Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. September 2021

| Lesedauer: 7 Minuten

Sie ist sie selbst geblieben!

23. September: „Was bleibt von Angela Merkel? Nach 16 Jahren scheidet die Kanzlerin aus dem Amt. Von Montag an ist sie nur noch geschäftsführend für Deutschland tätig“

16 Jahre Kanzlerschaft von Angela Merkel in einem Leserbrief bewerten zu wollen, ist Überforderung. Also konzentrieren wir uns auf eine hoffentlich nachhaltige Hinterlassenschaft: Merkel ist immer sie selbst geblieben! Sie hat es verstanden, machtvolles Gehabe von Männern an sich abprallen, vorbei- und auslaufen zu lassen. Sie hat dabei auf maskuline Durchsetzungsmethoden verzichtet und sich überzeugend durchgesetzt mit ihrer Art der ergebnisorientierten Herangehensweise Probleme zu lösen und mit Verhandlungspartnern umzugehen. Sie ist damit zu einer der angesehensten Frauen in Deutschland, Europas und der Welt geworden. Sie hat beispielhaft bewiesen, dass Gleichwertigkeit in der Beurteilung von Tätigkeiten und Verhalten von Frauen erreicht und dabei auf Gleichartigkeit verzichtet werden kann! Das zu erkennen, zu akzeptieren und umzusetzen sollte nicht nur von Frauen geleistet werden, sondern bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und das Ergebnis muss sein: Gleichwertigkeit! Auch das hinterlässt Angela Merkel, besonders den Frauen!

Udo Bauer, Wedel

Wir werden sie vermissen...

Vielen Dank für diesen scharfsinnigen Artikel! Er zeigt pointiert auf, was die Kanzlerin erreicht hat und auch wo sie gescheitert ist. Inzwischen beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass wir sie noch sehr vermissen werden – und das sagt jetzt kein CDU-Wähler.

Oliver Bischoff, Hamburg

Was wird aus Angela Merkel?

Abseits aller Diskussionen über Leistungen oder Versäumnisse von Kanzlerin Merkel muss man eines neidlos anerkennen: Optisch hat sie sich in 16 Jahren besser gehalten als jeder amerikanische Präsident in acht Jahren! Bleibt noch die Frage: „Was wird aus Angela Merkel?“ Wenn sie schlau ist, geht sie mit jetzt 67 Jahren, verdientermaßen gut versorgt, in Rente. Fährt im August nach Bayreuth, wandert in der Uckermark. Vorstellbar? Kaum! Was aber dann? Sie wird sich nicht mehr um ein politisches Amt bewerben, hat sie gesagt. „Mal sehen, was noch so kommt!“, hat sie zuletzt auch gesagt. Was also könnte noch kommen? António Guterres ist schon 72 und wird am 30. April im nächsten Jahr 73. Er beendet zum Jahreswechsel seine erste fünfjährige Amtszeit als UNO-Generalsekretär. Für die zweite (2022 bis 2026) wurde er vom Weltsicherheitsrat bereits nominiert. Diese kann er als Portugiese, also Europäer, noch wahrnehmen, bevor dann wieder ein Generalsekretär aus einem anderen Erdteil übernimmt. Und wenn er auch „schlau“ ist und vielleicht in Rente gehen möchte? Wenn er z. B. vorschlagen sollte, dass diese zweite „europäische“ Amtszeit Frau Merkel übernimmt? Würden dann die Veto-Mächte widersprechen? Wohl kaum! Könnte Angela Merkel einer solchen Einladung widerstehen? Wohl kaum! Und wer könnte bei den anstehenden Weltfragen wie der Balance zwischen den USA und China, dem Verhältnis zwischen EU und Russland, der weltweiten Pandemiebekämpfung, Armutsbekämpfung und Migration, der Überzeugung für Klimaschutzmaßnahmen durch alle großen Verursacher, der Zurückhaltung von militärischen Machtansprüchen und Friedenssicherung etc. besser vermitteln als Frau Merkel? Wer wäre weltweit angesehener hinsichtlich Ausgleich und Friedensliebe? Mir fällt niemand ein.

Dr. Werner Schulenburg, Hamburg

Nicht genug Abstand zu Autos

23. September: „So soll Hamburgs ,Straße der Zukunft‘ aussehen. Umgestaltung der Königstraße beginnt am Montag. 47 Bäume werden gepflanzt, zwei Fahrradstreifen fallen weg“

Und wieder verläuft der Fahrradstreifen direkt neben den Autofahrbahnen. Da zwei Fahrbahnen wegfallen sollen beziehungsweise müssen, werden Autofahrende den Fahrradstreifen zum Halten, Überholen usw. nutzen. Auf diese Weise kann auch nie genügend Abstand gewahrt bleiben. Das sind leidvolle Erfahrungen einer Radfahrerin auf Hamburgs Radfahrwegen. Fußweg, Radweg, Grünstreifen, Autofahrstraße – so sollte es sein.

Gertrud Wellmann-Hofmeier, Hamburg

Kein Verständnis

20. September: „Weltraumtouristen nach drei Tagen sicher gelandet“

Es ist nicht zu glauben: Da sind Menschen so unendlich vermögend, so reich, dass sie aus Spaß ins Weltall fliegen, um bei drei Umrundungen der Erde diese von oben zu betrachten. Und unten auf der Erde diskutieren die Menschen, wie sie den Klimawandel in den Griff bekommen, wie sie weniger CO2 ausstoßen, wie sie die katastrophalen Auswirkungen des Wandels verhindern können. Ist einmal über den viel diskutierten „Ökologischen Fußabdruck“ dieses Fluges gesprochen worden? Da wünsche ich mir als Leser auch mal eine kritische Berichterstattung über solche Unternehmungen. Denn wenn die Quintessenz dieses Wahnsinns lautet: „Jetzt geht der Weltraumtourismus erst richtig los“, dann weiß ich nicht, wie ich das meinen Kindern, die in dieser Welt überleben müssen, erklären soll.

Torsten Koschützke, Hamburg

Jeder stichelt so gut er kann

21. September: Entscheider treffen Haider – heute mit Christian Lindner, dem Spitzenkandidaten der FDP für die Bundestagswahl „,Ich habe mit Herrn Scholz persönlich ein gutes Verhältnis, aber …‘“

Ein sympathischer Zug und ganz im Einklang mit den heutigen Freiheiten, sich so offen zu outen! Überraschend ist es dennoch, zumal angereichert durch die Erkenntnis, Olaf Scholz sei nicht der neue Helmut Schmidt. Das wiederum legt die Frage nahe, ob Christian Lindner einer der großen FDP-Politiker von Theodor Heuß über Hildegard Hamm-Brücher bis Hans-Dietrich Genscher ist. Das Beste wäre, Lindner beantwortete die Frage selbst. Der Wahlkampf 2021 treibt absurde Blüten, und jede/r ambitionierte Politiker/in witzelt, stichelt und prügelt, so gut er bzw. sie kann. Die parlamentarische Demokratie ist wohl die menschenfreundlichste Staatsform seit einiger Zeit. Sie macht es den wählenden Bürgern und Bürgerinnen aber zunehmend schwer, sich in den Wortverhauen zu orientieren. Möge sie uns erhalten bleiben, jene Staatsform! Mit Pressefreiheit, unabhängiger Justiz sowie frei gewählter Regierungsmannschaft. Das Wort „Frauenschaft“ kommt mir als Angehörigem des Jahrgangs 1925 nur schwer aus der Feder.

Gerhard Nöthlich, Hamburg

Wer soll das bezahlen?

21. September: „Wie kostspielig wird Wohnen noch? Bis 2045 sollen Gebäude in Deutschland klimaneutral sein. Was das für Eigentümer und Mieter bedeutet“

Die Stunde der Wahrheit ist gekommen, auch für Hamburger Eigentümer und Mieter, Stadt und Staat. Überträgt man die Zahlen von Schleswig-Holstein mit ca. anderthalb Millionen Wohnungen auf Hamburg mit knapp einer Million Wohnungen, dann werden in Hamburg 100 Milliarden Euro für die klimagerechte Sanierung aller Wohnungen benötigt. 100.000 Euro pro Wohnung, was etwas hoch erscheint, aber Kostensteigerungen bei selbst genutzten und Mietwohnungen von mehreren Euro pro Quadratmeter monatlich sind vorprogrammiert. Das alte Lied: „Wer soll das bezahlen?“ Jetzt rächt sich der mit 40 Quadratmeter durchschnittlich relativ hohe Wohnflächenkonsum. Und wie viele Bauarbeiter werden dafür in Hamburg benötigt? Wenn es in Schleswig-Holstein rechnerisch 33.000 sind, dürften es in Hamburg 22.000 sein. Das ginge zu Lasten des (ohnehin kaum bezahlbaren) Wohnungsneubaus, der dann nicht mehr im vorgesehen Umfang möglich wäre. Die Zukunft des Wohnungsbaus liegt im Wohnungsbestand.

Helgo Klatt, Hamburg

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