Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. August 2021

| Lesedauer: 7 Minuten

Ein Fall mit Bauernopfer

27. August: „Rolling-Stones-Affäre: Spitzenbeamtin verurteilt. Die ehemalige designierte Bezirksamtschefin Yvonne Nische hatte zwei Freikarten angenommen – 13.800 Euro Strafe“

Das Prinzip in diesem Fall setzt sich fort. Das zweite „Bauernopfer“ wurde zu einer abenteuerlichen Strafe verurteilt, während für den Hauptbeschuldigten Rösler immer noch kein Termin in Sicht ist. Mögliche entlastende, aber auf jeden Fall ergänzende Fakten können so natürlich nicht in Urteile einfließen. Das gilt auch für bislang nicht erhobene Aussagen und eine noch zu klärende Verantwortlichkeit des seinerzeit zuständigen Finanzsenators, heute in anderer Funktion tätig. Mal sehen, ob sich da vor der Berufungsverhandlung oder weiterer Urteile noch Entscheidendes tut.

Holger Schütz

Das würde mich interessieren

26. August: „Merkels Versagen. Der gescheiterte Afghanistan-Einsatz ist die zweite große Fehlleistung der Kanzlerin“

„Merkels Versagen“ – das sagt sich so leicht dahin. Es ist natürlich unbestritten, dass der Afghanistan-Einsatz ein einziger Fehlschlag war mit all den furchtbaren Konsequenzen, die ich hier nicht weiter beschreiben muss. Aber was mir in diesem Bericht fehlt, ist eine Betrachtung unter Berücksichtigung des Bündnisfalls. Wäre denn überhaupt eine deutsche Regierung – unabhängig von ihrer parteipolitischen Zusammensetzung – berechtigt gewesen, sich einer vorgeschriebenen Beistandsverpflichtung auf der Grundlage des EU-Vertrags zu entziehen? Das würde mich sehr interessieren. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Ihre Redaktion eine Ergänzung zu Ihrem Bericht schreiben würde um diese Frage zu erläutern.

Ekkehard Below

Wichtig: Bildung und Wissen

25. August: „Eine Frage des Respekts. Der Angriff auf den Polizisten durch Schüler ist ein Warnzeichen für die Gesellschaft“

Da ist wieder die Frage: Was haben wir bloß als Gesellschaft falsch gemacht? Eine vermeintliche Antwort ist recht plausibel: Wir haben die Gewaltbereitschaft unserer – nicht strafmündigen – Kinder seit vielen Jahren unterschätzt. Im Internet haben sie freien Zugang zu Filmen und Spielen in denen Gewalt eine große Rolle spielt. Nur wir haben die Zeichen der Zeit ignoriert. 2010 schrieb die Berliner Jugendrichterin Kerstin Heisig das Buch: „Das Ende der Geduld“. Frau Heisig ist aus unbekannten Gründen ums Leben gekommen. Das Buch ist heute aktueller denn je. Wir müssen uns von Kindern und Jugendlichen nicht „auf der Nase herumtanzen lassen“. Wir brauchen Gesetze, die solche Taten in Zukunft verhindern können. Und muss das Jugendstrafgesetz nicht in seiner heutigen Form vielleicht um ein Kinderstrafgesetz ergänzt werden? Das ist natürlich heftig, aber es könnte eventuell spätere kriminelle Laufbahnen vereiteln. Als wesentlicher Punkt muss jedoch auch erwähnt werden, dass unsere Bildungspolitik in den letzten Jahrzehnten als beschämend bezeichnet werden muss. Lesen, rechnen, schreiben können die wenigsten Kinder und Jugendlichen von heute „gut“ oder „sehr gut“, es sei denn sie kommen aus privilegierten Verhältnissen. Es bleibt, endlich in Bildung und Wissen zu investieren.

Axel Pabst

Die Ursache dieses Dilemmas

24. August: „Immer wieder Staus: Die Wahrheit über Hamburgs Baustellen. Nur an zwei von 715 Orten wird im Mehrschichtbetrieb gearbeitet. CDU klagt Senat an. Dieser verweist auf Lärmschutz“

In Ihren Berichten über die „Bummelbaustellen“ in Hamburg, wird fortlaufend auf Auswirkungen für den Verkehr hingewiesen, kaum über die Beeinträchtigungen für die Anwohner. Ein Beispiel von vielen: Fuhlsbütteler Damm, 350 Meter lang, neue Veloroute, ein kleiner Kreisel und neue Fahrbahndecke: Seit 14 Monaten für die Anwohner Lärm, Dreck und erschwerter Zugang. Warum braucht man in Hamburg für eine lächerliche Strecke von 350 Metern 14 Monate? So etwas kann und muss in drei Monaten fertiggestellt werden. Aber kein Wunder: tage- und wochenlang keine Bautätigkeiten und wenn, dann mit zwei max. vier Leuten und um 16 Uhr ist Feierabend! Der Hinweis des Senators auf Lärmbelästigung ist eine Frechheit: warum kann nicht von acht bis 20 Uhr gearbeitet werden, ohne jemanden zu stören? Und wenn schon so bummelig wegen angeblich fehlender Baukapazitäten gearbeitet wird, wäre es dann nicht sinnvoller, halb so viele Baustellen einzurichten, dann aber doppelt so schnell zu arbeiten? Das Endergebnis wäre das gleiche, aber mit deutlich weniger Staus und Belästigungen! Nein, die einzige Ursache für dieses jahrelange Dilemma ist die Unfähigkeit des Bausenates und den angeschlossenen Baubehörden, mit einem zeitgerechten Baumanagement die Baustellen zügig zu vollenden. Was sagen die beteiligten Baufirmen dazu, dass es so skandalös langsam in Hamburg zugeht?

Volker Kamm

Eine Unverfrorenheit ist das

26. August: Leserbrief: „Was für eine Doppelmoral“

Dieser Leserbrief spricht mir aus der Seele. Die Masse und Kleinteiligkeit des Nonfood-Angebotes von Tchibo führt die Aussage „aus Sorge ums Klima“ ad absurdum. Auch mich macht die Unverfrorenheit des Konzerns sprachlos, einerseits zum Zwecke der Gewinnmaximierung das Klima, die Umwelt und Menschen in den Produktionsketten auszubeuten und sich andererseits als Klimaretter zu inszenieren – das ist einfach nur unverschämt und zeigt mir, für wie einfältig und manipulierbar Tchibo seine Kunden hält.

Christine Albert-Keuter

Keine Zweiklassengesellschaft

26. August: „Gastronomen und Sportclubs sagen Nein: Scheitert Hamburgs 2G-Plan?“

Ich appelliere an alle Beteiligten: Fördern sie nicht eine Zweiklassengesellschaft der „Guten“ (Geimpften) und der „Bösen“ (Ungeimpften)! Respektieren sie die Bedenken, Ängste und Entscheidungen derjenigen Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen. Es ist deren Recht dies zu entscheiden. Es wird seit fast zwei Jahren geschworen, dass es in Deutschland keine Impfpflicht geben wird! Wer hat mindestens ca. 480 Euro monatlich, um sich täglich testen zu lassen? Stecken sie diese Menschen nicht in die Schublade der „Coronaleugner“, „Impfverweigerer“ und andere ähnlich negativen Begriffe. Nehmen sie den Menschen, die sich aus eigener Überzeugung nicht impfen lassen wollen, nicht die Lebensgrundlage und den sozialen Umhang in Freizeit und Kultur.

Júlia Rademacher da Costa Cabral

Freiheit = Egoismus?

Die 2G-Option, die der Hamburger Senat beschlossen hat, ist eine gute Sache, aber sie kommt zu früh. Realistisch gesehen hatten alle Menschen, die sich impfen lassen wollen und keiner Prioritätsgruppe angehören im Juli die Gelegenheit, problemlos einen Impftermin zu bekommen. Sie haben damit erst im Laufe des September den vollen Impfschutz und das entsprechende Zertifikat. Gegenüber all diesen Menschen wäre es unfair, sie schon im September von Veranstaltungen etc. auszuschließen. Ab Oktober sollte dann aber die 2G-Option breit eingesetzt werden. Impfverweigerer und Impfverweigerinnen skandieren „Freiheit“, aber sie meinen „Egoismus“. Freiheit beinhaltet immer und vor allem auch die Verantwortung für die Freiheit aller anderen Menschen. Wer sich nicht impfen lässt, entzieht sich dieser Verantwortung und es ist nicht akzeptabel, dass durch die Verweigerung einer kleinen Gruppe die Einschränkungen für die gesamte Gesellschaft länger als unbedingt nötig aufrechterhalten werden. „Geimpft sein“ sollte als soziale Norm angesehen werden. Wer sich dieser Norm widersetzt, handelt unsozial und muss die Konsequenzen, wie z.B. teilweiser Ausschluss vom öffentlichen Leben tragen.

Peter Neitzel

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