Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. August 2021

| Lesedauer: 8 Minuten

Hahnöfersand ist keine Lösung

21./22. August: „Vor Ida Ehre Schule: Hamburger Kinder schlagen Polizisten nieder

Es ist offenkundig, dass in den Familien dieser Teenager zwar das Elternrecht zur Erziehung verortet ist, diese wichtige Aufgabe aber nicht umgesetzt wird. Im Interesse der Kinder muss deshalb nach einer anderen Lösung gesucht werden. Zurzeit wartet man ab, bis die jungen Männer die Strafmündigkeit erreicht haben, um sie dann wegzusperren. Das wirkt ein wenig hilflos. Ich trete dafür ein, dass die Rechte von Kindern endlich im Grundgesetz verankert werden. Dies impliziert auch, dass Kinder ein Recht auf Erziehung haben. Wenn Eltern dazu nicht in der Lage sind, ihre Pflichten verantwortungsbewusst umzusetzen, dann muss der Staat sich darum kümmern, damit diese Kinder nicht zu den künftigen Verlierern unserer Gesellschaft werden. Elternrechte implizieren auch Elternpflichten. Das sind wir unseren Kindern schuldig. Hahnöfersand kann nur die schlechteste aller Lösungen sein.

Christiane Dornecker

Schulen besser ausstatten

Als ich einmal zusammen mit meiner besten Freundin, im kindlichen Übermut über die „Festwiese“ unserer Grundschule lief, mussten wir zur Strafe die Schulordnung drei Mal abschreiben. Weder wir Mädchen, noch unsere Eltern hätten dieses Vorgehen in Frage gestellt. Bei einer solchen feigen Aktion (alle gegen Einen) hätten wir uns gar nicht erst nach Hause getraut, weil ein riesen Donnerwetter auf uns gewartet hätte. Stattet doch bitte unsere Schulen, Jugendämter, Gerichte etc. so aus, dass dort gut gearbeitet werden kann. Eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft. Wichtiger als die U 5.

Anja Maselkowski

Klimaneutral ist das nicht

21./22. August: „Kritik an E-Scootern wächst – Behörde will strengere Regeln. Inzwischen sind 9000 Roller auf Hamburgs Straßen unterwegs“

Endlich schreibt mal jemand die Wahrheit zur Elektromobilität. Diese Antriebsform ist wichtig und richtig, aber hören wir auf, so zu tun, als sei dies klimaneutral und wie das Fahrrad und der ÖPNV zu bewerten. Die Stadt fördert die E-Scooter oder auch die Carsharing-Flotten ganz im Sinne der Industrie. Die Nutzer haben mehrheitlich vorher Fahrrad oder ÖPNV genutzt. Die Verantwortlichen der Stadt glauben, dass viele Menschen in Zukunft auf den ÖPNV umsteigen, Carsharing-Angebote oder andere Elektromobilität wie E-Scooter nutzen. Die meisten werden aber in ihren neuen vom Staat subventionierten E-Autos jetzt mit gutem Umweltgewissen die Stadt vollparken. Freuen wird sich die Automobilindustrie, denen wir einen neuen Absatzmarkt bescheren und sie dabei finanziell unterstützen.

Ulrich Freiberg

Froh über die U-Bahn

20. August: „Die U 5 – ein Wagnis. Die geplante Hamburger Superbahn bietet viele Chancen, aber ebenso viele Risiken“

Ich wohne seit 1958 in Hamburg, habe den U-Bahnbau nach Kriegsende verfolgen können und freue mich, dass der Senat und die Bürgerschaft Neubauten der U-Bahn in fast alle Himmelsrichtungen ermöglicht haben. Damals sind sämtliche Strecken in „offener Bauweise“ erstellt worden, ausgenommen die Innenstadtlinie vom Berliner Tor über Hbf-Nord Richtung Schlump und von der Steinstraße zum Hbf-Süd. Gleichzeitig mit dem U-Bahnbau Richtung Billstedt wurde auch der Wallringtunnel in offener Bauweise gebaut. Obwohl auch damals der Straßenverkehr und der Publikumsverkehr für die anliegenden Geschäfte stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist man heute froh, die U-Bahn zu haben. Wenn man Hoheluft mit dem Bau der Stationen beginnt, wird im Osten schon die U5 rollen – es wird also nicht in ganz Hamburg gleichzeitig gebaut.

Wolfgang Alps

Irrsinniges Projekt

Das Projekt der U 5 ist doch der reine Irrsinn. Man kann es drehen wie man will, der U-Bahn-Bau ist zu teuer, und die Bauzeiten sind zu lang. Aber leider hält der Senat ja stur an dem Projekt fest. Mir ist auch ein Rätsel, wie das alles finanziert werden soll. Hamburg und der Bund sind doch praktisch pleite. Der Senat sollte einmal über seinen Tellerrand gucken, zum Beispiel nach Paris. Was hat die Stadt für ein U-Bahnnetz, trotzdem wurde die Straßenbahn in den 90-Jahren wieder eingeführt. Zurzeit 11 Linien. Das geht in Hamburg natürlich überhaupt nicht. Man will ja dem Autofahrer nicht weh tun. Es wird zwar immer geredet über weniger Autoverkehr, aber im Grunde ist das alles nur Geschwätz. Am meisten muss ich lachen, wenn unser Bürgermeister von einer Verkehrswende spricht. Ich kann mit dem besten Willen keine Verkehrswende erkennen. Die Verkehrspolitik in Hamburg ist doch eine reine Katastrophe. Ich bin mal gespannt, wie die Entwicklung weiter geht.

Heinz Goecke

Verstoß gegen Grundgesetz

19. August: „Zutritt nur für Geimpfte & Genesene: Aufregung um Hamburgs 2G-Pläne“

Die Deutschen haben offensichtlich doch nichts aus der Geschichte gelernt. Zu dieser Auffassung muss man kommen, wenn man sich das schockierende Ergebnis der Umfrage des Tages vom Donnerstag anschaut: Mehr als 80 Prozent der Befragten sind also dafür, eine bestimmte Bevölkerungsgruppe vom gesellschaftlichen Leben teilweise auszuschließen. Unglaublich! Hatten wir so etwas nicht schon mal in vergangener dunkler Zeit? Wenn so eine 2G-Regel tatsächlich politisch angeordnet würde, hätte sie vor keinem Verwaltungsgericht Bestand, denn sie verstößt eindeutig gegen die Verfassung und das Grundgesetz. Dort ist nichts davon zu finden, dass Grundrechte vom Impfstatus abhängig sind. Übrigens: Dies schreibt kein konsequenter Impfgegner, sondern jemand, der sich auch schon einmal gegen Corona hat impfen lassen.

Thomas Albrecht, Hamburg

Ein selbstbestimmtes Leben

Ich werde bald 84 Jahre alt und sehe angesichts der Corona-Impfmaßnahmen voller Sorge auf dieses Land und die Zukunft meiner Kinder und Kindeskinder. Mein Leben waren geprägt durch Krieg, Nachkriegszeit, Besatzung, Hunger und Tod, durch Wiederaufbau und schließlich eine Politik, die es ermöglichte, Feinde zu Freunden werden zu lassen und uns immer neue Zuversicht zu geben. Ich selbst habe sechs Wunschkinder geboren und sie mit meinem Mann ohne große Hilfe des Staates zu erwachsenen Menschen erzogen. Geleitet haben uns hierbei die zehn Gebote als Grundlage für ein gesundes Maß an Selbstachtung, Kritikfähigkeit und Eigenständigkeit. Ziel war ein mitdenkendes, mitfühlendes und hilfsbereites Handeln, die Achtung vor Mensch und Tier. Und jetzt? Jetzt ist das höchste Ziel eine „Herdenimmunität“. Sprache ist ja oft verräterisch und darum lege ich Einspruch ein! Wir sind immer noch Menschen! Und die Würde des Menschen ist unantastbar! Nicht die „Grippe-Corona“ macht mir Angst. Angst machen mir die Verordnungen. Diese Diktate bewirken so viele sorgenvolle Fragen: Darf ich meine Kinder und Enkelkinder sehen, darf ich morgen überhaupt noch aus dem Haus oder werde ich wie meine Altersgenossen in den Altenheimen eingesperrt? Jetzt gibt es einen Impfstoff, der allen die Möglichkeit gibt, die es wünschen, sich zu schützen, trotzdem werden weitere Einschränkungen durch den Staat vollzogen. Und von Tag zu Tag empfinde ich, dass die Grenze von Fürsorge zu Bevormundung durch den Staat immer weiter überschritten wird. Erzeugen wir nicht auf zwanghafte Weise Druck auf Menschen, die sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht impfen lassen wollen? Ich wünsche mir und meiner großen Familie ein selbstbestimmtes und freies Leben. Dabei kann und will ich Risiken selbst einschätzen und auch mit den Folgen leben dürfen. Ich werde mich nicht impfen lassen und möchte, dass diese Entscheidung respektiert wird.

Otthilde Hauer

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