Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. August 2021

| Lesedauer: 7 Minuten

Transport automatisieren

11. August: „Lokführer streiken – Was heute auf Hamburger Fahrgäste zukommt

Es zeugt schon von einer großen Instinktlosigkeit der Lokführer und ihrer Gewerkschaft GDL in diesen Zeiten der knappen öffentlichen Kassen, einen Streik auszurufen. Daraus spricht ein kindlicher Egoismus, dem die Solidarität mit den vielen vom Streik Betroffenen gleichgültig zu sein scheint. Die streikenden Lokführer dürfen sich nicht wundern, wenn sie sich auf der Beliebtheitsskala bei den Impfgegnern wiederfinden. Aber auch das Verkehrsministerium sieht diesem Treiben schon viel zu lange zu. Bevor ein Land immer wieder von dieser kleinen Gruppe von Bahnbediensteten vorgeführt wird, sollte endlich die Automatisierung auch dieses Transportmittels vorangetrieben werden.

Dr. Robert J. Degenhardt

Der Bürger spielt keine Rolle

Mir ist unerklärlich, wie 95 Prozent der Mitglieder das Spiel ihres Vorsitzenden mitmachen und in Pandemie-, Urlaubs- und Verkehrschaoszeiten einen Streik verursachen, der mal wieder die Allgemeinheit trifft. Aber der Normalbürger spielt ja schon lange keine Rolle mehr. Leider hat das Bundesverfassungsgericht einen Gesetzentwurf gekippt, der bei einem früheren, nach dem gleichen Schema abgelaufenen GDL-Streik derartige Machtspiele auf dem Rücken des Bürgers verhindern sollte. Aber das Austoben in Grundrechten zu Lasten Anderer ist zur Norm geworden. Die Nöte der Betroffenen spielen keine Rolle mehr.

Jürgen Schmidt

Nicht alle Wege sind befahrbar

10. August: „300 Kilometer Radschnellwege. Metropolregion Hamburg wird bundesweit Vorreiterin für die ,Fahrrad-Autobahnen‘. Jetzt stehen die genauen Routen fest“

Mir würde es als Radfahrer schon reichen, wenn bestehende „Fahrradautobahnen“, wie die zwischen Harburg und Hamburg durchgängig befahrbar bleiben und nicht wie geschehen, von 2019 bis 2021 für anderthalb Jahre zwischen Kornweide und Hauländer Weg gesperrt werden. Oder in der Zukunft für Jahre unterbrochen werden, wie abzusehen ist, wenn nach Rückbau der Wilhelmsburger Reichsstraße, auf dem Radschnellweg die neue Wilhelmsburger Mitte gebaut wird. In der Behörde gibt es hierzu jedenfalls noch keine Planung.

Werner Ornberger-Meukow

Lasst die Jugend mitgestalten

7./8. August: „Hamburger Kritiken: Jugend ohne Lobby. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wenig wert uns Kinder und Jugendliche sind“

Sie haben Recht, die Interessen junger Menschen spielen für politische Entscheidungen kaum eine Rolle. Das ist leider nicht erst seit der Corona-Pandemie der Fall. Aber in den letzten Monaten war es unübersehbar. Das was die Lebensphase Jugend ausmacht – der selbstbestimmte Kontakt zu Gleichaltrigen, das gemeinsame Reisen, das Testen von Grenzen, das Entwickeln der eigenen Persönlichkeit in einer Gruppe – all das wurde in der Pandemie mit einem Schlag unmöglich. Die Gründe dafür waren auch für junge Menschen nachvollziehbar und wurden mitgetragen. Das immer wiederkehrende Bild der unvernünftigen und sich den Regeln widersetzenden Jugendlichen trifft nicht die Realität. Umso schmerzlicher, dass es bis heute an dem Mindesten fehlt und es in Hamburg nach wie vor keine Möglichkeit dafür gibt, dass junge Menschen sich an der Gestaltung der Corona-Maßnahmen beteiligen können. Angesichts der Last, die sie zu tragen haben, ist das ein grober Fehler. Überraschend ist es nicht. Wir kennen es aus dem politischen Normalbetrieb, in dem die Beteiligung der Jugend zu oft nur eine leere Worthülse ist. Von der Senkung des Wahlalters in einigen Bundesländern einmal abgesehen, gibt es zu wenig festverankerte Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen. Und falls doch, orientieren diese sich zu selten an ihren spezifischen Bedürfnissen, sondern sind nur ein Abbild des Wunschdenkens der Politik. Und am Ende der abendlichen Jugendhilfeausschusssitzung wundern sich alle, warum wieder keine jungen Menschen teilgenommen haben und bestätigen sich darin, dass „die Jugendlichen“ wohl keine Lust auf Beteiligung haben. Nein, das stimmt so nicht. In Jugendverbänden, in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit oder auch in informelleren Gruppen wird Demokratie von jungen Menschen täglich gelebt. Wie auch in der Klimapolitik, ist es eine Frage des grundlegenden Wandels, den politische Entscheider*innen mutig gestalten sollten. Denn wer alles wie früher macht, verpennt die Zukunft. Junge Menschen, die genau diese Zukunft vor sich haben, sehen das ziemlich klar. Gemeinsam mit anderen Akteuren versuchen wir als Landesjugendring Hamburg diese Perspektive immer wieder sichtbar zu machen.

Fatih Ayanoglu, Vorsitzender des Landesjugendrings Hamburg

Moralisch nicht vertretbar

10. August: „Elf Millionen Euro für den Wasserfenchel“

Das ist moralisch nun wirklich nicht mehr zu vertreten: Täglich sterben Menschen auf unserer Erde, weil sie nichts zu essen haben, weil sie verdursten oder weil jegliche medizinische Versorgung fehlt. Kinder sterben in den Armen ihrer Eltern, die sie nicht ernähren können… Und wir im reichen Norden der Erdkugel geben mal eben elf Millionen Euro für die Neu-Ansiedlung einer bedrohten Wasserpflanze aus. Hier fehlt jedes Augenmaß! Das Geld wäre für die Unterstützung der arg gebeutelten Regionen der Erde deutlich besser angelegt.

Rüdiger Freygang

Pflanzung ohne Augenmaß

Mit der unglaublichen Summe von elf Millionen Euro wurde dem Wasserfenchel eine neue Heimat verschafft. Nach dem Abschalten von Moorburg liefert der Senat damit einen weiteren Beleg für eine ideologisch motivierte Politik, die jedes Augenmaß verloren hat. Naturkatastrophen sorgen für unendliches Leid und in Hamburg pflanzt man den Wasserfenchel symbolträchtig an. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass auch der eigentlich zu erwartende Beifall von Umweltschutzverbänden ausbleibt.

Wolfgang Heins

Die Grünen müssten es wissen

10. August: „Fegebank und Kerstan bestürzt über Klimaprognose“

Bestürzung hätte ich vielleicht bei der SPD und CDU erwartet (nein, nicht bei der AfD), aber bei den Grünen, die den Klimaschutz angeblich auf ihre Fahnen schreiben? Wie weit muss man von der Klimaforschung entfernt sein, um auf eine solche Veröffentlichung nun bestürzt zu reagieren?

Dietrich Härtl

Wir schweben in Lebensgefahr

10. August: „,Der Planet schwebt in Lebensgefahr‘. Der Weltklimarat schlägt Alarm“

Wann hören wir endlich auf, darüber zu klagen, dass unser Planet in Lebensgefahr ist? Das scheint doch schon in den letzten Dekaden niemanden ausreichend interessiert zu haben, um die Situation zu vermeiden, in der wir uns jetzt befinden. Und das kann nicht daran gelegen haben, dass es niemand wusste oder kommen sah. Unser Planet wird es überleben. Die Menschheit ist es, die in Lebensgefahr schwebt. Wenn wir endlich davon sprechen, dass es uns Menschen an den Kragen geht, weil wir uns systematisch unsere Lebensgrundlage zerstören, hören vielleicht auch die endlich zu, die bisher nur darüber geklagt haben, was sie alles nicht mehr tun können, wenn wir Gegenmaßnahmen ergreifen. Oder die, die gar nicht zugehört haben, weil sie das Thema nervt, langweilt, oder vermeintlich nichts angeht. Jeder Einzelne von uns muss endlich zuhören und seinen Teil beitragen, auch wenn er noch so klein ist. Und offensichtlich ist ein sterbender Planet für viele nicht Motivation genug.

Julia Zimmermann

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe