französischen bedeutet das Wort „plötzliches lautes Geräusch, Knall und Krach“. Als die im Konzert vorab ohne weitere Erklärung angekündigten „Überraschungsgäste“ (Claron McFadden – Sopran, Jazzgesang und Fabrizio Cassol – Saxophon) mitten im zweiten Satz aufstanden und „improvisierten“, was war das anderes als ein Eklat? Als noch störender allerdings habe ich die von Einzelnen ausgestoßenen Heul- oder Jaultöne, ähnlich einem „Huh“, aus dem Publikum empfunden, offenbar als Persiflage auf die Gesangseinlage auf der Bühne gemeint. Diese Zuhörer wurden ihrerseits wieder von anderen mit „Hau ab“ oder „Geh nach Hause“ attackiert. Was war das anderes als ein Eklat? Und was schreibt die Musikkritik? „Okay. Warum nicht (…) es dauerte nicht lang (...) Sonst hätte die Situation vielleicht eskalieren können.“ In der Tat, das hätte sie, doch Höflichkeit und Takt der Mehrheit der Zuhörer haben dies verhindert, da sie nicht das Orchester und den Dirigenten, den Chor und das Solisten-Quartett für die fehlplatzierte Einlage der Gäste abstrafen wollten. Ich dachte unwillkürlich: Was wäre wohl bei einem solchen Eklat im Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker geschehen? Und wie auf Knopfdruck fand sich im Artikel von Joachim Mischke, dessen Kritik weiterer Hamburger Neujahrskonzerte den Richterschen Text umrahmt, als gewohnt überspitzte Einlassung „Weit und breit kein einziger dieser leicht angeschickerten Strauß-Walzer...“ Als weiterem neben Schiller und Beethoven überholten Klassiker sei Theodor Fontane, auch er ein Kulturkritiker, das letzte Wort überlassen: „Das ist ein weites Feld“.

Dr. Monika Kiehn, Hamburg

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