Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. Oktober 2021

| Lesedauer: 7 Minuten

Das Fliegen neu denken

30. September: „Sorgen an Hamburger Airport: Viele verzichten auf das Fliegen. Mehr als 100 Millionen Euro Verlust

Ich freue mich sehr zu lesen, dass die Passagierzahlen sich im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit halbiert haben – und dies trotz der Tatsache, dass die meisten Deutschen durchgeimpft sind. Denn wie wir ja alle wissen, ist unsere Erde nun schon länger in einem sehr schlechten Zustand, nicht wahr? Und nur wir können eventuell noch etwas daran ändern. Unter anderem, indem wir nicht mehr so viel fliegen, das ist der Konsens. Ich hoffe also weiterhin, dass das Bewusstsein in unserem Land größer wird, dass es so nicht weitergehen kann. Uns sollte endlich klar werden, dass wir Wirtschaft und auch das Fliegen neu denken müssen. Und natürlich werden wir Einschränkungen hinnehmen müssen, wer das leugnet, ist einfach nur naiv. Wir sitzen alle im selben Boot, und das Boot „geht durch uns den Bach runter“. Ich habe nie verstanden, wie die intelligenteste Spezies auf diesem blauen Planeten sich selbst immer mehr die Lebensgrundlage nimmt und nicht wahrnehmen will, dass wir mit zugrunde gehen, wenn hier erstmal alles kaputt ist. Also bitte weiter so: Weniger fliegen und mehr nachdenken, ob der dritte Flug im Jahr quer durch die Weltgeschichte wirklich notwendig ist. Die Antwort ist oft „nein“.

Stephanie Haddenga

Provinzflughafen Hamburg

Der Hamburg Airport sollte froh über derzeit weniger Fluggäste sein, denn mehr schafft er nicht. Vor kurzem: Abflug am Sonnabend zehn Uhr. An der Sicherheitskontrolle gerade mal drei (!) Schalter geöffnet, die Warteschlange bis zu den Check-Ins, Durchlauf über 30 Minuten. Dann gefühlt bei jedem dritten Fluggast eine händische Gepäck-Nachkontrolle. Endlich durch, muss man am Gate stehen, da nur jeder dritte Sitzplatz benutzt werden kann. Beim Umsteigen an einem anderen Flughafen ist man dann froh, die Provinz endlich verlassen zu haben.

Holger Schütz

Wie blöd ist das denn?

30. September: „Heute falle ich mal mit der Tür ins Haus. Warum muss ich mich Wochen vorher zum Quatschen verabreden? Warum nicht einfach klingeln? Haben wir die Spontaneität verloren?“

Die Autorin spricht mir aus der Seele, dabei ist sie 40 Jahre jünger als ich. Tatsächlich ist es so, dass ich mich per WhatsApp für ein Telefongespräch anmelde bzw. ich vorher informiert werde, wenn man mich anrufen möchte. Und dabei denke ich, wie blöd ist das denn? Spontanität geht nicht mehr, weder beim Telefonieren noch bei Besuchen. Die einzige Kommunikations-Oase, die es noch gibt, ist die Familie – bei mir jedenfalls. Ob ich mich traue, WhatsApp, SMS o. ä. einfach mal abzumelden? Wie verschicke ich dann aber meine Fotos, die ich spontan teilen möchte? Die Geister, die wir riefen, werden wir nun wohl nicht mehr los.

Sabine Reymann

Verlierer würdig behandeln

30. September: „Laschet kämpft ums politische Überleben. Trotz historischer Niederlage und massiven internen Drucks will der CDU-Chef und Kanzlerkandidat Jamaika-Gespräche führen“

Warum bitte muss ein bewährter Landesfürst, der bei der Wahl mit Bundeskanzlerambitionen unterliegt, um sein politisches Überleben kämpfen? Seine Qualitäten hat er doch auf anderem Terrain bewiesen, weshalb er auch aufgestellt wurde. Auch Frau Baerbock hat weiterhin ein Recht auf adäquaten politischen Einfluss, obwohl das ehrgeizige Wahlziel der Grünen mit ihr an der Spitze nicht erreicht wurde. Warum treten die Parteien und die Medien Politiker, die in einer demokratischen Wahl unterliegen, gleich so brutal in die Tonne? Ja, Spitzenpolitiker, die bisher nicht zum Zuge gekommen sind, wittern jetzt Morgenluft und die Medien können wirksame Schlagzeilen drechseln. Aber ist das gut fürs Land? Ist das einer Demokratie würdig und können wir uns das leisten? Stellen wir uns vor, es seien Wahlen, alle gingen hin, aber es gäbe keine Kandidaten mehr.

Uwe-Carsten Edeler

Ästhetik allein reicht nicht

30. September: „So soll der Burchardplatz künftig aussehen. Siegerentwurf gekürt“

Der Burchardplatz in der Mitte des Weltkulturerbes Kontorhaus-Viertel und in Nachbarschaft zur Hauptkirche St. Jacobi kann einer der attraktivsten Plätze der Stadt werden. Alles ist besser als der jetzige Parkplatz. Doch Ästhetik allein wird nicht reichen. Es braucht an dieser Stelle unbedingt öffentliche Toiletten, Wasser-und Stromanschlüsse für den Markt und Belebung durch Cafés auf dem Platz. Die Stadt möchte gerne viele Menschen anziehen, doch sie muss auch für die notwendige Infrastruktur sorgen. Die Toilettensituation in der City ist jetzt schon dramatisch und viele Ecken verkommen zu Müll- und Pinkelecken. Ein neuer Burchardplatz muss auch den Bedürfnissen der vielen BesucherInnen und Menschen gerecht werden, die auf der Straße leben. Und er muss zeigen, dass die Altstadt ein liebens- und lebenswerter Raum ist. Ansonsten kann auch ein schicker, neuer Burchardplatz schnell zur Rumpelecke verkommen. Aufpolieren für ein paar Events reicht nicht. Der Platz muss alltagstauglich sein. Dann wird er ein Magnet.

Bernd Lohse

Absurde Ausbildungssituation

29. September: „,Darum läuft Hamburgs Gastronomen das Personal davon‘“. Silke Kettner, Regionalchefin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, fordert flächendeckend höhere Löhne“

Der von Frau Kettner beschriebene Personalmangel in der Gastronomie ist allenthalben spürbar, junge Menschen für dieses Berufsfeld zu gewinnen, ist eine Herausforderung. Umso absurder ist in diesem Zusammenhang die Realität, dass mein Sohn zwar eine Ausbildung als Koch beginnen möchte, das Restaurant meinen Sohn auch sehr gerne ausbilden möchte, aber nach Auskunft der Handelskammer derzeit nicht ausbilden darf, weil der neue Betrieb noch nicht lange genug existiert. Und dies ungeachtet der Tatsache, dass die Betreiber des Restaurants erfahrene Gastronomen sind und ein Ausbilder vorhanden ist. Es ärgert mich maßlos, wie hier Verordnungen und Regelungen zu Ausbildungsverhinderung statt zu Ausbildungsförderung führen und den beruflichen Einstieg eines jungen Menschen behindern. Das ist zum Davonlaufen!

Frank Buschmann, Hamburg

Kein Verständnis für Prozess

29. September: „Sekretärin des KZ Stutthof vor Gericht – mit 96. Der Frau wird Beihilfe zum Mord in 11.387 Fällen vorgeworfen“

Wie man einer Sekretärin, selbst wenn sie (zwangsweise?) in einem KZ gearbeitet hat, eine Beihilfe an den dort begangenen Morden vorwerfen kann, erschließt sich mir nicht. Und wenn es sich dann auch noch um eine 96-Jährige handelt, die man vor Gericht zerrt, dann fasse ich mir an den Kopf und beginne am gesunden Menschenverstand der Beteiligten zu zweifeln. Wen wundert es da noch, wenn bei einem so unsinnigen Vorgang die Gerichte bei den anhängigen Verfahren nicht mehr nachkommen und immer mehr Personal fordern?

Thorsten Thiel, Ahrensburg

Vielseitig und ausdrucksvoll

24. September: „Exklusiv! Hamburgs heimliche Verschwurbelungs-Verordnung“

Ich bin 97 Jahre alt und habe Schulenglisch gelernt, damals wurde ein Fremdwort als Fehler angestrichen. Beim „booster“ und „survey“ musste ich im Langenscheidt Taschenwörterbuch nachsehen. Unsere deutsche Sprache ist so vielseitig und ausdrucksvoll und auch alte Leute möchten verstehen, was sie lesen.

Gerda Jürges

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe