Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. August 2021

| Lesedauer: 7 Minuten

Schule auch für Täter

23. August: „Nach Angriff auf Polizisten: Was tun mit strafunmündigen Tätern? Beamter von Jugendlichen neben Hamburger Schule attackiert. Politiker fordern Aufklärung und Konsequenzen“

Mit großem Interesse habe ich die Berichterstattung zum Vorfall im Zusammenhang mit der Ida-Ehre-Stadtteilschule gelesen. Die politische Diskussion darüber macht mich nachdenklich. Wie kommt die familienpolitische Sprecherin der CDU, Frau Seif, zu der Aussage: „Es kann nicht sein, dass ein bereits als Intensivtäter geltender Jugendlicher immer noch Zugang zur Schule bekommen konnte.“ Alle Kinder und Jugendlichen haben ein Recht auf Bildung. Soll nach Ansicht der CDU straffälligen jungen Menschen dieser Zugang verwehrt werden? Die Tat gegen den Polizeibeamten ist zu verurteilen und nach den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu sanktionieren. Wir haben vielfältige Möglichkeiten im Jugend- und Familienrecht. Diese gilt es zu nutzen. Aber bitte keinen Ausschluss aus dem Bildungssystem.

Susanne Kleinschmidt

Schuldige suchen, reicht nicht

Eltern sind für das Verhalten ihrer Kinder verantwortlich. Manche sind keine Vorbilder oder nicht in der Lage, ihre Kinder zu erziehen. Sie brauchen rechtzeitig Hilfe. Wenn Heranwachsende jedoch nicht mehr erreichbar sind, sie die Regeln des Miteinander nicht gelernt haben oder diese bewusst missachten, reicht es nicht, dass wir das Kind im Brunnen betrauern oder Schuldige suchen. Für diese Kinder, die ja nicht der „Normalfall“ sind, braucht es Einrichtungen, die diese erst dann wieder verlassen, wenn sie das gelernt haben, was sie zum Leben mit anderen brauchen – Achtung, Empathie und Frust-Toleranz. Karin Brose

Spannender Suchprozess

21./22. August: „Wie nachhaltig ist Hamburg?“

Bereits vor 50 Jahren analysierte das Abendblatt, wie es um Hamburgs Natur und Umwelt stand. Nur hieß die Serie damals „Wie krank ist Hamburg?“. Die schleichende Vergiftung des Menschen wurde damals als „Hauptgefahr der Umwelt-Krise“ bezeichnet. Die ZEIT setzte noch einen drauf und ordnete wie in einem Anatomieatlas den menschlichen Organen chemische Substanzen direkt zu. Stillende Mütter sorgten sich 1971 wegen der entdeckten chemischen Rückständen in der Muttermilch. Mit den Erfolgen im Umweltschutz und der Bestätigung der Treibhausthese verlagerte sich die Debatte seit den 1980er-Jahren auf den Schutz des Weltklimas. Die Serien sollte nicht nur die üblichen Verdächtigen interviewen und fünf Jahre zurückblicken. Nur wenn wir uns Hamburgs Geschichte neu erzählen, können wir in den entscheidenden nächsten zehn Jahren in einem spannenden gesellschaftlichen Suchprozess nach echter Nachhaltigkeit einen Zahn zulegen.

Kai Hünemörder

Roller in Gewahrsam nehmen

21./22. August: „Mit dem Roller rettet man das Klima nicht. Verkehrswende verkehrt: Fußgänger steigen auf E-Scooter um – und erhöhen den CO2-Ausstoß. Die Stadt subventioniert’s“

Der Kommentar von Matthias Iken bringt es auf den Punkt: E-Scooter sind gefährlich und ökologisch schädlich. Sie machen die innere Stadt für Fußgänger unwirtlich, weil sie überall rumstehen, den Weg versperren und Stolperfallen sind. Durch die Leih-Motorroller ist die Situation zusätzlich verschlimmert. Die Einwohnerzahl in Hamburg wächst, damit auch die Zahl der Pkw und der Fahrräder. Es ist vernünftig, den begrenzten Straßenraum zugunsten der Fahrräder umzuverteilen. Es ist aber eine Dummheit, dann zusätzliche Verkehrsträger zuzulassen. Leih-Scooter und Leih-Roller sind ein Irrweg, der schleunigst beendet werden muss, wenn auch die Rechte von Fußgängern auf einen gefahrlosen Weg respektiert werden. Hohe Nutzungsgebühren und strikte Auflagen können die Zahl der E-Scooter schnell verringern. Im Übrigen: Wenn ein Pkw falsch abgestellt wird, kann er von der Polizei in „Gewahrsam“ genommen werden. Das klingt fürsorglich, ist aber ein sehr teures Vergnügen, weil Abtransport und Lagerung bezahlt werden müssen. Für die Kosten haftet der Halter. Wenn der Senat das auch bei den E-Scootern einführen würde, gäbe es ein schnelles Aus für diesen verkehrspolitischen Unsinn, weil die Verleiher das erhöhte Risiko nicht eingehen werden. Für mich als Fußgänger und Radfahrer wäre das wunderbar.

Leonhard Hajen

Spielzeug für Erwachsene

Mit den E-Rollern, dem „Spielzeug“ für Erwachsene, ist es ähnlich wie mit dem Spielzeug bei den Kleinen. Die meiste Zeit steht es nutzlos rum oder liegt im Weg, ist eine Stolperfalle und geht schnell kaputt. Außerdem gibt es zu viel davon…

Erika Beilfuß

Entwicklungshilfe überdenken

21./22. August: „,Es gibt gewaltig viele Hilferufe‘. Entwicklungsminister Gerd Müller zeigt sich schockiert über die Lage in Afghanistan“

Der Entwicklungsminister Müller, genauer Minister für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit, sieht seit Jahren seine Aufgabe als Flüchtlingsminister. Flüchtlingshilfe beginnt in vielen Fällen dann, wenn Entwicklungshilfe fehlgeschlagen ist, wie in Afghanistan, wo Deutschland seit 1967 Entwicklungshilfe leistet. Außer der Mehrung von schutzbedürftigen Ortskräften hat die deutsche Entwicklungshilfe dort nicht sehr viel zustande gebracht. Und ganz grundsätzlich: Richtige Entwicklungshelfer und deren Ortskräfte werden von Aufständischen nicht nur respektiert, sondern auch geschätzt. Es ist an der Zeit, letztendlich Dank Herrn Müller, dem bisher wohl erfolglosesten, weil im falschen Bereich tätigen Entwicklungsminister, die Entwicklungshilfe zu überdenken. Ganz besonders vor der nicht nachvollziehbaren Zukunft des Herrn Müller, der demnächst die Geschicke der UNIDO (United Nations Industrial Development Organisation) leiten soll.

Hans-Peter Hansen

(34 Jahre Entwicklungshilfe, weltweit)

Die Verkleidung war peinlich

23. August: „King of the Court ist kein Königsweg. Premiere des neuen Beachvolleyball-Formats stößt auf geteilte Meinungen“

Das Beachvolleyball-Turnier am Wochenende haben wir mit viel Spaß und großem Respekt vor den Leistungen der Teilnehmer:innen erlebt. Danke für den differenzierten Artikel heute im Abendblatt dazu. Noch besser wäre er gewesen, wenn ihr den kulturellen Hintergrund ein wenig beleuchtet hättet. Ob man in der stolzen Stadtrepublik Hamburg Kings und Queens braucht, ist stark zu bezweifeln. Warum Frauen in einem Kings-Turnier starten sollen, versteht man nicht. Und die Verkleidung mit Krone und Mantel war nur peinlich. Das hätte man den Siegerinnen und Siegern nicht antun sollen.

Margret Beck

Schlagworte ohne Wirkung

21./22. August: „Rot-Grün am Rande der Klimakatastrophe“

Wenn ein Politiker das modernste Steinkohlekraftwerk Europas (Moorburg) stilllegt, um dafür in NRW alte Braunkohlekraftwerke laufen zu lassen, trägt das zu einer erheblich verstärkten Umweltbelastung bei. Des weiteren hat der Senator verhindert, dass das alte Fernwärmekraftwerk Wedel stillgelegt werden kann, ohne rechtzeitig für Ersatz zu sorgen. Mit Moorburg wäre auch dieses Problem schneller lösbar gewesen. Energie- und umweltpolitisch ein einziges Desaster. Auch Politiker sollten über den Tellerrand schauen. Was vom Umweltsenator an Maßnahmen vorgeschlagen wird, sind nur Schlagworte, die konkret nichts bewirken.

Werner Berndt

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