Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. September 2021

| Lesedauer: 7 Minuten

Nach der Wahl neu aufstellen

18./19. September: „Merkels Werk und Laschets Beitrag. Die drohende Wahlniederlage der Union gründet nicht nur auf Fehlern im Wahlkampf, sondern auf den Schwächen der Kanzlerin

„Die spannende Frage lautet, was für die Union langfristig besser ist“, fragt Matthias Iken am Ende seiner Kritik (also weiter Mitregieren, oder Opposition). Ein Wahlergebnis ist sowohl ein „Zeugnis“ für die letzte Legislaturperiode als auch Ausdruck dessen, was dem Wähler und der Wählerin für die Zukunft wichtig ist. Markus Söders Aussage „auf Opposition habe ich keinen Bock“ spricht Bände, spiegelt es doch lediglich den Willen wider, an der Macht zu bleiben. Große und komplexe Probleme warten seit vielen Jahren darauf, angegangen zu werden: Das Gesundheitssystem ist (zu) teuer und kompliziert, die Bundeswehr hat viel untaugliches Gerät, Bildung funktioniert auf vielen Wegen (gut!), das System müsste insgesamt aber deutlich gestrafft werden, Harmonisierung der Altersbezüge (Rente/Pensionen), der ÖPNV, ein kompliziertes Steuersystem. Politik soll doch möglichst vielen Menschen dienen, nicht nur einigen. Die Demokratie lebt auch vom Wechsel. Insofern wünsche ich der Union, sich personell, aber vor allem inhaltlich, in der Opposition neu aufzustellen.

Ralph Siebert

Union: Nicht zeitgemäß

Dem interessanten Beitrag zum Niedergang der Union fehlt meines Erachtens der Hinweis auf unzeitgemäße Wahlkampfschwerpunkte der Union. Neben der erwähnten Beschäftigung mit sich selbst, ist die Unionspolitik nur wenig auf der Höhe der Zeit. Das Politikgeschehen der letzten Legislaturperioden mit Unionsbeteiligung hat zu zögerlich zu Problemlösungen beigetragen. So traut eine Mehrheit der Wähler der Union nicht zu, mehr für soziale Gerechtigkeit, Klima- und Umweltschutz sowie Steuergerechtigkeit einiger der umsatzstärksten Unternehmen zu tun.

Heinz-Jürgen Pape

Wunderbare Erinnerung

18./19. September: „Neue Pläne für einen alten Platz. Der Gänsemarkt bietet nicht nur attraktive Geschäfte, sondern auch viele Chancen. Eine will nun der Investor Signa nutzen – mit dem Bau der Höfe“

Dem Autor des Artikels ein großes Dankeschön für diese Betrachtung des Gänsemarkts. In der Tat gibt es keinen anderen Platz in Hamburg, der in wenigen Jahrzehnten sein Aussehen mehrfach so stark verändert hat. Eine weitere Passage, die den Gänsemarkt mit der Poststraße verband und kleinere Geschäfte und einen gut frequentierten Weinstand beheimatete, ist schon länger geschlossen. Was ich jedoch vermisst habe, ist die Erwähnung, dass exakt an der Stelle, an der die neue Gänsemarkt-Passage entstehen soll, sich bis in die sechziger Jahre die Geschäftsstelle des Hamburger Abendblattes befand. An die habe ich eine besondere Erinnerung, denn das Abendblatt verteilte in der Nacht zum Nikolaus in der Stadt grüne Filzpantoffel in Telefonzellen, auf Gartenzäunen und an Straßenbahnhaltestellen. Der Finder konnte sich dann am Gänsemarkt zwei Pakete mit Lebensmitteln, Süßigkeiten und Weihnachtsartikeln abholen. Ein Paket für sich selbst und ein Paket, das in Altenheimen oder Krankenhäusern abgegeben werden musste. Und so fuhr ich nachts ab halb vier mit dem Fahrrad und bewaffnet mit einer Taschenlampe durch meinen Stadtteil und wurde immer fündig. Eine wunderbare Kindheitserinnerung – dank des Abendblattes.

Bernd Glodek

Das Projekt ist gescheitert

17. September: „E-Scooter: mehr Kontrollen, mehr Bußgelder“

Das Bild mit den wild abgestellten Rollern sagt alles! Und so sieht es nicht nur in der sogenannten „inneren Stadt“ aus, sondern auch in den Außenbezirken! Überall stehen und liegen diese Spaßmobile im Weg, inzwischen ergänzt um die E-Roller und die roten Uber-Fahrräder. Abgesehen von der Hirnlosigkeit und Rücksichtslosigkeit der Nutzer sieht das Stadtbild noch grauenhafter aus, als vor der Einführung. Und wie sich die „schönste Stadt der Welt“ präsentiert, zeigt exemplarisch Ihr Foto. Der Trümmerhaufen von E-Scootern im Vordergrund findet seine Ergänzung in den restlos beschmierten Wänden im Hintergrund. Soll das der Bürgerwille sein? Da habe ich erhebliche Zweifel und frage mich, warum der Herr Tjarks nicht die Größe hat und erklärt, dass das Projekt gescheitert ist. Die „letzte Meile“ wird mit diesem System garantiert nicht zurückgelegt. Übrigens könnte man diese zur Stärkung der Gesundheit auch zu Fuß zurücklegen. Das würde auch den zumeist jungen Nutzern gut tun und uns vor diesem Irrsinn bewahren.

Walter Ruhse

Rückgabestationen einrichten

Die Betreiber der E-Scooter-Verleihbetriebe müssten gezwungen werden, über die Stadt verteilt Rückgabestationen einzurichten. E-Scooter, die einfach auf Gehwege geworfen werden, müssten von der Ordnungsbehörde eingesammelt, sichergestellt oder gegen eine saftige Gebühr für die Verleiher entsorgt werden. Es stünde den Verleihern frei, diese Gebühr von den dreisten Entleihern zurückzufordern!

Peter Kröncke

Ist das soziale Gerechtigkeit?

17. September: „Aus für Pella Sietas: Mitarbeiter unter Schock. Insolvenzverwalter bereitet Kündigungen zum Monatsende vor. Kurzfristig keine Investoren für Hamburger Werft“

Ein Stück Hamburger Wirtschaftsgeschichte, deren Mitarbeiter selbst mit Lohnverzicht alles für den Erhalt „Ihrer“ Werft gegeben haben und nun vor dem Nichts stehen, geht ins endgültige Aus... Und der Hamburger Senat schaut schweigend zu. Ein Hamburger Sportclub ruft um finanzielle Hilfe wegen der Pandemie, obwohl doch die Probleme auf schlechten Leistungen und Millionen schweren Gehältern der Mitarbeiter beruhen, die nicht einen Euro Lohnverzicht geleistet haben… Und der Hamburger Senat überweist mal eben zehn Millionen Euro! Ist das die soziale Gerechtigkeit der SPD, Herr Tschentscher, die auch Ihr Parteikollege und Kanzlerkandidat Olaf Scholz lauthals im Wahlkampf verkündet? Meine Stimme bekommt die SPD nicht!

Jürgen Kehrmann

Behörde trägt Mitschuld

Was verschwiegen wird ist, dass die Hamburg Port Authority (HPA) und die Wirtschafts- und Umweltbehörde durch die Verhinderung von Bagger- und Spülarbeiten aktiv zur Vernichtung der wirtschaftlichen Basis der Werft beigetragen haben. Wenn mehrere Monate aufgrund fehlender Wassertiefe ein Schwimmbagger nicht abgeliefert werden kann, ist das nicht nur ein Schildbürgerstreich erster Güte, sondern auch ein enormer wirtschaftlicher Schaden für die Werft sowie ein Prestigeverlust des Werftstandorts! Zu guter Letzt setzt die städtische Hadag mit einem zumindest fragwürdigen Ausschreibungsverfahren noch einen drauf! Davon betroffen war auch noch eines der wenigen in Hamburg verbliebenen High-Tech-Unternehmen in Harburg, das sich aktiv um die Entwicklung alternativer umweltfreundlicher Antriebstechnik verdient macht! Es ist einfach, durch Nichtstun oder fragwürdige Maßnahmen Industriebetriebe zu vernichten. Doch es ist die Industrie, die technische Lösungen zur Reduzierung von Umweltschäden entwickelt und baut. Ein Betrieb, der z.B. emissionsarme Schiffe (einschl. Fähren) oder Offshore-Wind- oder Wasserturbinen-Anlagen entwickeln und bauen könnte, befindet sich jetzt in der Abwicklung. Aber nicht nur die Werft ist von den nicht durchgeführten Baggerarbeiten betroffen, sondern unmittelbar auch der Sturmflutschutz. Aber nach einem Versagen des Sperrwerks kann unser HPA-Chef mit seinen Drohnen schöne Aufnahmen von überschwemmten Dörfern machen und mit seinem HSV ein Benefiz-Spiel für die Sturmflutopfer im Süderelberaum organisieren!

Peter Schwarzwälder

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